Samstag, 2. Dezember 2017

Eden Lake

Regie: James Watkins

Der Herr der Fliegen

Eigentlich sollte es ein entspannter Kurzurlaub in idyllischer Zweisamkeit inmitten von viel Natur werden:
Die junge Kindergärtnerin Jenny (Kelly Reilly) fährt zusammen mit ihrem Freund Steve (Michael Fassbender) nicht wie zuerst erhofft nach Paris, sondern zum Eden Lake, von dem Steve schwärmt. Ein fast unberührter See inmitten einer prächtigen Waldkulisse, die bald einer geplanten Wohnsiedlung weichen muss.
Endlich am Eden Lake werden sie am Ufer des Sees von einer Clique frecher Teenager mitsamt zähnefletschendem Kampfhund belästigt. Die aggressiven wie aszozialen Teenies rächen sich dann einige Zeit später an Spiesser Steve, indem sie ihm die Reifen seines Autos zerstechen. Am Tag darauf legen sie noch einen Zahn zu und klauen die Strandtasche mit Handy und Autoschlüssel des Liebespaares. Als Steve die Clique im Wald erneut stellt, eskaliert die Situation und es kommt zum Handgemenge mit einem Messer. Der Rottweiler des Bandenchefs Brett (Jack 0`Connell) wird von Steve eher aus Versehen getötet.
Dies ist der Auftakt eine ultimative Spirale der Gewalt auszulösen. Ausser sich vor Rache macht die Meute zu allem entschlossener und gewaltbereiter Jugendlicher Hatz auf das junge Paar...
"Eden Lake" ist eine britische Produktion und gleichzeitig Regiedebüt von James Watkins.
Die Location erinnert an "Blair Witch Project", die Geschichte schwankt zwischen Survival-Horrormovie und bitterer bis diabolischer Sozialstudie, der dynamische Prozess eines massiven Gewaltausbruchs, der alle Beteiligten betrifft und das damit verbundene "Nicht mehr zurückkönnen, weil schon zu viel passiert ist". Mich erinnerte der fiese, kleine Schocker phasenweise an William Goldings "Herr der Fliegen". Die Jugendliche Gruppe funktioniert wie solche Gruppen immer schon funktioniert haben: Ein Anführer, die rechte Hand des Anführers, die Mitläufer und auch die noch Unentschlossenen, die nichts lieber hätten, als wenn dieser Horror in der wunderschönen Einöde nur ein Traum wäre...





Der Film ist straff inszeniert und sehr spannend. Gelegentlich übertreibt Watkins etwas die Handlung und verlässt zugunsten des kinogerechten und effektiven Mainstream Horrorspektakels seine recht beachtliche Studie über die Mechanismen von Gewalt und vor allem wie leicht die Grenzüberschreitung gelingt. Erschreckend realistisch...die Jugendlichen filmen ihre Mordgelüste per Handy....





Bewertung: 9 von 10 Punkten

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