Der bösartige Schleier des Schicksals...
Restaurator John Baxter (Donald Sutherland) lebt gemeinsam mit seiner
Frau Laura (Julie Christie) und zwei kleinen Kindern ein ruhiges Leben
auf einem schönen Landsitz in England.
Als die kleine Tochter beim Spielen im Teich ertrinkt, ist die
Familienidylle mit einem Schlag beendet. Um den tragischen Verlust
verarbeiten zu können, nimmt John ein Angebot aus Venedig an. Dort in
der Lagunenstadt soll er auf Geheiß des Bischofs eine marode Kirche
restauieren, seine immer noch traumatisierte Frau begleitet ihn auf der
Reise.
In der Stadt ist gerade die Saison vorüber, einige Hotels schließen in diesen kommenden Wintermonaten.
Laura nimmt täglich ihre Tabletten, John stürzt sich mit Eifer an die
neue Arbeit. Trotz allem raufen sie sich immer wieder zusammen, um das
Schicksal zu meistern und um eine gemeinsame Zukunft zu haben.
Bei einem Restaurantbesuch macht das Paar Bekanntschaft mit zwei etwas
sonderbar wirkenden älteren Schwestern aus Schottland. Die beiden Damen
geben sich reichlich mysteriös, die blinde Wendy (Hillary Mason) hat gar
die Gabe des zweiten Gesichts und sie teilt Laura im Beisein ihrer
Schwester Wendy (Clelia Matania) mit, dass sie die verstorbene kleine
Tochter des Paares am Tisch mit ihnen sitzen sah und das Mädchen sei
sehr glücklich gewesen. Dabei erwähnt die hellsichtige Frau sogar den
roten Regenmantel des Kindes - genau dieses Kleidungsstück hatte das
Mädchen am Tag ihres Todes an.
Durch diese Aussagen wird Laura zunehmend euphorisch, sie glaubt diesen
Schilderungen und meint ihrem toten Kind ginge es im Jenseits
tatsächlich sehr gut.
Auf John wirken diese Geschichten der beiden Schwestern eher verstörend, er will von diesem Humbug nichts wissen.
Venedig wirkt auf John und auf Laura gleichermassen faszinierend, obwohl ein mysteriöser Mörder die Lagunenstadt in Atem hält...
Nicolas Roegs Thriller "Wenn die Gondeln Trauer tragen" heisst im
Original "Don´t look back" und entstand 1973 nach einer Erzählung von
Daphne du Maurier.
Mit einer verstörenden Musik von Pino Donaggio und faszinierend morbiden
Bildern des Kameramannes Anthony B. Richmond wird ein unheimliches
Venedig gezeigt. Dabei spielt ein roter Regenmantel eine große Rolle,
der beim Betracher John ganz bestimmte Assoziationen weckt.
Der Film endet mit der vielleicht verstörendsten und schrecklichsten
Filmsequenz, die ich je gesehen habe und die mich beim ersten Mal
nachhaltig beeindruckte. Genauso wie der ganze Film selbst, der einen
sehr langsamen Aufbau der Story hat, aber dafür umso mehr an mysteriöser
Atmosphäre bieten kann. Für mich ist dieser britische Klassiker einer
der fünf besten Horrorfilme, die je gedreht wurden.
Die ganze zeit ist eine unheimliche, unterschwellige Bedrohung spürbar,
dabei ist die Realität immer wieder mit einem schicksalhaften Band
verbunden, dass immer unterschwellig präsent bleibt.
Nicht zuletzt deshalb weil menschliche Träume und Glaube den Platz frei
machen für einen nicht sichbaren Part in der Existenz, das
Unterbewusstsein steuert sozusagen die Geschicke der Figuren und bringt
vexierbildhafte Visionen mit sich.
Bewertung: 10 von 10 Punkten.