Samstag, 21. Oktober 2017

...denn sie wissen nicht, was sie tun






Regie: Nicholas Ray

Grundlose Rebellion ?

"Denn sie wissen nicht, was sie tun" heißt im Original "Rebel without a Cause" und lässt sich wortwortlich mit "Rebell ohne Anlaß" übersetzen. Damit nimmt der Originaltitel Bezug auf die Jugendlichen der 50er Jahre Generation und ihre Probleme. Gerade aus den Teenagern der ganz gut betuchten Mittelschicht entstand diese Kultur der Halbstarken sowohl in den Staaten als auch weltweit. Obwohl die Eltern ihren Kids Motorräder und Autos kaufen konnten und der Status gesichert schien blieb eine Leere in den Köpfen dieser Teenies. Diese Halbstarken fuhren in Gangs, suchten Anerkennung in Schlägereien und hatten auch einen immensen Alkoholverbrauch. Die Schuld gab man den Eltern, der Gesellschaft und den bestehenden Normen. Irgendwo hatte man das Gefühl ausbrechen zu wollen...es war die Zeit des RocknRoll, die Entstehung von Jugendkulturen und eines immer größer werdenden Generationenkonfliks. Der deutsche Verleihtitel "Denn sie wissen nicht, was sie tun" ist da offensichtlich etwas zweideutiger, denn die Frage stellt sich irgendwann wirklich auf wen dieser Bibelvers passt: Auf die unverstandenen Jugendlichen oder auf die nicht verstehenden Eltern. Oder gar auf Beide ?
Regisseur Nicholas Ray wollte mit "denn sie wissen nicht, was sie tun" einen sozialen Kommentar in diese Debatte hineinbringen und am Ende dieser Nacht, die er hier zeigt, steht auch die Frage im Raum, ob dieser Rebell wirklich keinerei Anlaß hat gegen die Lebensweise der Eltern zu protestieren. Vor allem aufgrund seines Hauptdarstellers James Dean gelang ihm aber noch viel mehr: Er schuf einen unvergessenen Film, der filmhistorisch nicht nur als einer der ersten Jugendfilme gilt, sondern auch sicherlich einer der ganz wichtigen Hollywood Meilensteine der 50er Jahre darstellt.
Los Angeles: Teenager Jim Stark (James Dean) wird in der Nacht von der Polizei in einem erheblich alkoholisierten Zustand auf der Straße aufgegriffen. Dort wartet er auf seine Eltern, die ihn abholen sollen. Er redet mit Inspektor Ray Fremick (Edward Platt) über seine Empfindungen und auch seine massiven Aggressionen. Am liebsten würde er sich einsperren lassen. Auf dem Revier trifft er auch auf die hübsche Judy (Natalie Wood), die Trouble mit ihrem Vater hat und auf den sensiblen John Crawford (Sal Mineo), der sich Plato nennt und dem Jim sein Jacket anbietet, weil er glaubt, dass der Junge friert. Jim ist erst vor kurzem hierher gezogen, weil es am vorigen Wohnort wie so oft Schlägereien gab und die Eltern dann den Umzug vorzogen, damit sie nicht ins Gerede kommen. Seinen Vater (Jim Backus) empfindet er als Feigling, da dieser zu sehr unter der Fuchtel der dominanten Mutter (Ann Doran) und deren Mutter Oma Stark (Virginia Brissac) steht. Er will nie so werden wie sein Vater. Seine Eltern holen ihn ab. Am nächsten Tag steht der erste Schultag bevor. Er ist angenehm überrascht als er die junge Judy aus dem Nachbarhaus kommen sieht und versucht mit der Nachbarin ins Gespräch zu kommen. Als er sie fragt, ob er sie mit dem Auto zur Schule fahren soll, lehnt sie ab...denn sie wird von ihrer Clique abgeholt. Der Neue fällt auch an der Dawson Highschool sofort auf und er scheint nicht der einzige Teenager zu sein, der ein unbefriedendes Leben zu Hause führt. Bandenchef Buzz Gunderson (Corey Allen) sucht Streit und fordert ihn zu einer Messerstecherei heraus. Doch Jim bleibt vorerst besonnen. Da der andere ihn aber mit dem Ausdruck "Hasenfuß" provoziert, willigt er in eine gefährliche Mutprobe ein. Am Abend soll an der Küste ein s.g. "Chicken Run" stattfinden. Dabei sollen die Kontrahenten - Buzz un Jim - jeweils in einem gestohlenen Wagen auf eine Klippe zurasen. Wer zuerst aus dem Auto springt, der ist feige. Obwohl Buzz kurz vor dem Rennen dem Neuling sogar sagt, dass er ihn irgendwie nett findet, kommt es zu dieser Mutprobe. Doch Buzz bleibt mit dem Jackenärmel am inneren Türgriff hängen. Sein Auto stürzt die Klippen runter und geht sofort in Flammen auf. Er soll aber nicht das Einzige Opfer der Ereignisse sein....




aber immerhin kommen sich Jim und Judy näher. Aber im zweiten Part der Geschichte nimmt "Plato" einen Hauptpart ein. Der Junge himmelt seinen neuen Mitschüler an und hat aufgrund des Verlustes über seine Eltern auch hochaggressive psychopathische Anteile in sich. Nicholas Ray legt zunächst diese Figur eindeutig homosexuell an, obwohl der Hays Code damals solche Themen offiziell verbot. Somit konnte diese Neigung im Film nur subtil angedeutet werden, wie etwa durch kleine, scheinbar unbedeutende Details: Zum Beispiel öffnet Plato, sehr glaubwürdig von Sal Mineo gespielt, einmal seinen Schulspint und der Zuschauer sieht dort ein Foto von Alan Ladd hängen. Dort wo normalerweise bei anderen Jungs Pin-up Fotos von Rita Hayworth oder Marilyn Monroe hängen. Legendär ist die Autorennen-Szene, etwa dann wenn Natalie Wood mit den Händen ein Zeichen gibt, die Kamera dann ganz nah an sie heran fährt und der Zuschauer dann in der nächsten Szene die beiden Autos auf die Schlucht zufahren sieht. Bilder, die Kinogeschichte schrieben - wie auch der Hauptdarsteller James Dean, der durch seinen frühen Tod, einige Monate nach "denn sie wissen nicht, was sie tun"  nur noch einen weiteren Film drehen sollte. Aber auch dadurch zu einem der ganz großen Mythen und Legenden des Kinos aufstieg. Für viele Generation blieb er die Symbolfigur des aufmüpfigen und rebellischen Jugendlichen, der sich gegen die gängigen Normen auflehnt. Der Film erhielt 3 Oscarnominierungen: Beste Nebendarsteller Sal Mineo und Natalie Wood sowie beste Originalstory.






Bewertung: 9 von 10 Punkten.

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