
Regie. Caroline Link
Heimatlos...
"Nirgendwo in Afrika" heißt der 1995 erschiene autbiographische Roman von Stefanie Zweig, der von Caroline Link 7 Jahre später erfolgreich verfilmt wurde. Damit schuf die deutsche Filmemacherin eine thematischen und auch visuellen Verwandten zu "Jenseits von Afrika", dem großen Kinowelterfolg der 80er Jahre, der für seinen Regisseur Sydney Pollack zum wahren Oscar-Triumph wurde. Auch Caroline Links Afrika-Film gefiel der Academy so gut, dass sie den Film ebenfalls mit der begehrten Trophäe auszeichneten. Einige Monate vorher sahnte der opulente Streifen bereits bei der Vergabe des deutschen Filmpreises wie kein anderer Konkurrent ab: Es gab Siege in den Kategorien bester Film, beste Regie, feste Kamera für Gernot Roll, beste Filmmusik von Niki Reiser und Jochen Schmidt-Hambrock sowie für Matthias Habich als bester Nebendarsteller.
Hauptdarstellerin Juliane Köhler, die
bereits 1999 für "Aimee & Jaguar" gewann, war ebenfalls nominiert,
musste sich aber von Martina Gedeck in "Bella Martha" geschlagen geben.
"Nirgendwo
in Afrika" setzt auf ein sehr ruhiges Tempo, aber auf grandiose Bilder
der neuen Heimat. Die faszinierende Landschaft Afrikas wurde von der
Kamera genial eingefangen. Die Geschichte beginnt im Jahr 1937. Jettel
Redlich (Juliane Köhler) und ihre Tochter Regina (als Kind: Lea Kurka,
als Teenager: Karoline Eckertz) leben noch in ihrer Heimat Deutschland,
doch die Politik der Nazis wird für die jüdischen Bürger immer
bedrohlicher. Jettels Mann Walter (Merab Ninidse), ein Anwalt, ist schon
längst in ein unbekanntes und armes Kenia geflohen. Dort lebt der Mann -
ehemals in geborgenen und gutbürgerlichen Verhältnissen - sehr ärmlich
und bescheiden, angestellt als Verwalter, auf einer Farm. Er bittet in
dieser Zeit seine ganze Familie inständig, dass sie ebenfalls
Nazideutschland verlassen sollen, weil er befürchtet, dass die
Repressalien immer grausamer ausfallen werden. Doch lediglich Jettel und
Regina entschliessen sich - eher widerwillig - in das fremde Land
nachzukommen. Dort hat besonders Jettel große Schwierigkeiten sich zu
integrieren. Sie hängt am Luxus des vergangenen Lebens und versucht
krampfhaft an ihrer gutsituierten Stellung festzuhalten. Den Koch Owuor
(Sidede Onyulo) behandelt sie von oben herab. Der klienen Regina fällt
die Umstellung dagegen viel leichter: Sie freundet sich mit den
Einheimischen sehr schnell an, kann sich schnell eingewöhnen und lernt
die Sprache relativ schnell. Für Jettel wird das Heimweh immer größer -
sie verzagt an dem Kampf ums nackte Überleben. In dem ebenfalls
geflüchteten Süßkind (Matthias Habich) hat die Familie aber einen guten
Freund. Auch für Jettel, deren Gefühle für ihren Mann immer mehr
abnehmen. Nur sehr langsam finden die beiden wieder zueinander. Der
beginnende Krieg bringt noch schwierigere Umwälzungen mit sich, doch die
Gefangenschaft unter den Briten erweist sich als weniger tragisch.
Walter schließt sich der britischen Armee an, Jettel ist somit auf sich
alleine gestellt. Mit Hilfe von Tochter Regina, die inzwischen die
Schule besucht, werden die Schwierigkeiten gemeistert. Am Ende des
Krieges ist es Jettel, die das Land lieben gelernt hat und nicht im
Entferntesten an eine Rückkehr nach Deutschland denkt. Doch beim
Wiederaufbau werden gute Juristen wie Walter hängeringend gesucht. 1947
kehren die Redlichs nach Deutschland zurück...
Die große
Stärke des Films ist es, dass Caroline Link das Augenmerk nicht nur auf
die wunderbare neue Heimat legt, sondern vor allem das Verhalten und die
Verzweiflung von Heimatlosen Menschen dem Zuschauer näher bringt. Diese
neue Umgebung schafft auch Veränderung. Aus der verwöhnen und
arroganten Jettel wird zunehmend eine Frau, die ihre Verantwortung
erkennt. Es wird für sie der Zeitpunkt kommen, wo sie erkennt, dass es
kein Zurück in ihr geliebtes Deutschland geben kann. In dem Moment der
Erkenntnis bemüht sie sich dann doch um die nötige Integration.
"Nirgendwo
in Afrika" ist auch ein Film über den Holocaust, der aber nur in den
Briefen aus der Heimat vorkommt und der Verlauf des Krieges ist zu hören
über einen Radioempfänger. Diese Ohnmacht nichts tun zu können,
veranlasst den Ehemann dazu in den Krieg zu ziehen. Es sind sehr
elementare Einschnitte, die in dieser Zeit das Leben der Familie prägen.
Caroline
Link setzt auch auf eine gewisse Leichtigkeit, die sehr gut zu den
prächtigen Bildern passt. Afrika ist nicht nur diese fremde und schwer
zugängliche neue Insel, sondern es entwickelt sich allmählich zu einem
Zuhause.
Als der Krieg zu Ende geht, stehen die
Redlichs vor der gleichen Frage wie alle Emigranten: Sollen sie in die
ehemals geliebte Heimat, die sie eigentlich hassen müßten, weil
Angehörige Opfer dieses grausamen Regimes wurden, zurückkehren und ein
weiteres Mal von vorne anfangen? Der Film endet mit der Abreise und
lässt diese Frage offen, ob es in einem Deutschland besser ist. Mit
Wehmut - vor allem von Seiten Jettels und Regine - schliesst dieser sehr
schöne Film mit letzten Impressionen des Landes, in dem man 1o Jahre
des Lebens verbrachte.
Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen