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Samstag, 19. November 2022

Nightmare Alley


Regie: Guillermo del Toro

Der Scharlatan...

Leider fiel Guillermo del Toros Neo Noir "Nightmare Alley" an der Kasse durch. Er spielte zwar 39 Millionen Dollar ein, das hohe Budget von 60 Millionen Dollar verhinderte aber den Erfolg. Künstlerisch sieht das Ergebnis aber bedeutend positiver aus, denn del Toro ist ein sehr gutes Remake des gleichnamigen Klassikers von Edmund Goulding aus dem Jahr 1947 gelungen. Damals spielte Tyrone Power diesen Stanton Carlisle. In del Toros Neuverfilmung ist Bradley Cooper in einer seiner besten Rollen zu sehen. Bei der Oscarwahl wurde er zwar übergangen, doch der Film bekam immerhin vier Nominierungen: Als bester Film des Jahres, ausserdem Kameramann Dan Laustsen sowie für die Kostüme und für die Szenenbilder.
Irgendwann in den 30er Jahren lässt Stanton Carlisle (Bradley Cooper) ein brennendes Haus zurück. Stanton ist ein mysteriöser Mann, der kurze Zeit später auf einen Zirkus trifft, der mit einer Mischung aus Jahrmarkt und Freakshow durch das Land zieht. Der von seinen Dämonen verfolgte Mann wird dort von Clem Hoately (William Dafoe) als Arbeiter angeheuert. Er freundet sich auch schnell mit der hellsichtigen Madame Zeena (Toni Colette) und ihrem älteren alkoholkranken Mann Pete (David Strathairn) an. Bei dem Paar lernt er die Kunst der falschen Telepathie kennen. Die beiden Zirkusleute entwickelten für ihre Wahrsagereien einen Code zwischen dem Telepathen Pete und seiner Assistentin Zeena. So konnten die beiden über Jahre hinweg übernatürliche Fähigkeiten vortäuschen. Stan ist beeindruckt davon und auch von der ebenfalls zum Zirkus gehörenden Molly Cahil (Rooney Mara). Er verliebt sich in sie und versucht mit ihr ein neues Showkonzept zu entwerfen. Als Pete durch eine Flasche Holzalkohol stirbt, nimmt Stan dessen Handbuch des Mentalismus an sich. Dann verlässt er mit Molly den Zirkus. Zwei Jahre später haben die beiden eine Show, die in New York ein guter Erfolg wird. Eines Abends sorgt Stan mit seinen Fähigkeiten im Sall für Aufsehen und lernt die geheimnisvolle Psychologin Lilith Ritter (Cate Blanchett) kennen. Von Gier getrieben kann es Stan nicht lassen seine Magie auszuweiten, Lilith als Komplizin zu nehmen und er bietet ab nun ausgewählten Kunden, die der Psychologin vertrauen, dass er Kontakt mit deren toten Angehörigen aufnehmen kann...







Die kommende Katastrophe ist natürlich vorgezeichnet in diesem optischen Meisterwerk des mexikanischen Regisseurs, der mit "Cronos", "Mimic" und "The Devils Backbone" begann, später mit "Pans Labyrinth" einen riesigen Welterfolg verzeichnen konnte und sich seit 2013 mit "Pacific Rim" immer wieder an Genres heranwagt, die er sehr lieben muss. So war "Crimson Peak" eine Hommage an die Hammer Filme. Mit seinen Oscarprämierten "Shape of Water" bekannte er sich als Fan der Film von Jack Arnold und mit "Nightmare Alley" schuf er einer der besten Noirs unserer Zeit. Die Schauspieler sind perfekt besetzt - als Ezra Grindle ist Richard Jenkins zu sehen, Ron Perlman spielt den Zirkusmann Bruno und es gibt auch ein Wiedersehen mit Mary Steenburgen, die die Rolle der Miss Harrington spielt. 






Bewertung: 8,5 von 10 Punkten.

 

Montag, 23. Juli 2018

Shape of Water







































Regie: Guillermo del Toro

Das Monster aus der schwarzen Lagune...

