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Montag, 3. Juli 2023

Gran Torino


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Clint Eastwood

Opfergang...

Bestandsaufnahme USA: Im Viertel, in dem Walt Kowalski (Clint Eastwood)ein Leben lang wohnte, zeigt sich die Multikulti Idee in seiner negativen Form. "Echte Amerikaner" und Rassisten wohnen neben Asiaten und Afroamerikanern. Hohe Arbeitslosigkeit, wenig Perspektive, hohe Kriminalität. Kowalski ist einer der letzten "Weissen", die hier wohnen. Die anderen sind aus Angst vor Überfällen längst weggezogen, denn die Gangs beherrschen das Straßenbild. Kowalski ist Rentner und hat gerade seine Frau beerdigt, was ihn noch verbitterter macht, als er es eh schon ist. Er macht grummelnd ein paar Reparaturen am Haus, trinkt Bier und geht einmal im Monat zum Frisör, weil der Italiener (John Carroll Lynch) auch gut im Beleidigen ist. Seine Frau wünschte sich so sehr, dass der Korea-Veteran zur Beichte gehen könnte, damit alte Schuld verziehen wird. Aber der junge Priester (Christopher Carley), der seither nicht locker lässt und Walt öfters einen Besuch abstattet, ist nicht nach Walts Geschmack. Viel zu verweichlicht und noch grün hinter den Ohren. Er säubert regelmäßig sein M-1-Gewehr und hält es schussbereit. Hund Daisy ist die einzige Person seines Vertrauens, seine beiden Söhne sind ihm fremd. In der Garage sein grosser Stolz, ein 1972er Gran Torino, der noch genauso glänzt wie an dem Tag, als Walt ihn vor über 30 Jahren selbst zusammengeschraubt hat.
Ins Nachbarhaus zieht eine Grossfamilie mit Migranten des Hmong-Volks aus Südostasien ein. Er hasst die Fremden. Wie er sich selbst hasst...doch die Katharsis ist bereits in Gang. Er lernt die beiden Kinder der Familie kennen, Sohn Thao (Bee Vang) und die Tochter Sue (Anney Her) kennen und spürt nach langer Zeit wieder, dass sich Menschen füreinander einsetzen müssen, wenn die eigene Welt wieder in Ordnung kommen soll....





Ich muss zugeben, wenn der Film nicht von Eastwood gewesen wäre, dann hätte ich ihn mir vielleicht gar nicht angeschaut. Zu abgelutscht und bestens bekannt kommt die Handlung daher über einen verbohrten Menschenhasser, der sich dann bessert. Aber ich bin positiv überrascht, Clint Eastwood schaftt es wieder einmal mehr, ein sehr kluges kinogerechtes Drama zu zeigen, dass durch eine tiefe Menschlichkeit zu überzeugen weiss. Er zeichnet seine Charaktere liebevoll und lässt sie im Kosmos Leben aufeinanderprallen, auf Werte und Glauben besinnen und bietet einen glaubwürdigen Hoffnungsschimmer im Akt des Opferns an.
Ein sehr schönes und würdevolles Alterswerk ist Eastwood da gelungen und Clints Sohn Scott Eastwood ist in einer kleinen Nebenrolle zu sehen. Leider wurde er beim Oscarrennen von der Academy übergangen, doch das American Film Institute wählte "Gran Torino" in die Liste der 10 besten Filme des Jahres. Ausserdem wurde Eastwoods Film mit dem Cesar ausgezeichnet und spielte gute 270 Millionen Dollar ein.






Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Sonntag, 2. Juli 2023

A Perfect World


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Clint Eastwood

Der Schwerverbrecher und seine Geisel...

