Sonntag, 25. März 2018

Schießen Sie auf den Pianisten







































Regie: Francois Truffaut

Charlie, der Mann am Klavier...

Chico Saroyan (Albert Remy) hat drei Brüder und ist ein kleiner Ganove, der sich immer mal wieder mit anderen Gaunern Ärger einhandelt. Jetzt hat zwei seiner Kumpane betrogen, da er deren Anteil kurzerhand mitgehen liess. Die beiden Gangster jagen hinter ihm her, Chico sucht wie schon so oft Schutz bei seinem Bruder Charlie Kohler (Charles Aznavour), der vom Können her völlig unterfordert, in einer Pariser Nachtbar Piano spielt. Eigentlich will Charlie mit den gefährlichen Dummheiten seines Bruders überhaupt nichts zu tun haben, aber Bruder ist nun mal Bruder und so deckt er den Verfolgten. Von seinem Boss, dem Barbesitzer Plyne (Serge Davri) erfährt er dann noch am selben Abend, dass die Kellnerin Lena (Marie Dubois) ein Auge auf ihn geworfen hat. Mit ihr tritt er dann am Feierabend den Heimweg durchs nächtliche Paris an, doch die Gangster lassen nicht locker und verfolgen Charlie und Lena.
Den beiden gelingt es zwar die Gangster abzuschütteln, doch auch Charlies Annährerungsversuche misslingen. Er geht nach Hause, dort wartet sein kleiner Bruder Fido (Richard Kanayan) und auch die Hure Clarisse (Michele Mercier) auf ihn.  Am anderen Morgen geht es aber weiter. Die Gangster haben es jetzt nicht nur auf Chico, sondern auch auf Charlie und den kleinen Fido abgesehen...



Mit sehr ruhiger Hand erzählt Francois Truffaut seine Gangsterballade "Schießen sie auf den Pianisten", der auch durch seine Dialoge sehr locker und cool wirkt. Mich hat sogar die Unterhaltung, die die Gangster im Auto mit Charlie und Lena führen, irgendwie an manche Dialoge aus "Pulp Fiction" erinnert, die Konversation zwischen den Gangstern oder auch von Jägern und Gejagten läuft dort auch ähnlich unkonventionell ab. Hat Tarantino, der ja gerne bei Filmklassikern genial klaut auch etwa Truffauts Film als Inspirationsquelle ?
Der späte Film Noir entstand 1960 und hat vor allem einiges an tragikomischen Elementen zu bieten, das Ende ist allerdings sehr bitter gehalten.
"Schießen sie auf den Pianisten"  wird auch geprägt durch die Kameraarbeit von Raoul Coutard (Z, Außer Atem, Weekend, Braut trug schwarz) und zeigt trotz der Leichtigkeit auch ein düsteres nächliches Paris.
  



Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Der Panther wird gehetzt







































Regie: Claude Sautet

Am Abgrund....

