Montag, 29. Januar 2018

Mother







































Regie: Bong Joon-Ho

Mutter ist die Beste...

Wie in Trance bewegt sich eine ältere Frau über ein Feld. Ihre Haare wehen etwas unordentlich im Wind. Die Frau wirkt etwas wirr und entrückt, aber ihr Gesichtsausdruck scheint seltsam glücklich. Sie summt vor sich hin, scheint sich beinahe tanzend zu bewegen, ein Mensch im Einklang mit der Umwelt ?
Eher nicht, denn die ältere Frau lebt eher isoliert von ihrer Aussenwelt.
Yun Hye-Ja (Kim Hye-Ja) heisst sie und ist alleinerziehende Mutter, die zusammen mit ihrem etwas debilen Sohn Do-Jun (Won Bi) lebt,  Getreide verkauft und zudem die Leute ihrer Ortschaft mit Akupunktur behandelt, ohne dafür eine Lizenz zu haben. Der Sohn ist bereits 29, recht hübsch, aber durch seine leichte Behinderung ein Aussenseiter, der auch wegen seiner leichten Behinderung keine Freundin hat.
Lediglich der geldversessene Frauenheld und Möchtegerngangter  Jin-tae (Jin Ku) ist eine Art Kumpel. Dieser zieht mit Do-Jun manchmal um die Häuser, der Kontakt wird aber von der fürsorglichen Mama mit Argusaugen betrachtet.
Yun Hye-Ja meint, dass der Kumpel vom Sohn ein schlechter Umgang für ihn ist.
Tatsächlich gibts immer mal wieder Ärger. Als Do-Jun von einem zu schnell fahrenden Auto fast erfasst wird, gehen die beiden jungen Männer dem Fahrerflüchtigen nach und erkennen den Wagen auf einem Golfplatz. Dort wird schnell mal der Spiegel des teuren Wagens demoliert und Mama muss Sohnemann bei der Polizei abholen.
Doch es kommt noch dicker. Tage später wird Do-Jun verhaftet. Er soll ein junges Schulmädchen ermordet haben.
Tatsächlich kann sich Do-Jun erinnern, dass er im betrunkenen Zustand diesem Mädchen nachlief, versucht sie in diesem kleinen Gässchen anzumachen, das Mädchen reagiert aber abweisend und Do-Jun rennt davon. Am nächsten Tag ist aber dieses Schulmädchen tot, ein Golfball neben dem Opfer wird gefunden und so wird der behinderte junge Mann zum Hauptverdächtigen. Die Polizei hat auch schnell ein Geständnis durch subtile Drohung des "Dorfdeppen".
Problematisch ist tatsächlich das Erinnerungsvermögen von Do-Jun, der sich nur unter großer Anstrengungen erinnern kann und durch seine Behinderung generell massive Gedächtnislücken hat.
Die Mutter weiss natürlich, dass ihr Sohn keiner Fliege was zuleide tut und gibt sich nicht mit der abgeschlossenen Ermittlung der Polizei zufrieden. Sie macht sich auf in Eigenregie zu ermitteln...




Bong Joon-Ho ist einer der interessantesten Filmemacher Südkoreas. Auf sein Konto geht das verstörende Meisterwerk "Memories of a Murder", wo es um die Jagd nach einem Serienkiller geht und in dem der Regisseur auch die sehr fragwürdigen und gewalttätigen Ermittlung-Methoden der Polizei offenlegt. In "Mother" setzt sich diese Thematik wieder fort.
Nebenbei schafft er es die Charakterstudie einer besorgten Frau zu zeigen, die einerseits sozial isoliert erscheint und andererseits noch zusätzlich am Rande der Selbstzerstörung agiert.
Für Spannung sorgt ein guter Suspenceanteil, der sogar einen Hitchcockfilm zitiert, den ich jetzt nicht nennen will, da ansonsten die Auflösung vielleicht verraten werden könnte.
Auch ansonsten klingt öfters die abgründige Phantasie vom Master of Suspence an.
Der Film ist durchgehend glaubwürdig, unterhaltsam und spannend komponiert. Darüberhinaus hat Bong Joon-Ho einen großartigen Sinn fürs Visuelle, dies ermöglicht natürlich die Entfaltung einer enormen Wirkung. großen Anteil daran hat die Kamera-Arbeit von Hong Kyung-pyo.



