Dienstag, 19. September 2017

Einer flog übers Kuckucksnest








































Regie: Milos Forman

Packendes Duell...


In Ken Keseys Roman "Einer flog übers Kuckucksnest" dienen die Zustände in einer Nervenheilanstalt als Parabel über den Kampf des Einzelnen gegen ein totalitäres, machtvolles System - dem tschechischen Filmregisseur Milos Forman gelang 1975 mit der Verfilmung einer der populärsten und kontroversesten Filme dieses innovativen Kinojahrzehnt. Auch wenn die satirische Attacke auf gesellschaftliche Züstände durch die Location "Psychiatrie" eher in den Hintergrund gedrängt wurde. Was aber blieb sind die ausserordentlichen Darstellerleistungen von Jack Nicholson und Louise Fletcher, die sich in ihrem, am Ende bis über die Schmerzgrenze hinaus gehenden Psychoduell Oscarsiege erspielen konnten - selten waren diese Siege so gerechtfertigt wie in "Einer flog übers Kuckucksnest". Der Film gewann nach "Es geschah in einer Nacht" endlich auch wieder die fünf wichtigsten Oscars: Bester Film, beste Regie, Nicholson und Fletcher und auch das Drehbuch von Laurence Hauben und Bo Goldman war siegreich.
Ausserdem waren der Schauspiel-Neuling Brad Dourif, die Kameramänner Haskell Wexler und Bill Butler, die hypnotische Filmmusik von Jack Nitzsche und das Trio Chew, Kan und Lyngman für den besten Schnitt nominiert.
 Wenn man die Filmgraphie von Milos Forman betrachtet, dann fällt auf, dass er in den fünf aktiven Jahrzehnten eigentlich nur wenige Filme realisiert hat. Ein Regisseur, der sich immer viel Zeit nahm für seinen neuen Film und dem 9 Jahre nach seinem Welterfolg noch ein weiterer ebenbürtiger unsterblicher Filmklassiker gelingen sollte. Der 1984 realisierte "Amadeus" wurde auch mit Oscars überschüttet.
 Ist der aufsässige und aggressive Randie Patrick McMurphy (Jack Nicholson) krank oder täuscht er seine wahnsinnigen Einlagen im Arbeitslager nur vor um der schweren Arbeit dort zu entgehen ? Dort sitzt er ein wegen der Verführung einer Minderjährigen und weiteren Aggressionstaten. Er wird zur Beobachtung in eine Nervenheilanstand eingewiesen. Am Anfang sieht es so aus als würde der Plan aufgehen eine ruhige Kugel in der Klapse schieben zu können. Er lernt dort Insassen wie den jungen Billy Bibbit (Brad Dourif), den intelligenten Harding (William Redfield), den aufsässigen Taber (Christopher Lloyd), den gutmütigen Fredrikson (Vincent Schiavelli) oder den geistig behinderten Martini (Danny de Vito) kennen. Besonders faszniert ist McMurphy von dem riesengroßen, jedoch taubstummen Indianer Chief Bromden(Will Sampson), den er spontan "Häuptling" nennt und ihn immer wieder zum Baseballspiel während des Hofgangs gewinnen will. Das Sagen auf Station hat die von der Geschäftsleitung äusserst geschätzte Oberschwester Ratched (Louise Fletcher). Wichtig sind ihr die Regeln und Vorschriften sowie die immer gleichbleibende Tagesstruktur, die sie unter keinen Umständen verändern möchte, da sie glaubt, dass Ausnahmen die Station ins Chaos versinken lassen. Unter einer sehr freundlich wirkenden Fassade ist sie aber streng und unerbittlich. McMurphys Art ist ihr natürlich ein Dorn im Auge. Der Mann hält sich Null an Regeln und organsiert auf station Kartenspiele, um die triste Atmosphäre etwas aufzuhellen und Schwung in die Bude zu bringen. Immer wieder kommt es dadurch zu Machtspielen, Schwester Ratched untergräbt erfolgreich die Initiationen, die zuerst eher spielerisch gestaltet sind - dann aber im Laufe der Handlung sichtbar erkennen lassen, dass "Therapie" auch schlimmstenfalls bedeuten kann, dass der eigene Wille unter Zwang gebrochen werden kann...




 Am Ende des Films wird auch die Lobotomie thematisert - sowohl Keseys Roman als auch der Film sorgten nachhaltig dafür, dass die Abschaffung langsam aber sicher vollzogen wurde. Der Film gibt auch einen düsteren Einblick in die Welt der Psychiatrie, die erst vor wenigen Jahrzehnten immer mehr versuchte den Patienten in den Mittelpunkt des Geschehens zu rücken. Trotzdem ist die Gefahr dort immer wieder groß, dass Macht und Ohnmacht in den Alltag einziehen. So gesehen ist der Schlagabtausch zwischen einengender, aber sicherheitsgebender Struktur und lustvollem Chaos auch heute noch genauso aktuell. Der Film engagiert sich für die Freiheit des Einzelnen, für sein Recht aus einer von sinnlosen Normen und Zwängen auszubrechen. Obwohl die ersten Duelle zwischen Schwester und Patient noch etwas witziges, komödiantisches haben, kann man aber schon erahnen, dass sich der Schlagabtausch noch steigern wird und von beiden Kontrahenten härtere Bandagen angelegt werden. Kirk Douglas hatte sich lange vorher die Verfilmungsrechte gesichert, er selbst wollte den subversiven McMurphy spielen, als der Film dann von seinem Sohn Michael gemeinsam mit Saul Zaentz realisiert wurde, empfand sich die Hollywood-Legende als zu alt für diesen Part. So kam Jack Nicholsons Stunde - der Kritikerliebling aus "Chinatown", "Das letzte Kommando" oder "Five Easy Pieces" wurde über Nacht zu Hollywoods Big Star.





Bewertung: 10 von 10 Punkten.

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