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Montag, 20. Mai 2024

The Verdict


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Sidney Lumet

Alkoholiker und Anwalt...

Sidney Lumet, einer der wichtigsten US-Regisseure der 70s, drehte immer wieder ausgezeichnete Gerichts- und Polizeifilme. Die Auswahl der Stoffe war eher progressiv und die Hauptfiguren eher Antihelden. Es gelang ihm meistens in seinen Filmen wichtige Kritik am Rechtssystem sehr klar zu vermitteln, obwohl die Drehbücher teilweise sehr komplex waren.Seine grössten Kassenerfolge nach seinem Welterfolg "Die 12 Geschworenen" in 1957 hatte er vor allem in den 70er Jahren mit Klassikern wie "Hundstage", "Serpico" oder "Network".
"The Verdict" wurde 1981 gedreht und gilt inzwischen ebenfalls als einer der gelungensten Gerichtsfilme. Fünfmal oscarnominiert, allerdings keinen gewonnen und in seiner intelligenten und auch unspektakulären Erzählweise, die auch den Mut hat Position zu beziehen, vielleicht einer der letzten Ausläufer des progressiven 70er Jahre US-Kino, vor allem in diesem Jahrzehnt war es möglich, solche Stoffe auch erfolgreich in die Kinos zu bringen. Der Zuschauer hatte damals noch Lust, sich unbequemen, komplexen, politischen und gesellschaftskritischen Geschichten zu stellen.
Dies ist vielleicht auch der grosse Unterschied zu den neuen Gerichtsfilmen ala John Grisham, die eher glattgebügelter und etwas oberflächlicher konzipiert sind.
Im Inszenierungsstil ist "The Verdict" Lumets eigenem Klassiker von 1957 nicht mal unähnlich. Es sind vor allem die Dialoge, auf die Lumet auch in "The Verdict" grössten Wert legt und die dann auch stellenweise dominant an eine klasse gespielte Theaterinszenierung erinnern.







Das intelligente Drehbuch wurde von David Mamet geschrieben und der Film funktioniert vor allem deshalb so gut, weil er vier charismatische Schauspieler gewinnen konnte.
Paul Newman als der heruntergekommene, alkoholkranke Anwalt...von der Gegenseite (Krankenhaus, katholischer Träger) erhält er noch vor der Verhandlung ein überaus grosszügiges Angebot der Schadensregulierung. 210.000 Dollar...für diesen Kunstfehler, durch den eine junge Frau im Koma liegt.
Alle wären zufrieden: Die Verwandten aus ärmlichen Verhältnissen, die Gegenseite mit zwei renommierten Ärzten, die Kirche...auch unser Anwalt selbst, denn er würde 1/3 der Summe kassieren.
Das Geld annehmen heisst aber auch den Fall vertuschen. Und an diesem Punkt wacht Frank Galvin (Paul Newman) auf. Ihm zur Seite stehen sein Helfer Morrissey (Jack Warden) und die Frau, die er erst kürzlich kennenlernte (Charlotte Rampling)...die Gegenseite wartet mit einem der besten Anwälte (James Mason) auf. Der Kampf David gegen Goliath beginnt und am Ende entscheiden wieder 12 Geschworene....







Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Sonntag, 19. Mai 2024

Network


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Sidney Lumet

Der quotenreiche Aufstieg und Fall eines Fernsehpropheten...

Die Tage von Howard Beale (Peter Finch), dem langjährigen Nachrichtensprecher der UBS Evening News sind gezählt. Wegen seiner ständig sinkenden Zuschauerzahlen soll ihm gekündigt werden, sein alter Freund Max Schumacher (William Holden), der Chef der Nachrichtenabteilung, muss ihm diesebittere Entscheidung der obersten Chefetagen mitteilen. Gemeinsam besaufen sich die beiden langjährigen Weggefährten und schwärmen von den guten alten Tagen des Fernsehens.
In der folgenden Nacht kündigt Howard Beale vor laufender Kamera an, dass er sich am kommenden Dienstag live im Fernsehen suizidieren wird.
Natürlich wird er für diese Entgleisung sofort gefeuert, die zweiwöchige Kündigungsfrist entfällt.
Er bittet aber seinen Freund ihn noch einmal vor die Kamera zu lassen, damit er doch noch einen würdigen Abschluß machen kann. Schumacher gestattet seinem Freund diesen Auftritt.
Doch Beale kommt wieder ins Schimpfen und steigert sich mit seinen Tiraden, dass das Leben beschissen ist, immer mehr.
Für seine Entscheidung die Sendung nicht abzubrechen, legt man Schumacher nahe, seinen Rücktritt zu schreiben.
Doch es kommt alles anders als man denkt: Das TV-Publikum reagiert begeistert auf diese Rede und lässt die Einschaltquoten, die Bewertungen und somit auch die Einnahmen der Nachrichtensparte in die Höhe schießen. Der Sender, allen voran die junge ehrgeizige Diana Christensen (Faye Dunaway) wittert hier den größten Hit für die nach Quoten und Dollars lechzende Union Broadcasting System und überzeugt ihren machtgeilen Chef Frank Hackett (Robert Duvall) sich diese Entwicklung skrupellos zu Nutze zu machen und Beale als Attraktion und "Star" zu vermarkten obwohl dieser nicht aufhört den Sender selbst zu beschimpfen und offensichtlich schwer krank ist.
Schumacher versucht die Katastrophe für seinen Freund abzuwenden, doch er verliebt sich in Diana Christensen und wird von seiner Frau (Beatrice Straight) aus dem Haus geschmissen...





"Network" ist ein 1976 gedrehter extrem satirischer Film über einen fiktiven TV-Netzwerk, Union Broadcasting System (UBS), und ihr Kampf die schlechten Ratings zu verbessern - dabei ist einigen Bossen jedes Mittel recht, die alten Männer der Chefetage werden vom jüngeren Machtmenschen Hackett in die Schranken gewiesen, wenn er die Aussage trifft "Wir sind ein Nuttensender". Der im Dialog und in der Schauspielerleistung brilliante Film wurde von Paddy Chayefsky geschrieben und von Altmeister Sidney Lumet inszeniert. "Network" gewann vier Oscars in den Kategorien Bester Schauspieler (Finch), Beste Hauptdarstellerin (Dunaway), Beste Nebendarstellerin (Straight) und Bestes Originaldrehbuch (Chayefsky). Wenn man den heutigen Mediendschungel so anschaut, dann hat "Network" sogar prophetischen Charakter im Lauf der Zeit erhalten. Heute in unserer Medienlandschaft zählt nur noch die Quote, sie steht über allem und der satirische Einschlag, den "Network" noch 1976 hatte ist heute längst von der Wirklichkeit eingeholt worden, lediglich der für die Zuschauer inszenierte, quotenreiche Mord im TV steht noch aus. Faye Dunaway, Peter Finch, William Holden und Robert Duvall konnten in "Network" jeweils eine der besten Performances in ihrer Karriere hinlegen.









 Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.

Donnerstag, 17. Juni 2021

Serpico





















 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Sidney Lumet

Schmiergelder....

