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Sonntag, 19. Mai 2024

Willkommen Mr. Chance


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Hal Ashby

Chancy, Gärtner...

Im Dezember 1988 starb Hal Ashby im Alter von 59 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung. Er gilt als wichtiger Vertreter des US-New Hollywood Kinos der 70er Jahre, der mit "Der Hausbesitzer" im Jahr 1970 erstmalig auf sich Aufmerksam machte - in der Folgezeit drehte er Klassiker wie den Kultfilm "Harold und Maude", "Das letzte Kommando" oder "Shampoo". In der Zeit zwischen 1976 und 1979 realisierte er mit "Dieses Land ist mein Land", "Coming home" und "Willkommen Mr. Chance" drei Filme, die alle bei der alljährlichen Vergabe der Oscars eine Rolle spielten.
Der einfältige Chance (Peter Sellers), ein Mann mittleren Alters lebt im Stadthaus eines wohlhabenden alten Mannes in Washington, D.C., zusammen mit dessen afroamerikanischer Magd Louise (Ruth Attaway), die freundlich zu Chance ist und ihm auch das Essen macht. Er hat sein ganzes Leben damit verbracht, den Garten des alten Mannes zu pflegen und hat das Grundstück nie verlassen, dabei lebt er hier schon seit seiner Kindheit. Abgesehen von der Gartenarbeit stammt sein Wissen ausschließlich aus dem Fernsehen. Als der alte Mann stirbt, weisen seine Nachlassanwälte Chance aus - er muss innerhalb eines Tages das Haus verlassen. Er wandert ziellos umher und entdeckt zum ersten Mal die Außenwelt. Ein afroamerikanischer Jugendlicher richtet ein Messer auf ihn; Chance versucht vergeblich, ihn mit einer TV-Fernbedienung aus dem Leben zu reißen. Als Chance an einem Fernsehgeschäft vorbeikommt, sieht er sich im Schaufenster von einer Videokamera gefilmt. Begeistert tritt er rückwärts vom Bürgersteig zurück und wird von einer Limousine erfasst, die Eve Rand (Shirley McLaine), die glamouröse und viel jüngere Frau des älteren Geschäftsmoguls Ben Rand (Melvyn Douglas), chauffiert. Als sie ihn nach seinem Namen fragt, hört sie seine Antwort "Chance, der Gärtner“ fälschlicherweise als „"Chauncey Gardiner“. Eve bringt Chance zu ihrem palastartigen Anwesen, um von Dr. Allenby (Richard Dysart) untersucht zu werden, der dort wohnt und sich um Ben kümmert, der langsam an einer Blutkrankheit stirbt. Nachdem er Chauncey untersucht hat, lädt der Arzt ihn ein, zu bleiben, um ein Auge auf ihn zu haben. Chaunceys Manieren sind altmodisch und höflich, und er trägt teuer geschnittene, aber veraltete Kleidung aus den 1930er Jahren, die er vom Dachboden seines ehemaligen Arbeitgebers mitgenommen hat. Als Ben ihn trifft, hält er "Chauncey“ für einen hochgebildeten Geschäftsmann der Oberschicht, der in schwere Zeiten geraten ist. Ben bewundert ihn und findet ihn direkt, weise und aufschlussreich. Ben ist außerdem ein Vertrauter und Berater des Präsidenten der Vereinigten Staaten (Jack Warden), den er Chauncey vorstellt. In einer Diskussion über die Wirtschaft orientiert sich Chance an den Worten „"Wachstum stimulieren“ und spricht über den Wechsel der Jahreszeiten im Garten. Der Präsident interpretiert dies fälschlicherweise als optimistischen politischen Rat und zitiert diesen "Chauncey Gardiner“ in einer Rede. Chance gelangt nun zu nationaler Berühmtheit, nimmt an wichtigen Ereignissen teil, entwickelt eine enge Verbindung zum sowjetischen Botschafter und tritt in einer Talkshow auf, in der seine detaillierten Ratschläge, was ein ernsthafter Gärtner tun sollte, als seine Meinung zur Präsidentenpolitik missverstanden werden. Louise erzählt anderen Afroamerikanern, während sie Chance im Fernsehen schauen, dass er „"Milchreis zwischen den Ohren" hat, dumm wie ein Esel ist und dass "Weiß sein" alles ist, was man braucht, um in Amerika erfolgreich zu sein. Der Präsident beauftragt seinen ganzen Stab, das FBI und die CIA nach Informationen dieses Chauncey Gardiner herauszubekommen, doch es gibt einfach keine. Der Verdacht liegt natürlich nahe, dass er so gewichtig ist, dass sämtliche Unterlagen von ihm vernichtet worden sein könnten...






