Sonntag, 4. Januar 2026

Blood and Sinners


Regie: Ry Coogler

Vampirsaga 1932... 

In Ryan Cooglers aussergewöhnlicher Vampirsaga "Sinners" spielt Michael B. Jordan in einer Doppelrolle die Zwillingsbrüder "The Smokestack Twins": Elijah "Smoke" Moore und Elias "Stack" Moore. Mit einem Einspielergebnis von 366 Millionen Dollar ist "Sinners" ein sehr guter Kassenerfolg geworden. Ryan Coogler ist auch der Regisseur der erfolgreichen Filme "Fruitvale Station", "Creed", "Black Panther" und "Black Panther Wakanda Forever". Ausserdem war er der Produzent des oscargekrönten "Judas and the Black Messiah"  1932 kehren die eineiigen Zwillinge Smoke und Stack Moore (Michael B. Jordan), Veteranen des Ersten Weltkriegs, nach Clarksdale, Mississippi, zurück, nachdem sie jahrelang für die bekannte Mafiafamilie, die Chicago Outfit gearbeitet haben. Mit gestohlenem Geld von Gangstern kaufen sie dem Landbesitzer Hogwood (David Maldonado), einem wahrscheinlichen Boss des Ku Klux Klans, ein Sägewerk, um dort eine Juke Joint für die lokale schwarze Community zu eröffnen. Ihr Cousin Sammie (Miles Caton), ein aufstrebender Gitarrist, schließt sich ihnen an, obwohl sein Vater, Pastor Jedidiah (Saul Williams), vor den Sünden der Bluesmusik gewarnt hat. Die Zwillinge rekrutieren den Pianisten Delta Slim (Delroy Lindo) als Künstler, das chinesische Ladenbesitzerpaar Grace (Li Jun Li) und Bo Chow Yao)(als Lieferanten, den Feldarbeiter Cornbread (Omar Miller) als Türsteher und Smokes Frau Annie (Olwunmi Mosaku) als Köchin. Annie glaubt, dass ihre Hoodoo-Praktiken die Zwillinge beschützt haben, doch Smoke bezweifelt, dass sie den Tod ihrer kleinen Tochter nicht verhindern konnten. Stack trifft zufällig seine weiß aussehende Ex-Freundin Mary (Hailee Steinfeld), die ihm übel nimmt, dass er sie aus Schutzgründen im Stich gelassen hat. Anderswo sucht der aus Irland eingewanderte Vampir Remmick (Jack O´Connell) bei einem verheirateten Klansmen-Paar Schutz vor Choctaw-Vampirjägern und verwandelt sie in Vampire. Am Eröffnungsabend des Lokals treten Sammie, Delta Slim und Pearline (Jayme Lawson) – eine Sängerin, in die sich Sammie verliebt – auf der Bühne auf. Sammies Musik ist transzendent und beschwört unwissentlich Geister aus Vergangenheit und Zukunft in die Menge. Der Auftritt zieht jedoch auch Remmick und seine Vampire an, die Geld und Musik als Gegenleistung für den Eintritt anbieten. Smoke lehnt misstrauisch ab. Aber die Vampire lassen sich nicht so leicht abschütteln...












"Sinners", der in Deutschland den Filmtitel "Blood and Sinners" bekam, hat das Zeug ein echter Kultfilm zu werden. Die Verbindung zwischen Blues und Blutsaugern im ländlichen Amerika hat ein starkes Potential. Ein sehr origineller Horrorfilm, der zunächst das Rassenthema in den USA der 30er Jahre, vornehmlich in einem konservativen Staat wie Mississippi, behandelt. Die Sklaverei ist zwar offiziell abgeschafft worden, aber Diskriminierung gehört immer noch zum Alltag und der Ku-Klux Klan ist recht aktiv. Es ist auch eine Geschichte eines jungen Musikers, der einen vorgegebenen Weg verlassen will und versucht ein Leben als ernstzunehmender Musiker aufzubauen. Coogler lässt sich Zeit für seine Figuren, bevor er es dann im zweiten Teil des Films ordentlich krachen lässt. 









