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Freitag, 23. Juli 2021

Julius Caesar


Regie: Joseph L. Manciewicz

Tyrannenmord...

Im Römischen Reich bezeichnete man Festtage, die im römischen Kalender in der Monatsmitte lagen als Iden. Sie fielen entweder auf den 15ten oder auf den 13ten Tag des Monats. Die Ermordung von Gaius Julius Caesar am 15. März des Jahres 44 fiel auch auf den Iden. Und der Diktator soll ja auch am Tage vor dem Anschlag mit den Worten "Cave Idus Martias" (deutsch: Hüte dich  vor den Iden des März) gewarnt worden sein. Seither bedeutet der Begriff "Iden des März" als Metapher für ein bevorstehendes Unheil.
1599 schrieb der große William Shakespeare seine berühmte Tragödie "The Tragedy of Julius Caesar", die dieses Attentat in der Antike beschreibt. Während einer Senatssitzung im Theater des Pompeius wurde Caesar mit 23 Dolchstichen ermordet. An der Verschwörung beteiligten sich ca. 60 Personen.
Für manche Kritiker ist "Julius Caesar" ein Stück, das den Tyrannenmord rechtfertigt. Andere sehen eher das monarchistische Drama, das den Mord gegen den Herrscher stark verurteile. Zumindest kann man sagen, dass sein Stück recht doppelbödig wirkt, aber gerade diese Ambivalenz ist der Reiz der Geschichte. Der Zuschauer muss sich selbst die Frage stellen, wie er diese Geschichte beurteilt. Weder Caesar noch Brutus sind daher vollständig positive Charaktere, man kann aber sagen, dass vor allem Brutus eine tragische Figur darstellt. Er ist der Einzige der Verschwörer, der keine egoistischen Absichten mit dem Mord verfolgte - es ging ihm um das Wohl der römischen Bevölkerung.  Der Stoff selbst ist bis heute politisch brisant geblieben, denn es geht um nichts weniger als um die Rechtmäßigkeit der Verwerflichkeit des Tyrannenmords.
1953 nahm sich Hollywood dieses klassischen Stoffes an und wurde realisiert von Joseph L. Mankiewicz, der zuvor mit seinen Filmen "Ein Brief an drei Frauen" und "Alles über Eva" zweimal hintereinander den Regie-Oscar gewinnen konnte. Seine Ambitionen waren groß - er wollte nur britische Darsteller für den Film verpflichten. Doch das Vorsprechen von Marlon Brando war so überzeugend, dass man den Rebellen von Hollywood dem Theaterschauspieler Paul Scofield vorzog.
Noch am Morgen des Tags überlegt sich Caesar (Louis Calhern) der Senatsitzung fernzubleiben, denn seine Frau Calpurnia (Greer Garson) hatte einen schrecklichen Alptraum, sie sah im Traum die drohende Gefahr für ihren Gatten. Eine weitere Warnung bekam der Imperator von einem Wahrsager (Richard Hale)...hüte Dich vor den Iden des März. Tatsächlich ist eine Verschwörung im Gange, die vor allem von Cassius (John Gielgud) und Casca (Edmund O´Brien) vorangetrieben wird. Gemeinsam versuchen sie Brutus (James Mason) auf ihre Seite zu ziehen. Brutus liebt Caesar wie einen Vater, doch er sieht mit starkem Bedenken seine immer stärker werdende Macht, die die Freiheiten der Bürger zunehmend einschränken wird. Auch Brutus Frau Portia (Deborah Kerr) hat düstere Vorahnungen. Tatsächlich gelingt es den Verschwörern Brutus umzustimmen. Vor dem Senatsgebäude wird Caesars treu ergebener Freund und Mitkonsul Marcus Antonius (Marlon Brando) unter einem Vorwand von Caesar abgelent. Dann vollzieht sich der Verrat, dem ersten Dochstoß folgen weitere. Am Ende seines Lebens erkennt der Tyrann, dass auch sein geliebter Brutus mitgemacht hat "Auch du, mein Sohn" so seine letzten Worte....


