Samstag, 27. Januar 2018

Blinde Wut

Regie: Fritz Lang

Lynchjustiz

Mit Meilensteinen aus den Kindertagen des Films "Metropolis", "Dr. Mabuse" oder "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" hat Fritz Lang wahrlich grosse Filmgeschichte geschrieben. Mit der Machtergreifung der Nazis emigrierte Lang zuest nach Frankreich und kurze Zeit später in die USA.
In Hollywood setzte Fritz Lang ab 1936 seine Karriere fort, schaffte es aber insgesamt nicht mehr ganz, an seine großen Erfolge aus Deutschland anzuknüpfen. Anfänglich wurden seine europäisch geprägten Filmideen sogar teilweise auch abgelehnt. Trotzdem findet sich in seinem ersten US-Film "Fury - Blinde Wut" ähnlich wie in "M" die psychische Situation eines vom Mob Gejagten und auch der Mob selbst wird in seiner Struktur exakt beleuchtet, wie sich die Volksseele mehr und mehr, am Anfang scheinbar noch ganz harmlos, hochschaukelt .
Die Vermutung liegt nahe, dass Lang in seinem US-Debüt auch die Zusammenkunft der Massen in Deutschland, durch staatliche Organisation verordnet, im Auge gehabt zu haben.
Darüber hinaus zeigt "Blinde Wut" nicht nur wie zivilisatorische und kulturelle Schranken wie ein Kartenhaus zusammenfallen können, wenn genug emotionale Aufladung durch ein paar Anfeurer gegeben ist. Selbst die Politik und die Medien positionieren sich aus egoistischen Interessen auf der Seite des Lynchkommandos. Die Anfangsidee von Lang einen farbigen Darsteller als Opfer zu besetzen wurde abgelehnt.
Spencer Tracy sozusagen als 2. Wahl des Regisseurs, der aber seine Sache brilliant gestaltet und eine seiner besten Darstellungen seiner langen Filmkarriere abliefert.
Der rechtschaffene Automechaniker Joe Wheeler (Spencer Tracy) ist auf der Fahrt zu seiner Verlobten Katherine (Sylvia Sidney). Seine tagelange Autofahrt wird jäh unterbrochen, weil er aufgrund einer Verwechslung und sehr fragwürdigen Indizien von einem Sheriff festgehalten und verdächtigt wird, einer der Kindesentführer zu sein, über die die Presse seit Tagen berichtet. Man sperrt ihn ins Gefängnis - doch dem Sheriff kommen Zweifel. Nur die wütende Menge in der Kleinstadt hat sich schon formiert und möchte Gerechtigkeit...



Wer sich nicht an der Optik alter s/w Filme stört (ich liebe sie), der wird mit "Blinde Wut" einen erstaunlich beklemmenden und hochaktuellen Film vorfinden, der keinerlei Abnutzungserscheinungen aufweist und heute genauso erschütternd wirkt wie damals, selbst wenn die Studios das Filmende aufgezwungen haben. Das Gesamtbild ist dennoch düster und pessimistisch.
Ich persönlich denke, dass diese US-Arbeiten von Lang sogar filmgeschichtlich etwas unterbewertet ist. Auch die Noirs, die er nach "Blinde Wut" gemacht hat wie "Gehetzt", "Heisses Eisen", "Gefährliche Begegnung" oder "Ministerium der Angst" und viele mehr.




Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen