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Sonntag, 7. Juli 2024

The Descendants


Regie: Alexander Payne

 Auf der Suche nach seiner Frau...

Das erste Bild zeigt eine Frau (Patricia Hastle), die mit Begeisterung in der Nähe von Waikiki Motorboot fährt. Wenig später liegt die Frau im Koma, es handelt sich um die Ehefrau und Mutter Elisabeth King. Ihr Mann Matt (George Clooney) ist ein vermögender Anwalt, dem zudem noch ein beträchtliches Stück unberührtes Land auf der Insel Kaua´i mit 25.000 Hektar gehört. Die Familie hat dieses Landstück geerbt, Matt ist der Treuhänder des Erbes seiner Eltern. Das Land steht kurz vor seiner Veräusserung, denn die meisten erbberechtigten Verwandten, Tanten, Onkels und Cousinen wollen endlich viel, viel Geld sehen.
Auch Matt war bisher für einen Verkauf, nur hat er jetzt ganz andere Sorgen. Der Arzt teilt ihm nämlich mit, dass Elisabeth mit größter Wahrscheinlichkeit nicht mehr aus dem Koma aufwachen wird und sie in einer Patientenverfügung bestimmt hat, dass sie keine lebensverlängernden Maßnahmen wünscht.
Ein harter Schlag, auch für die beiden Töchter Scottie (Amara Miller) und Alexandra (Shaylene Woodley).
Die 10jährige Scottie verarbeitet den Unfall der Mutter in der Schule eher sehr schräg und Alexandra, die ein Alkoholproblem hat und ein Internat besucht, hat seit Weihnachten nicht mehr mit ihrer Mom gesprochen, beide gingen in einem heftigen Streit auseinander.
Zudem holt sie ihren Freund Sid (Nick Krause) als Beistand ins elterliche Haus, der Junge wirkt recht eigenwillig - um es mal vorsichtig auszudrücken.
Zuerst muß Matt den beiden Töchtern klar machen, dass die Mutter sterben wird und dann alle Verwandten und Freunde benachrichtigen, dass sie sich noch einmal am Krankenbett von Elisabeth verabschieden können.
Ein weiterer Schock trifft den Vater ebenso: Er findet heraus, dass Elisabeth einen Liebhaber hatte...





Alexander Paynes Filmographie weist bereits viele gute Filme aus, er ist der Regisseur von "Election", "About Schmdit" oder "Sideways" und man kann dem Filmemacher bescheinigen, dass er ernste Themen in der richtigen Balance mit Witz und Tragik präsentieren kann. So auch in "The Descentants", in dem George Clooney schauspielerisch eine gute Figur macht. Aber auch die Nebenrollen mit Shailene Woodley, Nick Krause, Judy Greer oder Robert Forster sind sehr gut gewählt und haben beeindruckende, gut Momente.
Der griechische Kameramann Phedon Papamichael zeigt auch eine atemberaubend schöne Kulisse Hawaii. Inmitten dieser schönen Umgebung reist der Vater mit seinen Kindern und dem Freund seiner Tochter zu den Verwandten oder zu den Menschen, die für seine Frau wichtig sind.
Dabei laufen die 4 sehr oft, manchmal wirkt "The Descentants" beinahe wie ein Roadmovie. Am Ende steht die Wiederentdeckung von Familie.
Zweifelsohne eine schöne Tragikomödie.






Bewertung: 8 von 10 Punkten.

The Holdovers


Regie: Alexander Payne

Übrigbleibsel...

