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Mittwoch, 11. März 2026

Die Liebe der Jeanne Ney























Regie: Georg Wilhelm Pabst

Die Tochter des Diplomaten und der Agent...

Georg Wilhelm Pabst zählt mit Fritz Lang, Ernst Lubitsch und Friedrich Wilhelm Murnau zu den wichtigsten Regisseuren der Weimarer Republik. Der in Böhmen geborene Regisseur drehte Klassiker wie "Die freudlose Gasse", "Die Büchse der Pandora", "Kameradschaft", "Tagebuch einer Verlorenen", "Die weiße Hölle vom Piz Palü (gemeinsam mit Arnold Fanck), "Die Dreigroschenoper" oder "Westfront 1918". Auch der 1927 entstandene "Die Liebe der Jeanne Ney" wurde von ihm inszeniert. Die Geschichte entstand nach dem gleichnamigen Roman von Ilja Ehrenberg, der sich zunächst sehr über die Gelegenheit freute, mit Pabst zusammenzuarbeiten, weil er seine Film schätzte. Doch der Autor war bald enttäuscht, denn Pabst hielt sich nicht an die Vorlage. Vor allem das filmische Happyend störte Ehrenberg, denn in seinem Buch wird der bolschewistische Agent Andrej (Andreas) am Ende unschuldig hingerichtet. Nachdem Alfred Hugenberg die Produktionsfirma UFA übernommen hatte, wurden gegen Pabsts Willen weitere Änderungen gefordert, darunter die fast vollständige Streichung der Szene, in der Jeanne und Andreas die Nacht im Hotel verbringen. Jeanne (Edith Jehanne) ist die Tochter von André Ney (Eugen Jensen), einem französischen Diplomaten und politischen Beobachter auf der Krim während der Russischen Revolution. Um seinen verschwenderischen Lebensstil zu finanzieren, verkauft der weissrussische Spitzel Chalibjew (Fritz Rasp) Ney eine Liste mit den Namen angeblicher bolschewistischer Agenten. Jeannes Geliebter Andreas Labow (Uno Henning) und einer seiner bolschewistischen Genossen tauchen im Büro ihres Vaters auf und fordern die Herausgabe der Liste. Ney schießt auf die Eindringlinge und wird dabei getötet. Kurz darauf stürmt die Revolutionsarmee die Stadt. Jeanne flieht mit Hilfe eines bolschewistischen Offiziers nach Paris, der Andreas heimlich ihre Adresse gibt. In Paris nimmt Jeanne eine Stelle als Sekretärin in der Detektei ihres Onkels Raymond (Adolf Edgar Licho) an. Chalibjew, der ihr nach Paris gefolgt ist, versucht, Raymonds blinde Tochter Gabrielle (Brigitte Helm) zu verführen. Er plant, sie nach der Hochzeit zu ermorden und mit ihrem Geld zu fliehen. Margot (Hertha von Walther), eine junge Frau, die in einer Bar arbeitet und der Chalibjew von seinem Plan erzählt hat, warnt Gabrielle und Raymond. Andreas, der als politischer Agitator nach Paris geschickt wurde, trifft Jeanne wieder und verbringt die Nacht mit ihr in einem Hotel. Chalibjew schleicht sich in Raymonds Büro, ermordet ihn und stiehlt einen Diamanten, der als vermisst gemeldet und von einem von Raymonds Angestellten gefunden worden war. Er schiebt Andreas die Tat in die Schuhe, indem er dessen Mantel und ein Foto zurücklässt. Andreas wird von der Polizei verhaftet und wirkt durch das Geld, das er für seine Agitationsarbeit bei sich trägt, umso verdächtiger. Als Jeanne von Andreas’ Verhaftung erfährt, sucht sie Chalibjew auf, um Andreas zu entlasten, da sie sich in der Mordnacht begegnet waren. Sie besteigt den Zug, mit dem Chalibjew aus der Stadt geflohen ist, und versucht ihn zu überzeugen, für Andreas auszusagen. Chalibjew macht ihr sexuelle Avancen und versucht, sie mit seinem Taschentuch zum Schweigen zu bringen, wobei er den gestohlenen Diamanten enthüllt. Jeanne schreit um Hilfe, und Chalibjew wird verhaftet. Im Inneren des Diamanten sieht Jeanne ein Bild von Andreas, wie er aus dem Gefängnis entlassen wird....









