Samstag, 6. Januar 2018

Das letzte Ufer







































Regie: Stanley Kramer

Am Strand...

Regisseur Stanley Kramer (1913-2001) hatte alle seine Filme (Das Urteil von Nürnberg, Flucht in Ketten, Wer den Wind sät, Das Narrenschiff) auch selbst produziert. Nicht immer zahlte sich dies auch an der Kinokasse aus, was auch auf seinen aussergewöhnlichsten Film "Das letzte Ufer" aus dem Jahr 1959 zutrifft. Er bescherte dem engagierten Filmemacher einen Verlust von 700.000 Dollar - trotz der attraktiven Starbesetzung mit Gregory Peck und Ava Gardner. Damit blieb dem ungewöhnlichen Science Fiction Film zwar der große Erfolg versagt, er konnte aber viel Kritikerlob ernten und hat sich eine immer größer werdende Fangemeinde erobert.
Dabei muss man sich bei "On the Beach" - so der Originaltitel - auf einen dialoglastigen Film einstellen. Es gibt lediglich zwei sehr intensive "Actionszenen": Einmal als das amerikanische Atom U-Boot 623 Sawfish unter dem Kommando des Captains Dwight Lionel Towers (Gregory Peck) bei einer letzten verzweifelten Erkundungsfahrt das ausgestorbene San Francisco erreicht. Einer der Seemänner, der seine Familie, die inzwischen tot ist, in dieser Stadt zurückließ, springt ins Wasser und verlässt somit unerlaubt das Schiff - er hat sich entschlossen seine letzten Tage in seiner Heimatstadt zu verbringen. Ein weitere sehr atmosphärische Sequenz folgt mit der Erkundung im Hafengebiet von San Diego, wo man im entfernten Australien, dem einzigen Fleck auf der Erde, wo noch Menschen exiistieren, ein undefinierbares Morsesignal empfangen hat. Der Soldat hat eine Stunde Zeit dieses Signal ausfindig zu machen...irgendwann entdeckt er in diesem menschenleeren Areal die Ursache: Eine leere Coca-Cola Flasche hat sich in einer Fensterjalousie verfangen und wippte im Wind auf einer Morsetaste. "Das letzte Ufer" spielt in einer vom Entstehungsjahr 1959 ausgehend in einer nahen Zukunft (1964), der Atomkrieg ist vorbei. Die Menschheit hat sich durch Dummheit fast ausgerottet. Nur in Australien haben die wenigen Menschen überlebt, aber die Zeit läuft leider auch hier ab, denn die radioaktive Strahlenbelastung nimmt Täglich zu. Dorthin ist auch Captain Towers mit seinem Schiff gelandet, nach einer langen Odyssee auf dem Meer, während die Bomben fielen. Zurückgelassen hat er die Ehefrau und zwei Kinder, die zuhause waren und die sicherlich tot sind. Dennoch will er diese Tatsache noch nicht so recht wahrhaben. Er lernt in Melbourne die alkoholabhängige Moira (Ava Gardner) kennen, die sich in ihn verliebt.
Bei einer Zusammenkunft von Militär und Wissenschaftlern wird die Möglichkeit diskutiert, dass die Radioaktivität durch Regen oder Schnee aus der Atmosphäre herausgewaschen werden könnte und Australien so von der Strahlung verschont bliebe. Um diese Theorie zu überprüfen, wird die Sawfish noch einmal nach Norden aufbrechen, auch der Morsezeichen wegen. Mit an Bord ist auch der junge Leutnant Holmes (Anthony Perkins), der hofft, dass er noch rechtzeitig heimkommt, um seine Frau Mary (Donna Anderson) und das gemeinsame Baby noch einmal in die Arme schließen zu können. Für alle Fälle hat er schon mal seiner Frau ein paar Tabletten besorgt, die sie mit dem Kind einnehmen soll, wenn die Schmerzen zu stark werden und man dem Horror ein vorzeitiges gnädiges Ende machen möchte. Doch die junge Frau dreht bei dieser Aussprache beinahe durch vor Angst. Ebenfalls an Bord der zynische Wissenschaftler Julian Osborne (Fred Astaire), dessen Wunsch es ist noch einmal erfolgreicher Rennfahrer zu werden, bevor er stirbt...



"Das letzte Ufer" ist weiß Gott kein Wohlfühlfilm und man muss sich darauf einstellen, dass in diesem Plädoyer "Für den Mensch" alle dem Tod geweiht sind. Dies ist eine unwiderrufliche Tatsache und die Dialoge dieser noch Lebenden nehmen den Hauptteil der Handlung ein. Dabei geht jeder ein bisschen anders mit diesen letzten Tagen um. Es kommt noch mal so etwas wie Liebe zustande, aber sie hat eine tragische Komponente, denn es gibt keine Zukunft. Manche flüchten am Ende in die Verheißungen der Religion. So versammeln sich Gläubige unter einem Banner mit der Aufschrift "Es ist noch Zeit, Bruder"....aber wie eine weitere Szene zeigt: Es sind immer weniger Menschen, die in dieser heiligen Messe unter freiem Himmel ihren Sinn suchen. "Das letzte Ufer" ist ein Film, der vielleicht die Erwartungen, die man hat, extrem unterläuft. Er überzeugt durch eine ruhige Machart, die Darsteller spielen sehr glaubwürdig in dieser wahnsinnig gewordenen Weltendzeit.
Das US-Verteidigungsministerium und die US Navy verweigerten dem Projekt Ihre Mitarbeit in diesen Zeiten des Kalten Krieges. Kein Wunder, denn Stanley Kramer lässt ja offen, wer für der Schuldige an diesen nuklearen Schlägen war, die dann die Zivilisation erfolgreich zerstörten. Immerhin gabs zwei Oscar-Nominierungen (Schnitt und Musik) und eine Golden Globe Auszeichnung (Ernest Gold für die beste Filmmusik).


Bewertung: 8,5 von 10 Punkten.

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