Dienstag, 23. Januar 2018

Reise in Italien







































Regie: Roberto Rossellini

Ehekrise...

Aus heutiger Sicht könnte man Roberto Rossellinis "Reise in Italien" aus dem Jahre 1954 als gewisses Bindeglied zwischen den Klassikern des Neorealismus und einem neuen Aufbruch des Kinos, wie er sich vor allem in Frankreich in der Form der "Nouvelle Vague" entwickelte.
Jacques Rivette sah nach diesem Film alle bisherigen Filme anders – sie seien um ein Jahrzehnt gealtert. Dieser Film erzählt von einem Neubeginn und ist selbst einer"  Leider war dem Film zu seiner Entstehungszeit kein großer Erfolg beschieden - es gab wenig Interesse an dem Film und an der Geschichte, die er anbot.
In Deutschland kam der Film als "Liebe ist stärker" in die Kinos und er war nach "Stromboli" und "Europa 51" der dritte Film, den Rossellini mit seiner damaligen Frau Ingrid Bergman drehte.
Erzählt wird die Geschichte von Alex (George Sanders)  - in der deutschen Version "Axel" -  und Katherine Joyce (Ingrid Bergman), einem englischen Ehepaar, dass mittlerweile 8 Jahre miteinander verheiratet ist. Sie sind nach Italien gereist, weil ihr Onkel Homer, der dort lebte, verstorben ist und ihnen eine Villa in der Nähe von Neapel vererbt hat. Alex ist Jurist und extrem engagiert in seinem Beruf. Dies ist einer der Gründe, warum die Ehe in der Krise steckt. Katherine fühlt sich einsam und unglücklich, sie hat sich von ihrem Mann irgendwie auseinandergelebt. Ihm gehts irgendwie genauso. So fahren sie gelangweilt mit ihrem Bentley über die Landstraße. Noch haben sie keinen Sinn für die wunderbare Landschaft, die sie da gerade besuchen, sondern streiten isch. Dabei wirkt Alex schroff und eher sarkastisch. Katherine ist da emotionaler, Erinnerungen kommen hoch - der Erinnerung an einen Freund, der Gedichte schrieb, kommt wieder hoch.
In der Villa angekommen, werden sie von Tony und Natalie Burton (Leslie Daniels, Natalia Ray) empfangen. Das Ehepaar betreute den Onkel und sie empfehlen dem englischen Paar Italien zu genießen. Doch Alex und Katherine sind noch zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Katherine versucht die Gegend selbst ein bisschen zu erkunden, besucht Museen und fährt zum Vesuv. Alex fährt alleine nach Capri zu Freunden, im Laufe der nächsten Tag versucht er mit der attraktiven Maria (Maria Mauban) anzubändeln und nimmt eine Prostituierte (Anna Proclemer) mit ins Auto. Irgendwann sind die beiden soweit, dass sie das Wort "Scheidung" in den Mund nehmen - der Film endet mit dem Besuch in Pompeji und einem anschließenden Prozessionszug, bei dem sich die beiden verlieren und wiederfinden...



Rossellini plädiert also für einen Neuanfang am Ende des Films - dennoch bleibt der Zuschauer mit einem Fragezeichen zurück. Zu sehr ist die Beziehung der beiden belastet, als dass ein Happyend ohne Widerhaken kommen könnte. Man muss etwas dafür tun, die Egozentrik zurückschrauben, um neue Impulse aus dem Alltäglichen zu gewinnen. Mir hat diese einfache Geschichte einer Beziehung sehr gut gefallen. Vor allem der Inszernierungsstil ist wie fast beiläufig und sparsam abgefilmt und dennoch erzielt der Regisseur eine große Wirkung mit seinen Bildern.




Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

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