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Dienstag, 25. Juni 2024

Der Mann, der vom Himmel fiel



Regie: Nicholas Roeg

Der Ausserirdische...

Seit Mitte der 70er Jahre arbeitete der Popsänger David Bowie auch regelmäßig als Schauspieler. Er bekam auch in diesem Metier gute Kritiken, jedoch nicht im Ausmaß wie mit seinem musikalischen Schaffen. 1975 besetzte Kultregisseur Nicholas Roeg (Performance, Walkabout, Wenn die Gondeln Trauer tragen) seinen Science Fiction "Der Mann, der vom Himmel fiel" mit dem androgynen Weltstar - dieser Film gilt noch vor "Begierde" oder "Furyo" als seine beste Schauspielerleistung.
Bowie bemerkte jedoch später selbstkritisch, dass er eigentlich nur sich selbst gespielt habe. Er war zu dieser Zeit schwer kokainsüchtig. Er war damals eher in einem labilen Geisteszustand und sagte später "Ich bin so froh, dass ich diesen Film gemacht habe, aber ich wusste nicht wirklich, was da gedreht wurde". Einfach ich selbst zu sein, war für die Rolle vollkommen ausreichend. Ich war zu diesem Zeitpunkt nicht von dieser Welt.“
Ich fühlte mich tatsächlich genauso entfremdet wie diese Figur, die ich spielte.
Thomas Jerome Newton (David Bowie) ist ein humanoider Außerirdischer, der von einem weit entfernten Planeten zur Erde reist. Bei seiner Landung in New Mexico erscheint er als Engländer. Newton ist mit der Mission auf der Erde angekommen, Wasser zu seinem Heimatplaneten zu bringen, der gerade von einer katastrophalen Dürre heimgesucht wird - er will damit seine zurückgelassene Frau und seine beiden Kinder vor dem Tod retten. Newton nutzt die fortschrittliche Technologie seines Heimatplaneten schnell, um viele Erfindungen auf der Erde patentieren zu lassen. Als Chef eines Technologiekonglomerats in Arizona, der World Enterprises Corporation, erlangt er mit Hilfe des führenden Patentanwalts Oliver Farnsworth (Buck Henry) enormen Reichtum. Dieser Reichtum wird benötigt, um ein Raumfahrzeug zu bauen, mit dem er Wasser zu seinem Heimatplaneten transportieren soll. Bei seinem erneuten Besuch in New Mexico trifft Newton Mary-Lou (Candy Clark), eine einsame junge Frau aus Oklahoma, die in einem Kleinstadthotel in verschiedenen Teilzeitjobs arbeitet, um sich zu ernähren. Mary-Lou macht Newton mit vielen Bräuchen der Erde vertraut, darunter Kirchgang, Alkohol und Sex. Sie und Newton ziehen zusammen in ein Haus, das er in der Nähe seines ersten Landeplatzes in New Mexico gebaut hat. Dr. Nathan Bryce (Rip Torn), ein ehemaliger College-Professor, der Sex mit seinen Studentinnen hatte, hat einen Job als Treibstofftechniker bei World Enterprises bekommen und wird langsam zu Newtons Vertrautem. Bryce spürt Newtons Fremdartigkeit und arrangiert ein Treffen mit Newton in seinem Haus, wo er eine spezielle Röntgenkamera versteckt hat. Als er mit der Kamera ein Foto von Newton macht, enthüllt es Newtons fremde Physiologie. Newtons Appetit auf Alkohol und Fernsehen (er kann mehrere Fernseher gleichzeitig anschauen) wird immer exzessiver und er und Mary-Lou geraten in Streit. Als Newton erkennt, dass Bryce sein Geheimnis erfahren hat, offenbart er Mary-Lou seine fremde Gestalt. Sie kann seine wahre Gestalt nicht akzeptieren und flieht in Panik und Entsetzen. Newton stellt das Raumschiff fertig und versucht, es unter intensiver Berichterstattung der Presse auf seine Jungfernfahrt zu schicken. Kurz vor seinem geplanten Start wird er jedoch festgenommen und festgehalten, offenbar von der Regierung und einem Konkurrenzunternehmen. Sein Geschäftspartner Farnsworth wird ermordet. Die Regierung, die Newton über seinen Fahrer überwacht hatte, hält ihn in einem verschlossenen Luxusapartment tief in einem Hotel gefangen. Während seiner Gefangenschaft wird er mit Alkohol (von dem er abhängig geworden ist) ruhiggestellt und strengen medizinischen Tests unterzogen, die seine menschliche Verkleidung zerstören. Eine Untersuchung mit Röntgenstrahlen führt dazu, dass die Kontaktlinsen, die er als Teil seiner menschlichen Verkleidung trägt, dauerhaft an seinen Augen haften. Gegen Ende von Newtons Jahren der Gefangenschaft bekommt er erneut Besuch von Mary-Lou. Sie ist viel älter und ihr Aussehen ist durch Alkohol und Zeit ruiniert. Sie haben gespielt gewalttätigen, spielerischen Sex, bei dem sie mit Platzpatronen schießen, und verbringen ihre Zeit danach mit Trinken und Tischtennisspielen. Mary-Lou erklärt, dass sie ihn nicht mehr liebt, und er antwortet, dass er sie auch nicht liebt. Schließlich entdeckt Newton, dass sein "Gefängnis“, das jetzt verfallen ist, unverschlossen ist, und er verlässt es. Da er nicht nach Hause zurückkehren kann, nimmt der verzweifelte und alkoholkranke Newton eine Aufnahme mit außerirdischen Botschaften auf, von denen er hofft, dass sie per Radio auf seinen Heimatplaneten gesendet werden. Bryce, der inzwischen Mary-Lou geheiratet hat, kauft eine Kopie des Albums und trifft Newton in einem Restaurant. Newton ist trotz des vielen Alters immer noch reich und sieht jung aus. Allerdings ist er auch in Depressionen verfallen und leidet weiterhin unter Alkoholismus. Auf der Außenterrasse des Restaurants sitzend erkundigt sich Newton nach Mary-Lou, bevor er in betrunkenem Zustand auf dem Stuhl zusammenbricht...








