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Sonntag, 17. Dezember 2017
Solange ein Herz schlägt
Regie: Michael Curtiz
Mildred Pierce...
Ein Mord geschieht Nachts in einem Strandhaus. Kurz später betritt eine attraktive Frau eine Brücke, sie will sich das Leben nehmen. Nur ein Polizist, der zufällig dort Wache hat, kann Mildred Pierce Beragon (Joan Crawford) von diesem Entschluß abhalten. Die verzweifelte Frau wird in der Nähe eines Lokals von Wally Fay (Jack Carson) entdeckt, der ein Freund von ihr ist. Sie lädt den Mann in dieses Strandhaus ein. Er ist verwundert, denn das hat sie ja noch nie getan, obwohl er der kühlen Schönheit seit Jahr und Tag mindestens zweimal Mal pro Woche Avancen machte.
Mildred verschwindet und lässt den Mann sitzen, dieser ahnt, dass etwas nicht stimmt und versucht aus dem verschlossenen Haus herauszukommen. Nur durch den Einschlag eines Fensters kann er ins Freie gelangen, dort wartet aber schon die Polizei auf ihn. Er erzählt den Beamten von der Leiche im Haus, die er eben auch erst entdeckt hat und seine Panik das Haus zu verlassen noch verstärkt hat.
Es handelt sich bei dem Toten um den Lebemann Monte Beragon (Zachary Scott), Ehemann voon Mildred.
Diese ist als die Polizei die Todesnachricht überbringt schon längst zu Hause und beruhigt ihre Tochter Veda (Ann Blyth).
Mildred muss mit aufs Revier, dort ist auch ihr Ex-Ehemann Bert (Bruce Bennett) und Mildreds zweite Hand Ida Corvin (Eve Arden), die ebenfalls Aussagen machen müssen.
Mildred erzählt dem Kommissar (Moroni Olsen) aus ihrem bewegten Leben und die Rückblende beginnt an dem Tag, als Bert durch seinen Kompagnon Wally arbeitslos wird. Weil Mildred für ihren beiden Töchter Veda und Kay (Jo Ann Marlowe) ein Leben im Luxus wünscht, werden diese beiden Mädchen auch dementsprechend (v)erzogen. Sie trennt sich von ihrem Mann und sucht sich heimlich Arbeit als Kellnerin. Heimlich deshalb, weil sich die ältere Veda ansonsten für ihre Mutter schämen müsste.
In diesem Metier steigt sie zuwerst als Restaurantbesitzerin und dann auch zur Chefin einer ganzen Restaurantkette "Mildreds" auf.
In diesem Zusammenhang lernt sie Monty kennen, in den sie sich verliebt. Doch er ist ein Schnorrer, der möglichst auf Kosten anderer lebt und so gibt Mildred ihm den Laufpass. Sie wird ihn aber dennoch fragen, ob er sie heiratet, denn Vedas Wunsch ist ihr immer noch Befehl.
Dabei hat die verwöhnte Tochter im Grunde jedoch in den Jahren der Abhängigkeit einen tiefempfundenen Hass auf ihre materiell denkende Mutter entwickelt. Veda ist ebenso durch und durch materialistisch eingestellt und verachtet die Mutter alsbald für ihre einfache Herkunft.
Diese verantwortungslose Erziehung steuert langsam aber sicher in die große Katastrophe...
"Mildred Pierce" ist in Deutschland bekannt unter "Solange ein Herz schlägt" und leider trifft dieser Titel ganz und gar nicht das erschreckende Grundthema dieses Filmklassikers. Dieser Titel suggeriert nämlich die wahre und bedingungslose Mutterliebe, die aber nur einen Teil der Charakteristika der Protagonistin ausmacht. Mildred ist eine Frau, die ihre Tochter völlig haltlos werden lässt und die sich bis zuletzt in ihrer Opferrolle gefällt. Dabei schreckt sie, um die Tochter zu schützen, auch nicht davor zurück, einen Bekannten zum offensichtlichen Täter zu machen. Im Grunde ist Veda ihr Ebenbild, einziger Unterschied: Die Tochter ist immer in der Täterrolle.
Aus diesem mehr als alarmierenden Liebes- und Abhängigkeitsverhältnis zwischen Mutter und Tochter bezieht der Film von Michael Curtiz seine Qualität als überlebensgroßes Melodram.
