Mittwoch, 27. September 2017

Der Schlachter







































Regie: Claude Chabrol

Die Idylle krankt...

Frankreich, Ende der 60er Jahre: In einer typischen Kleinstadt in der Provinz wird eine Hochzeit gefeiert. Es herrscht Ausgelassenheit, Lebendigkeit, die ganze Dorfgemeinschaft ist dabei.
Popaul (Jean Yanne), der Metzger des Dorfes, schneidet sachgerecht das Chateaubriand auf, der gesellige Mann hat als Soldat im Indochinakrieg gekämpft und erzählt ganz nebenbei immer wieder viel von dem Grauen, das er dort erlebt hat: Verfaulte oder aufgeschlitzte Körper, überall Blut. Er hat ein Auge auf die attraktive wie eigenständige Schulleiterin Helene (Stepahne Audran) geworfen. Helene ist die beliebteste Lehrerin des Ortes, der Bräutigam Leon Hamel (Mario Beccara) unterrichtet ebenfalls an der Schule. Alle stimmen mit ein, als Gast Angelo (Antonio Passala) ein Chanson anstimmt.
Doch die von Gemeinschaft geprägte Idylle, in der jeder Jeden kennt, ist brüchig. In der Nähe wurde eine Frauenleiche gefunden, die brutal erstochen wurde.
Die Gendarmerie aus der nahegelegenen Stadt taucht auf und ermittelt. Im Dorf wird über den Mord geredet. Helene und Popaul kommen sich näher, der Schlachter bringt seiner heimlichen Flamme öfters die besten Fleischstücke vorbei, dann wird gemeinsam gekocht. Sie gibt ihm aber zu verstehen, dass sie sich nicht mehr binden will, trotzdem bleibt eine innige Freundschaft bestehen. Doch mit dem nächsten Mordopfer kommt ein schwerwiegender Verdacht ins Spiel...




Leider ist die vorliegende DVD auf VHS-Niveau, das ist sehr schade, vor allem auch deshalb, weil es sich bei "Der Schlachter" nicht nur um einen der besten Chabrols überhaupt handelt, sondern um einen der besten psychologischen Thriller aller Zeiten. In seiner Machart ist der Film äusserst ruhig und sensibel, für heutige Sehgewohnheiten viel zu subtil - aber das ist gut so. Denn im Kern ist der kammerspielartige Film um zwei Personen emotional äusserst vielschichtig, mutig...fast schon revolutionär anders, klug und provokant, denn Chabrol gelingt es auf geniale Weise nie das Gut und Böse Schema zu bedienen. Der Serienkiller wird nie als Bestie diffamiert, die Lehrerin ist eher der Freundschaft verpflichtet und im Zwiespalt. Aus diesen ambivalenten Emotionen schöpft der Film seine Größe, alles ist dicht und realistisch.
Ganz großes französisches Kino der Spitzenklasse...solche Filme werden heute nicht mehr gedreht.




Bewertung: 10 von 10 Punkten.

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