Das ist natürlich ebenfalls der Stoff, aus dem die Kultfilme sind. Roeg gelang mit diesem eigenwilligen Science Fiction Film eine bedrückende Parabel über die Chancenungleichheit des Einzelnen in einer Welt, in der der Konsum und die Großkonzerne die Macht haben und alles beherrschen.








Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Donnerstag, 23. Mai 2024

Walkabout


Regie: Nicholas Roeg

Überleben im Outback...

Seine Filmkarriere begann Nicholas Roeg (1928 bis 2018) als Kameramann der Filme "Toll trieben es die alten Römer", "Fahrenheit 451" oder "Die Herrin von Thornhill". Mit dem Film "Performance" wechselte der Brite erfolgreich ins Regiefach. Zu seinen bemerkenswertesten Filmen zählen "Wenn die Gondeln Trauer tragen", "Der Mann, der vom Himmel fiel" und "Walkabout", die zweite Regiearbeit aus dem Jahr 1971. In vielen seiner Filme finden sich Mystik, Mythos, Erotik, Sinnlichkeit und auch Momente der Halluzination. Auch "Walkabout" ist schwer faßbar und der Zuschauer wird dabei aufgefordert selbst über die Geschichte, die Roeg zeigt, nachzudenken. Natürlich war Roeg nicht nur Regisseur des Films, sondern war auch Kameramann. Im Grunde ist die Geschichte recht einfach strukturiert. Es beginnt alles in einer teuren Wohnung eines Mannes (John Meillon), dessen beide Kinder, die 16jährige Tochter (Jenny Agutter) und ihr kleiner Bruder (Luc Roeg) sich unten im Swimmingpool aufhalten. Er ruft die Kinder und sie fahren gemeinsam in den australischen Outback. Dort angekommen fängt der Vater auf die Kinder an zu schießen. Die beiden gehen in Deckung und verstecken sich. Nachdem er sie vergeblich zurückruft, setzt er seinen Wagen in Brand und erschießt sich. Die beiden Geschwister bleiben in der Wüste zurück. Das Mädchen beruhigt ihren Bruder, der den Tod des Vaters nicht mitbekommen hat und meint sie müssten nun alleine weiter laufen, der Vater käme bald nach. An einer ausgetrockneten Wasserstelle treffen sie auf einen jungen Aborigine (David Gulpilil) auf seinem "Walkabout" - einer Zeit ausserhalb seiner Gemeinschaft, in der er mit der Natur kommunizieren muss, auch um zu überleben. Er spricht kein Englisch, was das Mädchen sehr frustriert war, aber ihr Bruder ahmt ihr Bedürfnis nach Wasser nach, und der Neuankömmling zeigt ihnen fröhlich, wie man es aus dem trocknenden Bett der Oase holt. Die drei reisen zusammen, wobei der Aborigine-Junge Känguruhfleisch teilt, das er bei der Jagd gefangen hat. Die Jungen lernen, bis zu einem gewissen Grad mit Wörtern aus der Sprache und Gesten des anderen zu kommunizieren; Das Mädchen unternimmt keine derartigen