Donnerstag, 21. September 2017

La Haine (Hass)







































Regie: Matthieu Kassowitz

Ein Tag im Viertel...

"Hass - La Haine" - ein Film von Matthieu kassowitz entstand 1995 und ist eine europäische Antwort auf die zu dieser Zeit sehr beliebten Ghettomovies der USA wie beispielsweise "Boyz N the Hood" von John Singleton oder "Menace II Society" von Albert und Allen Hughes. Optisch geht dieser französische Beitrag aber andere Wege, denn durch die scharz-weiß Kamera von Pierre Aim wirkt das Geschehen beinahe schon wie ein Film Noir.
Schauplatz des Geschehens ist die Cite de Noe, Chanteloup-les-Vignes, ein Vorort, eine Randzone von Paris. Dort im Banlieue leben auch die Jugendlichen Vinz (Vincent Cassel), der arabischstämmige Said (Said Taghmaoui) und der dunkelhäutige Hubert (Hubert Kounde). Vinz sieht zwar wie ein Skin aus, aber er ist jüdischer Herkunft und mit den beiden anderen Jungs befreundet. Arbeit haben alle drei keine - Hubert verkauft etwas Haschisch, er gibt das Geld aber seiner Mutter (Felicite Wouassi) und seiner kleinen Schwester (Fatou Thioune), die gerne auf eine weitere Schule gehen würde, aber das Geld für die Schulbücher fehlt. Die drei leben so in den Tag hinein und Action gibt es auch ständig im Viertel. Vor allem aktuell, denn am Vortag tobte in den Banlieues ein echter Straßenkampf, bei dem Abdel (Abdel Ahmed Ghili), ein Freund des Trios, ganz schwer während eines Polizeiverhörts verletzt wurde und seitdem im Krankenhaus um sein Leben kämpft. Der Freund liegt im Koma und dies macht Vinz, der eine jüdische Herkunft hat, immer mehr zu einer tickenden Zeitbombe. Er will sich bei der Polizei für diese Gewalt rächen. Und nun hat er auch noch die Knarre gefunden, die einer der Polizisten bei dem Einsatz verloren hat. Hubert ist auch sehr enttäuscht, denn durch den Kampf wurde auch die Boxhalle komplett ausgebrannt, somit haben die Jugendlichen einen Ort, wo sie sich aufhalten können und ihren Frust etwas rauslassen können, verloren. Hubert ist auch der besonnene der drei Freunde und warnt Vinz, als dieser seinen beiden Freund stolz die Waffe zeigt. Der Film schildert fast schon dokumentarisch einen Tag im Leben dieser Protagonisten auf der Verliererstraße. Es ist immer was los und überall herrscht Aggression - auch in den Familien, im Umgang miteinander. Die Menschen hier sind an diese Struktur der alltäglichen Gewalt gewohnt und es scheint als wäre die Polizei (dein Freund und Helfer) der Todfeind Nr. 1, weil deren brutale Methoden im Umgang sich inzwischen überhaupt nicht mehr vom Verhalten der Kleinkriminellen unterscheidet. Nach dem Trouble mit der Polizei, weil einige der jungen Typen des Viertels, auf dem Dach eines der Hochhäuser eine Grillparty veranstalten, laufen unsere drei Freunde herum und Hubert erkennt, dass Vinz zu unreflektiert ist, inwieweit sein Vorhaben, falls Abdel stirbt, nach dem Motto "Auge um Auge" einen Polizisten zu killen an der trostlosen Realität im Ghetto irgendetwas ändern könnte. Die drei beschließen mit der Stadtbahn in die Innenstadt zu fahren...



Huberts öfters genannter Spruch lautet "ein Mann fällt vom Hochhaus und an jedem Stockwerk, an dem er vorbeifliegt, sagt er sich "Soweit ging  es ja noch gut" - Fazit: Nicht das Fallen ist wichtig, sondern die Landung. Und landen werden die drei Protagonisten am Ende dieser Nacht in einer total auswegslosen Situation. Matthieu Kassowitz gelang es sogar eine Art Arthaus Gangsterghettofilm zu drehen. Dies verdankt er der innovativen Kameraarbeit und der mehr als hervorragenden Darstelelrleistung des damals noch sehr jungen Vinzent Cassel und seine Mitspieler Hubert Kounde und Said Taghmaoui sind genauso gut. Ein bisschen erinnert mich "Hass" auch an einen meiner Lieblingsfilme von Luis Bunuel: "Los Olividados" - ebenfalls ein Zustandsbericht eines sozialen Brennpunktes in Mexico-City. Beide wirken etwas semi-dokumentarisch und dies macht das Geschehen noch viel dichter und authentischer. Leider gelang dem Regisseur bislang nie wieder so ein Meisterwerk. "Hass - La Haine" darf man sicherlich zu den 90er Jahre Meilensteine des französischen bzw. europäischen Kinos zählen. Zum Lohn gabs einen Cesar und den Europäischen Filmpreis als bester "Young European Film".




Bewertung: 10 von 10 Punkten.

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