Wahrscheinlich wäre der Film tatsächlich noch besser gewesen, wenn er nicht gut geendet hätte. Wie sagte der Autor " Im Buch ist das Leben schlecht eingerichtet. Folglich muss man es verändern. Im Film ist das Leben gut eingerichtet. Folglich sollte man sich schlafen legen" - dennoch ist die Inszenierung mit extremen Kameraeinstellungen und der suggestiven Bildsprache ein expressionistisches Meisterstück. Da stört der Hang zur Melodramatik und Sentimentalität gar nicht, denn dies ordnet sich der herausragenden Optik unter. 











Bewertung: 8,5 von 10 Punkten. 
 

Samstag, 28. Mai 2022

Dreigroschenoper

Regie: Georg Wilhelm Pabst

Konkurrenten der Unterwelt...

Der Film "Die Dreigroschenoper" von Georg Wilhelm Pabst enstand 1931 und gehört bis heute zu den herausragenden Meisterwerken des frühen deutschen Tonfilms. Die literarische Vorlage stammt vom weltweit erfolgreichen gleichnamigen Theaterstück von Bertold Brecht mit der Musik von Kurt Weill, das am 31. August 1928 im Theater am Schiffbauerdamm in Berlin uraufgeführt wurde. Es wurde einer der größten Erfolge der deutschen Theatergeschichte, obwohl die Zuschauer zuerst nur sehr zögerlich waren. Der "Kanonensong" am Schluß gab aber den Ausschlag, das Publikum trampelte auf den Stühlen - ein Welthit wurde geboren. Einge Songs des Stückes wie "Die Moritat von Mackie Messer" oder "Das Lied von der Seeräuber-jenny" wurden echte Gassenhauer. Es folgten tausende von Aufführungen in einigen hundert Inszenierungen. Doch die Nationalsozialisten sprachen 1933 ein Verbot aus. Der Film wurde 2 Jahre vor diesem Verbot realisiert und wurde zunächst durch den erfolglosen Prozeß bekannt, den die Autoren Brecht und Weill gegen die Produzenten des Films anstrengten. Sie fanden ihr Stück verfälscht. Tatsächlich ist der Film weniger aggressiv und provokativ als die Vorlage - möglicherweis durch den Stil der Inszenierung mit diesen phantastischen Dekors des Bühnenbildners Andrej Andrejew. Aus heutiger Sicht kann man aber der Verfilmung auf jeden Fall bescheinigen, dass sie den Geist der Vorlage in keinster Weise verraten hat. Die Handlung zeigt den erbitterten Konkurrenz- und Existenzkampf zwischen Gangstern und Bettlern. Im London des 19. Jahrhunderts ist Macheath (Rudolf Forster)  - bekannt als Mackie Messer - ein Verbrecher aus Soho, dessen Geliebte Jenny (Lotte Lenya) arbeitet als Prostituierte in einem Bordell. Eines Abends trifft er zufällig auf die hübsche Polly Peachum (Carola Neher), in die er sich sofort verliebt. Er hält um ihre Hand an und das Mädchen willigt ein. Macks Bande (Paul Kemp, Gustav Puttjer, Oscar Höcker, Krafft Raschig) organisiert spontan mitten in der Hand eine Hochzeitsfeier in einem Lagerhaus am Hafen. Dort ist auch Tiger Brown (Reinhold Schünzel) zu Gast. Der ehemaligen Kampfgefährte von Mack ist inzwischen zum Londoner Polizeichef aufgestiegen. Tiger Brown hat momentan alle Hände voll zu tun, denn ein Festzug zur Krönung der Königin soll bald stattfinden. Pollys Vater Mr. Peachum (Fritz Rasp) und auch seine Ehefrau (Valeska Gert) sind ausser sich vor Wut als sie von der heimlichen Hochzeit ihrer Tochter mit dem Verbrecherkönig erfahren.  Er besucht Brown, denunziert Mackie als Mörder und droht, die Prozession der Königin mit einem Protestmarsch der Bettler zu stören, wenn Mackie nicht inhaftiert wird. Von Brown gewarnt, sich zu verstecken, geht Mackie ins Bordell, wo die eifersüchtige Jenny seine Anwesenheit an Mrs. Peachum und die Polizei verrät. Nach einer dramatischen Flucht von einem Dach wird er verhaftet und ins Gefängnis gesteckt....