Am Ende läuft Chancy über die Oberflächte eines Sees, ohne dabei zu versinken. Er macht eine Pause, taucht seinen Regenschirm rechts von seinem Weg tief ins Wasser und gehet dann weiter.
Der Film erhielt zu Recht viele positive Kritiken und bescherte Sellers einen Hit nach vielen gescheiterten Filmen außerhalb der Pink-Panther-Reihe. Er liefert tatsächlich eine beeindruckende Vorstellung in dieser Rolle, die so gut war, dass er für einen Oscar nominiert wurde. Leider musste er sich von Dustin Hoffman in "Kramer vs. Kramer" geschlagen geben. Aber immerhin durfte sein Filmpartner Melvyn Douglas seinen zweiten Oscar nach "Hud" in der Kategorie "Bester Nebendarsteller" entgegen nehmen - damit setzte er sich sogar gegen den Favoriten Robert Duvall in "Apocalypse Now" durch. Diese Darsteller machen diese Satire natürlich zu etwas ganz Besonderem. "Being there" ist der Originaltitel, der weltweit 30 Millionen Dollar einspielte. Herausragend ist nicht nur die Darstellerriege, der Regisseur sondern auch Kameramann Caleb Deschanel, der sechsmal oscarnominiert wurde, aber noch nie den Sieg davontrug. Regiseur Hal Ashby war zum Zeitpunkt des Drehs bereits Oscarsieger - denn er siegte in den 60er Jahren bereits als Editor für den Norman Jewison Film "In der Hitze der Nacht" 
 









Bewertung: 9 von 10 Punkten.  

Sonntag, 15. Januar 2023

Shampoo


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Hal Ashby

George lässt nichts anbrennen...

In den 70er Jahren gehörte Hal Ashby zu den wichtigsten Regisseuren der USA. Seine 1971 gedrehte Liebesromanze über das "unmögliche Paar" Harold und Maude wurde schnell zum Kultfilm. Die Nachfolgefilme waren alle in der engeren Auswahl bei der jährlichen Vergabe der Academy Awards.
1975 folgte er mit "Shampoo" einem promiskuitiven Friseur aus Los Angeles am Wahltag des Jahres 1968. Wie ein Getriebener jagt der von seinem Arbeitsplatz hin zu den Betten seiner vielen Geliebten und ganz nebenbei plant er auch noch einen eigenen Friseursalon aufzumachen. Der Film spielte 60 Millionen Dollar ein und präsentiert eine starke Satire, die sich auf das Thema Sexualmoral und andere soziale Sitten der späten 60er Jahre bezieht.
Hinter einem heruntergekommenen Kosmetiksalon, der allerdings megagut besucht wird, lauern die Schwächen einer neuen oberflächlichen wie rücksichtslosen Gesellschaft, die gierig ist auf Geld, die völlig beziehungsarm lebt und wo jeder mit jedem ins Bett hüpft.
Friseur George Roundy (Warren Beatty) ist in seinem Umfeld total erfolgreich. Er arbeitet im Salon von Norman (Jay Robinson) und fühlt sich durch den Zuspruch seiner vielen Stammkundinnen als wahrer Chef im Laden. Zu seinen Kundiinnen gehört auch Hollywoodstar Barbara Rush. Vielen seiner Kundinnen macht George nicht nur die Haare schön, sondern er steigt, bei jeder Gelegenheit, die sich ihm bietet, mit den Frauen ins Bett. Es ist der Vorabend der Präsidentschaftswahlen 1968, aber hier in Beverly Hills hat jeder ausschließlich mit sich selbst zu tun, obwohl das TV-Gerät in fast allen Haushalten in Dauerrotation läuft. Mit der reichen Felicia (Lee Grant) ist er gerade zärtlich, als das Telefon klingelt. Seine Freundin Jill (Goldie Hawn) ist am Apparat. George verlässt kurz seine Wohnung, um Jill behilflich zu sein, denn sie leide an stärksten Panikattacken und nur er wisse wie er sie mental beruhigen kann. Felicia ist die Ehefrau des reichen Geschäftsmannes Lester (Jack Warden). Ihn hat George tags darauf um eine Unterredung gebeten. Da die Bank die Pläne zur Selbständigkeit nicht unterstützt, ist Lester die letzte Hoffnung an Kapital heran zu kommen. Lester glaubt, dass George schwul ist und ahnt nicht, dass der Casanova mit seiner Frau ein Verhältnis hat. Es kommt aber noch schlimmer: Auch Lesters heimliche Geliebte Jackie Shawn (Julie Christie) hat etwas mit dem attraktiven Friseur. Lesters frühreife Tochter Lorna (Carrie Fisher) passt in das breit gefächterte Beuteschema von George...