Und wenn sie nicht gestorben sind...so enden ja viele Märchen und daher kann man Guillermo del Toros oscarpreisgekrönter Film "Shape of Water - Das Flüstern des Wassers" auch in diese Kategorie einordnen. Doch die Fantasy Romance bietet auch Horrorelemente an - denn es geht um einen Verwandten des Monsters aus der schwarzen Lagune. "Der Schrecken vom Amazonas",  ein 3D B-Picture von Jack Arnold 1954 inszeniert, stand sicherlich Pate für del Toros moderne Hommage. Der Film war damals ein guter Kassenschlager und hatte auch Gemeinsamkeiten mit anderen Horrorfilm-Erfolgen wie "King Kong" oder "La Belle et la Bete".
Somit erweist der mexikanische Regisseur genauso wie bei seinem Vorgänger "Crimson Tide" den alten Klassikern seine Ehre. In "Crimson Peak" konnte man eine Neuauflage der alten Hammer-Filme sehen und so steckt auch "Shape of Water" voller liebgewonnener Versatzstücke aus den schon genannten Vorbildern.
Er hat auch einen Sinn für die wichtigen Details - so schaut Elisa Espositos Nachbar Giles im Fernsehen Filme von Alice Faye oder Carmen Miranda an. Die Story selbst spielt Anfang der 60er Jahre und die Ausstattung und das Szenenbild ist den Machern einfach perfekt gelungen. Kameramann Dan Laustsen (Nightwatch, Pakt der Wölfe, Salomon Kane) hat für seine bisher beste Leistung zu Recht eine der 13 Oscarnominierungen erhalten. Gewonnen hat der Film in den Kategorien Bester Film, beste Regie, beste Filmmusik Alexandre Desplat und bestes Szenenbild. In den Kategorien beste Darstellerin Sally Hawkins, bester Nebendarsteller Richard Jenkins, beste Nebendarstellerin Ocatvia Spencer, bestes Originaldrehbuch, Bester Ton, bester Tonschnitt, bester Schnitt, beste Kamera und bestes Kostümdesign ging "Shape of Water" leer aus.
Elisa Esposito (Sally Hawkins) ist stumm und kommuniziert mit ihrer Umwelt durch Gebärdensprache. Sie lebt alleine in einer Wohnung über einem Kino, das B-Filme zeigt. Mit ihrem Nachbar Giles (Richard Jenkins), einem Katzennarr, ist sie befreundet. Giles ist Plakatkünstler, jedoch ohne feste Anstellung und hofft wieder bei seinem alten Arbeitgeber einsteigen zu können. Elisa arbeitet als Reinigungskraft in einem geheimen Regierungslabor in Baltimore, Maryland - es ist gerade der Höhepunkt des Kalten Krieges angebrochen. Ihre Putzkollegin Zelda (Octavia Spencer) ist ihr eine echte Stütze, weil sie die Gebärdensprache beherrscht und bei der Arbeit übersetzen kann.
Eines Tages erhält dieses Institut eine seltsame Lieferung. Am Amazonas hat man eine seltsame Kreatur entdeckt, die im Wasser lebt und nun will man dieses Monster wissenschaftlich untersuchen. Das Wesen, halb Amphibie, halb Mensch, wurde von den Eingeborenen im Dschungel wie ein Gott verehrt. Nun ist dieses arme Geschöpf in einem Wassertank gefangen und muss Experimente über sich ergehen lassen. Der Wissenschaftler Dr. Robert Hoffstetter (Michael Stuhlbarg) geht menschlich mit der Kreatur um, doch der brutale Colonel Richard Strickland (Michael Shannon) setzt auf ganz andere, sehr sadistische Methoden. Eines Tages werden ihm von der Kreatur zwei Finger abgebissen. Elisa und Zelda sollen die Blutlache im Experimentierraum säubern. Dies gibt Gelegenheit, dass Elisa das Monster im Tank beobachten kann. Sie hat Mitleid mit dem Geschöpf und versucht Kontakt herzustellen. Was beim zweiten Mal schon besser gelingt. Sie bringt Eier mit und die Kreatur scheint Hunger zu haben. Langsam aber sicher freundet sich Elisa mit dem Wesen an. Doch dann beschließen die Verantwortlichen den Tod ihres Gefangenen. Elisa setzt alle Hebel in Bewegung dies zu verhindern, denn sie fühlt für den Amphibienmenschen so etwas wie Liebe...





