Samstag, 13. Januar 2018

Martin

Regie: George A. Romero

Junge Vampire in den 70ern...

Ein Nachtzug auf dem Weg in die Industriestadt Pittsburgh.
Ausgestattet mit Rasierklingen und einer Spritze mit einem Schlafmittel verschafft sich der junge Martin (John Amplas) Zutritt in das Schlafabteil einer Frau. Er betäubt sie, zieht sie aus und schneidet ihr schließlich die Pulsadern auf und trinkt ihr Blut. Martin ist Vampir..zumindest glaubt er ein Vampir zu sein. Er war auf der Fahrt zu seinem neuen Zuhause bei seinem verschrobenen katholischen Cousin Cudar (Lincoln Maazel), der diesen Glauben in Martin noch verstärkt. Cudar ist fest davon überzeugt, dass Martin aufgrund eines alten Familienfluches tatsächlich ein Nosferatu ist, Kruzifix und Knoblauch zur Abwehr sind vorhanden. Pittsburgh ist grau und die Familienkonstellation schwierig...während Martin tatsächlich nach neuen Opfern Ausschau hält, bereitet Cudar einen Exorzismus vor.
Der extrem schüchterne Martin hat keine Freunde, lediglich seine Cousine Christina (Christine Forrest) und eine Kundin des Onkels mindern die Tristesse. Mit der Frau fängt Martin ein ganz normales Verhältnis an, zusätzlich kontaktiert er eine Radioshow und erzählt dort von seinem schwierigen Leben als moderner, depressiver Vampir. Ein sehr wenig bekannter Film vom Zombie-Vater George A.Romero zum Thema Vampirismus. Der Film ist optisch gleich als 70er Movie erkennbar und das ist vielleicht seine einzige wirkliche Schwäche. Die Bilder wirken sehr grau, fast trashig - aber sie passen zur Grundstimmung des Films, der auch die Einsamkeit in solchen Metropolen aufzeigt. Es kommt aber wenig Freude auf.
Möglich das Martin gar kein echter Vampir ist, sondern nur ein extrem introvertierter junger Mann, den von seiner abergläubischen Familie zu einer besonderen Form der Nekrophilie erzogen und getrieben wurde. Er plant seine Taten kaltblütig, bereitet sie intelligent, sorgfältig und analytisch vor, dennoch scheint er ein völlig naiver Mensch zu sein, der in einer wahnbesetzten und lethargischen Umgebung zwanghaft agiert.






Vielleicht verhindert diese etwas trashige 70er Optik, dass "Martin" nicht ganz das grosse Meisterwerk ist, interessant ist der Film aber allemal, wenn auch recht deprimierend und deshalb in keinster Weise ein Mainstream-Horrorfilm wie es Romeros "Zombie" war. Die Entstehung beider Filme liegt zeitlich nicht weit auseinander, Romero bezeichnete den Film als seinen persönlichsten und besten. Etwas erinnert der Film auch an die Frühwerke von Cronenberg.
Tatsächlich gelingt es dem Film spielend neue Facetten im Vampirgenre loszutreten. Neuere Filme zum Thema tun sich da ja um ein Vielfaches schwerer.





Bewertung: 10 von 10 Punkten.

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