Sonntag, 31. Juli 2022

A Girl walks home alone at night


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Ana Lily Amirpour

Die Frau im Tschador...

Mit vielen Verweisen auf das klassische Kino ist der in schwarz-weiß gedrehte Vampirfilm "A Girl walks home alone at night" der Iranerin Ana Lily Amirpour ausgestattet. Arash, der junge Held des Films, erinnert mit seinen Posen an James Dean. Er ist der stolze Fahrer eines 1957er Ford Thunderbird. Seine Bekanntschaft, die geheimnisvolle junge Frau, trägt einen quergestreiften Pullover und erinnert viele Cineasten an Jean Sebergs Rolle als Patricia in "Außer Atem".
Die Regisseurin nennt ihren Film einen "feministischen Vampirfilm" - tatsächlich sind die Geschlechterrollen auch interessant vertauscht in "Bad City",  wo die Handlung spielt. Das Mädchen, dass sich eigentlich fürchten müsste, wenn sie nachts alleine nach Hause läuft ist eine Täterin. Und die Männer, die ihr nachts begegnen, sind die potentiellen Opfer.
Ana Lily Amirpour wurde in England geboren und wuchs in den Vereingitren Staaten auf. Vor ihrem nun vorliegenden Spielfilmdebüt drehtes sie eine Reihe von Kurzfilmen. Die Story selbst beruht auf einer Graphic Novel von Amirpour - auch dort taucht der weibliche iranische Vampir im Tschador auf, der mit einem Skateboard durch die dunkle Nacht dieser seltsamen Stadt wandelt.
Gedreht wurde in der kalifornischen Ölstadt Taft, dies alles sorgt für noch mehr morbide Stimmung durch die Location. Diese Tiefpumpen und eine nur nachts gezeigte Industrieanlage prägen einen Teil der Atmosphäre dieses Films. Amirpour wählte einen sehr langsamen Erzählstil mit sparsamen Dialogen. Oft kommt der Soundtrack zum Einsatz. Es ist manchmal Britpop, dann wieder elektronische Musik und Lieder aus dem Nahen Osten.
Die Handlung ist sehr schnell erzählt: Der junge Arash (Arash Marandi) lebt gemeinsam mit seinem drogensüchtigen Vater Hossein (Marshall Manesh) in dieser üblen Stadt namens Bad City. Sein ganzer Stolz ist sein 57er Ford Thunderbird, doch er muss den Wagen an den Dealer Saeed (Dominic Rains) abgeben, weil der Vater immense Schulden bei ihm hat. Er bringt eine Katze mit nach Hause, die herrenlos scheint. Ebenfalls in Bad City lebt ein Straßenjunge (Milad Eghbali), eine Prostituierte (Mozhan Marno) und weitere komische und seltsame Vögel. In diese kleine Welt tritt auch diese mysteriöse junge Frau im Tschador (Sheila Vand) ein.
Diese Frau hat ein dunkles Geheimnis: Sie ist ein gefährlicher menschenmordender Vampir. Ihre Lieblingsopfer sind kriminelle und drogensüchtige Männer. Eines Nachts trifft sie auf den Straßen auf den dort cruisenden Saeed. Dieser nimmt die Fremde mit sich nach Hause. Ein folgenschwerer Fehler. In dieser Nacht treffen aber auch Arash und die geheimnisvolle Frau aufeinander...


 Der Film erzählt in poetischer Weise von dieser ungleichen Freundschaft. Als im Laufe des Films Arash ebenfalls zum Dealer wird, ist er dennoch nicht unbedingt in Gefahr von seiner neuen Freudin bebissen zu werden. Vieles wird in diesem sehr schön bebilderten Vampirstreifen (Kamera: Lyle Vincent) nur angedeutet, der Zuschauer soll sich einen Reim darauf machen. So spricht die schweigsame Täterin vor allem mit der Prostituierten. Sie gibt ihr Ratschläge und den Tipp mit auf den Weg, dass sie sich wieder darauf besinnen soll, was sie selbst gerne möchte. Auch der Straßenjunge bleibt verschont, aber sie ermahnt ihn, dass er "gut" durchs Leben gehen soll.
Der Filmemacherin ist ein sehr ungewöhnlicher Film gelungen, der in seinen besten Szenen durchaus das Potential hat den Zuschauer zu faszinieren. Das große Plus des Films sind aber die Gesichter der unverbrauchten neuen Stars Sheila Vand und Arash Marandi.
Kritiker verglichen die Machart von "A Girls walks home alone at night" mit den Filmen von Aki Kaurismäki oder Jim Jarmush. Auch den typischen Quentin Tarantino Style wollten einige Filmliebhaber darin erkennen.


Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

 

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