Bewertung: 10 von 10 Punkten.

I saw the Devil







































Regie: Kim Jee-woon

Perverses Duell...

Joo-yun (San Ha-Oh), die schwangere Verlobte des Polizisten Kim Soo-hyeon (Byung-Hun-Lee) und Tochter des Polizeichefs (Jeon Kuk-hwan) hat Nachts im winterlichen Korea eine Reifepanne und wartet frierend im Auto auf die Pannehilfe. Ein kleiner, gelber Schulbus fährt vorbei und hält an. Der Fahrer Kyung-Chul (Min-Sik Choi) macht auf die Frau einen sonderbaren Eindruck, aber der Fremde will ihr helfen den Reifen zu wechseln, da die Pannenhilfe eh noch Stunden brauchen würde, um einzutreffen. Sie ist aber sehr froh, als der aufdringliche Fremde wieder in sein Auto steigt, doch der Wagen fährt nicht weiter. Einige Sekunden später wird sie das Abblendlicht des Wagens einschalten, um besser sehen zu können, was draussen geschieht, dies wird aber diese furchterregende Sekunde sein, mit der der Mann mit einer Hammer wie verrückt die Fenster ihres Autos einschlägt. Joo-yun befindet sich nun in der Gewalt eines Serienkillers, dem die Polizei schon länger auf den Fersen ist, weil der Mann auch eine einschlägige Vorstrafenakte hat, aber gefasst werden konnte er bisher nie. Die junge Frau bittet um ihr Leben, doch der Psychopath kennt kein Erbarmen und Joo-yun erleidet einen qualvollen Tod.
Sowohl Vater als auch ihr Verlobter werden einige Tage später völlig traumatisiert sein, denn nachdem ein kleiner Junge bereits ein abgeschnittes Ohr nähe des Flusses gefunden hat, wird die Suchmannschaft kurze Zeit später den Kopf der Toten im Wasser finden.
Kim Soo-hyen lässt sich 2 Wochen beurlauben, aber nicht um die Tat zu verarbeiten, sondern er will in diesen 2 Wochen den Täter ausfindig machen und ihm die gleichen Schmerzen und  Qualen zufügen, die seine Geliebte erfahren hat.
Dabei geht der Polizist extrem skrupellos vor, vom derzeit beurlaubten Polizeichef erhält er Akten von vier sehr verdächtigen Männern, bei denen bereits Ermittlungen laufen. Zwei schlägt Kim Soo-hyen krankenhausreif und bei der heimlichen Durchsuchung der Wohnung des dritten Kandidaten findet er den Verlobungsring. Doch anstatt den Täter zu überführen oder die Rache zu vollziehen, beginnt er ein perverses Katz- und Mausspiel mit dem Serienkiller. Kim Soo-hyen will seine Rachegelüste in die Länge ziehen und diese regelrecht auskosten...




Regisseur Jee-woon Kim hat sich bereits in mehreren Genres versucht und unter anderem 2003 den großartigen Geisterfilm "A tale of two sisters" realisiert.  Es folgte 2008 der MartialArts-Comedy-Western "The good, the bad, the weird".
Mit "I saw the Devil" gelang ihm ein furioser und äusserst brutaler Serienkillerfilm, der zwar sehr zwiespältig wirkt - aber den Zuschauer mit seiner Wucht extrem packen kann.
Als Genrefilm ist "I saw the Devil" äusserst gut gelungen und man darf sicherlich Wetten darauf abschliessen, dass bald ein glatteres US-Remake erfolgreich in den Kinos laufen wird.
Überhaupt kommen aus Korea sehr interessante Thriller im Serienkiller-Genre, "I saw the Devil" steht in guter Tradition mit weiteren Filmperlen wie "Memories of a Murder" oder "The Chaser"





Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Der andalusische Hund







































Regie: Luis Bunuel

Surreales Bilderrätsel....