Doch Curtiz hat darüberhinaus durch die Hinzunahme von Film Noir Elementen eine fasznierende Mischung beider Genres abgeliefert, die den Film auch heute noch als Meisterwerk ausweisen.
"Solange ein Herz schlägt" erhielt bei der Oscarverleihung 1946 insgesamt sieben Nominierungen. In der Kategorie "Beste Schauspielerin" gewann Joan Crawford auch den Preis. Dazu kamen die Nomninierungen für Eve Arden und Ann Blyth, das Drehbuch von Ranald MacDougall, die Schwarzweiss Kamera von Ernest Haller und eine Nominierung zum Film des Jahres, in dieser Kategorie war allerdings Billy Wilders "Das verlorene Wochenende" siegreich.
Bewertung: 10 von 10 Punkten.
Dienstag, 14. November 2017
Chicago
Regie: Michael Curtiz
Rocky und die Dead End Kids...
"Chicago - Engel mit den schmutzigen Gesichtern" könnte man
als Nachfolgefilm von William Wylers "Sackgasse" ansehen, der ein Jahr
früher entstand. Vor allem die Darsteller der "Dead End Kids" verstärken
diesen Eindruck. Und auch Humphrey Bogart spielt in beiden Filmen einen
Gangster. Wobei James Cagney in Michael Curtiz´Gangstersaga aus den
Slums die Hauptrolle spielt und etwa einen ähnlichen Charakter
verkörpert wie Bogarts Rolle als Baby Face Martin in "Sackgasse".
Cagneys Figur heißt William "Rocky" Sullivan und stammt auch aus dem
Viertel, schlägt die Gangsterkarriere ein und wird von den jungen
Teenagers im Viertel als Held verehrt. Bogarts Gangsterpart ist diesmal
anders angelegt - er mimt einen dubiosen Anwalt mit einer extremen
kriminellen Energie.
Regisseur Michael Curtiz bekam für "Chicago" seine zweite
Oscar-Nomnierung - aber auf den Sieg musste er bis 1944 und "Casablanca"
warten. Neben Michael Curtiz wurde James Cagney als bester
Hauptdarsteller nominiert, auch für die beste Originalgeschichte konnte
ein Nominerung errungen werden.
Auch hier sind die Bauten wieder sehr gelungen und der Film beginnt mit
einer Sequenz aus der Jugend der Hauptfigur Rocky Sullivan. Der wuchs im
Viertel von Chicago auf und hat sehr früh mit Gesetzesübertretungen
begonnen. Im Slums ist er bereits als Jugendlicher (Frankie Burke)
berüchtigt und gemeinsam mit seinem Freund Jerome Conelly (William
Tracy) macht er die Gegend unsicher. Gerne ärgert er auch die
gleichaltrige Laury (Marilyn Knowlden). Als die beiden Freunde am
Güterbahnhof ein Wagon aufbrechen, werden sie entdeckt und auf der
Flucht wird Rocky gefasst. Sein Freund hat mehr Glück. Somit gehts in
die Besserungsanstalt, dann raus, dann Jugendknast, wieder raus, dann
Gefängnis und und und. Die Verbrecherlaufbahn kann nicht gebremst
werden. Bei einem Coup nimmt der inzwischen erwachsene Rocky (James
Cagney) die ganze Schuld auf sich und deckt den Komplizen Jim Frazier
(Humphrey Bogart), der ihm aber verspricht, dass nach den 3 Jahren
Gefängnis 100.000 Dollar und eine lukrative Zukunft als Kompagnon auf
ihn warten. Als Rocky die Strafe abgesessen hat, kommt er wieder ins
alte Viertel. Jerome ist inzwischen Pater Jerry Conelly (Pat O´Brien)
geworden und aus Laury (Ann Sheridan) eine schöne Frau. Doch der
Priester hat Probleme mit den Jungs aus dem Viertel, die lieber krumme
Touren machen. Mit Basketball will er die Kids vor der
Verbrecherlaufbahn bewahren. Aber als die Legende Rocky im Ghetto
auftaucht, wird er für die Jungs sehr schnell zum Vorbild, dem man
unbedingt nacheifern muss. Und Rocky gefällt die Rolle als Gangstergott.