Clint Eastwood erhielt 1992 für seinen Spätwestern zwei Oscars - als Produzent und Regisseur. 13 Jahre später wiederholte er diesen Zweifachsieg mit dem Boxerdrama "Million Dollar Baby".
Am Anfang seiner Karriere standen "Für eine Handvoll Dollar", "Für ein paar Dollar mehr" und "Zwei glorreiche Halunken",  die erfolgreichen Italo Western von Sergio Leone sowie die "Dirty Harry" Filme. Ab den 70er Jahren konnte er sich mit Filmen wie "Ein Fremder ohne Namen",  "Der Texaner" oder "Der Mann, der niemals aufgibt" als Filmemacher etablierten. Viele seiner Filme wie "Mystic River", "Pale Rider" oder "Flags of our Fathers" sind inzwischen anerkannte Klassiker. Zu seinen besten Filmen gehört auch der 1993 entstandene Hybrid "Perfect World", der als Thriller, Roadmovie und auch als Drama funktioniert. 
In diesem Film, der von "Cahiers du Cinema" zum Film des Jahres 1993 gekürt wurde spielt Clint Eastwood einen Texas Ranger vom alten Schlag. Co-Star Kevin Costner konnte in der Rolle des Schwerverbrechers Robert "Butch" Haynes mit einer der besten Leistungen in seiner Karriere überzeugen. Natürlich trägt auch der Jungdarsteller T. J. Lowther für das Gelingen des eindringlichen Films bei.
Im Jahr 1963 brechen die Sträflinge Robert "Butch" Haynes (Kevin Costner) und Terry Pugh (Keith Szarabaika) aus dem Staatsgefängnis in Huntsville aus. Auf der Flucht stolpert Pugh in ein Haus, in dem der achtjährige Phillip Perry (T. J. Lowther) mit seiner frommen Mutter (Jennifer Griffith), die den Zeugen Jehovas angehört, und zwei Schwestern lebt. Butch folgt ihm und schlägt Pugh, damit dieser aufhört, die Mutter zu belästigen. Da sie eine Geisel für ihre Flucht brauchen, schnappt sich Butch den Jungen, der sie sanftmütig begleitet. Die Reise des Trios nimmt bald einen unerfreulichen Verlauf, als Butch Terry tötet, nachdem dieser versucht hat, dem Kind etwas anzutun. Nachdem sein Partner aus dem Weg geräumt ist, fliehen der Verurteilte und sein junges Opfer auf dem texanischen Highway vor der verfolgenden Polizei.
Unterdessen nimmt Texas Ranger Red Garnett (Clint Eastwood) die Verfolgung auf. Mit der Kriminologin Sally Gerber (Laura Dern) und dem FBI-Scharfschützen Bobby Lee (Bradley Whitford) im Schlepptau ist Red entschlossen, den Verbrecher und die Geisel zu fassen, bevor sie die texanische Grenze überqueren. Außerdem offenbart Red Sally, dass er ein persönliches Interesse daran hat, Butch lebend zu fassen. Auch wenn Butch es nicht weiß, hat Red eine Vergangenheit mit ihm. Als Butch ein Teenager war, stahl er ein Auto, und Red war der festnehmende Beamte. Damals lebte Butch bei seinem misshandelnden Vater, der ebenfalls kriminell war. Aufgrund seines Alters und weil es sich um ein Erstvergehen handelte, sollte Butch eine mildere Strafe erhalten. Red war der Meinung, dass das Jugendgefängnis für Butch sicherer war als sein Zuhause, und er überlegte, dass einige der Kinder, die in Gatesville waren, sich gut entwickelt hatten und einer sogar Priester wurde. Wenn Butch zu Hause bei seinem Vater geblieben wäre, hätte er ein Vorstrafenregister "so lang wie mein Arm", meinte er. Red bat den Richter, Butch eine harte Strafe zu geben. Jahre später hat Red erkannt, dass die härtere Strafe genau die Kriminalität gefördert hat, die er befürchtet hatte. Jetzt hofft Red, dass er seinen Fehler aus der Vergangenheit wiedergutmachen kann, wenn er Butch lebendig ins Gefängnis bringt.
Der kleine Phillip hat aufgrund seiner Religion nie an Halloween- oder Weihnachtsfeiern teilgenommen. Auf der Flucht mit Butch erlebt er jedoch eine Freiheit, die er als berauschend empfindet, denn Butch erlaubt ihm gerne die Art von Vergnügungen, die ihm verboten waren, einschließlich des Tragens eines gestohlenen Casper the Friendly Ghost-Kostüms. Allmählich nimmt Phillip seine Umgebung immer bewusster wahr, und mit ständiger Ermutigung durch Butch scheint er die Fähigkeit zu erlangen, eigenständig zu entscheiden, was falsch und richtig ist. Butch fühlt sich langsam dazu hingezogen, Phillip die Art von väterlicher Präsenz zu geben, die er selbst nie hatte.
Butch und Phillip versuchen, nach New Mexico zu gelangen, müssen aber feststellen, dass der Highway, auf dem sie fahren, nicht fertiggestellt ist. Während sie in ihrem Auto in einem Maisfeld schlafen, treffen sie auf Mack (Wayne Dehart), einen Farmer, und seine Familie - Lottie (Mary Alice), seine Frau, und seinen Enkel Cleveland. Mack misshandelt Cleveland häufig, was auch die bösen Geister in Butch erweckt...







