Freitag, 22. September 2017

Fargo







































Regie: Joel Coen

Dreifachmord in Brainerd...

Der große Gewinner der Oscarwahl 2007 war Anthony Minghellas umstrittenes Epos "Der englische Patient" - er gewann 9 Oscars. Dieser Trophäenregen ging leider auch zu Lasten der Coen Brothers, die mit "Fargo" einen ihrer besten Filme im Oscarrennen hatten. Am Ende siegten die Brüder für ihr Drehbuch und Hauptdarstellerin Frances McDormand war so überzeugend, dass sie nicht übergangen werden konnte. Trotz großer Konkurrenz, zu der auch Emily Watson für ihre phänomenale Leistung in Lars von Triers "Breaking the Waves" gehörte.
Überzeugend ist "Fargo" vor allem auch durch seine winterliche Location, die von Roger Deakins perfekt eingefangen wird. Auch die melancholische Musik von Carter Burwell ist ein stimmungsvoller Verstärker für eine eigentümliche Atmosphäre. Das Salz in der Suppe sind aber die herrlich schrägen Figuren, die die beiden Brüder hier für ihre Geschichte - nach wahren Begebenheiten - auffahren lassen.
"Fargo" ist auch ein Verliererepos in der Gestalt des 1. Verkaufsleiters eines Autohauses in Minneapolis. Dieser Jerry Lundegaard (William H. Macy) arbeitet im Winter des Jahres 1987 unglücklich in seiner Position im Autohaus seines reichen Schwiegervaters Wade Gustafson (Harve Presnell). Zu allem Unglück ist Jerry auch noch mit dessen Tochter Jean (Kristin Rudrud) eher unglücklich verheiratet, nur an seinem Sohn Scotty (Tony Denman) scheint ihm etwas zu liegen. Jerry lebt auf großem Fuß und steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Seinen fiesen Schwiegervater will er nicht um Geld bitten, ebenso wäre es eine Kränkung, wenn er die Ehefrau um Geld bitten müsste. So entschließt er sich seine Ehefrau - bequem und ohne Brutalität - entführen zu lassen, das Lösegeld vom Schwiegervater dann selbst einstecken zu können. Von seinem vorbestraften indianischen Arbeiter Shep Proudfoot (Steve Reevis) bekommt er zwei äusserst schräge Galgenvögel vermitteln, die die Frau kidnappen sollen. Mit denen trifft er sich in einer Bar in Fargo, übergibt denen ein neues Fahrzeug aus der Werkstatt und mit 40.000 Dollar sind die zwei Schurken bereit zu diesem scheinbar einfachen Kidnapping-Deal. In Wirklichkeit ist die Summe, die Jerry als Lösegeld seinem Schwiegervater präsentiert, viel höher: 1 Million Dollar soll der steinreiche Gustafson locker machen, damit seine Tochter freigelassen wird. Zuerst funktioniert die Entführung ohne Probleme. Die Frau wird in den Kofferraum des Wagens gesteckt. Doch auf der nächtlichen Fahrt zu ihrem angemieteten Häuschen werden die Entführer von einem Streifenwagen angehalten. Der schweigsame Gaerar Grimsrud (Peter Stormare) hält auch nicht viel von der nervösen Art seines Komplizen Carl Showalter (Steve Buscemi) und erschießt den Polizisten auf offener Straße. Ein Auto mit zwei Teenager fährt zufällig am Tatort vorbei. Das ist leider auch deren Todesurteil, weil sie von Grimsrud mit dem Auto gejagt werden und in der Schneelandschaft erschossen werden. Da dies alles in der Kleinstadt Brainerd passiert, dem Heimatort des sagenumwobenen Holzfällers Paul Bunyan, muss die hochschwangere Polizeichefin Marge Gunderson (Frances McDormand), die Ermittlungen aufnehmen...






Und der Zuschauer wird Zeuge ihrer äusserst klugen und weitreichen Ermittlungen, zwischen ihrer Arbeit kümmert sich Marge auch noch liebevoll um ihren Ehemann Norm, gespielt von John Carrol Lynch, und trifft sich mit einem alten Schulfreund. Die Coens haben ein Gespür für die etwas verschrobenen Menschen, die dort im Bundesstaat Minesota leben. Diese Landbevölkerung wird von den beiden Filmemacher sehr liebevoll und respektvoll gezeichnet, dabei kommt aber der Humor nicht zu kurz. Trotz der spannenden Geschichte, bei der es sehr viele Opfer zu beklagen gibt, haben die Macher immer wieder Zeit für skurrile Szenen. Viele davon sind unvergessen, auch die Szene als der Deputy einen Einheimischen befragt, der die Bekanntschaft mit den beiden Schurken gemacht hat und dies dem Gesetzeshüter mitteilt, während er vor dem Haus den Schnee wegschaufelt. Am Ende gucken beide in den Himmel und orakeln, dass es bald wieder schneien wird. Eine Wucht ist auch Frances McDormand, die mit William C. Macy einen ebenbürtigen Partner erhalten hat.
Ich liebe Thriller, die im Schnee spielen und Fargo ist natürlich einer der besten dieser Gattung.






Bewertung: 10 von 10 Punkten. 

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