Er hat ja auch noch das versprochene Geld abzuholen. Doch Frazier denkt
nicht daran sein Versprechen zu halten. Gemeinsam mit dem korrupten
Geschäftsmann MacKeefer (George Bancroft) soll Rocky aus dem Weg geräumt
werden....
Die Mitglieder der jugendlichen Straßenbande wurden von Billy Halop,
Bobby Jordan, Leo Gorcey, Gabriel Dell, Huntz Hall und Bernard Punsly
gespielt....diese sechs wurden bereits mit "Sackgasse" zu Stars und
nannten sich "The Dead End Kids". Keine Frage, dass die Jungs auch den
Klassiker von Michael Curtiz maßgeblich bereichern. James Cagney spielt
als Rocky groß auf und bis heute ist umstritten, ob er am Ende des Films
seine Todesangst und Verzweiflung nur spielt, weil ihn sein bester
Freund darum gebeten hat, oder ob der starke Rocky angesichts des
elektrischen Stuhls doch noch Panik bekommen hat. Mit dem moralhaltigen
Schluß deutet der Film natürlich eine hoffnungsvollere Zukunft für die
jungen Deliquenten an, was natürlich etwas naiv wirkt. Aber angesichts
der hervorragenden Qualität dieses Pre-Noirs ist dies Kritik auf
allerhöchstem Niveau.
Pat O´Brien bleibt mit seiner starken Priesterrolle ebenfalls in guter
Erinnerung. Der Darsteller wurde sehr oft auf die Rolle des Geistlichen
festgelegt. Gemeinsam mit Ann Sheridan ist er die gute Seele des
Viertels, unermüdlich verfolgen sie das Ziel die Jungs vor einer
Gangsterlaufbahn zu bewahren.
Samstag, 16. September 2017
Casablanca
Regie: Michael Curtiz
Ricks Geschichte...
Ein großartiges Meisterwerk, einer dieser wenigen total perfekten
Filme ist Michael Curtiz Film "Casablanca" aus dem Jahr 1942. Ein
Kultfilm, auch heute noch, den seine Anhänger noch heute begeistert
verehren. Aber auch ein Film der vollendeten Künstlichkeit. Die Stadt
Casablanca wurde natürlich im Studio nachgebaut, die Figuren sind zwar
markant, aber ohne sonderliche psychologische Differenzierung auf einen
bestimmten Typus festgelegt. Die Handlung läuft wie ein Uhrwerk ab, sie
ist mit wichtigen Nebenepisoden verbunden und wird am Ende ein Triumph
jener Kultfigur die der große Humphrey Bogart so unnachahmlich
verkörpern konnte. Am Ende ist "Casablanca" der Film dieses furchtlosen
Einzelgängers, der seinen Zynismus durch eine heroische Tat besiegt hat.
In Deutschland wurde der Film bei seinem Kinostart erheblich gekürzt und die Figur des deutschen Nazi Major Strasser wurde vollständig herausgeschnitten, in dieser Fassung gab es auch keine Hinweise auf den 2. Weltkrieg und auch die Szene in Ricks Cafe, als die Deutschen "Die Wacht am Rhein" anstimmen und von den französischen Gästen mit ihrer "Marseillaise" übertönt und niedergesungen wurden, fehlte. Aus dem Untergrundkämpfer Viktor Laszlo wurde ein Victor Larsen, ein obsurker Erfinder von Deltastrahlen. Erst am 5. Oktober 1975 strahlte die ARD erstmalig die ungekürzte und neu synchronisiierte Fassung aus.
In Deutschland wurde der Film bei seinem Kinostart erheblich gekürzt und die Figur des deutschen Nazi Major Strasser wurde vollständig herausgeschnitten, in dieser Fassung gab es auch keine Hinweise auf den 2. Weltkrieg und auch die Szene in Ricks Cafe, als die Deutschen "Die Wacht am Rhein" anstimmen und von den französischen Gästen mit ihrer "Marseillaise" übertönt und niedergesungen wurden, fehlte. Aus dem Untergrundkämpfer Viktor Laszlo wurde ein Victor Larsen, ein obsurker Erfinder von Deltastrahlen. Erst am 5. Oktober 1975 strahlte die ARD erstmalig die ungekürzte und neu synchronisiierte Fassung aus.