Eine scheinbar unmögliche Liason, aber im Märchen ist alles möglich und so setzt "Shape of Water" auf die Herzkarte, gepaart mit vielen phantastischen Elementen. Man kann es vielleicht zeitgemäß deuten in Richtung "Selbst die unmöglichste Liebe hat ihre Berechtigung" - also in einem liberalen Kontext stehend - aber für mich ist "Shape of Water" eindeutig eine Hinwendung zurück zum klassischen Horrorkino. Die Geschichte selbst wurde perfekt fürs Kino veredelt - umwerfende Farbnuancen und prächtige Bilder gibt es in Hülle und Fülle. Dennoch vergisst del Toro bei aller Perfektion für die Form auch den Inhalt nicht. Als Monster zurechtgemacht darf auch Darsteller Doug Jones nicht unerwähnt bleiben - seine hervorragende Optik zeigt einmal mehr das große Potential der Motion Capture Technik. Bei Produktionskosten von 19,5 Millionen Dollar konnten bislang fast 200 Millionen Dollar Einnahmen an der Kinokasse erzielt werden.





Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Freitag, 6. Oktober 2017

The Devils Backbone







































Regie: Guillermo del Toro

Zwei Welten

Der mexikanische Regisseur Guillermo del Toro ist einer der bedeutendsten Filmemacher dieses Jahrzehnts. Er wird auch bei der Verfilmung von Tolkins "Der kleine Hobbit" auf dem Regiestuhl sitzen.
Sein künstlerisch und kommerziell bislang grösster Erfolg gelang ihm mit dem faszinierenden "Pans Labyrinth".
Ausserdem drehte er "Blade 2", die beiden Hellboy Filme und war Produzent von Juan Antonio Bayonas klassischem Geisterfilm "Das Waisenhaus".
Interessanterweise hat dieser Film einige Parallelen zu del Toros "The Devils Backbone" (Das Rückgrat des Teufels), der 2001 realisiert wurde und leider nie über den Status eines Geheimtipps hinaus gelangte.
Del Toro selbst bezeichnet diesen Horrorfilm, als seinen ersten eigenen Film. Bei seinen vorher entstandenen Werken "Miminc" und "Cronos", nahmen die Studios sehr viel Einfluss auf die fertigen Filme und seiner Meinung nach wurde seine künstlerische Freiheit zweitrangig angesehen.
Als Produzent für den Geisterfilm "The Devils Backbone" wurde Pedro Almodovar gewonnen.
Ein extem heisser Sommer, ein wunderbarer blauer Himmel. Doch der Sonne täuscht. Spanien im Jahr 1939 ist geprägt vom dreijährigen, erbittert geführten Bürgerkrieg.
General Francos Faschisten sind nahe daran, die linksgerichteten Republikaner in den Kampfhandlungen zu vernichten. Es ist eine düstere Zeit voller Panik und Furcht.
Im Hof des Waisenhauses Santia Lucia ragt eine riesige Bombe. Zum Glück ein Blindgänger der nie detonierte. Nach dem Entschärfen blieb er als Symbol des grausamen Krieges dort stehen.
Die mitten in einem wüsten Landstrich gelegene Schule wird vom gutmütigen Professor Casares (Federico Luppi) und der einbeinigen Direktorin Carmen (Marisa Paredes) geleitet, Helfer der beiden ist der junge Hausmeister Jacinto (Eduardo Noriega). Heimlich unterstützen sie die linken Truppen.
In der Nacht als die Bombe fiel, verschwand auf merkwürdige Weise der Junge Santi (Junio Valverde).
Doch die Reihen werden in diesen Zeiten schnell gefüllt. Der verwaiste Carlos (Fernando Tielve) wird hier abgegeben. Zuerst muss sich der Neue in den Reihen der anderen Jungs etablieren, das geht aber nur, wenn auch der heimliche Boss Jaime (Inigo Garces) ihn akzeptiert... 