Bereits als kleines Kind träumte Frank Serpico (Al Pacino) davon Polizist zu werden. Im Jahr 1959 geht dieser Traum dann tatsächlich in Erfüllung,  er schafft die Prüfung an der Polizeiakademie und gehört somit zum New York City Police Department.
Die dortigen Ideale interessieren ihn, er wird zum Schwur für Gesetz und Ordnung, für Ehrlichkeit und Ehrbarkeit verpflichtet.
Doch die Realität sieht anders aus. Als er als Streifenpolizist eine junge Frau vor drei Vergewaltigern rettet und einen dieser jungen Männer (Damien Leake) verhaften kann, erlebt er wie sein Kollege Malone (Hawk Garrett) den Verhafteten schlägt und misshandelt, nur um schnell eine Aussage zu erzwingen. Serpico ist angewidert vom solchem Verhalten und macht mit seiner etwas liberaleren Art die Kollegen misstrauisch.
Erschwerend kommt hinzu, dass Serpico keine Schmiergelder annehmen will, die er von den Kollegen angeboten bekommt und die in den New Yorker Polizeirevieren üblich und weit verbreitet sind.
Serpico hebt sich ab von der Mehrzahl seiner korrupten Kollegen, auch sein Äusseres ist individuell.
Er liest viel, lässt sich einen Bart wachsen, kleidet sich anders, trägt einen Hut und lebt privat ein bisschen Hippieleben aus.
Seine Kollegen verfahren nach dem Prinzip: Einer für Alle, Alle für Einen. Das bedeutet Jeder muss Schmiergeld annehmen. Derjenige der keins nimmt, wird als Außenseiter und Verräter gebrandmarkt.
Und so bugsiert sich Serpico mit seiner unbestechlichen Art immer mehr ins Abseits, darunter leidet auch sein Privatleben. Seine Freundinnen wechseln, nach Leslie (Cornelia Sharpe) kommt Laurie (Barbara Eda-Young), die Frauen haben es nicht leicht, da das Privatleben vom Ärger im Job geprägt wird.
Immer mehr wird er gemieden und beschimpft. Mit Hilfe seines Kollegen Bob Blair (Tony Roberts) versucht Serpico die Vorfälle seinen Vorgesetzten zu melden, welche jedoch nur scheinbar etwas dagegen unternehmen. Als Serpico nach fast zwei Jahren des Wartens Kontakt mit dem integren Sidney Green (John Randolph), der schon seit langem Korruption in den eigenen Reihen bekämpft und darüberhinaus mit der Geschichte an die Öffentlichkeit geht, spitzt sich die Situation zu...






"Serpico" wurde 1973 von Sidney Lumet. Der etwas spröde Polizeifilm beruht auf der wahren Geschichte des Polizisten Serpico, Peter Maas schrieb einen Bestseller darüber, es folgte Lumets beinahe dokumentarisch anmutende Verfilmung.
"Serpico" gilt als einer der ersten Filme die die großangelegte und weitverbreitete Korruption in der amerikanischen Polizei anprangerte.
Daher sorgte der Film bei seinem Erscheinen für viel Aufsehen.
Lumet zeigt die dunklen Machenschaften dieses mächtigen Apparates in aller Deutlichkeit. Eine fest zusammengeschweiste Mannschaft der Gesetzeshüter,  die nach außen andere Regeln verkündet und auch leben soll, als sie im Inneren tatsächlich gelten. Diese inneren Regeln sind eindeutig: Man profitiert vom kriminellen System, nimmt Geld von Beschuldigten, auch von überführten Verbrechern, und lässt sie zumeist dafür in Ruhe. Ganze Reviere kassieren Spielgelder, andere bereichern sich kollektiv an Gelder aus Betrügereien, Hehlerei-Geschäften, Drogengeschäften und so weiter. Im schmutzigen Drogengeschäft lässt sich am meisten absahnen, dort ist auch schon mal 40.000 Dollar pro Nase drin. Das alles geschieht, weil die Vorgesetzten in allen Teilen des Apparates entweder die Korruption dulden oder gar selbst abkassieren. Selbst der Bürgermeister entscheidet sich eher dafür keinen Streit mit der Polizei haben zu wollen, denn dann könnten die Wahlen verloren werden.
Regisseur Lumet ließ dieses Thema nicht mehr los: Sein tiefes Mißtrauen gegenüber dem Polizeiapparat verarbeitete er anschliessend auch in "Prince of the City", "Tödliche Fragen"  und "Nacht über Manhattan".






Bewertung: 8,5 von 10 Punkten

 

Montag, 5. Februar 2018

Ein Haufen toller Hunde







































Regie: Sidney Lumet

Der Hügel...