Von den vielen Verfilmungen des Stücks ist die Version von 1953 immer noch die bekannteste. Gleich 5 Nominierungen für den Oscar sprangen heraus. Aber nur der Preis fürs beste Szenenbild von Cedric Gibbons, Edward Carfagno, Edwin B. Willis und Hugh Hunt wurde gewonnen. In der Kategorien "Bester Film", "Bester Regisseur", Bester Darsteller Marlon Brando und Beste Kamera Joseph Ruttenberg ging "Julius Caesar" leer aus. Natürlich wirkt der film sehr theaterhaft, aber die Darstellungen sind alle sehr überzeugend, vor allem James Mason, John Gielgud und Marlon Brando, der sich selbst gar nicht so überzeugend fand wie die Kritiker und Zuschauer.



Bewertung: 8 von 10 Punkten.

 

Die barfüßige Gräfin


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Joseph L. Mankiewicz

Maria Vargas...

Bereits das Regiedebüt mit dem Gothic-Thriller "Weißer Oleander" von Joseph L. Mankiewicz bekam im Jahr 1946 sehr gute Kritiken. Es folgte "Das Gespenst auf Freiersfüßen" - kurz darauf erhielt er den Regie-Oscar für "Ein Brief an drei Frauen". Es sollte nicht sein Letzter sein. Ein Jahr nach dem Sieg durfte er mit "Alles über Eva" erneut triumphieren und wurde so einer der wichtigsten Regisseure der Traumfabrik in den 50s. Neben "Julius Caesar", "Guys and Dolls", "Plötzlich im letzten Sommer" gehört sicherlich "Die barfüßige Gräfin" zu seinen wichtigsten Filmen in dieser Dekade. In knalligen Technicolorfarben (Kameramann war Jack Cardiff) erfährt der Zuschauer vom Leben und der Liebe des fiktiven spanischen Sexsymbols Maria Vargas. Ava Gardner spielte diese Tänzerin, die zum großen Hollywoodstar aufstieg. In den USA spielte das Melodram 3,3 Millionen Dollar ein.
Es beginnt alles damit, dass der gestrauchelte Filmregisseur und Drehbuchautor Harry Dawes (Humphrey Bogart)  die Chance hat, dass der menschenfeindliche Business-Tycoon Kirk Edwards (Warren Stevens) einen Film mit ihm produzieren könnte. Dazu gehts mit dem Privatjet des Mulitmillionärs nach Europa, genauer gesagt nach Spanien. In einer schummrigen Spelunke soll eine Maria Vargas tanzen, die das Zeug zum neuen großen Hollywood Filmstar haben könnte. Mit dabei ist auch der verschwitzte Publizist Oscar Muldoon (Edmund O´Brien), der für Edwards arbeitet und eine Blondine namens Myrna (Mari Aldon), die derzeitige Freundin von Edwards.
Doch Maria Vargas hat ihren Tanz schon beendet und sie tritt kein zweites Mal auf. Auch nicht für zahlende Gäste. Schon gar nicht setzt sie sich zu Gästen an den Tisch. Es kostet viel Feingefühl, dass die schöne Frau es sich an diesem Abend doch noch anders überlegt und auf Dawes Vorschlag eingeht mit ihnen nach Rom zu Probeaufnahmen zu fliegen. So wird aus Maria Vargas die Filmgöttin Maria d´Amata. Mit 3 Filmen macht sie sich unsterblich. Doch der Star, der in sehr schwierigen Verhältnissen groß wurde, ist nicht glücklich. Sie hat noch nie geliebt, obwohl ihr die Männerwelt zu Füßen liegt. In Harry, der seit Jahren mit Jerry (Elizabeth Sellars) eine glückliche Beziehung führt, findet sie so etwas wie einen väterlichen Freund. Als sie den Grafen Vincenzo Torlato Vavrini (Rossano Brazzi) kennenlernt, scheint es tatsächlich zwischen den beiden zu funken. Hat Maria nun ihre große Liebe gefunden ?




Die Antwort lautet "Ja" - aber zu einem hohen Preis. Denn die erste Szene in "Die barfüßige Gräfin" beginnt mit ihrer Beerdigung. Harry Dawes steht am Grab, etwas abseits von der restlichen Trauergemeinde und erinnert sich in Rückblicken an Maria.
In Sachen Melodram ist Mankiewiczs Film ein echter Reißer - die Dialoge sind superb, die Ausstattung gradios und einige Darsteller laufen zur Höchstform auf. Vor allem Edmund O´Brien in einer sehr wichtigen Nebenrolle. Der Schauspieler war so hinreißend gut, dass er 1955 sowohl den Oscar als auch den Golden Globe als bester Nebendarsteller gewann. Mankiewicz bekam für das sehr gute Drehbuch eine weitere Oscarnominierung. Ava Gardner bewies großes Talent als Hauptfigur Maria. Nie wurde sie schöner in Szene gesetzt. Bei den Academy Awards wurde sie nicht berücksichtigt, obwohl sie ein Jahr zuvor für "Mogambo" zu den Nominierten gehörte.





