Posts mit dem Label Ingmar Bergman werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Ingmar Bergman werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 22. Juni 2026

Passion


















Regie. Ingmar Bergman

Die Nachbarn auf der Insel...

Der Film "Passion" (schwedischer Originaltitel: En Passion) aus dem Jahr 1969  zählt zwar nicht zu Ingmar Bergmans größten Werken, erhielt aber dennoch positive Kritiken, denn auch dieser Film ist ein kraftvolles und tiefgründiges Kunstwerk. Die Handlung kreist um Obsessionen, Verstrickungen und auch um Ängste. Dazu kommt ein unbekannter Tierquäler, der einen Hund erhängen wollte und später Schafe abschlachtet und einen Pferdestall anzündet. Wie in den vorangegangenen Filmen "Stunde des Wolfs" und "Schande" wird das Scheitern der Gemeinschaft gezeigt. Das Publikum lernt Andreas Winkelman (Max von Sydow) kennen, einen Mann, der nach dem Scheitern seiner Ehe allein und emotional völlig am Boden zerstört ist. Seine Nachbarin Anna (Liv Ullmann) kommt vorbei und bittet ihn, sein Telefon benutzen zu dürfen. Sie geht am Stock. Später wird enthüllt, dass ihr Mann und ihr Sohn bei einem Verkehrsunfall ums Leben kamen, als sie von der Straße abkam. Während Anna mit Andreas telefoniert, belauscht er ihr Gespräch. Anschließend verlässt sie weinend das Haus. Anna hat ihre Handtasche zurückgelassen, und Andreas durchsucht sie. Er findet darin einen Brief ihres Mannes, in dem dieser seine Unzufriedenheit in der Ehe und seine Angst vor möglicher „psychischer und physischer Gewalt“ offenbart.Die Handlung des Films wird immer wieder durch kurze Szenen unterbrochen, in denen die vier Hauptdarsteller (von einem unsichtbaren Bergman) über ihre Rollen interviewt werden.Andreas bringt die Handtasche zu Annas Wohnung und trifft dort auf das Ehepaar Eva (Bibi Andersson) und Elis Vergerus (Erland Josephson), die sich ebenfalls in einer tiefen seelischen Krise befinden. Elis ist ein international erfolgreicher Architekt und Amateurfotograf mit einem umfangreichen Porträtarchiv, dessen Bilder nach emotionalen Zuständen kategorisiert sind. Elis bietet Andreas an, ihn zu fotografieren, was dieser annimmt.Eines Abends, als Elis nicht da ist, besucht Eva Andreas. Sie ist gelangweilt, einsam und kann nicht schlafen. Sie hören Musik und trinken Wein, was sie schläfrig macht. Andreas deckt sie auf dem Sofa zu, und sie schläft einige Stunden. Als sie aufwacht, werden sie intim und gehen ins Bett, obwohl dies kaum gezeigt wird. Anschließend erzählt sie, dass sie während ihrer einzigen Schwangerschaft vor Jahren wegen Schlaflosigkeit im Krankenhaus war. Dort wurde ihr versehentlich eine zu hohe Dosis verabreicht, was zum Tod des ungeborenen Kindes führte. Sie erwähnt, dass sie und Elis danach beide geweint haben und dass es das einzige Mal war, dass sie ihn weinen sah.Elis fotografiert Andreas. Elis willigt ein, die Bestätigung eines von Andreas beantragten Bankkredits zu organisieren und gibt ihm eine