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Sonntag, 19. Mai 2024

Sophies Entscheidung


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Alan J. Pakula

Grausamste Wahl...

Nach seinem erfolgreichen Paranoia Filmtrio "Klute", "Zeuge einer Verschörung" und "Die Unbestechlichen" landete Regisseur Alan J. Pakula mit seinem Holocaust Drama "Sophies Entscheidung" im Jahr 1982 einen weiteren Filmerfolg. Hauptdarstellerin war Meryl Streep, die mit der Rolle der ehemaligen KZ-Gefangenen Sophie nach "Kramer gegen Kramer" ihren zweiten Oscar erhielt. Pakulas Drama ist ein herzzereißender, wunderbar gespielter und fesselnder Film. Es geht um drei Menchen, die vor einer Reihe von Entscheidungen stehen, manche davon leichtsinnig, andere tragisch. Vor allem die Hauptfigur Sophie, sie hat eine Dekade des Wahnsinns miterlebt und kämpft nun damit, dass sie danach überhaupt noch existieren kann. Es ist eine kraftvolle und zauberhaft-magische Geschichte, die von einer großen Trauer durchzogen wird. Somit nicht nach jedermanns Geschmack, denn der Stoff ist alles andere als gemütlich.
1947 zieht Stingo (Peter MacNicol) nach Brooklyn, um einen Roman zu schreiben, und freundet sich mit der Nachbarin Sophie Zawistowska (Meryl Streep), einer polnischen Einwanderin, und ihrem emotional instabilen Liebhaber Nathan Landau (Kevin Kline) an. Nathan ist ständig eifersüchtig und wenn er einen seiner heftigen Stimmungsschwankungen hat, überzeugt er sich selbst, dass Sophie untreu ist, misshandelt und belästigt sie. Eine Rückblende zeigt, wie Nathan Sophie nach ihrer Einwanderung in die USA zum ersten Mal traf, als sie aufgrund einer schweren Anämie zusammenbrach. Sophie erzählt Stingo, bevor sie in die USA kam, dass ihr Mann und ihr Vater in einem deutschen Arbeitslager getötet wurden und sie in Auschwitz interniert wurde. Stingo erfährt später von einem College-Professor, dass Sophies Vater ein Nazi-Sympathisant war. Als Stingo Sophie damit konfrontiert, gibt sie die Wahrheit zu. Sophie erklärt, dass sie, nachdem ihr Vater (ein Universitätsprofessor) und ihr Mann (der Assistent ihres Vaters) von den Nazis verschleppt worden waren, einen Kriegsliebhaber hatte, Józef (Neddim Prohic). Er lebte mit seiner Halbschwester Wanda (Katharina Thalbach) zusammen und war ein Anführer der Résistance. Wanda versuchte, Sophie davon zu überzeugen, einige gestohlene Gestapo-Dokumente zu übersetzen, aber Sophie lehnte ab, weil sie befürchtete, sie könnte ihre beiden Kinder Jan (Adrian Kalitka) und Eva (Jennifer Lawn) gefährden. Zwei Wochen später wurde Józef von der Gestapo ermordet und Sophie verhaftet und mit den Kindern nach Auschwitz geschickt. Nach ihrer Ankunft wurde Sophie aufgrund ihrer Sprach- und Bürokenntnisse als Sekretärin von Rudolph Höss (Günther Maria Halmer) eingesetzt. Nathan erzählt Sophie und Stingo, dass er bei Pfizer bahnbrechende Forschung betreibt, aber Nathans Bruder (Stephen D. Newman), ein Arzt, erzählt Stingo, dass Nathan an paranoider Schizophrenie leide und alle Schulen, die Nathan angeblich besucht habe, in Wirklichkeit teure psychiatrische Einrichtungen waren. Nathan ist kein Biologe, wie er behauptet. Er hat zwar einen Job bei Pfizer, den ihm sein Bruder besorgt hat, aber er ist in der Bibliothek und er hilft nur gelegentlich bei der Recherche. Nachdem Nathan glaubt, dass Sophie ihn erneut betrogen hat, ruft er sie und Stingo an und feuert in heftiger Wut eine Waffe ab. Sophie und Stingo fliehen in ein Hotel und er plant eine Zukunft für die beiden. Sie willigt ein, mit ihm zusammen zu sein, aber nicht zu heiraten, weil sie sich für eine ungeeignete Mutter hält. Bei ihrer Ankunft in Auschwitz musste sie entscheiden, welches ihrer Kinder in die Gaskammer geschickt und getötet werden sollte. Wenn sie sich nicht entscheiden würde, würden beide getötet werden. In ihrer Verzweiflung entschloss sie sich, Eva, ihre Tochter, in die Gaskammer zu schicken, um ihren Sohn Jan zu retten....