Der Film spielte 135 Millionen Dollar ein und beweist, dass Eastwood sensibel und melancholisch inszenieren kann. Dabei verschwimmt bei dem Gangster das Gut und Böse Schema. Er hat sowohl gute als auch sehr schlechte Züge. "Ich bin aber nicht unbedingt ein schlechter Mensch" wird er in einer Szene des Films sagen. Der kleine Knirps bedeutet ihm interessanterweise sofort etwas, weil er starke Ähnlichkeiten mit ihm selbst als Kind aufweisen kann. So wird der Kidnapper zum Beschützer und so etwas wie ein Vater-Ersatz.







Bewertung. 9 von 10 Punkten. 

 

Freitag, 12. März 2021

Million Dollar Baby


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Clint Eastwood

Die Boxerin und ihr Coach...

Ein zweites Mal nach "Erbarmen" konnte Clint Eastwood bei der Oscarverleihung 2005 einen rieisigen Triumph einfahren. Sein "Million Dollar Baby" war der Gewinner des Abends und wurde als bester Film ausgezeichnet. Hilary Swank gewann zum zweiten Mal (Erster Oscar für "Boys dont cry) in der Kategorie "Beste Schauspielerin", Morgan Freeman wurde als bester Nebendarsteller ausgezeichnet. Auch der Regiepreis wurde Eastwood zuerkannt, darüberhinaus wurde das Boxerdrama in drei weiteren Kategorien (Hauptrolle Eastwood, adaptiertes Drehbuch Paul Haggis und bester Schnitt) nominiert. An der Kasse wurden 216 Millionen Dollar eingespielt.
Im Genre der Boxerfilme ist "Million Dollar Baby" inzwischen auf Augenhöhe mit "Rocky" oder "Raging Bull".
Das besondere an Eastwoods Film ist, dass die Geschichte eines weiblichen Boxtalents erzählt wird.
Magaret Fitzgerald (Hilary Swank) die von allen "Maggie" genannt wird, arbeitet als Kellnerin und kommt von der sozialen Unterschicht einer Kleinstadt in Missouri. Eines Tages taucht die 31jährige Frau in Frankie Dunns (Clint Eastwood) Boxschule auf und trainiert dort. Frankie Dunn hat einen guten Ruf, er baut seine Talente mit Ruhe, Bedacht und Vorsicht auf - manche Kollegen meinen sogar er wäre manchmal zu vorsichtig. So wird sein bester Mann im Ring Big Willie Little (Mike Colter) langsam ungeduldig, denn er fühlt sich bereit für den Meisterschaftskampf. Frankies bester Freund ist der ehemalige Boxer Eddie Dupris (Morgan Freeman), der als Fitnessassistent angestellt ist und Erzähler des Films ist.
Frankie trainiert nur Männer, deshalb ist es ihm gar nicht recht, dass Maggie im Studio trainiert. Die rackert sich aber unermüdlich jeden Tag im Fitnessstudio ab, selbst nachdem Frankie ihr sagte, dass sie zu alt ist, um eine Boxkarriere zu beginnen. Doch irgendwann gewöhnt er sich an die Frau und bald gehört sie zur Boxschule, genau wie der etwas durchgeknallte Danger Barch (Jay Baruchel), der von den besseren Boxern oft gehänselt wird. Als Big Willie beim erfolgreicheren Manager Mickey Mack unterschreibt, ist der Frust und die Enttäuschung bei Frankie groß. Durch die Beeinflussung von Eddie wird er aber immer mehr auf das Talent von Maggie aufmerksam und irgendwann entschließt er sich ihr Trainer zu sein...




Hört sich zweifelsohne nach einem konventionellen Sportfilm an über die Motive erfolgreich im Ring zu sein, obwohl man Schläge einzustecken hat. Doch Eastwood macht auf dem Höhepunkt des Films einen dramatischen Break. Nachdem Maggie viele Kämpfe gewinnen konnte und ein Publikumsliebling wurde, den die Fans "mo cuishle" nennen, wird sie von der ostdeutschen Billie "Blue Bear" Osterman (Lucia Rijker) so schwer verletzt, dass sie mit dem Genick auf die Kante des Boxschemels geschleudert wird. Fortan ist sie vom Hals abwärts unheilbar gelähmt und auf permanent künstliche Beatmung angewiesen. In der Folge wird ihr auch noch das linke Bein aufgrund eines Dekubitus amputiert. Sie wird ihrem Trainer bald einen Wunsch äussern, der ihm alles abverlangen wird. Damit hat der Macher Eastwood einen beklemmenden Film über Leben und Tod geschaffen, indem die Sterbehilfe zu einem Thema wird. Darüberhinaus ist "Million Dollar Baby" ein großartiger Schauspielerfilm, bei dem das Trio Swank, Eastwood und Freeman ihre Figuren so glaubhaft machen, dass die Grenzen von Realität und Film beinahe verschwinden. 




