Dienstag, 19. September 2017

Die letzte Vorstellung







































Regie: Peter Bogdanovich

Resigniertes Texaskaff...

"Die letzte Vorstellung" von Peter Bogdanovich war mein Lieblingsfilm als Jugendlicher und auch heute finde ich den schwarz-weiß Film aus dem Jahr 1971 immer noch großartig, denn er schafft es durch eine wunderbare Charakterzeichnung aller Figuren das Leben in diesem Texaskaff Anarene eindrucksvoll zum Leben zu erwecken. Die große Stärke dieses Coming of Age Films sind die wunderbaren Schauspielerleistungen, man darf von einem der besten Ensembleleistungen aller Zeiten in einem Film reden
als Lohn gab es dann auch gleich vier Oscar-Norminerungen im Schauspielerbereich: Ellen Burstyn, Cloris Leachman, Jeff Brigdes und Ben Johnson. Leachman und Johnson gewannen dann auch die Auszeichung als beste Nebendarsteller.
Die Geschichte spielt in der kleinen Stadt Anarene, in der Nähe von Wichita Falls, Texas und ist in der Zeit vom November 1951 bis Oktober 1952 angesiedelt. In diesem einsamen Kaff leben die beiden Jugendlichen Sonny Crawford (Timothy Bottoms) und sein Freund Duane Jackson (Jeff Bridges) und verbringen ihre Zeit entweder im örtlichen Kino, das Sam (Ben Johnson) gehört, den alle Sam, der Löwe nennen. Sam versteht was vom Kinogeschäft und die Jugendlichen sehen dort Filme wie "Vater der Braut", "Winchester 73" oder "Red River". Die Jungs machen gerade das Abitur und spielen im Highschool Football Team, allerdings mit extrem schlechtem Erfolg.  Sie teilen sich auch einen alten verbeulten Pickup-Truck. Duane ist gutaussehend und beliebt, er hat auch das schönste Mädchen der Stadt zur Freundin - die verwöhnte, raffinierte Jacy Farrow (Cybill Sheperd). Sonny ist eher der sensible der beiden und geht seit einem Jahr mit der plumpen Charlene Duggs (Sharon Taggart). Am ersten Jahrestag ihrer Freundschaft machen sie aber Schluß, weil Sonny bemerkt hat, dass er das Mädchen gar nicht liebt. Er beginnt aber bald darauf eine heimliche Affäre mit Ruth Popper (Cloris Leachman), der depressiven, einsamen Frau seines Trainers.
Jacy hat die reichsten Eltern der Stadt, ihre Mutter Lois Farrow (Ellen Burstyn) geht mit dem Vorarbeiter (Clu Gulager) ihres Mannes fremd.
Der aufdringliche Lester Marlow ( Quaid ) lädt Jacy zu einer Nackt- Hallenbad Party im Haus von Bobby Sheen (Gary Brockette ) ein. Duane weiß nichts davon. An einem Wochenende fahren Duane und Sonny gemeinsam nach Mexiko. Als sie zurückkehren, herrscht seltene Stille im Ort. Das Cafe von Sam ist geschlossen, was am Montag Morgen noch nie der Fall war - auch Sams taubstummer Ziehsohn Billy (Sam Bottoms) fegt die Straße nicht wie sonst. Sie erfahren, dass ihre Vaterfigur und Mentor Sam der Löwe plötzlich verstorben ist...







Der Film ist perfekte Melancholie, er ist durchträngt von einer schönen Wehmut, die für großartige Filmmomente sorgt. Ein Glücksfall auch, dass Regisseur Peter Bogdanovich seinen Film in schwarz-weiß gedreht hat, dies bringt den Coming of Age Film noch näher in die Tradition des amerikanischen Erzählkinos von John Ford oder Howard Hawks. Die Welt der Protagonisten erscheint aber keineswegs nur in nostalgischer Verklärung, sondern ihre Charaktere wirken gebrochen und sie ahnen ihr Scheitern. Wenn gegen Ende des Film Duane in den Koreakrieg zieht und die Jungs sich am Vorabend ihres Abschieds im Kino "Red River" anschauen, so wird auch ein Schlußstrich über der Traum vom guten, alten Amerika der Pionierzeit gezogen, die optimistischen Legenden über das Land der unbegrenzten Möglichkeiten sind zu Ende, real ist die Tristesse, die durch seltene Glücksmomente immer mal wieder unterbrochen wird und eine Illusion von Schönheit suggeriert. Ein Superfilm. 







Bewertung: 10 von 10 Punkten. 

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