Schreibarbeit, damit Andreas die Mittel zur Rückzahlung des Kredits aufbringen kann. Eva kommt hinzu und warnt Andreas, als sie kurz mit ihm allein ist, vorsichtig mit Anna umzugehen. Elis kommt zurück, und Eva fragt ihn nach seinem finsteren Blick. Er meint, er rege sich nur über Kleinigkeiten auf.Andreas und Anna leben nun zusammen in seinem Haus. Anna wirkt gläubig und unerschütterlich in ihrer Suche nach der Wahrheit, doch allmählich treten ihre Wahnvorstellungen zutage. Sie erzählt von einem Traum, der die Ereignisse von „Schande“ zu wiederholen scheint: Sie findet sich hilflos auf einer Insel wieder, Zeugin der Schrecken des Krieges. Andreas wiederum kann seine Angst und sein Gefühl der Entfremdung nicht überwinden, was seine Beziehung zu Anna weiter gefährdet.Im Laufe des Films verübt eine unbekannte Person auf der Insel Tierquälerei, hängt einen Hund an einen Baum und tötet Schafe auf brutale Weise. Andreas' Nachbar (Erik Hell), ein Einzelgänger, den manche für psychisch gestört halten wird dieser Verbrechen verdächtigt. Er begeht Selbstmord, und die Polizei überbringt Andreas einen Brief, in dem der arme Mann beschreibt, wie er von einer Gruppe Männer geschlagen und gedemütigt wurde und danach nicht mehr leben wollte.Eines Tages streiten Anna und Andreas, während er Holz hackt. Er gerät in Wut und rammt seine Axt in die Holzwand, nahe an ihrem Kopf. Es ist unklar, ob er sie töten wollte, da sie schreit und ausweicht und er sie schlägt. Später, als Anna im Bett liegt, rasen zwei Feuerwehrautos mit heulenden Sirenen am Haus vorbei. Andreas folgt ihnen zum Brandort – einem Bauernhof mit Vieh. Dort angekommen, erfährt er, dass der Täter erneut zugeschlagen hat: Diesmal übergoss er ein Pferd mit Benzin, sperrte es ein und zündete den Stall an. Das Pferd verbrannte. Nun ist klar, dass Andreas' Freund unschuldig und zu Unrecht verfolgt wurde. Anna taucht mit ihrem Auto am Brandort auf. Andreas steigt ein. Anna fährt los, sagt aber nichts. Andreas besteht darauf, dass sie die Wahrheit sagen. Er enthüllt, dass er den Brief von Annas Mann gelesen hat und daher weiß, dass sie über ihr gemeinsames Glück gelogen hat. Anna gibt plötzlich Gas. Er fragt sie, ob sie vorhat, ihn umzubringen, so wie sie ihren Mann und ihren Sohn getötet hat. Sie kommt von der Straße ab, doch er kann sich gerade noch rechtzeitig vorbeugen und den Wagen sicher zum Stehen bringen. Anna schweigt weiterhin, und Andreas sagt ihr, sie sei verrückt, sie liebten sich nicht und sollten getrennte Wege gehen. Schließlich fragt er sie, warum sie ihn am Brandort abgeholt hat, und Anna antwortet: „Ich bin gekommen, um um Vergebung zu bitten.“ Andreas steigt aus, und sie fährt davon. In einer Totalen sieht man ihn unruhig auf und ab gehen. Die Totale zoomt in eine immer körniger werdende Nahaufnahme heran, und man sieht, wie Andreas auf die Knie sinkt. Der Bildschirm wird weiß, und eine Stimme aus dem Off sagt: „Diesmal hieß er Andreas Winkelmann....









