Samstag, 19. November 2022

Nur noch 72 Stunden (Madigan)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Don Siegel

Einsatz in Spanish Harlem...

Nach "Coogans großer Bluff" mit Clint Eastwood (1968) drehte Regisseur Don Siegel im gleichen Jahr einen weiteren Copthriller. "Nur noch 72 Stunden" heißt im Original "Madigan" und bezieht sich dort auf die Hauptfigur Dan Madigan, ein New Yorker Polizeibeamter, der mit Leib und Seele seinen Job ausübt. Dan Madigan (Richard Widmark) arbeitet seit langem mit seinem Partner Rocco Bonaro (Harry Guardino) zusammen. Die beiden sind ein eingespieltes Team, kennen die Gesetze der Straße und wechseln sich bei den nicht zimperlichen Verhören immer mal in der Rolle "Bad Cop, goog Cop" ab. Beide gelten als knallharte Polizisten, die äusserst erfolgreich Verbrecher jagen, aber sich nicht immer an die geltenden Rechte und Gesetze halten. Dies missfällt Police Commissioner Anthony X. Russell (Henry Fonda), dem obersten Chef der New Yorker Polizei. Der gilt als unbestechlich und die Methoden seiner Männer missfallen ihm auch sehr.  Der hat aber momentan noch viele andere Probleme. Sein bester Freund, der zweite Mann bei der Polizei Chief Inspector Kane (James Whitmore) ist mit aller Wahrscheinlichkeit nach bestechlich und ein bekannter schwarzer Priester bezichtigt die Polizei rassischer Gewaltausübung gegen seinen Sohn, dem sexueller Mißbrauch vorgeworfen wird. Doch auch Russell hat Geheimnisse, denn er hat eine Beziehung zu einer verheirateten Frau (Susan Clark). Madigans attraktive Frau (Inger Stevens) freut sich auf den morgigen Captains-Ball. Aber daraus wird vermutlich nichts. Denn Madigan und Bonaro haben die Verhaftung von Barney Benesch (Steve Inaht) vermasselt. Der konnte die Dienstwaffen entwenden und flüchten und wird nun als Mörder gesucht. Russell gibt seinen beiden Männern 72 Stunden Zeit den Kriminellen zu fassen. So müssen alle anderen Belange hintenan stehen. Im Großstadtdschungel suchen sie nach Benesch... 




Der Film bietet herrliche Kriminostalgie und erinnert auch an Fernsehkrimis der 70er wie "Straßen von San Francisco" oder "Kojac". Kameramann Russell Metty fängt tolle Bilder einer lebendigen, pülsierenden Metropole ein und setzt auch auf dreckige Locations wie Güterbahnhöfe oder schmuddelige Hinterhöfe und billige Hotelzimmer. Siegel zeigt seine Figuren als fast schon süchtige Großstadtsheriffs, denen das Gehalt nicht das wichtigste ist. Hauptsache man kann Räuber und Gendarm spielen. So ist Dan Madigan auch immer noch Kind und er ist darauf angewiesen, dass seine anspruchsvolle Frau seine Leidenschaft für die Straße mitträgt. So sagt er ihr am Telefon, dass jetzt zuerst der Auftrag erledigt werden muss, alles andere - sogar Essen und Schlafen - sind zur Nebensache geworden. Siegel beschreibt auch einen gefährlichen Nervenkitzel. Denn als die Polizei den Schlupfwinkel von Benesch entdeckt hat und es offensichtlich wird, dass es zum gefährlichen Schußwechsel kommt verzichten beide Cops auf die schützenden kugelsicheren Westen.


 


Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

 

Diebe wie wir


Regie: Robert Altman

Bankräuber ohne Zukunft...