Bewertung: 8 von 10 Punkten.

The Ugly Stepsister


Regie: Emilie Blichfeld

Aschenputtels Stiefschwester...

Die Autorin und Regisseurin Emilie Blichfeldt begann die Entwicklung von „Die hässliche Stiefschwester“ während ihrer Abschlussarbeit an der Norwegischen Filmhochschule. Blichfeldt ließ sich von „Aschenputtel“, der Grimmschen Version des Aschenputtel-Märchens, inspirieren und gestaltete die Figur neu: Sie wird zu einer von Aschenputtels Stiefschwestern, die sich die Zehen abschnitt, um in den gläsernen Schuh zu passen. Das Genre des Body-Horrors war ihr bis zum Ansehen von David Cronenbergs Film „Crash“ (1996) im Jahr 2015 unbekannt. Daraufhin tauchte sie tief in Cronenbergs Werk ein und entdeckte die Filmografien der italienischen Regisseure Dario Argento und Lucio Fulci. Deren Filme sowie Julia Ducournaus „Raw“ (2016) inspirierten sie dazu, Body-Horror in ihrem Film zu verwenden. Das Drehbuch war von Blichfeldts eigenen Erfahrungen mit ihrem Körperbild geprägt. Sie beabsichtigte, damit „sowohl Empathie als auch Unbehagen hervorzurufen und das Publikum dazu anzuregen, über seine Wahrnehmung von Schönheit und sein Verhältnis dazu nachzudenken. In ihrer Jugend sah Blichfeldt regelmäßig die norwegische Synchronfassung des Kultfilms „Drei Haselnüsse für Aschenputtel“, den sie als Einfluss für den zeitlosen, märchenhaften visuellen Stil von ihrem eigenen Film bezeichnete. "Den Stygge Stesøsteren" ist ein satirischer Film, der seine Weltpremiere am 23. Januar 2025 als Eröffnungsfilm der Midnight-Sektion des Sundance Film Festivals feierte. Er wurde außerdem am 16. Februar 2020 im Rahmen der Panorama-Sektion der 75. Internationalen Filmfestspiele Berlin gezeigt. Die Witwe Rebekka (Ane Dahl Torp) hat zwei hässliche Töchter namens Elvira (Lena Myren) und Alma (Flo Fagerli). Sie heiratet den älteren Witwer Otto (Ralph Carlsson), der eine wunderschöne Tochter namens Agnes (Thea Sofie Loch Naess) hat. Später am Abend, während eines gemeinsamen Abendessens mit Rebekka, Otto und ihren drei Töchtern, stirbt Otto plötzlich. Otto und Rebekka hatten geheiratet und ihre Familien zusammengeführt, in der Hoffnung, durch die Ehe des anderen reich zu werden. Doch nun müssen sie feststellen, dass beide mittellos sind. Agnes verhält sich ihrer Stiefmutter und ihren Stiefschwestern gegenüber hochmütig, da diese einen vergleichsweise niedrigen sozialen Status haben. Königliche Herolde verkünden, dass alle adligen jungen Jungfrauen zu einem Ball eingeladen sind, auf dem Prinz Julian (Isac Calmroth) eine Gemahlin wählen wird. Um sie vor der Armut zu bewahren, plant Rebekka, ihre älteste