Samstag, 23. September 2017

Das Loch







































Regie: Jacques Becker

Flucht aus dem Pariser Vollzug...

"Das Loch" sollte der letzte Film von Jacques Becker werden, noch vor der Uraufführung 1960 verstarb der Filmregisseur im Alter von 54 Jahren.  Der Film basiert auf einem Roman von Jose Giovanni und "Das Loch" kann hier durchaus zweideutig angesehen werden. Zum einen befinden sich die Figuren des Films im in einer beschissenen Situation an einem beschissenen Ort (Knast) und andererseits haben sie aus der scheinbar auswegslosen Situation, in der sie sich befinden, Möglichkeiten gefunden dieser enfliehen zu können - Sie bauen tatsächlich ein Loch.
Romanautor Giovannis Geschichte ist dabei tatsächlich so passiert, er selbst war an einem versuchten Gefängnisausbruch aus der Pariser Vollzugsanstalt "La Sante" im Jahr 1947 beteiligt. Der Regisseur selbst entschied sich die Rollen der fünf Männer mit Laiendarstellern zu besetzen. Eine kluge Entscheidung, denn so wurde einer der authentischsten Gefängnisfilme aller Zeiten realisiert. Und interessanterweise gelingt dies auf diesem begrenzten Raum in der Art eines Kammerspiels so spannend, dass der Zuschauer auch bei einer falsch angesetzten Meißel oder der Lautstärke eines Hammerschlags mitfiebert.
Die Männer, die da im Gefängnis auf ihre baldige Verurteilung warten, sind auch keine fiesen Knackis, sondern Kumpeltypen von Nebenaus, durchaus sympathisch wie selbst der Gefängnisdirektor (Andre Bervil) sagt, als er den noch sehr jungen Claude Gaspard (Marc Michel) befragt, weil man bei Ihm ein leeres Goldfeuerzeug gefunden hat.
Gaspard steht eine Verurteilung wegen Mordversuch mit Vorsatz bevor, auch wenn sich seine Geschichte anders anhört als die seiner geschädigten eifersüchtigen Frau. Gaspard hat nämlich ein Verhältnis mit deren jüngerer Schwester Nicole (Catherine Spaak).
Durch Bauarbeiten in seiner Zelle muss der junge Mann in eine andere Zelle verlegt werden. Die ist aber schon mit den vier Untersuchungshäftlingen Geo Cassine (Michel Constantin), Roland Darbant (Jean Keraudy), Manu Borelli (Philippe Leroy) und Vosselin (Raymond Meunier), den alle nur Monseigneur nennen, voll belegt. Daher wirken die Vier nicht gerade freundlich als der neue Mann die Zelle bezieht. Zuwenig Platz und ausserdem wollten die Gefangenen mit Arbeit etwas dazuverdienen. Demensprechend viel Arbeitsmaterial befindet sich in der Zelle. Der Neuling bemerkt schnell, dass die Mithäftlinge ihn zwar höflich behandeln, aber doch irgendwie distanziert. Er wird bald erfahren warum. Unter der Leitung des erfahrenen Roland sind sie schon eifrig damit beschäftigt einen Ausbruch zu tätigen. Ein Gang soll aus der Zelle - hinaus in die Freiheit - gegraben werden. Dazu müssen sie aber zuerst den Steinboden in ihrer Zelle zertrümmern und dann mehrere Türen und Wachen überwinden, um in die Kanalisation zu kommen. Auch dort muss wieder gegraben werden...



 Beteiligt ist der Zuschauer auch dadurch, dass dieses Geschehen aus der Sicht von Gaspard erlebt und wahrgenommen wird. Seine Präsenz im Verbund des eingeschworenen Quartetts bildet auch den psychologischen Schwerpunkt des Films. Ein weiterer Aspekt von Beckers Meisterwerk ist sicherlich auch die Dynamik dieser menschlichen Gemeinschaft in einer Notsituation - je nach persönlichen Interessen werden sie gebildet und vielleicht auch wieder aufgelöst. Damit die Details im Film stimmten, engagierte der Regisseur drei der Ausbrecher als Berater für seinen Film. Er setzte auf die klaustrophobische Wirkung seines Tatsachenberichts. Endlich gibt es dieses Meisterwerk des französischen Films als deutschsprachige DVD.




Bewertung: 10 von 10 Punkten.

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