Der Film bildet den Abschluß der "Farö" Trilogie, aber alle drei Filme fanden nicht das große Publikum. Anerkennung für Bergman gab es erst wieder mit dem 1972 entstandenen "Schreie und Flüstern" und mit der Fernsehserie "Szenen einer Ehe", die auch als Kinofilm ausgewertet wurde und dort ein großes Publikum erreichte. Auch in Deutschland gingen mehr als 1,5 Millionen Besucher in die Kinos. 











Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Dienstag, 25. Juni 2024

Persona


Regie: Ingmar Bergman

Ich und Ich...

Der 1966 entstandene Film "Persona" zählt zu Ingmar Bergmans besten Werken. In der 2022 erschienenen "Sight and Sound" Liste der besten Filme aller Zeiten konnte das schwedische Psychodrama erneut einen Rang unter den 20 Besten einnehmen.
Alles beginnt mit einem Vorspann. Der Zuschauer nimmt einen Projektor wahr, Filmstreifen laufen durch ihn hindurch. Es sind Sekundenbilder zu sehen: Hände werden an ein Kreuz genagelt, es wird ein Tier geschlachtet, für einen Augenblick taucht ein Geschlechtsteil auf. Regungslose Körper, einer der Toten öffnet die Augen und ein Junge (Jörgen Lindström) schlägt ein Buch auf..dann streckt er seine Hand nach den übergroß projizierten, unscharfen Gesichtern von zwei Frauen. Diese beiden Frauen sind die Hauptfiguren, der folgenden Geschichte. Elisabeth Vogler (Liv Ullman) ist eine gefeierte Theaterschauspielerin, doch während einer Theatervorstellung als "Elektra" hört sie von einer Sekunde auf die andere mit Sprechen auf. Die Ärztin (Margareta Krook) kann keine Krankheit - weder physisch noch psychisch feststellen, doch das Schweigen der Patientin bleibt. Die junge Krankenschwester Alma (Bibi Andersson) wird nun mit ihrer Pflege betraut. Die beiden Frauen kommen sich näher und tatsächlich entsteht immer mehr eine tiefe Nähe....
Ein faszinierendes Kammerspiel hat Bergman hier entworfen. Die Story: Zwei Frauen, die eine schweigt, die andere plappert, verschmelzen während eines Aufenthalts in einem Ferienhaus zuerst zu einer Person oder Identität, in dieser Erkenntnis fällt die Maske, die am Ende wahrscheinlich wieder von beiden angezogen wird, aber nicht ohne den Augenblick der nackten Wahrheit, Liebe und Hass zu durchleben, der die Zukunft beeinflussen wird.
Die beiden Schauspielerinnen liefern sensible Höchstleistungen ab, mitunter auch ein Verdienst der Weltklasse Kameraarbeit von Sven Nykvist, dass die Geschichte zwischen Schein und Sein auch so suggestiv funktioniert.







Die Sequenz, in der die missglückten Muttergefühle von Elisabeth gedanklich im Raum stehen und ans Tageslicht kommen, Alma spricht, aber die Kamera zeigt nur Elisabeth, fast so als würde die Stumme ihre Lebensbeichte ablegen -  nur in der Verschmelzung mit Alma ist diese Offenbarung möglich. Dieser Dialog wird direkt wiederholt, nur diesmal mit einer anderen Kameraeinstellung, die weniger traumhaft, sondern rationaler wirkt, spricht Alma wieder die gleichen Worte an Elisabeth, nur diesmal so als hätte sie deren tiefes Geheimnis aufgedeckt. Und die Kamera zeigt auf Alma...
Ich habe selten so eine faszinierend gute Filmszene gesehen. Formal streng und asketisch, inhaltlich reich an metaphysischen und psychologischen Spekulationen, variiert der Film die oft in seinem Gesamtwerk wiederkehrenden Grundmotive Bergmans – vor allem die Abwesenheit Gottes und die Einsamkeit des auf sich selbst gestellten Menschen. Bibi Andersson wurde für ihre grandiose Leistung mit dem "Guldbagge" ausgezeichnet. Als Herr Vogler ist Gunnar Björnstrand zu sehen.








Bewertung: 10 von 10 Punkten

Schande


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Ingmar Bergman

Mensch im Krieg...

