Regie: Jean Eustache
Zwischen Kindheit und Erwachsensein...
"Meine kleinen Geliebten" (französisch: *Mes Petites Amoureuses*, nach einem Gedicht von Arthur Rimbaud) ist ein französisches Coming-of-Age-Drama von Jean Eustache, der sowohl das Drehbuch schrieb als auch Regie führte; es war sein zweiter und leider auch sein letzter Spielfilm. Der 1974 veröffentlichte Film zeigt Martin Loeb in der Rolle eines heranwachsenden Jungen, der aus dem ruhigen Leben bei seiner Großmutter auf dem Land in die beengte Stadtwohnung seiner Mutter wechseln muss. Ingrid Caven spielt die Mutter des Jungen. Der Film nahm am 9. Internationalen Filmfestival Moskau teil. Jean Eustache wurde in Pessac im französischen Département Gironde in eine Arbeiterfamilie hineingeboren. Über Eustaches Leben vor seinem Eintritt in den Kreis der *Cahiers du cinéma* in den späten 1950er Jahren ist relativ wenig bekannt; allerdings weiß man, dass er weitgehend Autodidakt war und vor seiner Tätigkeit als Filmemacher bei der Eisenbahn arbeitete. Es gibt Hinweise darauf, dass das Geheimnisvolle um seine Jugend beabsichtigt war; so heißt es in Quellen, Eustache habe zu Lebzeiten kaum Informationen über seine frühen Jahre preisgegeben, was darauf hindeute, dass er keinerlei Nostalgie für seine unglückliche Kindheit empfand.Obwohl er nicht zur *Nouvelle Vague* gehörte, pflegte Eustache Verbindungen zu dieser Bewegung. Auch nachdem er als Filmemacher tätig geworden war, hielt Eustache engen Kontakt zu Freunden und Verwandten in Pessac. Im Jahr 1981 wurde er bei einem Autounfall schwer verletzt und in seiner Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt. Im November desselben Jahres nahm er sich im Alter von 42 Jahren in seiner Pariser Wohnung durch einen Schuss das Leben.Eustache hatte einen Sohn, Boris Eustache (geboren 1960), der am zweiten Spielfilm seines Vaters mitwirkte und als Schauspieler in Eustaches Kurzfilm "Les Photos d'Alix" zu sehen ist. Eustache drehte nach mehreren Kurz- und Dokumentarfilmen 1973 den Kinofilm "La Maman et la putain". Dieser Film wurde ein großer Erfolg und wurden bei den Filmfestspielen in Cannes ausgezeichnet. Dadurch konnte auch ein zweiter Film realisiert wrerden, in "Meine kleinen Geliebten" arbeitete der Regisseur erstmals unter professionellen Bedingungen auf 35 mm Farbfilm. Da der Film leider keinen großen Erfolg hatte. gelang es Eustache nicht, einen weiteren Spielfilm zu finanzieren. So entstanden die nachfolgenden Filme wiederum unter finanziell prekären Umständen. Posthum bekam er 1982 für den Kurzfilm "Les Photos d´Alex" den Cesar. "Meine kleinen Geliebten" ist das wunderschöne melancholische Porträt eines Jungen, der in Frankreich aufwächst. Daniel (Martin Loeb) lebt bei seiner Großmutter (Jacqueline Dufranne) in ländlicher Umgebung in Pessac bei Bordeaux und verbringt eine unbeschwerte, glückliche Kindheit mit seinen Freunden. Nach einem Jahr an der weiterführenden Schule muss Daniel nach Narbonne ziehen, um bei seiner Mutter (Ingrid Caven) zu leben. Sie ist Näherin und wohnt in einer kleinen Wohnung mit ihrem Geliebten José (Dionys Mascolo) zusammen, einem verheirateten spanischen Landarbeiter.Daniel würde gerne weiter zur Schule gehen. Er freut sich, als er ins College aufgenommen wird, doch nachdem er ein Jahr das Collège besucht hat, ist dies bei den finanziellen Verhältnissen seiner Mutter nicht mehr möglich. Obwohl er sehr ruhig ist und sich nie offen beklagt, bemerkt man, dass er sich bei seiner Großmutter viel wohler gefühlt hat. Statt Schule muss er nun in der Fahrrad- und Motorradwerkstatt von Josés Bruder Henri (Henri Martinez) arbeiten soll. Dort langweilt er sich oft und wird sehr schlecht bezahlt. Daniel beginnt, sich für Mädchen zu interessieren, schaut ihnen auf der Straße nach und beobachtet regelmäßig ein Liebespaar, das sich immer in einer Gasse gegenüber der Werkstatt trifft. Er findet Anschluss an eine Gruppe älterer Jugendlicher und junger Männer, die er oft in einem Straßencafé trifft. Er imitiert deren Verhalten, fängt z. B. an zu rauchen, und versucht auch über den Umgang mit Mädchen und Frauen von ihnen zu lernen – allerdings erfolglos. Im Kino - während der Vorstellung des Hollywood Films "Pandora" - beobachtet er einmal, wie ein Junge sich zu einem vor ihm sitzenden Mädchen beugt und anfängt sie zu küssen. Daniel tut mit dem vor ihm sitzenden Mädchen das gleiche. Zu einem Gespräch kommt es aber nicht, weil Daniel vor Ende des Films das Kino verlässt. Daniel und die anderen Jugendlichen machen sich auf Fahrrädern auf den Weg in ein nahegelegenes Dorf zu einem Tanzabend. Mit einem Freund löst sich Daniel von der Gruppe und sie treffen zwei Schwestern, die auch abends zu dem Tanz gehen wollen. Die ältere Schwester und Daniels Begleiter kommen sich schnell näher und fangen an sich zu küssen. Daniel versucht etwas unbeholfen, mit Francoise (Marie Paule Fernandez), der jüngeren Schwester, zu flirten. Sie gehen außerhalb des Dorfes spazieren, legen sich ins Gras und küssen sich, weitere körperliche Annäherungen lehnt sie jedoch ab. Sie möchte gern, dass er in der nächsten Woche wiederkommt. Daniel sagt zu, obwohl er weiß, dass er da schon im Urlaub auf dem Land bei seiner Großmutter sein wird. Dort trifft er seine alten Freunde aus dem vorigen Jahr wieder. Sie scheinen sich kaum verändert zu haben, während Daniel nicht mehr der Gleiche ist. Dem Mädchen, mit dem er im Jahr zuvor spielerisch gekämpft hat, versucht er sich nun zu nähern, doch als er ihr von hinten an die Brust greift, entwindet sie sich ihm....


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