Vor allem optisch ist George wilhelm Pabsts Version der "Dreigroschenoper" ein Hochgenuß. Frizt Arno Wagner, der Kameramann, war zu dieser Zeit einer der besten seiner Zunft, der sein Können bereits durch seine Mitwirkung an Murnaus "Nosferatu" oder Fritz Langs "Der müde Tod" eindrücklich beweisen konnte. Pabst gelingt es vor allem auch die bizarren und skurrilen Aspekte der Geschichte satirisch zu untermauern. Bei der Umfange des deutschen Kinematheksverbundes zu den wichtigsten deutschen Filmen aller Zeiten belegte "Die Dreigroschenoper" den 51. Platz.




Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Donnerstag, 15. Juli 2021

Westfront 1918


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Georg Wilhelm Pabst

Vier von der Infantrie....

Georg Wilhelm Pabst ist eine der großen Filmregisseure der Weimarer Republik. Der 1925 entstandene Stummfilmklassiker "Die freudlose Gasse" wurde wegen seiner Sozialkritik oft zensiert. Pabst wurde filmgeschichtlich immer wieder als einer der Hauptvertreter der "Neuen Sachlichkeit" gefeiert, obwohl sein Stil oft variierte. Großes Ansehen erwarb er sich mit seinen letzten Stummfilmen "Die Büchse der Pandora" und Tagebuch einer Verlorenen", die er beide mit der amerikanischen Schauspielerin Louise Brooks drehte. Dann kam der Tonfilm und Pabsts erster Versuch mit den neuen Möglichkeiten hieß "Westfront 1918", der im Jahr 1930 entstand und fast zeitgleich mit dem von Lewis Milestone inzsenierten amerikanischen Antikriegsfilm "Im Westen nichts Neues" in die Kinos kam. Beide Filme lösten damals zahlreiche Diskussionen aus.  So wurde 1933 - nach der Machtergreifung durch die Nazis - ein Antrag auf Widerruf der Zulassung des Kinofilms gestellt. Das thüringische Ministerium des Innern argumentierte wie folgt: Der Film gibt eine ganz einseitige und deshalb unwahre Darstellung vom Krieg. Er zeigt nur dessen Schrecken und essen verheerende Folgen und stellt bis in widerliche Einzelheiten auch das Leben hinter der Front und der Heimat dar, so in einer Szene, wo der Urlauber bei seiner unvermuteten Rückkehr seine Frau im Schlafzimmer mit einem jungen Burschen findet. Durch diese einseitige Darstellung gefährdet dieser Bildstreifen das lebenswichtige Interesse des Staates den Wehrwillen des Volkes aufrecht zu erhalten und zu stärken. Tatsächlich wurde der Film von der Film-Oberprüfstelle in Berlin verboten.  Der Rest ist Filmgeschichte oder der tragische Werdegang eines der bedeutendsten deutschen Antikriegsfilme. Neben "Im Westen nichts Neues" der viellleicht wichtigste frühe Film über den ersten Weltkrieg - aber im Gegensatz zu der Remarque-Verfilmung, die einen Siegeszug um die Welt antrat und heute noch als großer Klassiker des 30er Jahre Filmjahrzehnts angesehen wird, hat man Pabsts Film im Laufe der Zeit sehr stark vergessen.
Das Drehbuch von "Westfront 1918" beruht auf dem Roman "Vier von der Infanterie" von Ernst Johannsen. Die Bauten entwarf Erno Metzner. Durch die ungeschönten Graben- und Kampfszenen erreicht Pabsts Film einen hohen Grad an Realismus. Er zeigt die Sinnlosigkeit und die Monotonie des Sterbens an der Front. Eingebettet in diese alltägliche Hölle sind die Protagonisten, die auch mit stillen Szenen zum Leben erweckt werden. Da beobachtet der Student wie ein einer Feldschreinerei am Fließband Grabkreuze angefertigt werden. In einer weiteren Szene ist Karls Mutter (Else Heller) zu sehen, die in einer Lebensmittelschlange steht und ihren Sohn sieht, wie er vom Fronturlaub nach Hause kommt. Sie kann den Platz aber nicht verlassen, um den Sohn zu begrüßen - aufgrund der Lebensmittelknappheit hat das Wiedersehen mit dem Sohn zu warten. In 97 trostlosen Minuten lernen wir das Soldatenleben der vier Infanteristen kennen. Da ist der Bayer (Fritz Kampers), ein Gemütsmensch, der verheiratete Karl (Gustav Diessl), der junge Student (Hans-Joachim Moebis), der sich in die Bauerntochter Yvette (Jackie Monnier) verliebt, wo die Einheit untergekommen ist und der Leutnant (Claus Clausen). Es ist das letzte Jahr des Ersten Weltkrieges an der Westfront. Am Anfang des Films herrscht zunächst noch eine Kampfpause für die Männer. Bald jedoch müssen sie wieder in den Schützengraben und die Kampfhandlungen steigern sich auch wieder. Es ist kurz vor der finalen Enschlacht, der Großoffensive der Alliierten. Nur eine Momentaufnahme gabs eine Liebe zwischen den Feinden, der Student muss aber seine französische Freundin, mit der er eine Nacht verbrachte, wieder verlassen. Und Karl bekommt immerhin einen Fronturlaub, doch in Berlin ist das Leid der Zivilbevölkerung auch zu spüren. Zu allem Unglück findet er seine junge Frau (Hanna Hoessich) mit einem jungen Mann (Carl Ballhaus) im Bett. Verzeihen kann er nicht. So reist er wieder an die Front zurück. In der Endeinstellung des Films zeigt uns Pabst die schwer verletzten und sterbenden Männer im Lazarett...