Tochter Elvira mit Julian zu verheiraten. Während Elvira von der Heirat mit dem Prinzen träumt, weiß Rebekka, dass ihre Tochter hässlich ist. Um ihre Chancen bei dem Prinzen zu verbessern, unterzieht Rebekka Elvira einer Reihe primitiver und schmerzhafter Schönheitsoperationen. Elvira muss zusammen mit Agnes einen Schönheitskurs besuchen. Während des Tanzunterrichts darf Agnes vorne bei den hübschen Mädchen stehen, während Elvira mit den weniger attraktiven Mädchen nach hinten verbannt wird. Dieser Druck lässt Elviras anfängliche Bewunderung für ihre Stiefschwester in Groll umschlagen. Eines Tages gibt eine der Lehrerinnen Elvira ein Bandwurmei zum Abnehmen. Agnes tadelt ihre Stiefmutter, weil sie das restliche Geld für Elviras Schönheit ausgibt, anstatt die Beerdigung ihres Vaters zu bezahlen, dessen verwesender Leichnam in einem verlassenen Zimmer des Hauses liegt. Als Elvira Prinz Julian zufällig im Wald begegnet, verspottet er sie wegen ihrer Hässlichkeit und entpuppt sich als oberflächlicher Frauenheld. Elvira hält jedoch an ihrem Glauben fest, dass er ein guter Mann ist. Eines Nachts entdeckt Elvira Agnes beim Sex mit Isak (Malte Myrenberg Gardiner), einem Stallburschen, und erzählt es Rebekka. Angewidert wirft Rebekka Isak hinaus und macht Agnes zur Magd. Die Familie nennt sie fortan Aschenputtel. Je näher der königliche Ball rückt, desto mehr verhungert Elvira und ihr fallen aufgrund eines Bandwurmbefalls büschelweise die Haare aus. Alma bekommt ihre erste Menstruation, verschweigt es ihrer Mutter aber aus Angst, dasselbe Leid wie Elvira zu erleiden. Rebekka lässt Agnes außerdem von der Mädchenschule nehmen, sodass niemand mehr die Hauptrolle im Schultanz auf dem Ball übernehmen kann. Aufgrund ihres veränderten Aussehens nach Gewichtsverlust und Schönheitsoperationen erhält Elvira die Rolle. Bei einer Kleideranprobe mit ihrer Mutter schenkt der Verkäufer Elvira ein prächtiges Ballkleid und eine blonde Perücke, um ihren Haarausfall zu kaschieren. Er bemerkt Agnes' Schönheit und macht ihr unangemessene Avancen. Später sieht Elvira Agnes mit einem Ballkleid, das Agnes' verstorbener Mutter gehörte, und zerstört es wütend. Agnes weint über dem Leichnam ihres Vaters. Sie hat eine Vision ihrer Mutter, die ihr ein wunderschönes Paar Schuhe schenkt und sie warnt, dass sich die Kutsche bis Mitternacht wieder in einen Kürbis verwandeln wird. Seidenraupen auf dem Körper ihres Vaters flicken Agnes' zerrissenes Kleid. Auf dem Ball erregt Elvira Prinz Julians Interesse, doch seine Aufmerksamkeit wird schnell von der verschleierten Agnes abgelenkt, die zu spät kommt....