Bewertung: 9 von 10 Punkten.

 

Montag, 19. Juli 2021

Weißer Oleander - Dragonwyck

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Joseph L. Mankiewicz

Dragonwyck...

Aufgrund der Erkrankung von Ernst Lubitsch erhielt Joseph L. Mankiewicz 1946 zum ersten Mal die Chance Regie zu führen. Die Twentieth Century Fox plante ein Melodram im Gothicstyle mit Thrillerelementen. Mankiewicz, der schon erfolgreiche Hollywood Filme produziert (für "Die Nacht vor der Hochzeit" war er sogar als Producer in der Kategorie "Best Picture" für den Oscar nominiert) und  einige Drehbücher geschrieben hatte, hegte schon seit langer Zeit den Wunsch auf dem Regiestuhl zu sitzen. So wurde der historische Gothicthriller "Weißer Oleander" (im Original: Dragonwyck) seine erste Regiearbeit. Damit begann auch seine große Karriere. 1950 und 1951 gewann er jeweils den begehrten Regie-Oscar für "Ein Brief an drei Frauen" und "Alles über Eva". Weitere Filmerfolge wie "Der Fall Cicero", "Julius Caesar" oder "Plötzlich im letzten Sommer" folgten.
Sein Erstling "Weißer Oleander" erinnert sehr stark an die beiden Welterfolge "Rebecca" (Alfred Hitchcock, 1940) oder "Das Haus der Lady Alquist" (George Cukor, 1944, die nachfolgend natürlich die Filmemacher inspirierte und so auch eine ganze Reihe ähnlicher Filme hervorbrachte wie "Briefe aus dem Jenseits" von Martin Gabel, "Der unheimliche Gast" von Lewis Allen oder "Meine Cousine Rachel" von Henry Koster.  Auch "Weißer Oleander" gehört zweifelsfrei in diese Kategorie. Und in Mankiewiczs Erstling versammelten sich auch viele Könner, die zum Gelingen des Films beitrugen. Alfred Newman war zuständig für die Musik, Arthur C. Miller war der Director of Photographie. Russell Spencer und Lyle Wheeler machten die Art Directon. Beste Zutaten also und auch die Darstellerriege war attraktiv. Gene Tierney, ein Star des Film Noir war in einer ungewohnten Rolle zu sehen und der große Vincent Price wurde wie auch schon in "Laura" oder "Todsünde" an ihre Seite gestellt - diesmal allerdings in der Hauptrolle.
Die Geschichte von "Dragonwyck" ist auch die Geschichte der jungen Farmerstochter Miranda Wells (Gene Tierney), die bescheiden auf der Farm ihrer streng gläubigen Eltern Ephrain (John Huston) und Abigail Wells (Anne Revere) aufwächst. Anders als ihre Geschwister träumt Miranda aber von der großen Welt, die sie hier im ländlichen Greenwich, Connecticut nur aus Erzählungen kennt. Mirandas Mutter soll über einige Ecken mit dem reichen Nicholas van Ryn (Vincent Price) verwandt sein, der auf einem riesigen Anwesen namens "Dragonwyck" in der Nähe von New York am Hudson River lebt. Dieser Mann ist der Patron seines Landes und lebt von der Pacht seiner vielen Farmer, die für ihn arbeiten müssen. Eines Tages erhält Abigail von ihrem entfernten Verwandten einen Brief, der ihr anbietet, dass eines der Wells Töchter in besseren Kreisen leben kann, da er und seine Frau Johanna  (Vievienne Osborne) eine Erzieherin und Gouvernante für die kleine Tochter Katherine (Connie Marshall) suchen. Die Eltern sind zwar nicht besonders glücklich über diesen Vorschlag, aber schließlich ermöglichen sie der begeisterten Miranda diesen Schritt in ein anderes, vielleicht besseres Leben. Miranda ist gleich bei der ersten Begegnung fasziniert von dem attraktiven, aber etwas mysteriösen Nicholas. Er scheint nicht glücklich mit seiner korpulenten, faulen und ewig kränklichen Frau zu sein. Auch Katherine ist alles andere als ein glückliches Kind. Die seltsame Haushälterin Magda (Spring Byington) behauptet, dass es im Haus geistern würde. Eine Ahnin der Van Ryns soll man manchmal hören auf dem Spinett zu spielen, dazu soll sie ein düsteres Kinderlied singen. Miranda bekommt auch mit, dass Nicholas mit seinen Untergebenen nicht gut umgeht und sich wie ein Gott aufspielt. Daher ist auch der Arzt Dr. Turner (Glenn Langan) mit dem überheblichen Lehnsherrn zerstritten. Überraschend stirbt Johanna und sehr schnell offenbart Nicholas der schönen Miranda, dass er sie heiraten will...



