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Sonntag, 28. November 2021

Hara Kiri


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Takashi Miike

Stärker als Ehre...

Japan im Jahr 1619: Schon seit längerem herrscht eine große Friedenszeit im Land, die der Bevölkerung sehr zugute kommt. Verlierer in der Zeit des Friedens sind allerdings die ehemals so stolzen Samuraikrieger.
Ohne wirkliche Lebensaufgabe im Kampf und dem Diener seines Herrn verarmen diese Männer zunehmend als herrenlose Ronin.
Es hat sich allerdings in der großen Zeit der Armut herumgesprochen, dass es immerhin ein paar Almosen geben könnte, wenn der Samurai bei einem Adligen anklopft und um die Möglichkeit bei ihm Hara Kiri begehen zu können. Um diesem Selbstmordritual Einhalt zu gebieten, verfahren die meisten Adligen so, dass sie den zu allem entschlossenen Krieger überreden am Leben zu bleiben, was mit der mildtätigen Gabe meistens auch gelingt.
Das Ritual, auch Seppuku genannt, bezeichnet diese Art des männlichen Suizids, die etwa ab der Mitte des 12. Jahrhunderts in Japan innerhalb der Schicht der Samurai verbreitet war und erst 1868 offiziell verboten wurde.
Ein Mann, der wegen einer Pflichtverletzung sein Gesicht verloren hatte, konnte durch Seppuku die Ehre seiner Familie wiederherstellen. Weitere Gründe für Seppuku waren unter anderem Strafe für einen Gesetzesverstoß, aber auch aufgrund dessen, dass der Krieger seinen Herrn verloren hatte.
Der Samurai Hanshiro Tsugumo (Ebizo Ichikawa) begehrt Einlaß in das höchst ehrenwerte Haus des Daimyō Lyi und bittet darum, dort Seppuku begehen zu dürfen.
Der grausame Verwalter Kageyu (Kôji Yakusho) will ihn wieder fortschicken, denn er hat die Betteleien herrenloser Schwertkämpfer satt und erzählt dem Ronin eine sich kürzlich zugetragene Geschichte, die sich im Haus abspielte. Denn auch Tsugumo wird für einen deiser erbärmlichen Bettler gehalten.
Man musste, so berichtet der Verwalter,  ein Exempel an einem jungen Mann statuieren, der sich aus dem gleichen Grund mit dieser Bitte an den Fürsten herantrug.
Der Ronin Motome Chjiiwa (Eita) wurde sehr schnell als Lügner verdächtigt und durch sein Holzschwert schnell entlarvt. Doch um eine Abschreckung für andere zu erzeugen, wird dem jungen mann die "gewährt". Er wurde letztlich zum Harakiri vor den Augen der Gefolgschaft des Fürsten zum Ritual genötigt.
Nach der grausamen Erzählung wird dem Verwalter mitgeteilt, dass drei seiner Männer unerlaubt fehlen. Womoglich hat der Samuarai etwas mit deren Verschwinden zu tun, es scheint so, dass sich Hanshiro und Motome gut kannten...




Takashi Miike ist einer der schillernsten Regisseure des zeitgenössischen Kinos, er dreht seine Filme sehr schnell heruter, trotzdem leidet die Qualität nicht unter dem schnellen Arbeitspensum.
Mit "Hara Kiri" schuf er ein Remake des 1962er Films von Regisseur Masaki Kobayashi. Die Geschichte spielt während der Edo-Zeit und der Herrschaft des Tokugawa-Shōgunats und ist beinahe genauso fesselnd wie seine "13 Assassins"
Miike schickt sich an der legitime Nachfolger von Akira Kurosawas Samurai-Klassikern zu werden. Der Film fängt fulminant und grausam an, erzählt dann eine rührende Geschichte über Liebe( Hikari Mitsushima und Familie, die drastisch endet und somit im Finale alle Dämme explosionsartig brechen lässt, der Film endet gewaltig und düster.
Wird genauso wie das Remake von "13 Assassins" zum echten Klassiker.





Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Mittwoch, 24. November 2021

13 Assassins


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Takashi Miike

Der Höllensturm bricht los...

2010 inszenierte Takashi Miike den Samuraifilm "13 Assassins" - somit eine Neuverfilmung des gleichnamigen Klassikers von Eiichi Kudo aus dem Jahr 1963. Miikes Remake ist dem Original ebenbürtig.
Als Edo-Zeit wird der Abschnitt der japanischen Geschichte von 1603 bis 1868 bezeichnet, in dem die Tokugawa-Shogune herrschten, benannt nach dem damaligen Namen der Hauptstadt, Edo (heute Tokio). Er beinhaltet die längste ununterbrochene Friedensperiode eines Landes in der Neuzeit weltweit.
Um ca. 1840 ist auch die Zeit angebrochen, in der langsam aber sicher die Macht der Samurai schwindet.
Der ehrenvolle Samurai Shinzaemon (Koji Yakusho) wird zu dieser Zeit mit einer schwierigen, geheimen Aufgabe betraut. Der Halbbruder des regierenden Shoguns, Fürst Naritsugu (Inagaki Goro), ist ein grausamer und sadistischer Schlächter, der das Volk sowie seine Gefolgsleute nach Willkür quält und tötet.
Selbt der Ältestenrat des Shogun sieht keinen anderen Ausweg mehr, als dieses Attentat zu befehlen.
Shinzaemon ist von den Greueltaten seines Herrschers derart angewidert, dass er sich an seinen Eid, diesem ewige Treue und Gefolgschaft zu schwören, nicht mehr gebunden fühlt und stattdessen dem Herrscher ein Ende setzen will.
Doch das Ansinnen bleibt nicht lange geheim, immerhin hat sich Naritsugu noch mehr Feinde gemacht und er weiss, dass man ihm nach dem Leben trachtet.
Auf seiner Seite kämpft ebenfalls ein ehrenvoller Samurai, der loyale und erfahrene Hanbei (Masachika Ichimura) beschützt.
Dieser ist zwar über die Tyrannei seines Herren auch nicht erfreut, aber er hat nun mal diesen Eid der bedingungslosen Treue geschworen und fühlt sich bis in den Tod an diesen gebunden.
Bald kann sich Shinzaemon 11 weitere Samurai um sich scharen, die für diese Mission ihr Leben lassen wollen.
Es sind dies Kuranaga Sabeita (Hiroki Matsukaja), sein Stellvertreter in dieser Mission.
Ebenfalls dabei Shimada Shinrokuro (Takayuki Yamada), Shinzaemons Neffe - ein Frauenheld und Spieler.
Da wären Ishiduka Rihei (Kazuki Nimioka), der Ronin Hirayama Kurjuro (Tsuyoshi Ihara), Mitsuhasahi Gunjuro (Ikki Sawamura), Otake Mosuke (Seji Rokkaku), Hioki Yasokichi (Sosuke Takaoka), Higuchi Gennai (Yuma Ishigaki), Horri Yahachi (Koen Kondo), Sahara Heizo (Arata Furuta), der noch sehr junge Ogura Shoujiro (Masataka Kubota).
Den 13ten Mann finden sie im Wald, es ist wohl ein Verwandter von Kurosawas Kikuchiyo aus "Sieben Samurai"...dieser Kiga Koyata (Yusuke Iseya) behauptet von Samurais abzustammen, sehr zur Belustigung der Anderen, die ihn zuerst nicht ernstnehmen, aber immerhin kann der schräge Vogel die Männer aus dem Wald führen in das Dorf, wo der Sturm auf den Typrannen stattfinden soll.
Doch statt der erwartenden 70 Mann starken Leibgarde sind es dreimal mehr kampferprobte Krieger, die der Fürst zum Schutz bei sich hat...