Das Regiedebüt von Luis Bunuel war eine Gemeinschaftsarbeit mit seinem Freund Salvador Dali und dauert nur 16 Minuten. Einer der ganz wenigen Kurzfilme, die enormen Einfluß auf das Kino hatten und sich vor allem mit einem Bild in das Unterbewusstsein gegraben hat. Im Prolog schärft ein Mann (Pierre Batcheff) sein Rasiermesser - dann ein kurzer Blick aus dem Fenster: Eine Wolke zieht vor dem Vollmond vorbei - eine Frau (Simone Mareuil) sitzt auf einem Stuhl. Der Mann schneidet ihr dann mit einem Rasiermesser durchs Auge. Dieser aufgeschlitze Augapfel. Das Auge aus der berüchtigten Rasiermesserszene stammt laut Luis Bunuel von einem toten Kalb. Wenn ich mich recht erinnere, hat Pier Paolo Pasolini in seinem Skandalfilm "Salo - die 120 Tage von Sodom" eine ähnliche Szene gezeigt.
Vor dem Film erscheint ein Text auf der Leinwand: "Jedes Bild, jeder Gedanke, der in den Mitarbeitern aufstieg, wurde sofort wieder verworfen, wenn er aus der Erinnerung oder aus ihrem Kulturmilieu stammte oder wenn er auch nur eine bewußte Assoziation mit einem früheren Gedanken hatte. Bunuel und Dali wollten nur Bilder, die auch bei gründlichsten Untersuchungen keine Erklärungsmöglichkeiten mehr anbieten konnten. Moral und Vernunft sollen dadurch aufgehoben werden. Es herrscht das irrationale und surreale Geheimnis. Ein Inhalt kann daher auch nicht richtig beschrieben werden. Die 16 Minuten sind in vier Zwischentitel unterteilt:
1. Acht Jahre später
2. Gegen drei Uhr morgens
3. Vor 16 Jahren
4. Im Frühling
...dort ist das Liebespaar am Ende dann bis zur Brust im Sand eingegraben.
"Ein andalusischer Hund" war er erste surrealistische Kinoerfolg. Bunuel wollte natürlich durch die Art der Erzählung den bürgerlichen Zuschauer irrietieren und erschrecken. Bis heute ist der Einfluss des Surrealismus im  Film präsent. Neben diesem 16 minütigem Bilderrätsel gilt vor allem die ein Jahr später enstandene weitere Zusammenarbeit "Das goldene Zeitalter" von Bunuel und Dali als bedeutendster Filmbeitrag des Surrealismus. Ähnliche Motive finden sich aber im Spätwerk von Bunuel (Die Milchstraße, Der diskrete Charme der Bourgeouisie) oder bei den Werken der Regisseure David Lynch, David Cronenberg, Gaspar Noe oder in einigen Werken der Japaner Sion Sono und Takashi Miike.




Bunuel und Dali kannten sich bereits seit ihrer Studienzeit in den 20ern. Bei einem Treffen erzählten sie sich gegenseitig zwei ihrer Träume. Bunuel träumte von einer langgezogenen Wolke und einem Vollmond und einer Rasierklinge, die ein Auge zerschnitt. Dali sah in seinem Traum eine Hand, die voll mit Ameisen war. Bekannt wurde auch die Szene, indem ein Mann ein Mädchen verfolgt und in einem Zimmer plötzlich zwei Seile ergreift. An diesen Seilen hängen Korkplatten, Melonen, zwei Geistliche und zwei Konzertflügel, auf dem zwei verwesende Eselskadaver liegen.
Aus Angst vor den wütenden Reaktionen des Publikums hatte Buñuel bei der Pariser Premiere des Films seine Taschen vorsorglich mit Steinen gefüllt. Das Premierenpublikum reagierte jedoch überraschend wohlwollend. Sehr entspannt also, was man dann von der Premiere von "Das goldene Zeitalter" nicht mehr sagen konnte.



Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Das goldene Zeitalter







































Regie: Luis Bunuel

Mit voller Absicht ein Skandal herbeigeführt....