Versuche. Außerdem entdecken die Kinder einen Wetterballon, der einem nahegelegenen Forschungsteam gehört, das in der Wüste arbeitet. Nachdem er Markierungen für ein Haus im modernen Stil gezeichnet hat, führt der Aborigine-Junge sie schließlich zu einer verlassenen Farm und bringt den Jungen zu einer nahegelegenen Straße. Der Aborigine-Junge jagt einen Wasserbüffel und ringt ihn zu Boden, als zwei weiße Jäger in einem Lastwagen auftauchen und ihn schnell überfahren. Er sieht schockiert zu, wie sie mutwillig mit einem Gewehr auf mehrere Büffel schießen. Der Junge kehrt dann zur Farm zurück, geht aber wortlos vorbei. Später liegt der Aborigine-Junge in Trance zwischen einer Menge Büffelknochen und hat sich mit zeremoniellen Abzeichen bemalt. Er kehrt zum Bauernhaus zurück, überrascht das sich ausziehende Mädchen und leitet ein Balzritual ein, indem er vor ihr einen Tanz aufführt. Obwohl er den ganzen Tag und bis in die Nacht draußen tanzt, bis erschöpft ist, hat sie Angst, versteckt sich vor ihm und sagt ihrem Bruder, dass sie ihn am nächsten Tag verlassen werden. Am Morgen, nachdem sie ihre Schuluniformen angezogen haben, bringt der Bruder sie zum Körper des Aborigine-Jungen, der an einem Baum hängt. Das Mädchen zeigt wenig Emotionen und wischt Ameisen von der Brust des toten Jungen. Als die Geschwister die Straße hinaufwandern, finden sie eine schnell verlassene Bergbaustadt, wo ihnen ein mürrischer Angestellter den Weg zu einer nahegelegenen Unterkunft weist. Jahre später kommt ein Mann (John Illingsworth) von der Arbeit nach Hause, während das mittlerweile erwachsene Mädchen das Abendessen zubereitet. Während er sie umarmt und Büroklatsch erzählt, erinnert sich daran, wie sie, ihr Bruder und der Aborigine-Junge nackt in einem Billabong im Outback spielen und schwimmen....








Viele Antworten muss man sich selbst geben. Hat der Junge sich getötet, weil er an der Welt verzweifelte oder weil sein Wunsch mit dem Mädchen und dem kleinen Jungen zusammen zu bleiben nicht auf Gegenliebe stieß. Diese Geheimnisse werden nicht gelüftet, aber es bleibt ein Stück weit diese Sehnsucht nach einem erfüllteren Leben. Möglicherweise fernab der Zivilisation, eher in der Wildnis - obwohl auch dort Grausamkeit herrscht, nur der Stärkere überlebt. Es entsteht ein krasser Kontrast zwischen dem Verhalten in der Zivilisation zur Wildnis. Roeg zeigt auch den brutalen lebenskampf von Lebewesen fernab unserer geordneten Welt. Der Eingeborene tötet um Nahrung zu bekommen, der zivilisierte Mensch tötet zum Vergnügen oder kennt diesen täglichen Kampf gar nicht mehr.










Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Donnerstag, 7. September 2017

Wenn die Gondeln Trauer tragen

Der bösartige Schleier des Schicksals...

Restaurator John Baxter (Donald Sutherland) lebt gemeinsam mit seiner Frau Laura (Julie Christie) und zwei kleinen Kindern ein ruhiges Leben auf einem schönen Landsitz in England.
Als die kleine Tochter beim Spielen im Teich ertrinkt, ist die Familienidylle mit einem Schlag beendet. Um den tragischen Verlust verarbeiten zu können, nimmt John ein Angebot aus Venedig an. Dort in der Lagunenstadt soll er auf Geheiß des Bischofs eine marode Kirche restauieren, seine immer noch traumatisierte Frau begleitet ihn auf der Reise.
In der Stadt ist gerade die Saison vorüber, einige Hotels schließen in diesen kommenden Wintermonaten.
Laura nimmt täglich ihre Tabletten, John stürzt sich mit Eifer an die neue Arbeit. Trotz allem raufen sie sich immer wieder zusammen, um das Schicksal zu meistern und um eine gemeinsame Zukunft zu haben.
Bei einem Restaurantbesuch macht das Paar Bekanntschaft mit zwei etwas sonderbar wirkenden älteren Schwestern aus Schottland. Die beiden Damen geben sich reichlich mysteriös, die blinde Wendy (Hillary Mason) hat gar die Gabe des zweiten Gesichts und sie teilt Laura im Beisein ihrer Schwester Wendy (Clelia Matania) mit, dass sie die verstorbene kleine Tochter des Paares am Tisch mit ihnen sitzen sah und das Mädchen sei sehr glücklich gewesen. Dabei erwähnt die hellsichtige Frau sogar den roten Regenmantel des Kindes - genau dieses Kleidungsstück hatte das Mädchen am Tag ihres Todes an.
Durch diese Aussagen wird Laura zunehmend euphorisch, sie glaubt diesen Schilderungen und meint ihrem toten Kind ginge es im Jenseits tatsächlich sehr gut.
Auf John wirken diese Geschichten der beiden Schwestern eher verstörend, er will von diesem Humbug nichts wissen.
Venedig wirkt auf John und auf Laura gleichermassen faszinierend, obwohl ein mysteriöser Mörder die Lagunenstadt in Atem hält...






Nicolas Roegs Thriller "Wenn die Gondeln Trauer tragen" heisst im Original "Don´t look back" und entstand 1973 nach einer Erzählung von Daphne du Maurier.
Mit einer verstörenden Musik von Pino Donaggio und faszinierend morbiden Bildern des Kameramannes Anthony B. Richmond wird ein unheimliches Venedig gezeigt. Dabei spielt ein roter Regenmantel eine große Rolle, der beim Betracher John ganz bestimmte Assoziationen weckt.
Der Film endet mit der vielleicht verstörendsten und schrecklichsten Filmsequenz, die ich je gesehen habe und die mich beim ersten Mal nachhaltig beeindruckte. Genauso wie der ganze Film selbst, der einen sehr langsamen Aufbau der Story hat, aber dafür umso mehr an mysteriöser Atmosphäre bieten kann. Für mich ist dieser britische Klassiker einer der fünf besten Horrorfilme, die je gedreht wurden.
Die ganze zeit ist eine unheimliche, unterschwellige Bedrohung spürbar, dabei ist die Realität immer wieder mit einem schicksalhaften Band verbunden, dass immer unterschwellig präsent bleibt.
Nicht zuletzt deshalb weil menschliche Träume und Glaube den Platz frei machen für einen nicht sichbaren Part in der Existenz, das Unterbewusstsein steuert sozusagen die Geschicke der Figuren und bringt vexierbildhafte Visionen mit sich.






Bewertung: 10 von 10 Punkten.