In dem Moment als ich als Jugendlicher zum ersten Mal Akira Kuroswawas "Die verborgene Festung" gesehen habe, wurde ich sofort Fan dieser archaischen Samuraifilme.
Vor allem von Kurosawas "Sieben Samurai" ist der ein Jahrzehnt später entstandene "13 Assassins" von Eichi Kudo, von dem Japans interessanter Vielfilmer und Genrespezialist Takashi Miike ein furioses Remake gemacht hat.
Der Film ist richtig wuchtig und somit auch Kino in Reinform. Große Männer, große Schlachten, große Ziele und vor allem ein überlebensgroßer Kampfessturm, der so gut inszeniert ist, dass man phasenweise mit offenem Mund vor der Glotze oder Leinwand sitzt.
Als die Männer im Dorf ankommen, ist bereits die Hälfte des Films erreicht, und Miike wird eine monumentale Schlacht entfesseln, die immer blutiger und hoffnungsloser wird...hier wird am dem Schlachtfeld für eine übergeordnete Sache gestorben, aus dem Leibern fliesst das Blut.
Grandios auch der Schlußakkord, der den Film mit diesen Szenen dann endgültig zum Meisterwerk macht.






Bewertung: 10 von 10 Punkten.

 

Freitag, 13. Oktober 2017

Audition







































Regie: Takashi Miike

Teuflischer Engel

Geschäftsmann Shigeharu Aoyama (Ryô Ishibashi) ist seit dem Tod seiner Ehefrau alleinerziehender Vater. Sieben Jahre lang lebt er ausschliesslich für die Erziehung seines Sohnes (Tetsu Saaki) und für seine Arbeit.
Er merkt aber langsam, dass der Sohnemann flügge wird und sich auch fürs andere Geschlecht interessiert. Diese Beobachtungen bewirken, dass Ayama selbst wieder Sehnsüchte aufkommen lassen kann und so reift der Wunsch eine neue Frau fürs Leben zu suchen.
Sein Kumpel (Jun Kunimura), ein Producer in der Filmindustrie , macht ihm den Vorschlag, er soll doch beim Casting einer neuen Kinoproduktion aktiv dabei sein, das Vorsprechen der Damen soll vornehmlich dazu dienen, ganz heimlich eine Herzdame für den einsamen Mittvierziger zu finden.
Nachdem Aoyamas anfängliche Skrupel beiseite gewischt hat, macht er sich an die Auswahl. Seine Entscheidung fällt relativ schnell. D Vorstellungsbrief der wesentlich jüngeren Asami Yamazaki (Eihi Shiina) trifft ihn emotional tief. Sie scheint eine Seelenverwandte zu sein, auch sie sucht den Weg aus einer Isolation.
Und tatsächlich scheint auch Asami mehr als interessiert an dem wesentlich älteren Mann zu sein. Die junge Frau wirkt einerseits bescheiden, schüchtern und liebenwürdig - andererseits deutet manches darauf hin, dass sie auch besitzergreifende Züge hat, wenn sie liebt. Ein Engel mit Abgründen ? Jedenfalls tauchen nach und nach die ersten Ungereimtheiten in Asamis Lebenslauf auf und auch weitere unheimliche Vorzeichen begleiten den verliebten Mann...



Der 1960 in Osaka geborene Takashi Miike ist ein vielseitiger Filmregisseur, der durch viele Wechsel in Genres oder Erzählform auffällt. Der 1999 gedrehte "Audition" ist vielleicht sein Meisterwerk.
Wegen seiner drastischen Darstellung einer schockierenden Sadismus-Sequenz bekam "Audition" sehr schnell den etwas zweifelhaften Ruhm eines Skandalfilms.
Dabei ist der Film in allen anderen Belangen äusserst subtil aufgebaut und setzt bis fast zum Schluss auf eine gute Portion Suspence und Noir. Der Protagonist: Ahnungslos, ein gutmütiger Witwer, der seinen zweiten Frühling durchlebt und ein Suchender ist. Nichtsahend, dass am Ende das Verderben warten könnte. Denn die Frau seines Herzens ist möglicherweise eine Femme Fatale mit vielen bösen Geheimnissen.
Erst in den letzten 25 Minuten entpuupt sich die wohltuend langsam erzählte Geschichte in den ultimativen Horror mit Bildern, die man so schnell nicht vergisst..




Bewertung: 9 von 10 Punkten.