Ein beeindruckender Film, der von Kameramann Marcel Zyskind hervorragend bebildert wurde. Der Horror des Films wirkt nachhaltig, weil er sich subtil immer mehr zu steigern weiß - bis zum Höhepunkt der Selbstverstümmelung, die aber völlig umsonst ist. Die Filmmusik komponierten die norwegische Songwriterin Vilde Tuv und der norwegische Singer-Songwriter Kaada. Bereits Tuvs Album "Melting Songs" habe das Romantische im Film perfekt eingefangen.










Bewertung: 9 von 10 Punkten. 







Sirat
























Regie: Oliver Laxe

In den Bergen von Marocco...

"Sirat" ist ein erschütterndes Roadmovie von Oliver Laxe und eine spanisch-französische Coproduktion, die als spanischer Beitrag für die Kategorie "Bester internationaler Film" ins Rennen ging und neun Nomierungen für den Europäischen Filmpreis bekam: Bester europäischer Film, beste Regie, bestes Drehbuch, bester Darsteller Sergi Lopez, beste Castingregie, beste Kamera Mauro Herce, bester Ton, bester Schnitt und bester Szenenbild.  Regisseur Óliver Laxe schrieb gemeinsam mit Santiago Fillol  auch das Drehbuch schrieb. Der Film erzählt die Geschichte eines Vaters (Sergi López), der sich zusammen mit seinem Sohn und einer Gruppe von Ravern in der Wüste Südmarokkos auf die Suche nach seiner vermissten Tochter begibt. Sirāt feierte seine Weltpremiere am 15. Mai 2025 im Hauptwettbewerb der 78. Filmfestspiele von Cannes, wo er gemeinsam mit den deutschen Film "In die Sonne schauen" von Mascha Schilinski den Jurypreis gewann. Luis reist mit seinem Sohn Esteban (Bruno Nunez) zu einer Rave-Party in der Wüste Südmarokkos, um seine vermisste Tochter Mar zu suchen. Eine Gruppe anderer Raver erzählt ihnen, dass im Anschluss eine weitere Party tiefer in der Wüste stattfindet und Mar dort sein könnte. Als Soldaten eintreffen, um die Party zu beenden und die Evakuierung der europäischen Raver anzuordnen, flieht die Gruppe in zwei Vans. Luis, Esteban und ihr Hund Pipa folgen ihnen in ihrem Kleinwagen. Im Radio wird von einem bewaffneten Konflikt zwischen zwei Länder berichtet, der sich bald zu einem Ereignis wie im Dritten Weltkrieg ausweitet. Die Raver – Stef (Stefania Gadda), Jade (Jade Oukid), Tonin (Tonin Janvier), Bigui (Richard Ballamy) und Josh (Joshua L. Henderson) – versuchen vergeblich, Luis und Esteban umzustimmen. Auf ihrer Fahrt Richtung Süden, in die Nähe von Mauretanien, erleben sie einige Pannen und wachsen enger zusammen. Sie teilen Essen und Benzin, durchqueren gemeinsam einen Fluss in ihren Fahrzeugen, pflegen Pipa gesund, nachdem dieser die mit LSD verseuchten Fäkalien der Raver gefressen hat, und Tonin gibt ein Musikstück zum Besten, während er mit seinem Beinstumpf ein Puppentheater improvisiert. Bei der Überquerung eines Gebirgspasses bleibt einer der Vans in einer Spurrille stecken. Die Gruppe schafft es, das Fahrzeug zu befreien, doch inmitten ihrer Feierlichkeiten rollt Luis' Van mit Esteban und Pipa an Bord rückwärts eine Klippe hinunter, wobei beide ums Leben kommen. Und er wird nicht der Einzige sein, der auf dem Trip durch die Wüste mit dem Leben bezahlt...








Vergleiche mit "Lohn der Angst" oder "Atemlos vor Angst" wurden gezogen - tatsächlich gibt es viele Gemeinsamkeiten, sowohl von den Voraussetzungen, die überwunden werden müssen, als auch von den Konsequenzen, die eine gefährliche Reise mit sich bringt. Der Inszenierungstil ist radikal und hypnotisch. 
 Neben Sergi López und Bruno Núñez waren die Hauptdarsteller keine professionellen Schauspieler. Sie wurden stattdessen im Rahmen eines Straßencastings unter der Leitung der Kostümbildnerin Nadia Acimi, einer ehemaligen Partnerin von Laxe und selbst Raverin, ausgewählt. Jade Oukid, eine französische Fotografin, Amateurfilmerin und Schneiderin, wurde auf einem Festival in Portugal entdeckt. Tonin Janvier, ein französischer Straßenkünstler, verbrachte einen Großteil seines Lebens in Westafrika und verlor bei einem Motorradunfall ein Bein. Stefania Gadda, eine italienische Rancherin, die autark lebt, wurde auf Empfehlung von Anwohnern in der spanischen Stadt Órgiva gefunden.
Es ist alles andere als ein Gute Laune Film, diese bizarre Reise der Menschen und ihrer Psyche, ein bisschen offeriert der Regisseur dem Zuschauer sogar ein Endzeitszenario ala "Mad Max". Neben schockierenden Paukenschlägen endet die Reise in einer seltsam melancholischen Stimmung. Die Rave Tanzveranstaltung ist gut gewählt, denn der extatische Tanz steht für die Flucht aus der Realität, die aber nach der Veranstaltung mit absoluter Härte zuschlägt. Ein Erlebnisfilm über den Menschen und die Welt, das Kollektiv und das Individuum, das Sein und das Nichts, Radikalität und Universalität, das Intime und das Kosmische. 









Bewertung: 9 von 10 Punkten.