Obwohl Robert Altman mit Filmen wie "The Player" oder "Short Cuts" in den 90ern große Erfolge hatte, waren es vor allem die 70er Jahre in denen seine besten Filme entstanden. Die 1970 entstandene Kriegssatire "Mash" wurde mehrfauch oscarprämiert. Mit "McCabe & Mrs. Miller" drehte er einen der wichtigsten Spätwestern überhaupt. Es folgten Klassiker wie "Der Tod kennt keine Wiederkehr", "California Split", "Nashville" oder "Eine Hochzeit".
Auch sein düsterer Neo Noir "Diebe wie wir" (Originaltitel: Thieves like us) entstand in diesem Jahrzehnt. Es handelt sich dabei um ein Remake des Noirs "They live by night" aus dem Jahr 1948. Dieses Regiedebüt von Nicholas Ray basiert auf dem 1937 erschienenen Roman von Edward Anderson und spielt während der Wirtschaftskrise. In dieser Zeit der großen Depression herrschte große Armut und es war nicht verwunderlich, dass dadurch die Kriminalitätsrate massiv anstieg und viele Outlaws sich auf Überfälle auf Banken spezialisierten. Wer kennt nicht das Gaunerpaar Bonnie Parker und Clyde Barrow oder den charismatischen John Dillinger.
Die Geschichte einer tragischen Liebe spielt im Süden der USA im Depressionsjahr 1937. In Mississippi haben drei Gangster erfolgreich einen Ausbruch aus dem Staatsgefängnis unternommen. T. W. Masefield alias T-Dub (Bert Remsen); Elmo Mobley alias "Chicamaw" (John Schuck) und der junge Bowie Bowers (Keith Carradine), der wegen Mordes verurteilt wurde. Die drei Männer können eine Zeitlang bei einem Verwandten von Chicamaw untertauchen, der eine kleine Autowerkstatt mit einer Tankstelle hat. Dort lernt Bowie die schüchterne Keechie (Shelley Duvall) kennen. Die drei Gangster rauben in der Folgezeit immer wieder erfolgreich Banken aus. Dann kommen die drei bei T-Dubs Schwägerin Mattie (Louise Fletcher) und ihren Kindern unter, darunter ist auch die ältere Tochter Lula (Ann Latham), die bald von T-Dub begehrt wird.
Als Bowie bei einem Autounfall verletzt wird und die Polizei die Papiere von Bowie und Chicamaw überprüfen will, schießt Letzterer auf die beiden Gesetzeshüter, die sterbend auf der Straße liegen bleiben. Nun sind sie zu Staatsfeinden geworden. Chicamaw bringt den verletzten Kumpel zur Tankstelle und taucht dann unter. Bowie wird von Keechie gesund gepflegt und damit beginnt auch eine Romanze. Doch die Liebe zwischen Bowie und Keechie hat nur wenig Chancen auf Morgen. Bowie hat auch nicht die Absicht dem Verbrechen tatsächlich den Rücken zu kehren, wie er seinem Mädchen versprochen hat....






Unter der Regie von Altman entstand ein fesselnder, scharf beobachteter Bericht über eine längst vergangene Zeit und über einige Menschen, die in dieser harten Zeit lebten. Durch sehr viele kleine Szenen erreicht der Film eine gewisse poetische Schönheit. So beispielsweise als Bowie bei seiner ersten Flucht auf einen herrenlosen Hund trifft, mit dem er sofort Freundschaft schließt. Auch die Szenen der Annäherung zwischen Bowie und Keechie sind sehr intensiv gestaltet und zeigen ein kurzes Glück kleiner Leute und deren Träume, die nie in Erfüllung gehen und schon im Vorab zum Scheitern verurteilt sind. Am Ende wird Bowie vor dem Augen seiner jungen Frau erschossen und sein Körper wird von den Rangern achtlos im Schlamm liegen gelassen. Sehr lobenswert die darstellerischen Leistungen von Keith Carradine und der jungen Shelley Duvall.







Bewertung: 9 von 10 Punkten.

 

Eine Hochzeit


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Regie: Robert Altman

Der schönste Tag...

Für Muffin Brenner (Amy Stryker) und Dino Corelli (Desi Arnaz jr.) soll es der schönste Tag im noch jungen Leben sein, die beiden heiraten.
Die Trauungszeremonie leitet der schon reichlich senile Bischof Martin (John Cromwell), daher verzögert sich der Ablauf der gleich stattfindenden Feier etwas.
Diese wird in dem Anwesen der Corellis gefeiert, das große Landhaus im 30er Jahre Stil, nahe des Lake Bluff,  gehört der Patriarchin der Familie Nettie Sloan (Lilian Gish), Mutter von Regina Corelli (Nina von Pallandt), Dinos Mutter.
Deren Mann Luigi, der aus ärmlichen Verhältnissen stammt, hat in diese reiche Familie aus dem Mittleren Westen eingeheiratet.
Bevor der ganze Tross an Limousinen auf dem Anfahrtsweg zu sehen sind, trifft die Rita Billingslay (Geraldine Chaplin), die Leiterin der Hochzeitsfeier, die letzten Vorkehrungen, auch das Sicherheitspersonal - extra für dieses feudale Fest engagiert - hat seine Posten eingenommen.
Reginas Schwestern Clarice (Virginia Vestoff) und Antoinette (Dina Merrill) sind eine der ersten Hochzeitsgäste, sie würden gerne Mom Nettie in ihrem Krankenzimmer besuchen, doch das ist gar nicht so einfach.
Denn in dem Moment als das Haus sich füllt, stirbt die Frau von einer Sekunde auf die andere. Der Arzt Dr. Jules Meecham (Howard Duff) kann nur noch den Tod feststellen, doch die schlechte Nachricht soll an diesem Freudentag keiner der Gäste erfahren.
Muffins Familie ist recht groß. Vater Liam (Paul Dooley), ein neureicher Südstaatler mit irischen Wurzeln ist verheiratet mit Tulip (Carol Burnett) und hat ausser der Braut noch einige andere Kinder, darunter Muffins Schwester Buffy (Mia Farrow), eine leidenschaftliche Nymphomanin....