 Während die Welt unter den Fomgen der Wirtschaftskrise litt und die NSDAP ihren Aufstieg begann packte der linksorientierte Regisseur (Die Dreigroschenoper, Kameradschaft) entgegen des aufkeimenden Zeitgeistes ein pazifistisches Thema an, nüchtern und ungeschönt. Erschreckend und überaus realistisch. Nicht umsonst wurde der Pabst Film von der rechtslastigen Filmzensur dann auch gleich wieder verboten. G. W. Pabst beschränkt sich jedoch nicht auf die Darstellung des Leids unter den Soldaten, sondern zeigt auch die Strapazen, denen die Zivilbevölkerung ausgesetzt war, sowohl physischer als auch psychischer Natur, zum Beispiel die Entfremdung der Ehefrauen von ihren Ehemännern und deren seelische Verrohung durch die Kriegsgreuel. Der Filmstil ist extrem nüchternen und desillusionierend, von der Glorifizierung des Krieges - wie es damals in anderen Kriegsfilmen der Fall war. Die Kamera wirkt begleitend und so erhält der Film zusätzlich sogar einen beinahe schon dokumentarischen Charakter.
Auch die Kriegsschuldfrage wird sehr neutral vom sterbenden Karl beantwortet. 


Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

 

Freitag, 9. Februar 2018

Die weiße Hölle vom Piz Palü







































Regie: Arnold Fanck und Georg Wilhelm Pabst

Bleicher Berg...

Die Berninagruppe ist die höchste Berggruppe der Ostalpen, ihr höchster Gipfel ist der Piz Berinan mit einer Höhe von 4.049 Metern. Der Piz Palü mit seinen 3.900 Metern gehört zu dieser Gruppe und befindet sich im Grenzgebiet zwischen dem Schweizer Kanton Graubünden und der italienischen Provinz Sondrio in der Lombardei. Dort in den Schneegebieten des Berninamassivs fanden von Januar bis Juni 1929 die Dreharbieten zu einem der bekanntesten Bergfilme statt. Für "Die weiße Hölle vom Piz Palü" übernahm Arnold Fanck die Außenaufnahmen in den Bergen, Georg Wilhelm Pabst übernahm die Innendrehs und beriet Bergfilmer Fanck bei Fragen der Dramaturgie. Die Naturaufnahmen der Berge mit den vielen Gletschern, Schneestürmen und gefährlichen Lawinen gelangen so gut, dass auch die Fachleute keinen Zweifel an der Echtheit der Aufnahmen hatten, die von Fancks bewährtem Kamerateam Sepp Allgeier, Richard Angst und hans Schneeberger realisiert wurden. Der Film fängt tragisch an. Bei einer Besteigung des Piz Palü mit dem erfahrenen Bergsteiger Christian (Otto Spring) hat Dr. Johannes Kraft (Gustav Diessl) durch ein Bergunglück seine geliebte Frau Maria (Mitzi Götzel) verloren, sie wird von einer Sekunde auf die andere von einer Lawine in die Tiefe gerissen. Obwohl der Führer schell ins Tal eilt um Hilfe zu holen und Johannes selbst noch versucht der Verschollenen, die in einer tiefen Gletscherspalte liegt, zu helfen, bleibt alles erfolglos. Seither plagen ihn Schuldgefühle, weil möglicherweise auch seine Leichtsinnigkeit zu Marias Tod geführt hat und seither besteigt er den gefährlichen Berg an jedem Jahrestag ihres Todes. Von den Einheimischen wird er inzwischen der "Geist des Berges" genannt. An diesem Jahrestag ist er aber nicht allein in der Berghütte "Diavolezza". Das frisch vermählte Paar Hans Brandt (Ernst Petersen) und Maria Maioni (Leni Riefenstahl) sind dort in der Idylle zum ersten Mal allein. Kunstflieger Ernst Udet, der mit ihnen befreundet ist, wirft ihnen vom Flieger aus eine Flasche Sekt zum Feiern mit dem Fallschirm herunter, die beiden machen es sich in der Hütte gemütilich. Dann geht die Tür auf und vor Ihnen steht der schweigsame Dr. Kraft. Der will - ebenso wie das junge Paar - den Piz Palü besteigen.
Am nächsten Tag begibt sich die Beiden gemeinsam mit Krafft auf den Weg zur Nordwand des Berges. Eine Gruppe von bergunerfahrenen Studenten folgt ihnen, doch werden sie von einer Lawine in die Tiefe gerissen. Keiner der jungen Männer überlebt. Und auch für das Trio wird es gefährlich. Da Hans eine gewisse Zuneigung zwischen Maria und dem stillen geheimnisvollen Begleiter spürt, will er beweisen, dass er ein Mann ist und setzt mit diesem Verhalten den Wendepunkt in der Reise. Er stürzt ab, kann aber von Krafft gerettet werden. Dieser hat aber bei der Aktion ein Bein gebrochen. Es folgen Stürme, Steinschlag und Lawinen. Durch die Verletzung der beiden Männer ist der Abstieg unmöglich, es bleibt ihnen nur das Warten auf Hilfe....