"Shampoo" ist ein sehr origineller Film, der es schaffte vier Oscarnominierungen zu erhalten. Während es bei Jack Warden (bester Nebendarsteller), Warren Beatty und Robert Towne (Drehbuch) und Richard Sylbert (Szenenbild) bei der Nominierung blieb, gewann Lee Grant in der Kategorie "Beste Nebendarstellerin". Warren Beatty überzeugt in der Rolle des getriebenen und sexsüchtigen Mannes. Insofern kann man ihn mit Steve McQueens "Shame" vergliechen. Dort spielt Michael Fassbender diesen Typus. Während in den 60er Jahren die Hauptfigur noch sagen kann "ich habe Spass an meinen sexuellen Ausschweifungen", ist McQueens sexuell aktiver Antiheld frustiert und innerlich leer. Der Sex verschafft ihm nicht mehr die Befriedigung, die er sich damit erhofft. Beattys Friseur merkt seine innere Leere noch gar nicht. So wandelt sich die Zeit.





Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

 

Dienstag, 3. Januar 2023

Das letzte Kommando


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Hal Ashby

Der Spezialauftrag...

Als Filmeditor bekam der spätere Regisseur Hal Ashby für seine Leistung in Norman Jewisons "In der Hitze der Nacht" den Oscar. 1970 folgte mit "Der Hausbesitzer" sein Debüt als Regisseur. "Harold und Maude" , der zunächst als Misserfolg an der Kinokasse galt, legte sich aber in den Folgejahren eine immer mehr steigende Fangemeinde zu, so dass er zu einem der bekanntesten Kultfilme Hollywoods avancierte. In den 70er Jahren drehte er seine bekanntesten und besten Filme: "Dies Land ist mein Land, "Shampoo", "Coming home" oder "Willkommen Mr. Chance". Auch der mit tragischen Untertönen versehene Militärfilm "Das letzte Kommando" gehört zu seinen Highlights. Der Film entstand 1973 und spielte 10 Millionen Dollar ein, was für die Macher sehr enttäuschend war. Heute geht man von einer unglücklichen Marktstrategie aus, die dem Film die Chance nahm, auch an der Kasse einen guten Umsatz hinzulegen. Man wollte die Oscarvergabe abwarten, aber als die drei Nominierungen (Hauptdarsteller Jack Nicholson, Nebendarsteller Randy Quiad und bestes Drehbuch Robert Towne) nicht in Siege umgewandelt wurde, war das Schicksal des Films besiegelt. Vor allem Hauptdarsteller Jack Nicholson wurde für seine Rolle als Billy "Bad Ass" Budusky hochgelobt. Er gab später einmal an, dass er sehr enttäuscht war den Oscar nicht zu bekommen. Er unterlag im oscarjahr Jack Lemmon für seine Rolle in "Save the Tiger". Im folgenden Jahr musste er sich für "Chinatown" erneut geschlagen geben, denn die meisten Stimmen bekam Art Carney für "Harry und Tonto". Ein Jahr später war es dann aber endlich soweit: Nicholson bekam den Academy Award für seine unvergessene Rolle in Milos Formans "Einer flog übers Kuckucksnest".
Die Geschichte in "The last Detail" beginnt am Samstag, den 15. Dezember 1973. Die beiden Navymatrosen Billy Budusky (Nicholson) und "Mule" Mulhall (Otis Young) sind in Norfolk, Virginia stationiert und etwas gelangweilt vom eintönigen Kasernenleben. Ihr Vorgesetzer hat aber entschieden ihnen einen Spezialauftrag zu geben. Sie haben eine Woche Zeit, um den 18-jährigen Matrosen Larry Meadows (Randy Quaid) zum Marinegefängnis Portsmouth in der Nähe von Kittery, Maine zu eskortieren. Meadows Vergehen ist zwar lächerlich gering, aber die Strafe ist vollkommen unverhältnismäßig, denn der Junge wandert für 8 Jahre in den Knast und wird unehrenhaft aus der Armee entlassen. Meadows hat 40 Dollar aus einem Wohltätigkeitsfonds gestohlen, sein Pech war es jedoch, dass sie von der Frau eines hohen Offiziers geführt wurde. Unterwegs freunden sich die beiden Haudegen mit dem naiven Youngster an und daher machen sie öfters mal Halt. Nach etlichen Drinks, einem Besuch bei einer obskuren religiösen Gemeinschaft, einem Bordellbesuch und Kneipenschlägereien versucht Meadows zu fliehen..




Hal Ashby ist eine zeitlose Metapher gelungen, die eine generelle menschliche Hilflosigkeit gegenüber staatlichen Institutionen aufzeigt. Trotz den witzigen und humorvollen Einlagen ist "The last detail" vor allem durch das uabwendare Ende ein trauriger Film, der einen unbarmherzigen Militärapparat skzizziert. In Nebenrollen ist auch Nancy Allen zu sehen. Die Rolle der junge Prostituerten wird von Carol Kane (bekannt durch "Hester Street") verklörpert..






Bewertung. 9,5 von 10 Punkten