Die Premiere des 1930 entstandenen Surrealismus Klassikers "Das goldene Zeitalter" von Luis Bunuel fand im "Studio 28" statt. Diese Gemeinschaftsproduktion mit Salvador Dali fand zuerst vor ausverkauftem Haus statt. Das änderte sich aber schnell. Der Inhalt schockte die bürgerliche Welt. Denn die Einflüsse von Sigmund Freud, Marquis de Sade oder Karl Marx waren schon provozierend und polarisierend genug. Während im "Der analusische Hund" die Tragödie der Begierde eines Menschen steht, hatte "Das goldene Zeitalter" eher den Widerstreit zwischen Liebe und gesellschaftlichem Leben zum Thema. Die Liebe mit all ihrer Sehnsucht und Begierde steht im Kampf mit der bestehenden Gesellschaftsordnung. Die Pfeiler der Gesellschaft wie Religion, Vaterland, Familie oder Kultur erschien wie eine Unmoral, die es zu bekämpfen gilt. Diese Kampfansage der beiden Surrealisten verstanden auch die Feinde - so wurde am 3. Dezember 1930 die Aufführung durch rechtsextreme Gruppen unterbrochen. Sie verwüsteten den Kinosaal und die Leinwand wurde mit Tinte überschüttet. Es kam zu einem Aufführungsverbot, dass 50 Jahre lange den Film verhinderte. Erst 1980 wurde es aufgehoben.
Erzählt wird die Geschichte einer "amour fou" - zwei Liebende wälzen sich voller Wollust im Schlamm. Viele Menschen sind Zuschauer während der feierlichen Grundsteinlegung der ewigen Stadt Rom. Natürlich wird das schamlose Treiben unterbunden, die Liebenden voneinander getrennt. Desweiteren präsentiert Bunuel eine Szene über das Verhalten der Skorpione. Priester werden als vermoderte Skelette gezeigt, nur noch mit den Resten ihrer erzbischöflichen Ornamenten bekleidet. Der Mann, der abgeführt wurde, kann seinen Bewachern entkommen und wirft einen hilflosen Blinden auf der Straße zu Boden. Er geht auf eine Feier, auf der er seine Geliebte wieder trifft. Dort in der guten Gesellschaft nimmt man kaum Notiz davon, dass ein Dienstmädchen bei einem Brand in der Küche Feuer gefangen hat. Auch dass ein Bediensteter des Anwesens seinen kleinen Sohn einfach erschießt, weil dieser ihm Tabak aus der Pfeife gemops hat, wird nur distanziert und kühl beobachtet. Als die Gastgeberin von dem entflohnenen Mann aber geohrfeigt wird, entrüstet sich die gesamte Gesellschaft. Der Schluß des Films ist eine Anspielung auf die "120 Tage von Sodom des Marquis de Sade". Vier Männer verlassen gerade das Schloß, in dem sie 120 Tage lang die größten Ausschweifungen und Perversionen ausgelebt haben. Einer von ihnen sieht dabei noch aus wie Jesus Christus...



das alles war natürlich zur damaligen Zeit ein Schlag ins Gesicht von Bürgern und Christen. Bunuel selbst sagte über seinen frühen Skandalfilm "es war der einzige Film meiner karriere, den ich in einem Zustand von Euphorie, Enthusiasmus und Zerstörungsrausch drehte, ich wollte die Vertreter der Ordnung angreifen und ihre ewigen Prinzipien lächerlich machen". Er wollte einen Skandal absichtlich herbeiführen - mit dieser "Gotteslästerung" ist ihm dies damals auch gelungen. Und ebenfalls sind ihm wieder unvergessliche Kinoszenen gelungen: Die mumifizierten Priester, die Kuh auf dem Bett, die Schauspielerin Lya Lys wie sie lüstern an dem Zeh einer griechischen Adonis-Statue saugt sowie natürlich die Jesus Figur auf der Zugbrücke des Schlosses.



Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Der Student von Prag







































Regie. Stellan Rye

Mein Spiegelbild - an Lucifer verkauft...