Natürlich gibt es bei dieser Vergangenheitsbewältigung kein HappyEnd mehr und Sophie sucht erneut den Kontakt zu Nathan. Beide sterben gemeinsam durch die Einnahme von Zyanid. "Sophies Choice" spielte 30 Millionen Dollar an der Kinokasse ein und war für fünf Oscars nominiert (beste Schauspielerin, bestes Drehbuch Alan J. Pakula, Beste Kamera Nestor Almendros, Beste Kostüme Albert Wolsky und bester Score Marvin Hamlish). Neben dem Oscarsieg wurde Meryl Streep auch mit dem Golden Globe als beste Darstellerin auszgeichnet.
 







Bewertung: 9 von 10 Punkten. 
 

Donnerstag, 25. Januar 2018

Die Unbestechlichen







































Regie: Alan J. Pakula

Die Männer des Präsidenten...

Die Unbestechlichen" aus dem Jahr 1976 ist der würdige Abschluß für die "Paranoia Trilogie" des US-Regisseurs Alan J. Pakula und befasst sich mit dem spannenden Aufdecken des Watergate-Skandals. Vorausgegangen waren die Thriller "Klute" (1971) und "Zeuge einer Verschwörung" (1974) , die ebenfalls Klassiker wurden. "Die Unbestechlichen" war bei der Oscarverleihung 1977 in vier Kategorien siegreich. Ich finde den Original-Titel des Films "All the Presidents Men" allerdings weitaus gelungener, denn es macht die Bedeutung dieses Politskandals umso deutlicher. Im übrigen gilt Alan J. Pakulas im dokumentarisch gehaltenen Stil Thriller als Paradebeispiel für einen besonders gelungenen Politthriller.Im Juni 1972 findet ein Wachmann im Watergate-Komplex eine Tür entriegelt. Er ruft die Polizei, die dort fünf mutmaßliche Einbrecher im Sitz des "Democratic National Committee" vorfinden und verhafften.  Am nächsten Morgen ist der Washington Post-Reporter Bob Woodward neue (Robert Redford) im örtlichen Gerichtsgebäude, um über diese Geschichte zu schreiben, die vermutlich von untergeordneter Bedeutung sein wird. Woodward erfährt dort, dass vier dieser fünf Männer Kuba-Amerikaner sind und alle in irgendeiner Verbindung mit dem CIA stehen. Grund genug in dieser Sache doch am Ball zu bleiben. Von einem unbekannten Informanten (Hal Holbrook) hört Woodward, dass er an einer brisanten Story arbeitet. Es taucht dabei auch der Name von Richard Nixons Mitarbeiter Charles Colson auf. Da Woodward noch neu bei er Zeitung ist, wird ihm Kollege Carl Bernstein (Dustin Hoffman) zur Seite gestellt, die beiden werden zum guten Team. Doch die erste Zeit ist zermürbend, da Chefredakteur Ben Bradlee (Jason Robards) viel mehr Untermauerung und Zuverlässgkeit der Information braucht, um sie auf die Titelseite zu bringen. So ist den beiden Journalisten zwar klar, dass sie an etwas Großem arbeiten, aber sie dennoch völlig im Dunkel tappen. Woodwards Informant gibt ihm aber den Tipp, dass er den Geldtransfers folgen soll, die sich bei den Recherchen schon ergeben haben. Am Ende dieser mehrjährigen journalistischen Ermittlungen steht der Abhörskandal, der schließlich zum Rücktritt des US-Präsidenten Richard Nixon führte. Woodward und Bernstein deckten auf, dass Mitarbeiter des Weißen Hauses das Wahlkampfbüro der oppositionellen Demokratischen Partei abhören wollten.




 Pakulas Stil ist beinahe schon nüchtern, sehr klar und Präzise. Dabei verzichtet er auf dramatische Aspekte und setzt einzig und allein auf den spannenden Part einer Ermittlung, die zunehmend brisanter und auch ungeheuerlicher wird. In weiteren Nebenrollen sind Martin Balsam, Ned Beatty, Jack Warden und Jane Alexander zu sehen. Erst 1993 kehrte Pakula ein letztes Mal auf gewohntes Paranoia Thriller Terrain zurück und landete mit "Die Akte" dank der Stars Julia Roberts und Denzel Washington ein Comeback mit ähnlichen Inhalten. 





Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Dienstag, 17. Oktober 2017

Zeuge einer Verschwörung







































Regie: Alan J. Pakula

Verschiebung der Sichtweise...

Der US-Senator Charles Carroll (Bill Joyce) wurde vor einigen Jahren am amerikanischen Nationalfeiertag auf der Aussichtsplattform der Space Needle in Seattle ermordet. Der vermeintliche Attentäter war ein Kellner, der nach einem Handgemenge mit dem Sicherheitspersonal stürzt. Das einberufene Untersuchungskomitee kommt einige Zeit später zum Schluß, dass er ein verrückter Einzeltäter war, der die Tat aus krankhaften Motiven geplant hat - der Fall, den die Presse immer wieder als politische Verschwörung verdächtigt hat, soll nun zu den Akten wandert.
Die Fernsehreporterin Lee Carter (Paula Prentiss) sucht drei Jahre nach diesem Vorfall ihren Freund und Kollegen Joseph Frady (Warren Beatty) auf. Beide waren zum Tatzeitpunkt vor Ort, Lee sogar eine unmittelbare Zeugin.
Lee glaubt, dass immer noch eine Verschwörung in Gang ist und sie findet es geradezu beängstigend, dass 6 der damaligen Augenzeugen des Attentats bereits tot sind und sie ist überzeugt, dass man auch ihr nach dem Leben trachtet.
Frady, der gerade wieder nach einigen privaten Durchhängern eine Anstellung bei seinem Vorgesetzten und Mentor, dem Zeitungsredakteur Bill Rintels (Hume Cronyn) gefunden hat, tut dies zunächst als unbegründete Paranoia ab.
Doch einige Tage später befindet er sich in der Leichenhalle, Lee ist tot.
Frady findet heraus, dass ein weiterer Augenzeuge, ein gewisser Austin Tucker (William Daniels), die ehemals rechte Hand von Senator Carroll, untergetaucht sein soll.
Eine Spur für den neugierigen Zeitungsmann in das kleine Kaff Salmontail, wo er den Sheriff LD Wicker (Kelly Thordsen) kennenlernt.
Er entkommt dort nur knapp dem Tode, seine weiteren Ermittlungen führen zu einer ominösen Agentur, die sich "The Parallax Corporation" nennt und die vermutlich labile und aggressive Menschen anheuert, um sie zu Attentätern zu machen....




Der Begriff "parallaktische Verschiebung" geht auf das griechische Wort "parallaxis" (Veränderung) zurück und meint eine Verschiebung der Sichtweise, wenn beispielsweise ein Objekt in 5 Meter Entfernung vom Beobachter steht und sich dahinter (in 10 Meter Abstand zum Beobachter) eine Wand befindet, dann nimmt nach einer seitlichen Bewegung des Beobachters das Objekt in Relation zur Wand eine andere Position ein, es hat sich (scheinbar) verschoben.
Damit zeigt sich auch der Charakter dieses Attentats, bei dem die Verschwörer es auf sehr geschickte Weise schaffen, die Schuld am Mord an Senator Carroll auf einen einzelnen zu schieben.
Alan J. Pakulas "Zeuge einer Verschwörung" entstand 1974 und gilt neben "Klute" und "Die Unbestechlichen" zu Pakulas sogenannter Paranoia-Trilogie. Alle drei Filme gehören zu den besten Filmen des New Hollywood der 70er Jahre.
Während die beiden anderen Filme dieser Trilogie große Welterfolge wurden, schaffte dies der "Zeuge einer Verschwörung" leider nicht. Er wurde damals eher mittelmässig von der Kritik aufgenommen und auch die Zuschauerzahlen im Kino waren enttäuschend.
Erst im Laufe der Zeit hat sich der Film einen echten Klassikerstatus in Bereich des Politthrillers erworben und er braucht sich vor Meisterwerken wie Costa Gavras "Z", "Vermisst", Pollacks "Die drei Tage des Condor" oder Coppolas "Dialog" in keinster Weise zu verstecken.
Der Film endet perfide und erzielt durch diese klare Konsequenz eine sehr markante Wirkung.
Dabei setzt Pakula sehr stark auch auf die Bildsprache. Der Abgang von Paula Prentiss wird kalt und brutal serviert, eine Szene zuvor war sie noch bei einem wenig verständnisvollen Beatty, der sie überhaupt nicht ernst nahm, nun sieht man sie als Leiche auf der Bahre liegend.
Auch Senator John Hammond (Jim Davis) Generalprobe in einer Aula kommt da ohne Worte aus, die Wirkung dieser Szene ist enorm.
Ebenso wenn Frady einem Eignungs- bzw. Lügendetektortest ausgesetzt ist, bei dem ihm ein Lehrfilm vorgespielt wird, der Bezüge zwischen den amerikanischen Grundwerten und Gewaltausübung schafft und diese immer mehr zu einer Einheit verschmelzen.
Was Frankenheimers "Botschafter der Angst" für die 60er Jahre war, das dürfte Alan J. Pakulas meisterhafter und mysteriöser Thriller für die 70er Jahre sein.





Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.

Mittwoch, 6. September 2017

Klute







































Regie: Alan J. Pakula

Das Callgirl Bree Daniels...

Der verheiratete Geschäftsmann Tom Gruneman (Robert Milli) aus Tuscarora, Pennsylvannien ist nach einem Besuch in New York nicht mehr nach Hause zurückgekehrt und nunmehr seit 6 Monaten verschwunden.
Seine Frau Holly (Betty Murray) ist verzweifelt und muss von der Polizei erfahren, dass ihr Mann möglicherweise ein Doppelleben ala Dr. Jeckyll und Mr. Hyde geführt haben könnte, denn es existieren Briefe von Tom, die an die Prostituierte Bree Daniels (Jane Fonda) gerichtet sind und dessen perverse, abartige Wünsche offenbaren...er verprügelt und misshandelt gerne Frauen und hatte wohl Kontakt zu der Prostituierten, die sich allerdings nicht an Tom erinnern kann.
Die Polizei geht davon aus, dass Tom Gruneman untergetaucht sein könnte und nach wie vor sein perverses Unwesen treibt.
Für seine Frau, seinen Geschäftspartner Peter Cable (Charles Cioffi) und für Toms besten Freund John Klute (Donald Sutherland) ist diese Vorstellung geradezu absurd, so reist Privatdetektiv Klute in dieser Sache nach New York City.
Dort trifft er auf eine zuerst sehr abweisende Bree Daniels. Die junge, verletzliche Frau gilt als gut verdienende und professionelle Prostituierte, doch die einsame Frau hat Ambitionen aus dem Geschäft auszusteigen. Schauspielerein ist ihre Passion und dies kann sie gut, denn der Job als Callgirl verlangt auch gute Schauspielkünste.
Ihrer Psychiaterin (Vivian Nathan) schildert die selbstbewusst auftretende Bree viele heimlichen Ängste, unter anderen auch von den anonymen, perversen Telefonaten, die sie immer wieder erhält. Bree liebt ihren Job auch deshalb, weil sie so die Männer steuern kann und immer die Oberhand behält.
Klute lässt nicht locker und heftet sich an Brees Fersen.
Deren früherer Zuhälter Frank Ligourin (Roy Scheider) gibt immerhin den Hinweis, dass der Gesuchte wohl von Arlyn Page (Dorothy Tristan) an Bree vermittelt wurde.
Klutes Recherchen werden allerdings immer gefährlicher, auch für Bree...denn sie wird heimlich beobachtet...





"Klute" der 1971 entstandene Thriller ist Alan J. Pakulas Auftakt seiner s.g. Paranoia Trilogie, die mit "Zeuge einer Verschwörung" und "Die Unbestechlichen" fortgesetzt wurde.
Klute ist ein leiser, aber unheimlich atmosphärischer Thriller, der vom Spiel seiner Hauptdarsteller Jane Fonda und Donald Sutherland lebt.
Der klasse Film wirkt gerade durch seine spröden Bilder (Gordon Willis) und seines unheimlichen Scores (Michael Small).
Als ich zum ersten Mal Brian de Palmas "Dressed to kill" im Kino sah, fühlte ich mich sofort an "Klute" erinnert, tatsächlich hat de Palma einige Ideen dieses 9 Jahre zuvor entstandenen 70er Jahre Klassikers aufgenommen und neu interpretiert hat.
Die bedrückende Thrilleratmosphäre, die mit einfachsten Mitteln erzeugt wird, wird in "Klute" durch eine kühle Analyse erweitert zum Thema "Gestörte Beziehungen des modernen Lebens".
Für mich einer der großen Thriller des 70er Jahre Kinos.





Bewertung: 10 von 10 Punkten