Mit seinem Gerichtsfilm "Die 12 Geschworenen" wurde der US-Regisseur Sidney Lumet über Nacht weltberühmt. 2011 verstarb der Filmemacher im Alter 87 Jahren, nachdem ihm 4 Jahre zuvor mit "Before the devil knows you´re dead" ein phänomenales Alterswerk gelang. In den 60ern rannte er dem Erfolg des Erstlings etwas hinterher, dennoch kann der 1965 entstandene "Ein Haufen toller Hunde" zu seinen besten Filmen gezählt werden. "The Hill"  - so das Original - ist ein Antikriegsfilm durch und durch, wurde in Spanien gedreht und zeigt eindrucksvoll die Folter und Schindereinen in einem britischen Militärgefängnis in der libyischen Wüste zur Zeit des 2. Weltkriegs.
Unter der glühenden Hitze sollen die Soldaten, die sich ganz verschiedenen Vergehen schuldig gemacht haben, wieder zu wertvollen Mitgliedern der Armee umerzogen werden oder wie sagt Sergeant Major Bert Wilson (Harry Andrews) so treffend "zuerst so gedemütigt und gebrochen werden, damit sie dann als neue gehorsame Soldaten und wahre Männer das Strafcamp wieder verlassen. Fünf neue Sträflinge kommen hier an. Der sanfte und etwas schwächliche Private Stevens (Alfred Lynch) wollte türmen, um wieder mit seiner Frau zusammen zu sein. Der dunkelhäutige Private Jacko King (Ossie Davis) hat gestohlen. Sergeant Major Joe Roberts (Sean Connery) hat seinen Vorgesetzten verprügelt. Private Monty Bartlett (Ian Bannen) und Private Jock McGrath (Jack Watson) komplettieren das Quintett, dass sich fortan eine beengte Zelle teilen muss und von dem sadistisch veranlagten und machtbesessenen Staff Sergeant Willams (Ian Henry) gedrillt werden sollen. Dessen Methoden sind grausam und fragwürdig. Beim kleinsten Vergehen lässt er die Fünf mit gesamten Gepäck über den Hügel rennen. Dieser Hügel wurde von den Sträflingen selbst auf dem riesigen Exerzierplatz aufgeschüttet und dient dazu die Soldaten weit über das normale Limit zu diszipinkieren und zu bestrafen. Staff Sergeant Harris (Ian Bannen) ist da wesentlich menschlicher und beoabachtet angewidert die Methoden von Williams. Doch der wird gedeckt von seinem Vorgesetzten Wilson und daher verwirft er auch die Einwände von Harris und lässt Williams weiterhin gewähren. Wilson kann auch nicht verstehen, dass der ranghohe Roberts durch die Schlägerei mit seinem Vorgesetzten so wenig Disziplin und Soldatenehre an den Tag gelegt hat. Die Schikanen von Williams treffen aber am Anfang vor allem den sensiblen Stevens, der bei ihm immer wieder gedemütigt und gekränkt wird. Dazu kommt die extreme Hitze, Stevens Kreislauf will nicht mehr. Es nützt auch nichts, dass die anderen vier nach einem Arzt für ihm verlangen, der wird nicht informiert. Er hat ja einige Tage zuvor den Sträfling Stevens in einer oberflächlichen Untersuchung "Ziehen sie sich bitte mal ganz aus und drehen sich um" für gesund erklärt worden. Doch Stevens bricht tot zusammen...




Lumet schildert diese Repressalien eindrücklich und sehr intensiv - es kommt zur Meuterei, bei der aber der gewiefte und mental starke Wilson die Oberhand behält. Mit ausgezeichneten Darstellern prangert der große Regisseur die Maschinerie "Krieg" und "Armee" in den für sie geltenden starken Disziplinen "bedingungsloser Gehorsam" sowie "Macht und Unterwerfung" eindrucksvoll an. Sean Connery trat mit dieser Darstellung eines gebrochenen Mannes aus dem Schatten seines James Bond. In der Folge setzte Lumet mehrfach auf dessen schauspielerisches Talent, etwa in "Anderson Clan", "Sein Leben in meiner Gewalt" oder auch beim starbesetzten Agatha Christie Filmleckerbissen "Mord im Orient Express". Harry Andrews, dem ebenfalls eine hervorragende Leistung gelingt. Als Militärarzt ist Michael Redgrave zu sehen. Auch Ian Hendry macht seine Sache als sadistischer Schinder sehr gut wie das restliche Ensemble. Mit Oswald Morris sorgte einer der führenden britischen Kameramänner (Moulin Rouge, Moby Dick, Oliver, Equus, Kanonen von Navarone, Der Seemann und die Nonne)  für die nötige viuselle Kraft der Bilder.  Für "Anatevka" erhielt er 6 Jahre später den wohlverdienten Oscar.




Bewertung: 9 von 10 Punkten.