Wie bereits in "Pans Labyrinth" gelingt es del Toro meisterlich zwei völlig unterschiedliche Arten des Schreckens als faszinierende Einheit zu zeigen. Einmal der Schrecken des realen Lebens und zum zweiten der Schrecken, der durch das Übernatürliche entsteht.
Zum alltäglichen Überlebenskampf und der Kindheit im Krieg auf dem Weg zum Erwachsenwerden gesellen sich unheimliche Erscheinungen. Tote Gestalten von der Zeit eingefroren, die möglicherweise vor etwas Schrecklichem warnen.
"Devils Backbone" ist noch beklemmender als Pans Labyrinth, der Film ist superb fotographiert und hat durchgehend eine eindringliche, düstere aber auch schöne melancholische Atmosphäre.
Einer der besten 10 Filme des ausgehenden Jahrzehnts.





Bewertung: 10 von 10 Punkten

Dienstag, 22. August 2017

Pans Labyrinth


Regie: Guillermo del Toro

Ofelias im Wunerland...

Ein kleines schwarzhaariges Mädchen liegt blutend auf dem Boden..so beginnt das 1944 in Spanien spielende düstere Fantasydrama "Pans Labyrinth von Guillermo del Toro.
In Francos Spanien herrscht Bürgerkrieg. Der brutale Hauptmann Vidal (Sergi Lopez) befindet sich mit seiner Gruppe in den Bergen Nordspaniens, wo sich auch die Rebellen verschanzt haben.
Sein Ziel ist es Jagd auf diese Partisanen auf Aufwiegler zu machen.
Er hat sich aber auch fest in den Kopf gesetzt, seine hochschwangere Frau Carmen (Ariadna Gil) zu sich ins Kampfgebiet zu holen, weil er die Geburt seines Sohnes miterleben will.
Mit der kranken Mutter reist auch deren Tochter Ofelia (Ivana Baquero) aus erster Ehe. Ein Mädchen mit viel Phantasie, die sich gelegentlich auch in ihre Traumwelten flüchtet.
Als sich Mutter und Tochter auf den Weg zum Hauptmann machen, hält das Automobil kurz im Wald. Die Zwölfjährige entedeckt dort eine Steinstatue. Als sie das fehlende rechte Stein-Auge der Statue wieder dort einsetzt, krabbelt eine übergroße Stabschrecke heraus, diese fliegt um das Mädchen herum.
Im Hauptquartier der Soldaten merkt Ofelia bald, dass ihr egoistischer, aggressiver Stiefvater ihr nicht wohlgesonnen ist.
Sie schließt aber Freundschaft mit der Hausangestellten Mercedes (Maribel Verdu), die heimlich - wie auch ihr Freund - zu den Partisanen gehört.
Ofelia findet bei ihren zahlreichen Spaziergängen neben der Mühle ein altes Mauerwerk mit einem großen Tor. Mercedes meint dies sei ein Labyrinth, wesentlich älter als die Mühle.
Bald wird Ofelia in der Nacht von dem Insekt besucht, diese lockt das Mädchen in das Labyrinth, wo sie einen alten Fabelwesen, dem Pan (Doug Jones) begegnet. Der Pan erzählt dem Mädchen, dass sie die wiedergefundene Prinzessin des unterirdischen Reiches sei, aber um wieder in die magische Welt einzusteigen, muss sie drei Prüfungen ablegen...




 "Pans Labyrinth" ist ein mexikanischer Film des Kultregisseurs Guillermo del Toro und neben "The Devils Backbone" sein bester Film.
Der Film spielt auf zwei Ebenen - einmal die reale und einmal die märchenhafte - die beide mit der Figur des Mädchens Ofelia verknüpft sind. Dabei haben beide Ebenen auch andere Parallelen, die durch die Symbole wie das Messer oder der Schlüssel erkennbar sind.
Die mexikanische Fantasy-Parabel schildert gleichzeitig die Grausamkeiten des Faschismus im Franco Regime und die Hoffnung auf eine erlösende Kraft durch kindliche Imagination, die durch den Glauben Gestalt und Leben annimmt. Und damit auch Realität sein kann. Die surrealen und faszinierenden Bilder von Guillermo Navarro veredeln zusätzlich die düstere Variante von "Alice im Wunderland".
Gerechterweise erhielt der Film drei Oscars und ist jetzt schon ein moderner Klassiker und einer der großen Filme der 00er Dekade.




Bewertung: 10 von 10 Punkten