In der Zeit von 1968 bis 1969 drehte Ingmar Bergman mit "Die Stunde des Wolfs", "Schande" und "Passion" drei verwandte Filme, die später als "Farö-Trilogie" betitelt wurden, da alle drei Filme auf der Insel Farö spielen, auf der der Regisseur einige Jahre lebte.
Wie auch sein Vorgänger "Die Stunde des Wolfs" ist "Schande" ein äusserst pessimistischer Film, der mitten in einem fiktiven Krieg spielt. Es wird aber nie deutlich erwähnt, ob es sich um einen Bürgerkrieg in einem Staat handelt oder ob es ein Krieg zwischen verfeindeten Staaten ist.
Das kriegerische Treiben hat unheimlich starken Einfluß auf den privaten Konflikt des Ehepaars Rosenberg, gespielt von Liv Ullman und Max von Sydom", die brüchige Fassade bürgerlicher Konventionen ist schnell sichtbar anhand der immer verstärkter auftretenden Ausnahmesituation mit denen die Menschen konfrontiert werden.
Das Ehepaar Jan und Eva Rosenberg sind ehemalige Geiger und leben während eines Bürgerkriegs auf einer Farm auf einer abgelegenen Insel. Ihr Radio und Telefon funktionieren nicht, und Eva äußert sich frustriert über Jans offensichtliche Vorliebe, dem Konflikt zu entfliehen, während sie darüber diskutieren, ob sie Kinder bekommen können und ob Jan egoistisch ist. Das Paar besucht die Stadt, hört ein Gerücht, dass bald Truppen kommen werden, und trifft einen älteren Mann, der zum Dienst einberufen wurde. Als sie zurückkehren, wird ihre Heimat bombardiert und sie sehen, wie ein Fallschirmspringer darauf landet. Jan und Eva werden von der Invasionstruppe gefangen genommen und von einem Militärjournalisten vor der Kamera für einen Abschnitt über die Ansichten der "befreiten“ Bevölkerung interviewt. Eva scheint dem Konflikt gegenüber zunächst gleichgültig zu sein, bestreitet jedoch ihre Neutralität; Jan weigert sich zu sprechen, und sie werden freigelassen. Sie werden später erneut gefangen genommen, und während Soldaten sie verhören, spielen die Truppen einen Film des Interviews ab, in dem Evas Worte mit belastenden Äußerungen überspielt und zu Propagandazwecken verfälscht wurden. Dies ist in erster Linie eine Einschüchterungstaktik. Schließlich werden sie von Oberst Jacobi (Gunnar Björnstrand)  freigelassen, der früher Bürgermeister war. Nachdem das Paar nach Hause zurückgekehrt ist, ist ihre Beziehung angespannt. Jacobi wird zu einem regelmäßigen, wenn auch unangenehm ständigen Besucher, der sie mit Geschenken überhäuft, aber auch die Macht hat, das Paar in ein Arbeitslager zu schicken. Diese Beziehung ist manipulativ. Jacobi überredet Eva, ihm sexuelle Gefälligkeiten im Austausch für seine Bankersparnisse zu erweisen. Sie gehen ins Gewächshaus, um Sex zu haben, während Jan sich ausruht. Er wacht auf und ruft Evas Namen. Schließlich geht er nach oben, findet Jacobis Ersparnisse auf dem Bett und beginnt zu weinen. Eva kommt herein, während Jacobi draußen bleibt und sich zum Gehen umdreht. Dann sagt sie zu einem weinenden Jan, dass er weiter schluchzen kann, wenn er das Gefühl hat, dass es hilft. Soldaten treffen ein und Jacobi erklärt, dass seine Freiheit gekauft werden kann, da die hier anwesende Kriegsseite dringend Geld braucht. Jacobi, die Soldaten und Eva bitten Jan um das Geld. Jan gibt an, er wisse nicht, von welchem ​​Geld sie sprechen. Die Soldaten durchsuchen das Haus vergeblich, um es zu suchen. Sie geben Jan eine Waffe, um Jacobi hinzurichten, und er tut es. Nachdem die Soldaten gegangen sind, enthüllt Jan, dass er das Geld in seiner Tasche hatte, zu Evas Ekel. Dies hat ihre Beziehung unwiederbringlich gespalten und führt zu wiederholten Zusammenbrüchen. Die Beziehung wird still und kalt. Als Jan und Eva einen jungen Soldaten (Björn Thambert) treffen, will Eva ihm etwas zu essen geben und schlafen lassen. Jan nimmt ihn gewaltsam mit, um ihn zu erschießen und auszurauben. Eva folgt Jan zum Meer, und er verwendet das Geld von Jacobi, um ihnen Plätze auf einem Fischerboot zu kaufen. Auf See versagt der Motor des Bootes. Der Mann, der das Boot steuert, tötet sich selbst, indem er sich über Bord stürzt. Das Boot steckt später inmitten schwimmender Leichen fest und kann nicht weiterfahren. Während das Boot die Flüchtlinge wegbringt, erzählt Eva Jan von ihrem Traum: Sie geht eine schöne Stadtstraße mit einem schattigen Park entlang, bis Flugzeuge kommen und die Stadt und ihre Rosenranken in Brand setzen. Sie und Jan haben eine Tochter, die sie in den Armen hält. Sie sehen zu, wie die Rosen brennen, was, wie sie sagt, "nicht schlimm war, weil es so schön war“. Sie hat das Gefühl, sie müsse sich an etwas erinnern, aber es gelingt ihr nicht...





Der Film erhielt mehrere Preise, vor allem Liv Ullmann gewann nicht nur den schwedischen Filmpreis "Guldbagge", auch die National Society of Film Critics und das National Board of Review wählten die Schwedin, die einige Jahre auch mit Ingmar Bergman liiert war, zur besten Schauspielerin des Jahres. Der Film ist sicherlich keine leichte Kost, hat aber ein gehöriges Potential sich mit dem Geschehenen auseinanderzusetzen. Die Protagonisten werden in ihrer Angst ums Überleben so hart geprüft, dass sie die Maske fallen lassen müssen.








Bewertung: 9 von 10 Punkten.