In
"Casablanca" tummeln sich im Jahr 1942 sehr viele politische
Flüchtlinge, aber auch dort gestrandete Glücksritter und andere
zwielichte Gestalten. Casablanca ist ein Ort des blühenden
Schwarzmarktes, viele Menschen erhoffen sich dort ein gültiges Visum
kaufen zu können, dass sie nach einer Zwischenstation in Lissabon am
Ende in die USA bringen soll. Für viele endet aber auch dort die
Hoffnung auf ein neues Leben in der neuen Welt, Verhaftungen sind hier
an der Tagesordnung. Hier in dieser Ruheoase und Pulverfass zugleich
betreibt der Amerikaner Rick Blaine (Humphrey Bogart) seinen Nachtclub
"Ricks American Cafe". Der zweite Weltkrieg tobt, Frankreich ist zu
dieser Zeit von der deutschen Wehrmacht erobert und teilweise besetzt.
Das französische Protektorat Marokko ist noch nicht in deutscher Hand
und wird durch das Vichy-Regime verwaltet. Der dortige Polizeichef
Capitaine Louis Renault (Claude Rains) ist korrupt, erteilt schon auch
mal Transit Visa für gute Bezahlung mit Geld oder Sex und arbeitet mit
den Deutschen zusammen. Da die Deutschen vermuten, dass der aus einem
deutschen KZ entfohene Widerstandskämpfer Viktor Laszlo (Paul Heinreid)
nach Casablanca kommen wird ist auch der deutsche Major Strasser (Conrad
Veidt) nicht weit. Laszlo ist die zentrale Figur des eurpäischen
Widerstandes und ist mit seiner Frau Ilsa (Ingrid Bergman) unterwegs.
Die Deutschen haben ein besonderes Interesse daran, dass Casablanca auch
die Endstation von Laszlos Flucht wird. Tatsächlich taucht das Paar
auf....Ricks Klavierspieler Sam erkennt die junge Frau sofort und spielt
auf ihren Wunsch "As Times goes by". Ein Song, den der Besitzer des
Clubs gar nicht hören kann. Er wird wütend und entdeckt dann die Frau,
die sich dieses Lied gewünscht hat. Eine Rückblende enthüllt: Kurz vor
dem Einmarsch der Deutschen in Paris haben Rick und Ilsa eine kurze,
aber sehr intensive Liebegeschichte erlebt. Zum Treffpunkt auf dem
Bahnhof ist Ilsa aber nciht wie vereinbart erschienen, nur ein Brief
indem sie ihm ihre Liebe noch einmal gesteht, aber auch mitteilt, dass
es das Glück zu Zweit niemals geben kann.
An diesem Abend
taucht auch der Italiener Ugarte (Peter Lorre) in Ricks Cafe auf.
Dieser ist im Besitz von zwei Blanko-Visa, die ermordeten deutschen
Kurieren gehörten. Ugarte bittet Rick, zu dem er Vertrauen hat, diese
Papiere für ihn ein paar Stunden aufzubewahren. Doch Rick bleibt auf den
gefährlichen Dokumenten sitzen, da Ugarte kurze Zeit später durch den
Präfekten Renault verhaftet wird. Natürlich weiß am anderen Tag jeder
von diesen verschwundenen Papieren. Und viele glauben, dass Rick diese
Papiere hat. Diese Visa könnte Laszlo natürlich bestens gebrauchen -
doch die unglückliche Liebe zu Ilsa ist wieder aufgeflammt.
Der
Showdown des dramatischen Melodrams giepffelt sich in einer der
ergreifendsten Filmszenen am nebligen Flughafen in der Nacht. "Ich schau
dir in die Augen, Kleines" wird Bogey zu Ilsa in dem Moment sagen, als
er ihrer Liebe wieder sicher ist und er wird für beide denken müssen,
genauso wie sie es ihm kurz vorher ant sicgekündigt hatte. Die geliebte
Frau setzt sich zu ihrem für den Widerstand unverzichtbaren Helden,
während Rick mit dem überraschend agierenden Capitaine Reualt eine
wunderbare Freundschaft beginnt. So ist "Casablanca" auch ein film
darüber, wie Hitler die anständigen Menschen über all ihren Egoismus,
über all ihre kleinen Konflikte und gegensätzlichen Interessen zu einer
Einheit solidarisch vereinen kann.
Bewertung: 10 von 10 Punkten.
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