Dienstag, 17. Oktober 2017

Zeuge einer Verschwörung







































Regie: Alan J. Pakula

Verschiebung der Sichtweise...

Der US-Senator Charles Carroll (Bill Joyce) wurde vor einigen Jahren am amerikanischen Nationalfeiertag auf der Aussichtsplattform der Space Needle in Seattle ermordet. Der vermeintliche Attentäter war ein Kellner, der nach einem Handgemenge mit dem Sicherheitspersonal stürzt. Das einberufene Untersuchungskomitee kommt einige Zeit später zum Schluß, dass er ein verrückter Einzeltäter war, der die Tat aus krankhaften Motiven geplant hat - der Fall, den die Presse immer wieder als politische Verschwörung verdächtigt hat, soll nun zu den Akten wandert.
Die Fernsehreporterin Lee Carter (Paula Prentiss) sucht drei Jahre nach diesem Vorfall ihren Freund und Kollegen Joseph Frady (Warren Beatty) auf. Beide waren zum Tatzeitpunkt vor Ort, Lee sogar eine unmittelbare Zeugin.
Lee glaubt, dass immer noch eine Verschwörung in Gang ist und sie findet es geradezu beängstigend, dass 6 der damaligen Augenzeugen des Attentats bereits tot sind und sie ist überzeugt, dass man auch ihr nach dem Leben trachtet.
Frady, der gerade wieder nach einigen privaten Durchhängern eine Anstellung bei seinem Vorgesetzten und Mentor, dem Zeitungsredakteur Bill Rintels (Hume Cronyn) gefunden hat, tut dies zunächst als unbegründete Paranoia ab.
Doch einige Tage später befindet er sich in der Leichenhalle, Lee ist tot.
Frady findet heraus, dass ein weiterer Augenzeuge, ein gewisser Austin Tucker (William Daniels), die ehemals rechte Hand von Senator Carroll, untergetaucht sein soll.
Eine Spur für den neugierigen Zeitungsmann in das kleine Kaff Salmontail, wo er den Sheriff LD Wicker (Kelly Thordsen) kennenlernt.
Er entkommt dort nur knapp dem Tode, seine weiteren Ermittlungen führen zu einer ominösen Agentur, die sich "The Parallax Corporation" nennt und die vermutlich labile und aggressive Menschen anheuert, um sie zu Attentätern zu machen....




Der Begriff "parallaktische Verschiebung" geht auf das griechische Wort "parallaxis" (Veränderung) zurück und meint eine Verschiebung der Sichtweise, wenn beispielsweise ein Objekt in 5 Meter Entfernung vom Beobachter steht und sich dahinter (in 10 Meter Abstand zum Beobachter) eine Wand befindet, dann nimmt nach einer seitlichen Bewegung des Beobachters das Objekt in Relation zur Wand eine andere Position ein, es hat sich (scheinbar) verschoben.
Damit zeigt sich auch der Charakter dieses Attentats, bei dem die Verschwörer es auf sehr geschickte Weise schaffen, die Schuld am Mord an Senator Carroll auf einen einzelnen zu schieben.
Alan J. Pakulas "Zeuge einer Verschwörung" entstand 1974 und gilt neben "Klute" und "Die Unbestechlichen" zu Pakulas sogenannter Paranoia-Trilogie. Alle drei Filme gehören zu den besten Filmen des New Hollywood der 70er Jahre.
Während die beiden anderen Filme dieser Trilogie große Welterfolge wurden, schaffte dies der "Zeuge einer Verschwörung" leider nicht. Er wurde damals eher mittelmässig von der Kritik aufgenommen und auch die Zuschauerzahlen im Kino waren enttäuschend.
Erst im Laufe der Zeit hat sich der Film einen echten Klassikerstatus in Bereich des Politthrillers erworben und er braucht sich vor Meisterwerken wie Costa Gavras "Z", "Vermisst", Pollacks "Die drei Tage des Condor" oder Coppolas "Dialog" in keinster Weise zu verstecken.
Der Film endet perfide und erzielt durch diese klare Konsequenz eine sehr markante Wirkung.
Dabei setzt Pakula sehr stark auch auf die Bildsprache. Der Abgang von Paula Prentiss wird kalt und brutal serviert, eine Szene zuvor war sie noch bei einem wenig verständnisvollen Beatty, der sie überhaupt nicht ernst nahm, nun sieht man sie als Leiche auf der Bahre liegend.
Auch Senator John Hammond (Jim Davis) Generalprobe in einer Aula kommt da ohne Worte aus, die Wirkung dieser Szene ist enorm.
Ebenso wenn Frady einem Eignungs- bzw. Lügendetektortest ausgesetzt ist, bei dem ihm ein Lehrfilm vorgespielt wird, der Bezüge zwischen den amerikanischen Grundwerten und Gewaltausübung schafft und diese immer mehr zu einer Einheit verschmelzen.
Was Frankenheimers "Botschafter der Angst" für die 60er Jahre war, das dürfte Alan J. Pakulas meisterhafter und mysteriöser Thriller für die 70er Jahre sein.





Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.

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