1958 erschien Jose Giovannis Kriminalroman "Classe tous risques", der einige Jahre auch in Deutschland unter dem Titel "Das Ende vor Augen" veröffentlicht wurde. Dieser Roman wurde 1960 von Claude Sautet verfilmt und erinnert stark an die unterkühlten Gangsterkrimis von Jean Pierre Melville. Ausgangspunkt ist der derzeitige Aufenthaltsort des Gangsters Abel Davon (Lino Ventura), der aus Paris stammt und ins Nachbarland Italien flüchten musste. Von seinem Kumpanen wird er "Der Panther" genannt und war mal eine große Nummer in der Unterwelt. Vor zwei Jahren wurde er von einem französischen Gericht in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Er konnte aber noch rechtzeitig in Italien untertauchen und dort mit seiner Frau Therese (Simone France) und den beiden kleinen Söhnen Pierrot (Robert Desnoux) und Daniel (Thierry Lavoye) für einige Zeit ein unauffälliges Leben genießen. Doch nun wird die Luft auch hier in Turin zu heiß, nachdem das Geld aufgebraucht war und Abel mit seinem besten Freund Raymond (Stan Krol) zwei Geldboten auf offener Straßen überfallen haben. Es kommt dabei zum Schußwechsel und zu einer waghalsigen Flucht mit dem Auto und einem von Raymond geführten Motorrad, der voraus fährt - falls irgendwelche unliebsamen Straßensperren die Weiterfahrt behindern sollten. Was auch passiert. Doch mit viel Glück entkommen die beiden Gangster und treffen pünktlich beim vereinbarten Treffpunkt San Remo ein, wo die Ehefrau und die Kinder warten. Mit einem Motorboot geht es weiter, kurzerhand wird der Bootsbesitzer von den beiden Gangstern über Bord ins Meer geworfen (ein Schwimmring dazu) und so treiben die Fünf in die Bucht von Menton. Leider sind gerade franzsösiche Zollbeamte dort auf Patrouille und es kommt zum katastrophalen Schußwechsel mit vier Toten. Die beiden Zöllner werden getötet, aber auch Raymond und Therese gehören zu den Opfern. Alleine schlägt sich Abel mit den beiden traumatisierten Kindern durch - und er versucht Hilfe zu erhalten aus Paris. Er nimt Kontakt mit seinen ehemaligen Kumpanen Riton Vintran (Michel Ardan), Raoul Fargier (Claude Cerval) und Petit Jeannot (Philippe March) auf. Lezterer will helfen, dem sind aber die Hände gebunden, weil er auf Bewährung draussen ist und Paris nicht verlassen darf. Seine beiden anderen Freunde engagieren den loyalen Eric Stark (Jean Paul Belmondo), der Abel mit einem Krankenwagen nach Paris bringen soll. Sie hoffen eigentlich darauf, dass der Wagen unterwegs von der Polizei abgefangen wird. Auf dieser Fahrt lernt Erich die hübsche Anhalterin Liliane (Sandra Milo) kennen, die bis nach Paris mitfährt und auch bemerkt, dass die Geschichte, die ihr Eric erzählt gar nicht stimmen kann. Dennoch gibt sie keinen Tipp der Polizei und will Eric auf jeden Fall wieder sehen. In Paris bemerkt Abel schnell, dass die früheren Freunde ihn am liebsten fallenlassen würden. Er kann aber bei Eric untertauchen. Um die Kinder finanziell zu versorgen, die er bei einem ehemaligen Freund seines Vaters unterbringen konnte, braucht er aber Geld. Da der Hehler Arthur Gibelin (Marcel Dalio) ihm noch Geld schuldet besucht er diesen und zwingt ihm mit vorgehaltener Pistole alles Bargeld herauszugeben...


Nachdem Jacques Becker mit seinem 1954 gedrehten Film Noir "Wenn es Nacht wird in Paris" das Genre national wieder beleben konnte, entstanden in der Folgezeit einige französische Noir Werke, die in Thema und Stil sehr ähnlich waren. Es sind tragische Geschichten über in die Jahre gekommene Einzelgänger aus dem Gangstermilieu. Sie wollen unter die eigene Vergangenheit einen Schlußstrich ziehen, träumen für einen kurzen Moment den bürgerlichen Traum der familären Idylle - aber es bleibt ein Traum, da diese Männer immer zwischen die Fronten geraten. Atmosphärisch dichte Schwarzweißbilder im Zusammenspiel mit einer sehr sachlichen, nüchternen und stellenweise sehr kühlen Inszenierung. Dabei zeigt Sautet seine Hauptfigur auch ausgestattet mit allen menschlich sympathischen Zügen - ein guter Vater, ein guter Ehemann. Aber dies ist eben nur eine Seite dieses brutalen Gangsters Abel, der keine sekunde zögert, wenn er seine Waffe benutzen muss. Im Grunde eine hoffnungslose Geschichte ohne gutes Ende, das merkt man spätestens als der flüchtige Abel vorübergehend in einem billigen Hotel untertauchen kann. Während seine beiden Söhne im Bett schlafen, sitzt er auf dem Stuhl und denkt über diese Situation ohne Ausweg nach. Lino Ventura in einer sehr starken Rolle als Gangster, der alles auf eine Karte setzen muss. Hilfe bekommt er vom jungen Belmondo, aber dieser hat vielleicht noch die Möglichkeit, dass er das Metier wechseln kann. Denn das Mädchen, dass ihn liebt, will auf ihn warten.


Bewertung: 8 von 10 Punkten

Das süße Jenseits

Regie: Atom Egoyan

Trauerarbeit...