"Dragonwyck" ist vielleicht deshalb nie ein Meisterwerk wie seine Vorbilder geworden, weil er manche Handlungsstränge nicht zu Ende führt. So werden auch interessante Figuren wie die kleine Tochter von Ryn oder die hellsichtige Haushälterin eingeführt, aber nach einer Zeit verschwinden sie einfach aus der Geschichte. Schade, denn ansonsten stimmen alle Zutaten in diesem gelungenen, jedoch wenig bekannten Gothicthriller, der wie alle seine Genreverwandten auch die expressionistischen Bilder hoch hält. Daher werden diese Filme aufgrund der dunklen, düsteren Bilder manchmal in die Nähe des Film Noir gerückt. Gene Tierney meistert ihre Rolle klasse. Ebenso das gesamte Ensemble - in einer kleinen Nebenrolle ist Jessica Tandy als körperlich behindertes Hausmädchen zu sehen. Auch Vincent Price ist grandios als drogensüchtiger Nicholas, der den Zerfall der alten Welt nicht begreifen kann und immer mehr - auch durch ein dunkles Geheimnis - in den Wahnsinn abgleitet.




Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Brief an drei Frauen




















Regie: Joseph L. Mankieicz

Addie Ross....

Joseph L. Mankiewicz war der jüngste Sohn des in Berlin geborenen deutsch-jüdischen Auswanderers Frank Mankiewic, der in Pennsylvania eine deutschsprachige Zeitung herausbrachte. Sein Sohn begann seine Filmkarriere gegen Ende der Stummfilmära als Übersetzer von Zwischentitel von UFA-Filmen, die auch für den amerikanischen Kinomarkt interessant schienen. Sein Weg führte dann zu Paramount Pictures, dann zu Metro Goldwyn Mayer und schließlich landete er bei der Twentieh Century Fox. Er bekam seine erste Regie weil Ernst Lubitsch krank wurde, der das Gothic-Drama "Weißer Oleander" inszenieren sollte. 1950 und 1951 gelang ihm das Kunstück in zwei aufeinanderfolgenden Jahren den Regieoscar zu gewinnen. Seinen ersten gabs für "Ein Brief an drei Frauen", den zweiten für den Welterfolg "Alles über Eva". Ein Kunststück, das vor ihm nur John Ford und jetzt im Jahr 2016 als drittem Regisseur ind er langn Oscarhistory,  dem Mexikaner Alejandro Gonzalez Innaritu gelang.
In seiner Filmographie befinden sich Klassiker wie "Die barfüßige Gräfin", "Guys and Dolls" und der Monumentalfilm "Cleopatra", der sich zuerst als finanzielles Fiasko und dann einige Zeit später als retabler Blockbuster erwies. Sicherlich ist "Alles über Eva" sein allgemein anerkanntes Meisterwerk, aber für mich hat er mindestens zwei gleichwertige großartige Filme gemacht. Einmal den aussergewöhnlichen "Plötzlich im letzten Sommer" und den leider etwas in Vergessenheit geratenen Oscarpreisträger "Ein Brief an drei Frauen", der meistens als Komödie beschrieben wird. Was dem Film allerdings nicht ganz gerecht wird. Ich denke, wenn man den Film als vergnügliche wie auch tragisches Gesellschaftsdrama beschreibt, dann kommt man der Sache schon etwas näher.
Der Film spielt gegen Ende der 40er Jahre in einer amerikanischen Kleinstadt und wir lernen drei gute Freundinnen kennen: Deborah Bishop (Jeanne Crain) kommt aus einer einfachen Farmerfamilie und lernte beim Militär ihren jetzigen Mann Brad (Jeffrey Lynn) kennen, der in seinem Job sehr gut verdient, allerdings seine leicht hysterische und oft unsichere Frau alleine zuhause lässt. Rita Phipps (Ann Sothern) ist da schon viel extrovertierter, sie arbeitet beim Rundfunk der Manleighs (Florence Bates, Hobard Cavanaugh) und verdient viel mehr Geld als ihr Mann George (Kirk Douglas), der aber in seinem Beruf als Lehrer ein riesiges Engagement aufweist. Beide kennen sich seit der Kindheit und es war klar, dass sie irgendwann ein Paar werden. Lora Mae  (Linda Darnell) wirkt zunächst etwas kühl und berechnend, sie kommt aus der Unterschicht und aus ärmlichen Verhältnissen, hat aber ihren reichen Chef Porter Hollingsway (Paul Douglas) so lange zappelt lassen, bis dieser sie geheiratet hat. Alle drei Frauen treffen sich am Morgen eines warmen Maitages und begleiten eine Schulklasse auf einer Bootsfahrt mit anschließendem Picknick. Doch bevor das Schiff ablegt, bekommen sie noch einen Brief ihrer besten Freundin Addie Ross (Offstimme im Original von Celeste Holm gesprochen) zugestellt, dort teilt die begehrte Frau den drei Freundinnen mit, dass sie die Stadt für immer verlassen hat - aber sie musste auf jeden Fall etwas als Erinnerung an diese tolle Zeit mitnehmen. Und zwar einen der Männer der drei Ausflüglerinnen....



