Montag, 29. Januar 2018

Erpressung - Blackmail







































Regie: Alfred Hitchcock

Ein Flirt mit bösen Folgen...

In Sachen Tonfilm waren die Amerikaner Ende der 20er Jahre schon viel weiter als die Europäer. Seit 1927 wurden in den USA immer mehr Tonfilme produziert, aber Europa begann erst 1929 mit ernsthaften Versuchen sich an den neuen gesprochenen Film heranzuwagen. Auch "Blackmail" (Deutscher Titel: Erpessung) von Alfred Hitchock wurde zu seiner Zeit sowohl in einer stummen als auch in einer Tonfilm Version hergestellt. In einer Zeit, in der erst wenige Kinos über eine Abspielmöglichkeit für die Tonspur verfügten, war die Stummfilmversion beim Kinoeinsatz auch die wesentlich populärere Version. Anfangs war "Blackmail" ja auch als Stummfilm geplant und die ersten Szenen kommen sogar auch in der Tonfilmfassung weitestgehend ohne Sprache aus. Hitchock selbst ging also sparsam mit dem Ton um, aber er setzte diese neue Möglichkeit als dramaturgisches Mittel sehr effektiv um. So gibt es eine geniale wie typische Szene, wo ein Schrei zwei Szenen mit einander geschickt verbindet und sehr bekannt ist auch die Szene mit einer geschwätzigen Nachbarin der Famlie White, die unentwegt quasselt und wo Alice White aus dem Gerede immer nur das Wort "Messer" heraushört. Zweifelsohne die Tatwaffe in diesem raffiniiert komponierten Kriminalfilm. Berühmt auch die Verfolgungsjagd im Britischen Museum, in der Hitchcock auch Trickaufnahmen verwendete. Nicht zu vergessen der geniale Cameo-Auftritt des Meisterregisseurs in einem Zug. Er wird dabei von einem rotzfrechen Jungen, der mit seiner Familie auf der Bank nebenan sitzt, geärgert, indem der Junge dem Fahrgast gegenüber den Hut ins Gesicht presst. Hitch guckt böse, der Junge wendet sich wieder seiner Familie zu, die nichts bemerkt hat und kommt in der nächsten Sekunden wieder dem Fremden sehr nahe, man denkt, der Junge wiederholt seinen Spass.
In "Blackmail" hat jeder der Hauptfiguren irgendwie etwas auf dem Kerbholz. Alice Walker (Anny Ondra) beispielsweise - eine hübsche junge Frau, die mit dem aufstrebenden Inspektor Frank Webber (John Longden) so gut wie verlobt ist. Ihre Eltern (Sara Allgood/Charles Patton) haben ein Tabak- und Zeitungsgeschäft im Londoner Stadtteil Chelsea. Die jungen Verliebten haben immer mal wieder Meinungsverschiedenheiten, weil Frank sich beruflich so engagiert zeigt und Alice das Gefühl hat, vernachlässigt zu werden. So flirtet sie auch mal gerne mit anderen Männern und verabredet sich mit dem Maler Crewe (Cyril Richard), der sie am späten Abend noch in seine wohnung einlädt. Doch der will mehr als nur ein Flirt und als er zudringlich wird und sie versucht zu vergewaltigen, ersticht sie ihn aus Notwehr und flieht aus der Wohnung. Ausgerechnet Frank mit dem Mordfall betraut und dann gibt es noch einen Zeugen. Dieser Mr. Tracy (Donald Calthrop), ein kleiner mieser Schurke, sah wie Alice aus der Wohnung kam. Grund genug für ihn aus seinem Wissen Kapital zu schlagen. Doch Frank hat auch kriminelle Energien, wenn es darum geht, seine zukünftige Verlobte zu schützen....



Ich finde ja Hitchcocks frühe englische Filme sehr gut. Allen voran natürlich die beiden Meisterwerke "Die 39 Stufen" und "Eine Dame verschwindet". Aber auch seine anderen Filme dieser Zeit haben den berühmten Hitchcock Touch - eine virtuose Variaton von Spannungselementen, meistens dreht sich die düstere Geschichte um mehr oder weniger unschuldige Verdächtige. Auch Alice kommt ja in diese Bredouille, als sie plötzlich merkt, dass aus einem Flirt ihr Gegenüber plötzlich sexuell aggressiv reagiert. Die Story kennt keinen absoluten Bösewicht - doch ambivalente Figuren, weil keiner völlig schuldlos bleibt. Dies macht "Blackmail" sehr interessant und durchgehend spannend.



 Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

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