Ein Film aus der sehr gelungenen Arthaus Reihe "Die 50 besten guten Filme", somit steht "Das süße Jenseits" in bester Gesellschaft mit "Dead Man", "Smoke", "Pauline am Strand", "Der Eissturm" oder "Before Night falls" - der Schwerpunkt der Reihe ist somit eindeutig das Programmkino. Einer der besten Filme der Reihe liefert der kanadisch-armenische Regisseur Atom Egoyan mit diesem 97er Film über ein katastrophales Busunglück in dem verschneiten kanadischen Örtchen Sam Dent, bei dem 14 Schüler ihr Leben verlieren und nur wenige überleben.
Wer den Film kennt, der wird diesen ruhig fahrenden gelben Bus inmitten einer herrlichen, aber klirrend kalten Winterlandschaft an diesem besagten Morgen mit dem strahlendsten Sonnenschein kaum vergessen.
Die Geschichte erzählt darüberhinaus von Angst, Schuld, Trauerarbeit, Gemeinschaftsgefühl und Verantwortung in dieser schneebedeckten Einöde.
Ein umtriebiger Anwalt (Ian Holm), der selbst grössten Kummer mit seiner drogenabhängigen Tochter hat, taucht in diesem paralysierten Ort auf und versucht eine gemeinsame Schadenersatzklage aller trauernden Eltern zu erreichen....Schlüsselfigur ist die seither an den Rollstuhl gefesselte Nicole (Sarah Polley)....




 
 "Das süße Jenseits" basiert auf dem gleichnamigen Roman von Russell Banks, darin wird auch die Sage des Rattenfängers von Hameln aufgegriffen und den aktuellen Ereignissen gegenüber gestellt: Kinder eines Ortes sterben im Gefolge einer Leitfigur.
Mit dieser Würdigung bei Arthaus kann der sehr bewegende klasse Film hoffentlich ein bisschen mehr aus seinem bisherigen Schattendasein heraustreten. Es ist die bis dato bekannteste Arbeit des Filmemachers Egoyan und selbst die ehrwürdige Academy war derart beeindruckt und angetan, dass es immerhin 1998 zwei Oscarnominierungen dafür gab. Einmal an Egoyan selbst in der Kategorie "Best Director" und die zweite für das "beste adaptierte Drehbuch". Im Zuge der damaligen Titanic Hysterie war aber an einen Sieg leider nicht zu denken.
Der suggestive Soundtrack beinhaltet auch Songs der kanadischen Kultband Tragically Hip, die vor allem über das Kleinstadtleben Kanadas in ihren Texten singt.






Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.

Die Bartholomäusnacht

Regie: Patrice Chereau

1572....