In drei Rückblenden erhält dann der Zuschauer jeweils Einblick in die Situation und Ehegeschichte aller drei Frauen. Und jede fragt sich, welche von Ihnen verlassen wurde. Der Zuschauer ahnt bald, dass alle drei möglicherweise Grund zur Sorge hätten. Doch die Aufklärung findet erst gegen Schluß statt. Mankiwiczs Inszenierung ist federleicht, allerdings mit viel guter Melancholie durchtränkt und interessanterweise ist der Film keine Spur gealtert. Die Geschichten könnten auch in der Gegenwart spielen, allerdings hätten es heute die drei Frauen leichter herauszufinden, welcher Mann die Koffer gepackt hat. Ein Anruf per Handy genügt. Wir sind aber Ende der 40er Jahre und so müssen die drei Ladys wohl oder übel den ganzen Tag warten, bis sie den Göttergatten am Abend treffen...oder eben nicht. Den Kunstgriff die Geschichte im Off von der besagten Addie sprechen zu lassen und die so den ganzen Film dominiert ist gut gelungen und sehr gewagt. Denn die Frau, um die sich das Problem dreht ist nie richtig zu sehen. Nur einmal sieht man ihren Rücken, sie rauchend und vor ihr steht Brad, der sich anregend mit ihr zu unterhalten scheint. Ob Billy Wilder sich in "Sunset Boulevard", der ein Jahr später realisiert wurde, sich davon inspirieren ließ. Schließlich setzte der noch einen drauf, indem er die Geschichte von Norma Desmonds Obessionen von dem Toten Joe Gillis erzählen lässt, der in der ersten Szene leblos im Swimming Pool der Diva liegt ?
Es ist nicht die Freundschaft der Frauen, die gebrochen wird, sondern ihr privates Gefühl der Sicherheit. Dies ist hervorragend herausgearbeitet, der Schluß - es zerbricht ein Weinglas und man hört noch einmal im Off die stimme von Addie - ist ein bisschen mehrdeutig konzipiert. So keimt der Verdacht auf, die beste Freundin, die die Stadt verlassen hat, hätte da den drei Frauen noch eine kleine Lektion mit auf den Weg gegeben. Das Ensemble ist toll, am besten gefallen mir Linda Darnell und ihr spröder Ehemann, der von Paul Douglas gespielt wird. Ein echter Klassiker-Geheimtipp. In einer Nebenrolle ist auch die immer großartige Thelma Ritter zu sehen.


Bewertung: 9,5 von 10 Punkten. 

 

Sonntag, 3. September 2017

Alles über Eva







































Regie: Joseph L. Mankiewicz

Margo Channings größter Fan...