Robert Altmans Film "Eine Hochzeit" ist ähnlich wie sein Meisterwerk "Nashville" eine kaleidoskopartige Erzählung bzw. Schilderung  einer Hochzeit von der Trauungszeremonie bis zum Ende der Hochzeitsfeier gezeigt wird.
Als großartig funktionierender Ensemblefilm wartet Altman mit 48 handlungstragenden Rollen auf, die aus diesem einen Tag der Feier eine Gesellschaftssatire werden lassen.
Dabei liess Altman so gut wie keine richtig sympathischen Figuren auflaufen, das Zusammentreffen der beiden Familien und deren Familienmitglieder wirkt nur umso grotesker dabei.
Das Szenario wird durch eine gute Portion Ambivalenz niemals langweilig, die satirischen Anteile bewegen sich von subtil bis brutal.
Altman zeigt fast alles was an Klischees und Stereotypen so ein Hochzeitsfest zu bieten hat, die Situationskomik resultiert aus dem Verhalten der Menschen, die zu den Gästen gehören.
Mag sein, dass "MacCabe und Mrs. Miller" oder "Nashville" die besten Filme Altmans sind, der damals bei der Kritik eher enttäuschend aufgenommene "Eine Hochzeit" kommt dieser Genialität dieser Filme aber schon sehr nahe.
Ich mochte ihn schon damals bei seiner Kinoauswertung, jetzt nach über 30 Jahren wieder angeschaut und dabei kaum Abnutzungserscheinungen entdeckt - irgendwie sind diese Feiern zeitlos, weil sie immer noch genauso ablaufen könnten.








Bewertung: 10 von 10 Punkten.

 

Kurz und schmerzlos


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Fatih Akin

Hamburgs Sackgassen...

Fatih Akins Filmdebüt "Kurz und schmerzlos" entstand 1998 und spielt in Hamburg-Altona. Es ist eine Geschichte über Migranten und deren Kindern und vor allem eine Geschichte über Freundschaft. Akins Erstling erinnert nicht nur von der Thematik her etwas an Martin Scorseses "Hexenkessel". Die spannende Mulitkulti Geschichte wirkt überaus realistisch, der Inszenierungsstil ist zurückhaltend bis er am Ende explodiert, denn er führt die drei Hauptfiguren des Films ins Dunkel von Hamburgs Sackgassen und Hinterhöfen ohne Ausweg. Seine Geschichte stellt die Menschen in der Vordergrund, der Regisseur konzentriert sich ganz auf die Schicksale seine drei Helden: Der Türke Gabriel (Mehmet Kurtulus, der Serbe Bobby (Alexandar Jovanovic) und der Grieche Costa (Adam Bousdoukos) sind schon seit ihrer Kindheit miteinander befreundet und alle drei sind in diesem Viertel großgeworden. Die drei Jungs gehen miteinander durch Dick und Dünn. Erwachsen sind alle drei noch nicht, immer wieder haben sie Dummheiten begangen und haben wenig Lust auf geregelte Arbeit. Sie verdienen ihren Lebensunterhalt durch Straftaten. So hat Gabriel gerade eine Gefängnisstrafe verbüßt. Am Tag seiner Entlassung erwartet ihn seine Familie schon vor dem Gefängnistor, denn sein älterer Bruder heiratet an diesem Tag. Gabriels Vater gibt seinem Sohn zuerst mal eine Ohrfeige, bevor er ihn in die Arme nimmt. Und Gabriel hat sich vorgenommen ein bürgerliches Leben einzuschlagen. Er hofft auf einen Job als Taxifahrer, den er auch bekommt. Costa versucht es weiterhin mit Diebstählen, was seiner Freundin Ceyda (Idil Üner) langsam nervt. Ceyda ist Gabriels Schwester und hat heimlich eine Affäre mit einem deutschen Jungen (Marc Hoseman) - einer, der fest im Leben steht und auch später für eine Familie sorgen kann. Bobby hat gesteigerte kriminelle Ambitionen, denn er will bei der albanischen Mafia einsteigen und hat bereits Kontakt mit dem Paten Muhamer (Ralph Herforth) aufgenommen. Er ignoriert die Gefahr dieses Kontaktes und hört auch nicht auf seine Freundin Alice (Regula Grauwiller). In dieser Beziehung kommt es daher immer mehr zum Streit und die junge Frau, die ein Schmuckatelier betreibt, wendet sich in der Folgezeit immer mehr dem aus der Haft entlassenen Gabriel zu. Bei einem Waffendeal, den Bobby für die Albaner ausführen muss, kommt es zur Katastrophe...




Es ist dem Regisseur gelungen die drei Freunde ohne Wertung und moralischen Hintergrund zu beschreiben. Sozusagen eine Geschichte über Migration, über Integration, die das Leben schreibt und wo es keine Kommentare dazu braucht. Seine Protagonisten wirken lebendig und so bleibt der Film bis zum Ende sehr authentisch. Die Ode an das Gangstertum bleibt aus, sondern es entsteht eine bittere und kompromisslose Milieudarstellung mit  sozialem Sprengstoff. Der Film wurde ohne großes Budget realisiert - vielleicht sogar ein Glücksgriff, denn es machte diesen Kleinformatfilm umso intensiver. Nichts wurde hier zum Glück glattgebügelt.





Bewertung: 7,5 von 10 Punkten