Stellan Ryes Spielfilm "Der Student von Prag" entstand 1913 und gilt als erster Autoren- und Kunstfilm der Kinos. Großen Einfluss auf den am 22. August 1913 uraufgeführten Film nahm sicherlich der Schauspieler und Hauptdarsteller Paul Wegener, der auch die Grundidee der Persönlichkeitsspaltung des Studenden Balduin hatte. Der besondere Reiz des beim Max-Reinhard- Ensemble au Deutschen Theater in Berlin engagierten Mimen lag darin, der er eine Rolle verkörpern konnte, die sich auf der Bühne nie realisieren ließ. Mit dieser Doppelrolle gelang es ihm sich mit sich selbst zu konfrontieren. Wegener war sicherlich einer der wenigen Schauspieler, die die interessanten Möglichkeiten des Films bereits sehr deutlich erkennen konnte. Das Motiv des Films stammt aus der romantischen Literatur und findet im Film vor einer düsteren Kulisse in Prag um 1820 eine extrem einflussreiche Umsetzung des Stoffs. "Der Student von Prag" beeinflusste die später entstandenen Horrormeisterwerke der Weimarer Republik wie "Das Kabinett des Dr. Calgari" (1920., Robert Wiene), "Der Golem, wie er in die Welt kam" (19210, Paul Wegener, Carl Boese), "Nosferatu" (1922, Friedrich Wilhelm Murnau) oder Dr. Mabuse (1922, Fritz Lang). Und schon ein Jahr später wird ein weiteres Sagenmotiv für einen deutschen Film adaptiert. "Der Golem", eine Gestalt, das aus einem Lehmkloß zum Leben erweckt wird und als destruktives und einsames Geschöpf von einem Turm gestürzt wird, erneut Paul Wegener für die Titelrolle verpflichtet.
Viele Ähnlichkeiten mit der düsteren alptraumhaften Welt in "Student von Prag" gibt es auch in einer kurzgeschichte von Edgar Allan Poe oder in Goethes "Faust". Großen Anteil am großen Publikumserfolg hatte natürlich auch der Drehbuchautor Hans Heinz Ewers.
Der Student Balduin (Paul Wegener) gilt als bester Fechter der Stadt Prag, aber sein ärmliches Leben langweilt ihn sehr. Er verzweifelt an seinem niedrigen sozialen Stand und nicht mal die Avancen des Zigeunermädchens Lyduschka (Lydia Salmonova) interessieren ihn. Dann lernt er den undurchsichtigen Abenteurer Scapinelli (John Gottowt) kennen, der aus einer Kutsche steigt und ihm einen schnellen Reichtum in Form von 100.000 Gulden verspricht. Dieses Geld wäre gerade jetzt willkommen, weil er die junge Gräfin Margit (Grete Berger) kennenlernte und ihr das Leben retten konnte. Doch mittellos ist da nichts zu machen, zumal die Gräfin auf Wunsch ihres Vaters Graf von Schwarzenberg (Lothar Körner) ihren Vetter Baron Waldis- Schwarzenberg (Fritz Weidemann), den sie nicht liebt, ehelichen soll. So geht Balduin einen Pakt mit dem Scharlatan ein, der ihm diese Geldsumme gibt und dafür nur einen Gegenstand aus der ärmlichen Studentenunterkunft mitnehmen will. Wenn das kein Deal ist. Doch schockiert sieht er zu, wie der gerissene Scapinelli Balduins Spiegelbild aus dem Spiegel holt und es mitnimmt. Er wird auch bald von seinem "anderen Ich“ verfolgt. Seine Absichten, das Herz der Gräfin zu gewinnen werden bald in den Hintergrund treten. Am Ende triumphiert der Satan...



Stellan Rye konnte in diesen Kindertagen des Kinos die Möglichkeiten des Films bereits sehr stark nutzen. Er drehte an originalschauplätzen und setzte einige klasse Tricks als dramaturgisches Mittel ein, um den Grusel zu verstärken. So ist die Szene, in der Scapinelli das Spiegelbild Balduins mit magischer Kraft aus dem Spiegel hervorlockt, auch heute noch beeindruckend. Besonders gut gelungen sind alle Szenen zwischen Balduin und dem Abenteurer Scapinelli. Ein bisschen schwächer sind die Szenen im Haus der Gräfin. hier vermisst man die suggestive Kraft, die der Film in einigen Szenen hat.  Am stärksten beeindruckte mich John Gottowt als teuflischer Verführer. Der in Lehmberg geborene Schauspieler wurde als Jude 1933 mit einem Berufsverbot belegt. 1942 wurde er in der Nähe von Krakau von einem deutschen SS-Offizier erschossen.
1987/1988 fand durch Wilfried Kugel im Auftrag des Filminstituts Düsseldorf die erste Rekonstruktion der deutschen Originalfassung von 1913 statt. Durch weitere entdeckte Kopien ging Kugel 2012/2013 erneut ans Werk und gemeinsam mit dem Filmmuseum München und dem ZDF und Arte wurde eine verbesserte Rekonstruktion erreicht. Die Premiere dieser Fassung des Films fand am 15. Februar 2013 auf der Berlinale statt. Endlich gibt es einen der ersten Klassiker des deutschen Films auch auf einer adäquaten DVD zu sehen.




Bewertung: 8 von 10 Punkten.