mit seiner Laufzeit von 139 Minuten ist der Film in drei Abschnitte aufgeteilt. Die erste davon zeigt unbefangene Menschen in der Hütte, es herrscht eine gute und hoffnungsvolle Stimmung vor. Die Ausgelassenheit wird unterbrochen durch das Auftauchen eines gebrochenen Mannes, der dann Teil 2 einleitet und dieser Part ist auch der spannendste des Films. Man ist mittendrin, sieht die Gruppe der fünf mutigen Studenten scheitern und sieht deren Entsetzen im Gesicht - die letzten Sekunden ihres Lebens laufen ab. Viele Bilder wirken einerseits faszinierend, aber auch sehr gut herausgearbeitet ist die Übermacht einer menschenfeindlichen Umgebung, die viel mächtiger ist als der kleine Mensch, der hier sportliche und mentale Höchstleistungen vollbringen will. Dem Berg wird im dritten Teil des Films - das Warten auf einem kleinen Felsvorsprung - eine seltsame geheimnisvolle Macht zugeschrieben. Der Film wurde bei seiner Aufführung am 11. Otkober 1929 extrem gefeiert und in den ersten vier Wochen nach seiner Premiere zählte er alleine in Berlin im UFA-Palast über 100.000 begeisterte Zuschauer. Auch auf internationaler Ebene wurde dieser große Erfolg fortgesetzt. 1935 wurde eine Tonfassung des Films hergestellt, diese stark gekürzte Fassung wurde sogar noch in den 60er Jahren im Fernsehen gezeigt. Bis 1996 war die Originalfassung verschollen. Diese enthält die vormals entfernten Szenen mit Kurt Gerron.


Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Samstag, 14. Oktober 2017

Die Büchse der Pandora







































Regie: Georg Wilhelm Pabst

Lulu...