Patrice Chereaus Historienepos "Die Bartholomäusnacht" (Originaltitel: La Reine Margot) entstand 1994 und wurde für die Cesar-Verleihung 1995 mit insgesamt 12 Nominierungen bedacht. Am Ende der Veranstaltungen hatte der Film fünf Preise gewonnen. Drei davon gingen an die Schauspieler Isabelle Adjani, Virna Lisi und Jean-Hugues Anglade, der tatsächlich die besten Momente des Films hat.
Leer ging leider der großartige Soundtrack von Goran Bregovich aus, der auch den Song "Elohi" gesungen von Ofra Haza beisteuerte. Der Regisseur orientierte sich dabei nicht ganz an den realen Tatsachen dieser Pariser Blutnacht, sondern Alexandre Dumas´Roman stand Pate für das opulente Epos. Der Roman beschäftigt sich natürlich nicht nur mit dem Ereignis selbst, sondern er konzentriert sich auf die Personen. Die grandiose Kameraarbeit von Philippe Rousselot (Oscar für "Aus der Mitte entspringt ein Fluß), die ebenfalls mit dem Cesar ausgezeichnet wurde, ist dabei überaus dynamisch - er übernimmt sozusagen die Rolle des Beobachters. Und dieser Beobachter wird Zeuge von Verschwörungen und finsteren Mordplänen der machtbesessenen Königinmutter Katharina von Medici und ihren Kindern.
"Die Bartholomäusnacht" war eine Pogromnacht an den Hugenotten, wie sich die französischen Protestanten nannten, die vom 23. zum 24. August 1572 Paris erschütterte. Dabei zeigten sich die katholischen Täter äusserst brutal und blutrünstig. Ein Zeuge berichtete damals "da setzte überall in Paris ein Gemetzel ein, dass es bald keine Gasse mehr gab, auch die allerkleinste nicht, wo nicht einer den Tod fand und das Blut floss über die Straßen, als habe es stark geregnet". Der Fluß war mit Leichen bedeckt und hatte sich vom Blut schon rot gefärbt.
Dabei fing dieser Tag eigentlich mit einer Versöhnungsgeste an, denn es fand die Hochzeit des Protestanten Heinrich von Navarra (Daniel Auteuil) mit Margaret von Valois (Isabelle Adjani), der Tochter von Catherine de Medici (Virna Lisi) statt. Diese politische Ehe soll den Frieden und die Versöhnung bringen. Aber in der Stadt brodelt es. Die junge Frau wurde zu dieser Vermählung gezwungen, sie liebt ihn nicht und sie hat sowieso unzählige Affären mit anderen Männern. Einer ihrer Liebhaber ist der Herzog von Guise (Miguel Bose). Man sagt ihr aber auch nach, dass sie auch mit ihren Brüdern König Karl IX (Jean Hugues Anglade), Henri von Valois, Herzog von Anjou (Pascal Greggory) und Alencon (Julien Rassam) intime Kontakte pflegt.
Gelegentlich streift sie am späten Abend gemeinsam mit Freundin Henriette von Nevers (Dominique Blanc) maskiert durch die Gassen der Stadt und sucht schnelle Männerbekanntschaften. So lernt die sündige Katholikin auch den attraktiven protestantischen Adligen Joseph Boniface de la Mole (Vincent Perez) kennen, der in nach Paris gekommen ist und Gaspard de Coligny (Jean-Claude Brialy), den Anführer der Hugenotten besuchen will. Doch auf den wurde kurz zuvor ein Mordanschlag verübt, den er aber verletzt überlebte. Um einen Aufstand der evangelischen Freunde zuvorzukommen, veranlasst Katharina eine kaltblütige Aktion und befielt den schnellen Angriff auf die Feinde. Die heimliche Herrscherin kann ihren willensschwachen Sohn Karl davon überzeugen, dass die Protestantenführer sofort sterben müssen - auch der neue Schwiegersohn Heinrich. Und so wird in dieser Nacht viel Blut fließen...






Der üppige und sehr lange Film (Kinoversion ca. 135 Minuten, Directors Cut 164 Minuten) bietet mörderische Intrigen und eine Überdosis Inzest. Darüberhinaus viel Blut und auch der Giftmischer (Ulrich Wildgruber) hat viel zu tun, denn ein Aphrodisiakum wird mit Gift angereichert. Hier wird die hübsche Asia Argento, Tochter des bekannten italienischen Regisseurs Dario Argento, getötet und auch Bücher werden mit Gift drapiert - wer "Der Name der Rose" kennt, der kennt diesen perfiden Mordplan, der durch das Befeuchten der Blätter des Buches durch den ahnungslosen Leser, der Opfer sein soll,  vollzogen wird. In "Die Bartholomäusnacht" handelt es sich dabei um ein wertvolles Buch zur Jagd. Und da dieses Buch mit "La Mole" gezeichnet ist, hat der wahre  Meuchelmörder auch schon einen Schuldigen gefunden, der am Ende durch das Beil des Henkers stirbt. Leider stirbt durch den Giftanschlag der Falsche - und so folgt dem König der ehrgeizige Bruder auf dem Thron. So nimmt die Historie wieder ihren Lauf. Der regiert dann bis 1589 das Land und sein Nachfolger wird dann der verhasste Schwager Heinrich von Navarra, der ab 1589 bis 1610 König von Frankreich wird.







Bewertung: 9,5 von 10 Punkten. 

Donnerstag, 15. März 2018

Die letzte Metro







































Regie: Francois Truffaut

Im Theater...