Mit Filmen wie "Election", "About Schmidt", "Sideways", "The Descendants" und "Nebraska" etablierte sich der Filmemacher Alexander Payne als einer der interessantesten Regisseure der USA. Seine 2023 entstandene Tragikomödie "The Holdovers" beweist die hervorragende Qualität dieses Autorenfilmers, der bereits zweimal mit dem Oscar (Drehbücher von "Descentants" und "Sideways") und zwei Golden Globes (Drehbücher "About Schmidt" und "Sideways") ausgezeichnet wurde. "The Holdovers" kam auf fünf Oscarnominierungen: Bester Film, Paul Giamatti, bestes Drehbuch, bester Schnitt, beste Nebendarstellerin Da’Vine Joy Randolph - letztere wurde auch mit dem Oscar ausgezeichnet. Der Film mauserte sich zum absoluten Kritikerliebling und wurde mit einer ganzen Menge an Filmpreisen zugeschüttet. Paul Giamatti spielt die Rolle seines Lebens als Paul Hunham, dem alleinstehenden, sehr unbeliebten Lehrer im mittleren Alter, der schon lange Jahre als Professor für Antike Zivilisationen an einer privaten Hochschule mit Schülern aus gehobenen Kreisen tätig ist.
Im Dezember 1970 ist Paul Hunham in Neuengland Lehrer für klassische Altertumswissenschaften an der Barton Academy, einem reinen Jungeninternat, das er einst mit einem Stipendium besuchte. Seine Schüler und Kollegen verachten ihn wegen seiner strengen Benotung und seiner sturköpfigen Persönlichkeit. Dr. Woodrup (Andrew Garman), Bartons Schulleiter und Hunhams ehemaliger Schüler, schimpft mit Hunham, weil er der Akademie Geld kostet, indem er den Sohn eines Großspenders durchfallen lässt, woraufhin dieser den Geldhahn zu macht. Zur Strafe muss Hunham fünf Schüler beaufsichtigen, die während der Ferien auf dem Campus bleiben, darunter Angus Tully (Dominic Sessa), dessen Mutter eine Familienreise nach St. Kitts absagte, um mit ihrem neuen Ehemann Flitterwochen zu verbringen. Ebenfalls zurück bleiben die Schüler Teddy Kountze (Brady Hepner), Alex Ollerman (Ian Dolley), Ye Joon Park (Jim Kaplan), Jason Smith (Michael Provost) und die Cafeteria-Managerin Mary Lamb (Da'Vine Joy Randolph), deren verstorbener Sohn Curtis die Barton Academy besuchte und nach seiner Einberufung im Vietnamkrieg getötet wurde. Anders als die meisten Barton-Schüler erhielt Curtis keinen Aufschub, weil er sich das College nicht leisten konnte. Zum Verdruss der Schüler zwingt Hunham sie, in den Ferien zu lernen und Sport zu treiben. Nach sechs Tagen kommt der reiche Vater eines der Schüler mit dem Hubschrauber an und erklärt sich bereit, alle fünf Schüler mit Erlaubnis der Eltern auf den Skiausflug der Familie mitzunehmen. Angus, der seine Eltern nicht erreichen kann, um ihre Erlaubnis einzuholen, bleibt mit Hunham und Mary allein in Barton zurück. Als Hunham Angus dabei erwischt, wie er versucht, ein Hotelzimmer zu buchen, streiten die beiden über Hunhams Disziplinarmaßnahmen. Angus rennt impulsiv durch die Schulflure und springt trotzig in einen Haufen Turngeräte, wobei er sich die Schulter ausrenkt. Hunham bringt Angus ins Krankenhaus. Um Hunham vor Schuldzuweisungen zu schützen, belügt Angus die Ärzte über die Umstände seiner Verletzung. In einem Restaurant treffen Hunham und Angus Lydia Crane (Carrie Preston), Woodrups Assistentin. Hunham flirtet mit Lydia, die die beiden zu ihrer Weihnachtsfeier einlädt. Angus, Hunham, Mary und Bartons Hausmeister Danny (Naheem Garcia) besuchen Lydias Party. Angus küsst Lydias Nichte Elise (Lili Lee Stack). Hunham ist enttäuscht, als er erfährt, dass Lydia einen Freund hat, und Mary betrinkt sich und erleidet wegen Curtis' Tod einen Nervenzusammenbruch. Hunham besteht darauf, früher zu gehen. Hunham und Angus streiten sich; als Hunham Angus' Vater erwähnt, sagt Angus, sein Vater sei tot. Mary schimpft mit Hunham wegen seines unsympathischen Verhaltens. Aus Reue für sein Verhalten organisiert Hunham eine kleine Weihnachtsfeier. Mary überredet Hunham, Angus' Wunsch nach einer"„Exkursion“ nach Boston zu erfüllen. Nachdem sie Mary in Roxbury abgesetzt haben, damit sie Zeit mit ihrer schwangeren Schwester verbringen kann, kommen sich Angus und Hunham bei verschiedenen Aktivitäten in Boston näher, darunter Schlittschuhlaufen und ein Besuch im Museum of Fine Arts....