Die "Büchse der Pandora" enthielt wie die griechische Mythologie überliefert, alle der Menschheit bis dahin unbekannten Übel wie Arbeit, Krankheit und Tod. Sie entwichen in dem Moment in die Welt, als Pandora die Büchse öffnete. So steht dieses Öffnen auch als Inbegriff für das Stiften eines Unheils, das sich nicht wiedergutmachen lässt.
Angelehnt an diese Geschichte entstand die gleichnamige Tragödie von Frank Wedekind als Fortsetzung seines "Erdgeist". Beide Stücke wurden von Wedekind später als Bühnenfassng in einem Stück mit dem Titel "Lulu - Tragödie in 5 Aufzügen mit einem Prolog" zusammengefasst. Die "Büchse der Pandora" erschien in Buchform erstmalig im Jahr 1902. Aufgrund der für die Jahrhundertwende ungewöhnliche Deutlichkeit und Brutalität der Sprache schrieb Wedekind vornehmlich auf Englsich und Französisch.
1929 nahm sich der renommierte Regisseur der Weimarer Republik Georg Wilhelm Pabst diesem Stoff an. Dabei gelang ihm sicherlich neben "Die freudlose Gasse" und "Tagebuch einer Verlorenen" sein bestes Werk überhaupt.
Der Film war zu seiner Zeit ein Skandal. Am 30. Januar 1929 gabs Jugendverbot für den Stummfilm. Nach der Machtergreifung der Nazis wurde sogar am 9. April 1934 verhängte die Filmoberprüfstelle auf Antrag des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda das Aufführungsverbot für einen der besten Filme der 20 Jahre.
Erzählt wird die tragische Geschichte von Aufstieg und Untergang der jungen Lulu (Louise Brooks), die den Männern, denen sie begegnet, zwar Begehren, am Ende aber nur den Tod bringt. Auch Frauen wie Augusta Geschwitz (Alice Roberts) erliegen dem Charme und der erotischen Austrahlung des jungen Revuegirls. Gleich am Anfang zeigt Pabst das Zusammentreffen einiger wichtiger Männer im Leben der Lulu. Mit dem wohlhabenden und einflussreichen Zeitungsherausgeber Dr. Schön (Fritz Kortner) hat sie eine Affäre. Doch er will sich von ihr trennen und hat sich mit der anständigen Charlotte von Zarnikow (Daisy D´Ora) verlobt. Als er entdeckt, dass sich in Lulus Wohnung auch der gnomenhafte alte Schigolch (Carl Goetz) aufhält, den Lulu als früheren Mäzen vorstellt, verlässt er seine Geliebte. Doch schon ein neuer Verehrer kreuzt seinen Weg nach draussen auf der Treppe des Hauses. Selbst Schöns junger Sohn Alwa (Francis Lederer) schwärmt für die die Exgeliebte seines Vaters. Sehr berechnend inzeniert sie im Theater einen handfesten Skandal, nach dem Schön genötigt ist sie auch zu ehelichen. Doch die Ehe hält nicht lang. In der Hochzeitsnacht kommt es zu einem Handgemenge, in dessen Verlauf Dr. Schön erschossen wird. Auf der Anklagebank könnte ihr die Todesstrafe drohen, doch am Ende steht das Urteil von 4 Jahren Zwangsarbeit fest. Sie kann mit Hilfe ihrer Freunde fliehen. Alwa, Schigloch und Gräfin Geschwitz begleiten sie. Im Zug wird Lulu von einem anderen Passagier, Marquis Casti Piani (Michael von Newlinsky) erkannt. Er schweigt - muss aber bezahlt werden. Er schlägt vor, dass sich die Flüchtenden auf einem Schiff verstecken können, dass als illegale Spielhölle verwendet wird. Nach mehreren Monaten braucht er aber wieder Geld und verkauft Lulu an ein ägyptisches Bordell. Es bleibt nur noch die Flucht nach London. Dort hausen Alwa, Schigloch und Lulu im Elendsviertel. Am Heiligabend wird sie zur Prostitution getrieben. Dort treibt aber zur gleichen Zeit auch der gefürchtete jack the Ripper (Gustav Diessl) sein Unwesen...



 Sehr stark kommen die beiden Wirkungsmöglichkeiten des Films zur Geltung: Expressionistische Großaufnahmen und extrem atmosphärische Bildimpressionen, die den Film so derart stark machen. Unvergessen bleibt auch die Darstellung der amerikanischen Schauspielerin Louise Brooks, deren kesse moderne Frisur heute noch als "Lulu Pagenkopf" bezeichnet wird. Großartig spielt sie die eigentlich eher unschuldige Verführerin, die mit ihrer unverhüllten Sexualität das Leben der sie umgebenden Menschen zugrunde richtet. Louise Brooks besaß eine emorme sinnliche Ausstrahlung und beinahe kann man sagen, dass sie den Film mühelos im Alleingang tragen kann. Die Handlung unterteilt sich wie im Theater in Akte. Was in Akt 1 in einem großbürgerlichen Berliner Salon beginnt, endet in Akt 8 im Nebel von London. Alles ist recht dunkel gehalten, keine Spur von Hoffnung auf dem unaufhaltsamen Weg ins Verderben.
Die Restauration des Films ist sehr gut gelungen. Die DVD bietet sowohl englische als auch deutsche Zwischentitel an.




Bewertung: 10 von 10 Punkten.