Das American Film Institute notierte "Alles über Eva" von Joseph L. Mankiewicz auf Platz 16 in seiner 1998 veröffentlichten Top 100 Liste der besten amerikanischen Filme aller Zeiten.
Auch heute - nunmehr 62 Jahre nach seiner Enstehung im Jahr 1950 - wirkt der Film immer noch frisch und zeitlos. Keine Spur von irgendwelchen Alterserscheinungen lassen sich erkennen. Kein Wunder, denn die Geschichte, die erzählt wird, kann heute genauso wie damals passieren. "Alles über Eva" ist im Kosmos des Theatermilieus angesiedelt. diesem seit Jahrhunderten und damit traditionsreichsten Tempel der darstellenden Kunst. Die geistreiche Satire, in Hollywood inszeniert, schafft die fiese Gleichschaltung zwischen Filmbusiness und Theater. Wenn die Figuren in "Alles über Eva" mit Verachtung auf Hollywood blicken, so geben sie doch - nach und nach - preis, dass die Strukturen doch sehr identisch sind.
"Alles über Eva" ist die Geschichte des großen Theaterstars Margo Channing (Bette Davis) und ihrem größten Fan, der bescheiden wirkenden und äusserst sympathischen jungen Eve Harrington (Anne Baxter), die jeden Abend vor dem Theater wartet und keine der Vorstellungen ihres Idols verpasst.
Die erste Einstellung enführt den Zuschauer aber in die Festlichkeiten der Sarah Siddons Gesellschaft, die alljährlich die Sarah Siddons Awards für die besten Leistungen des Theaters vergibt.
In diesem Jahr dreht sich alles um Eve, denn sie hat es geschafft. Sie bekommt den Hauptpreis. Erstmalig wird einer so jungen Darstellerin dieser Hauptpreis zugesprochen, denn ihre Darstellungen auf der Bühne waren grandios.
Im Publikum sitzen ihre Freunde und Gönner. Sie ist nun der große Broadway Star. An ihrer Seite der einflussreiche Theaterkritiker Addison de Witt (George Sanders), der sie zum Star der Szene aufgebaut hat.
Den durchschlagenden Erfolg hat sie aber auch vor allem ihrem Ehrgeiz und ganz am Beginn Karen Richards (Celeste Holm) zu verdanken, die wie jeden Abend nach der Vorstellung ins Theater in die Gemächer der Diva Margo Channnig geht und wie jeden Abend den jungen Fan Eve erblickt. An einem dieser Abende nimmt sie die junge Frau mit in den erlauchten Kreis der Theatergrößen und so lernt Eve die exzentrische Margo kennen. Aber auch Karens Ehemann Lloyd (Hugh Marlowe), der die besten Stücke am Broadway schreibt, den Regisseur Bill Sampson (Gary Merrill), gleichzeitig auch Margos jüngerer Liebhaber. Aber auch den reichen Producer Max Fabian (Gregory Ratoff), der sich immer mit schönen Frauen (Marilyn Monroe) umgibt.
Ausser Margos Garderobiere Birdie (Thelma Ritter), sind alle gleich am ersten Abend von Eves naiver und liebeswerter Art faszniert, in Margo erwachen Beschützerinstinkte für den jungen Fan und sofort wird Eve in den erlauchten Kreis von Margos Freunden aufgenommen. Die junge Frau macht sich auch schnell unentbehrlich..





Ein herrlicher Film, der wie bereits erwähnt, gar nichts von seiner Faszination eingebüsst hat. Brilliante Dialoge finden sich zuhauf und Bette Davis liefert neben "Die kleinen Füchse" und "Geheimnis von Malampur" ihre beste Rolle ihrer Karriere.
Und mit Anne Baxter hat sie eine ebenbürtige Partnerin, die die Rolle der aufstrebenden, über Leichen gehenden Jungschauspielerin, die nur ein Ziel vor Augen hat, grandios und glaubwürdig spielt.
Auch alle Nebenrollen sind brilliant besetzt. Kein Wunder, dass der Film bei solch einer großartigen Ensembleleistung von den insgesamt 14 Oscarnominerungen alleine 5 davon an die Schauspieler gingen: Davis, Baxter, Holmes, Ritter...gewinnen konnte allerdings nur George Sanders. Er erhielt einen der 6 Auszeichnugen.
Trotz riesengroßer Konkurrenz durch "Sunset Boulevard" war "Alles über Eva" siegreich beim Hauptpreis bester Film des Jahres.
Wer ihn noch nicht kennt (das werden allerdings wenige sein), der sollte dies schnell nachholen. Denn "Alles über Eva" ist auf alle Fälle eine der besten 100 Filme aller Zeiten.





Bewertung: 10 von 10 Punkten.