Mit 10 gewonnen Cesars (bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller Depardieu, Beste Hauptdarstellerin Denueve, Bestes Drehbuch, Beste Kamera, Bester Schnitt, Beste Filmmusik, Bestes Szenenbild und bester Ton) war Francois Truffauts Film "Die letzte Metro" der große Abräumer bei der Vergabe des französischen Filmpreises 1981. Ein immenser Erfolg für den Filmemacher kurz vor seinem frühen Tod im Jahr 1984, er drehte danach mit "Die Frau nebenan" und "Auf Liebe und Tod" nur noch zwei weitere Filme. Der Erfolg - auch an der Kasse - verdankte der Film natürlich vor allem seinem Starduo Catherine Denueve und Gerard Depardieu.
Der Film hat eine gewisse Ähnlichkeit zu seinem eigenen "Die amerikanische Nacht". Dort wird über das Filmemachen erzählt, hier in "Die letzte Metro" geht es um die Vorbereitungen zu einem Theaterstück und die Handlung spielt in der Besatzungszeit im zweiten Weltkrieg. Die Franzosen waren damals gezwungen spätestens bis zur letzten fahrenden U-Bahn ihre Arbeiten erledigt zu haben, um nicht gegen die Ausgangssperre zu verstoßen. Kameramann war der legendäre Nestor Almendros, der die opulent ausgestatteten Geschichte mit einer gewissen Künstlichkeit abbildet. Sehr passend zum Theatermilieu und vor allem setzt er die schöne Catherine Denueve stargerecht und edel in Szene.
Tatsächlich spielt sie auch als Marion Steiner eine bekannte Schauspielerin, die allerdings dem Filmgeschäft Adieu sagte und nun für ihren Mann, den Theaterdirektor Lucas Steiner (Heinz Bennent) am Theatre Montmarte die großen Rollen spielt. Steiner ist zwar ein beliebter und anerkannter Künstler, doch er ist Jude und lebt in dieser Zeit in höchster Gefahr. Dies führt dazu, dass er untergetaucht ist und man vermutet ihn bereits im Ausland, doch Steiner hat sich in Wirklichkeit mit Hilfe seiner Frau in einem Kellergewölbe des Theaters versteckt. Er hört dort unten sogar durch einen alten Heizungsschacht die Proben für das von ihm geschriebenen Stück. Offiziell heißt es aber, dass sein langjähriger Mitarbeiter Jean-Loup Cottins (Jean Poiret) das Stück verfasst hat. Für das neue Stück konnte man den begabten Jungschauspieler Bernard Granger (Gerard Depardieu) engagieren, dem die erste Szene des Films gehört. Er baggert dort auf der Straße eine ihm unbekannte Frau (Andrea Ferreol) an, die ihm aber - trotz seines großen Einfallsreichtums und seinem nicht locker lassen - einen Korb gibt. Später treffen sich die beiden wieder - die fremde Frau ist die Szenenbildnerin des Theaters. Während der Probenarbeit passiert so einiges, Lucas macht sogar Anweisungen fürs Stück und gibt sie Marion in der Nacht, wenn sie ihn besucht - so drückt er dem Stück weiterhin seinen eigenen Stempel auf. Der einflussreiche faschistische Kritiker Daxiat (Jean-Louis Richard) schreibt dennoch am Premiereabend eine vernichtende Kritik, dennoch wird das Stück ein Erfolg und Lucas merkt auch, dass sich seine geliebte Frau ein bisschen in den neuen Hauptdarsteller verliebt hat...





Am Ende des Epilogs sieht man dann auch eine glückliche Marion, die beim Schlussapplaus eines neuen Stücks, das nach dem Krieg aufgeführt wird. beide Männer - Bernard und Lucas - an der Hand fasst. Eine Metapher für die Versöhnung zwischen Verfolgtem, dem Widerstandskämpfer (Bernard entscheidet sich nach der Premiere für die Resistance zu kämpfen) und denen, die sich arrangierten - wie Marion. Truffaut Film balanciert zwischen Melodram und Liebe und dem Zeitbild. Der Ort dafür ist die künstlich wirkende Welt des Theaters, was das Ganze einfach umwerfend doppelbödig macht  - passend vielleicht zur Schizophrenie jener Zeit. Auch mit einigen Verstärkern wird das Zeitgefühl von Truffaut wieder ins Gedächtnis gebracht. Alte Lieder hört man aus den Häusern und auch der Schwarzmarkt blüht zu dieser Zeit. Wie immer bei Truffaut herrscht eine gewisse heiter-besinnliche Atmosphäre, die dem Zuschauer viel Raum lässt für eigene Beobachtungen, auch wird das Verhältnis bzw. Diskrepanz zwischen Politik und Kultur deutlich sichtbar. 






Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.