Bewertung: 9 von 10 Punkten. 
 

Dienstag, 4. August 2020

Sudden Impact - Dirty Harry kehrt zurück









































Regie: Clint Eastwood

Leichen pflastern wieder einmal seinen Weg...

Inspektor Calahan im Jahre 1983: Er ist etwas älter geworden, sieht die Dinge etwas gelassener und ist nach wie vor der Bulle mit harten, unkonventionellen Methoden in der Verbrechensbekämpfung. Schon sehr früh brachte es ihm den Namen "Dirty Harry" ein, er ist "Cop durch und durch und wird nie etwas anderes sein" wie sein Freund und Kollege Horace (Albert Popwell) richtig bemerkt. Calahan ist emotional stark an seinen Job gebunden. Kein Wunder, dass er mächtig unter Strom steht, als ein festgenommener Mafiaboss, in dessen Prozess er Zeuge ist, mangels Beweisen einfach freigesprochen wird. Doch seitdem lebt Calahan noch gefährlicher. Mordanschläge werden auf ihn verübt. Als er dann noch auf der Hochzeit des Töchterchens vom Mafiaboss erscheint und der Pate aufgrund Calahans verbalen Drohungen einen Herzinfarkt erleidet, ist für seine Vorgesetzten die Grenze erreicht: Er wird zuerst mal zwangsbeurlaubt und später, als weitere Anschläge Tote fordern, mit einem Mordfall betraut. Dazu wird er in eine Kleinstadt an der nördlichen Küste versetzt und zieht auch gleich wieder den Ärger seines dortigen Bosses Chief Jennings (Pat Hinkle) zu.
Gesucht wird ein Killer, der seine Opfer zuerst in die Genitalien, dann in den Kopf schiesst. Freund Horace schenkt dem einsamen Calahan sogar noch einen sehr komischen Hund und beim Gassigehen lernt der Bulle die Malerin Jennifer Spencer (Sondra Locke) kennen. Sie hält sich in dem Küstenstädtchen auf, das alte Karussell künstlerisch zu verschönern.
Jennifer ist eine Art Seelenverwandte, sie trägt aber das Geheimnis einer vor langer Zeit geschehenen Vergewaltigung in sich. Seit diesem Abend ist ihre jüngere Schwester Patientin in der Psychiatrie..






1971 rief Don Siegel mit "Dirty Harry" diese fünfteilige Filmserie ins Leben. Fortsetzungen waren zuerst gar nicht vorgesehen, aber der Erfolg machte es möglich, dass der umstrttene Bulle mit Hang zur Selbstjustiz bis 1988 auf der Leinwand begeistern konnte.
Dieser vierte Teil der Reihe mit dem Namen "Dirty Harry kommt zurück" ist auch dahingehend interessant, weil es der einzige ist, bei dem Clint Eastwood auch die Regie übernahm.
Er hat vielleicht die düsterste Variante abgeliefert mit ganz starken Anleihen beim Film Noir. Und auch der Schlußteil bestätigt diese Wahrnehmung. Eastwoods Finish erinnert von der ungewöhnlichen Umgebung her (Rummelplatz) etwas an "Die Lady aus Shanghai" von Orson Welles, am Ende gibts dann einen Ausflug in Richtung "The Maltese Falcon" allerdings mit gegensätzlichem Ergebnis.
Während der ganzen Zeit ist Hochspannung angesagt. Der Film mag in vielen Beispiel alles andere als politisch korrekt sein, brutal ist er allemal, aber er hält jederzeit ein wunderbares, etwas nostalgisches Thrillertempo in Gange. Es ist zwar gar viel Action, die Calahn da in einigen Tagen seines Lebens meistern muss, aber der Film kommt wohltuend "handmade" daher und vernachlässigt keineswegs seine Figuren...




Bewertung: 8,5 von 10 Punkten.