Freitag, 12. Januar 2018

Haie der Großstadt







































Regie: Robert Rossen

Die Geschichte von Fast Eddie...

1951 wurde Robert Rossen, der zwei Jahre zuvor mit "Der Mann, der herrschen wollte" den Oscar gewann,  im Zuge der Überprüfung der politischen Gesinnung von Filmschaffenden vor dem Komitee für unamerikanische Umtriebe als Kommunist denunziert. Daraufhin kündigte Columbia Pictures die Zusammenarbeit auf. Dies führte zu einem Karriereknick, erst 1961 gelang ihm ein gleichwertiger Erfolg mit "The Hustler".
Insgesamt ist die Filmographie von Robert Rossen recht kurz - zwischen seinen beiden Oscar-Erfolgen drehte er lediglich eine Handvoll Filme wie "Alexander der Große", "Heiße Erde" oder "Sie kamen nach Cordura"
"Haie der Großstadt" heißt im Original "The Hustler" und erzählt die Geschichte des begnadeten Pool Billiard Spieler Eddie Felson (Paul Newman), der von allen nur "Fast Eddie" genannt wird und mit seinem älteren Partner Charlie Burns (Myron McCormick) in den Spielhallen immer mal wieder gut absahnt. Dabei sind die beiden ein eingespieltes Team, der Zusammenhalt geht aber eher vom väterlichen Freund Charlie aus. Eddie selbst ist eher egoistisch und ganz auf das Spielen konzentriert. Mit einigen Tricks und viel Understatement und unbedarften Spielern, die auf das Duo hereinfallen, verdienen die beiden Männer so viel Geld, dass sie gut leben können. Die beiden sind "Hustlers", die mit professionellem Täuschen irgendwann sehr hohe Summen ins Spiel bringen.
Die Kunst darin besteht, dass die späteren Opfer das Geld gerne verwetten, weil sie glauben, dass sie auf den sicheren Gewinner setzen. Moralisch ist das fragwürdig - bringt aber viel Kohle ein.
Das Geschäft ist eben ein Haifischbecken, aber für Eddie ist Geld nicht alles - er stärkt sein Ich mit den Siegen.
Sein sehnlichster Wunsch ist ein Spiel mit dem legendären Minnesota Fats (Jackie Gleason), der als bester Spieler des Landes gilt.
Tatsächlich kommt dieses Spiel zustande und am Anfang sieht es so aus, als önnte Eddie den dicken wie arroganten Billiardgott schlagen. Doch die Zeit spielt gegen ihn, Eddie kann auch nicht genug bekommen und will immer mehr -ausserdem macht der Whisky ihn sehr müde.
Tatsächlich legt der Kontrahent einen phänomenalen Schlußspurt hin, Eddies bisher gewonnenen 18.000 Dollar verringern sich.
Nach 40-stündiger Spielzeit unterliegt er am Ende kläglich und verliert das ganze Geld. Beobachter des Spiels ist der zwielichtige Wetthai Bert Gordon (George C. Scott), der ihm die Niederlage prophezeite, weil er in Eddie den typischen Verliertyp sieht.
Eddie trennt sich von seinem Partner und wandert ziellos durch die Nacht. Er lernt in einer Bar die alkoholkranke, labile, gehbehinderte und etwas depressive Sarah Packard (Piper Laurie) kennen, die seine Geliebte wird.
Beide versuchen eine tragfähige Beziehung zueinander aufzubauen. Allerdings wird diese auf eine harte Probe gestellt durch Eddies Sucht nach dem Spiel. Ausserdem geht er eine geschäftliche Beziehung mit Bert Gordon ein, dem das Mädchen gleich sehr lästig ist...
 



"The Hustler" ist ein fesselnder und packender Spielerfilm, vielleicht sogar der beste dieser Gattung und auf einer Stufe mit Klassikern wie Norman Jewisons glänzendem Pokerepos "Cincinati Kid" mit Steve McQueen, dem Oscarhit "Der Clou",  Scorseses "Casino" oder Robert Altmans "California Split".
Ebenfalls erwähenswert in diesem Genre sind "Last Exit Reno" von Paul Thomas Anderson, "Haus der Spiele" von David Mament oder "Bube, Dame, König, Gras" von Guy Ritchie.
Der deutsche Kameramann Eugen Schüftan erhielt sogar einen Oscar für seine grandiosen Bilder dieser Nächte voller Leben in der Großstadt. Ausserdem wurde das beste Szenenbild von der Academy prämiert. Robert Rossen selbst war als Regisseur und Drehbuchautor nominiert, konnte den Preis aber nicht gewinnen. Genauso wenig wie die vier großartigen Darsteller Paul Newman, George C. Scott, Piper Laurie und Jackie Gleason. In der Oscarnacht 1962 kam keiner an dem George Gershwin Musical "West Side Story" vorbei - die Arbeit von Jerome Robbins und Robert Wise gewann 10 Trophäen. "Haie der Großstadt" erhielt 2 Preise - genauso viel wie "Das Urteil von Nürnberg" und "Frühstück bei Tiffany". 




Bewertung: 8,5 von 10 Punkten.

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