"The Holdovers" spielte an den Kinokasse ca. 45 Millionen Dollar ein. Die starke Atmosphäre ist auch der hervorragenden Kameraarbeit des Dänen Eigil Bryld zu verdanken, dessen Aufgabe darin bestand den Film so aussehen zu lassen als wäre er tatsächlich in den frühen 70er Jahren gedreht worden. Ein Film über Aussenseiter, die je näher sie sich kommen, auch ein starke Zuneigung füreinander empfinden. Grundsätzlich melancholisch konzipiert, jedoch mit Sinn für (schwarzen) Humor.






Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Freitag, 3. April 2020

Sideways








































Regie: Alexander Payne

Männer in den Wechseljahren

Die 40 bereits überschritten: Lehrer und Weinliebhaber Miles (Paul Giamatti) steckt seit der Scheidung in einer Lebenskrise. Er nimmt deswegen Medikamente gegen seine Depressionen. Die helfen zwar gegen Angstzustände, aber gegen Pedanterie und gegen die chronische Neurose ist kein Kraut gewachsen. Gelegentlich gibt es sogar Anzeichen, dass der eher ruhige Miles langsam aber sicher zu einer tickenden Zeitbombe mutiert, was Gefühlsausbrüche anbelangt. Er ist aber Teil im Getriebe und versucht das Leben zu genießen, nebenbei hat er den grossen amerikanischen Roman geschrieben, der nur noch auf einen wohlgesonnenen Verleger wartet. Miles liebt Wein in allen Varianten und kennt sich beim Rebensaft bestens aus. Er trinkt ihn (Tendenz zur Maßlosgkeit steigt), er beurteilt ihn und kann stundenlang über sein Hobby reden.
Sein bester Freund Jack (Thomas Haden Church) ist natürlich das krasse Gegenteil von ihm. Jack ist Schauspieler, der allerdings die besseren Rollen schon hinter sich gelassen hat. Gemeinsam unternehmen die beiden Mittvierziger eine einwöchige Reise in die Weinanbaugebiete Kaliforniens ins Santa Ynez Valley. Miles plant, Weinberge anzufahren, Proben genießen, gut essen und ruhig Golf spielen. Das Programm des temperamentvollen und vitalen Jack sieht da anders aus, er soll am Samstag endlich im Hafen der Ehe landen. Der angehende Ehemann will nochmals richtig die Sau rauslassen. Da kommt es ganz gut gelegen, dass Jack die hübsche Kellnerin Maya (Virginia Madsen) bereits kennt. Die hat auch Kontakt zu der hübschen Weinverkäuferin Stephanie (Sandra Oh), die von Jack bereits angebaggert wurde. Die Reise verläuft für Jack zunehmend anders als erwartet...



"Sideways" gehört zu einem dieser Independent-Filme, die inzwischen auch bei der Oscarverleihung den kommerzielleren Variante Paroli bieten können, weil sie überraschend die wichtigen Nominierungen erhalten.
Einige weitere Beispiele der letzten Jahre: "Little Miss Sunshine", "Juno" oder "Lost in Transation".
Alexander Payne war auch Regisseur der Filme "Election" und "About Schmidt".
Mit "Sideways" gelang ihm ein sehr schönes, lakonisches Roadmovie über Männer in einem schwierigen Alter. Die sicher geglaubten Lebensentwürfe haben sich verabschiedet und ein Neubeginn ist angesagt. 20 Jahre früher wäre das noch leichter gegangen, aber mit den jetzigen Marotten und festgefahrenen Handlungsweisen ist es nicht einfach, neue Wege, die vielversprechend sind zu erkennen. Man nimmt sie vielleicht als zu risikoreich wahr.
Alexander Payne gelingt das viel zu seltene Kunststück, eine Geschichte zu erzählen, die mal zum brüllen komisch, dann wieder herzzerreißend bitter ist.
Ein sehr warmherziger Film, deshalb auch empfehlenswert für die kalte Jahreszeit.



Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Donnerstag, 17. Mai 2018

Nebraska







































Regie: Alexander Payne

Der baldige Reichtum des Woody Grant...

Kameramann Phedon Papamichael (Sideways, Walk the Line, The Ides of March) ist für die grandiosen schwarz-weiß Bilder in Alexander Paynes bislang bestem Film "Nebraska" verantwortlich. Der Film wurde sechsmal für den Oscar nominiert, auch Papamichael wurde diese Ehre zuteil. Doch sowohl er als auch die Hauptdarsteller Bruce Dern, Nebendarstellerin June Squibb, Drehbuchautor Bob Nelson und Payne selbst gingen leer aus. Auch der Preis für den besten Film ging an "12 Years a Slave" von Steve McQueen. Dennoch ist es unbestreitbar, dass Alexander Payne einen echten Klassiker des amerikanischen Kinos geschaffen hat. Die Geschichte ist rührend, ohne jemals in Kitsch abzugleiten. Dies gelang vor allem durch die großartigen Darstellerleistungen von Bruce Dern und June Squibb. Aber auch Willl Forte und Bob Odenkirk als die beiden Söhne darf man gerne lobend erwähnen. In der Geschichte geht es vor allem um den einfachen Mann, um den amerikanischen Alltag. Der inzwischen alte und leicht senile Alkoholiker Woody Grant (Bruce Dern) ist fest davon überzeugt, dass er eine Million Dollar in einer Lotterie gewonnen hat. Dabei findet Sohn David (Will Forte) mit einem Blick auf den besagten Werbebrief heraus, dass es sich ledliglich um ein Lockangebot für ein Zeitschriften-Abonnement handelt. Doch der alte Kauz lässt sich unbeeindruckt von der Meinung seiner Mitmenschen. Seine resolute Frau Kate (June Squibb) ist völlig überfordert, denn Woody wird inzwischen täglich von der Polizei auf der Straße aufgelesen, der Alte will den Weg von Billings, Montana nach Lincoln, Nebraska notfalls zu Fuß gehen. Schliesslich gewinnt man ja nicht täglich eine Million Dollar. Ist der Umzug in ein Pflegeheim unumgänglich ? Jedenfalls willigt David - trotz seines Wissens um die Sinnlosigkeit der Reise - ein den Vater mit dem Auto nach Lincoln zu fahren. Das ist aber ein weiter Weg bis dahin und eignet sich bestens für eines der schönsten Roadmovies aller Zeiten..



Man darf begeistert sein, denn der Film breitet völlig unaufgeregt und relaxt seine Geschichte aus und skizziert liebevoll die menschlichen Schwächen, zeigt aber auch die finsteren Seiten dazu. Bruce Dern spielt den alten Sonderling mit sehr viel Wärme und mit viel lakonischem Witz. "Die Grant Brüder haben noch nie viel geredet" heisst es dann einmal beim Besuch bei Tante Martha in Hawthorne, wo ein Zwischenstopp gemacht wird. Dort ist die Heimatstadt des Antihelden, also viel Potential, dass sich auch eine Vergangenheiit zum gegenwärtigen Woody auftut. Alexander Payne gelingt es ein starkes Interesse an seiner Hauptfigur und den Menschen in seinem Umfeld aufzubauen. Für mich ist dieser Schwarz-Weiß Film einer der besten Filme des Jahres.



Bewertung: 9 von 10 Punkten.