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Sonntag, 19. Mai 2024

Das Wirtshaus im Spessart


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Kurt Hoffmann

Räuber im Wald...

In den 50er Jahren war ein echter Kinoboom zu verzeichnen. Ganz besonders hoch waren die Zuschauerzahlen in den Jahren 1956 und 1957. In dieser Zeit wurden in der Bundesrepublik 817 Millionen, in der DDR 316 Millionen gezählt. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die bestbesuchtesten Filme in Deutschland aus dieser Zeit stammen. Im Ranking der erfolgreichsten Blockbuster ab 1956 liegt "Die Trapp Familie" von Wolfgang Liebeneiner auf Platz 1 mit 26 Millionen Besuchern. Gefolgt von Helmut Käutners "Der Hauptmann von Köpenick", der 14 Millionen Interessierte in die Kinos lockte. Wie Rang 3 "Charlys Tante" von Hans Quest und ebenfalls mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle war es ein Film aus dem Jahr 1956. Michael Herbigs "Schuh des Manitu", der auf fast 12 Millionen Besucher kam, liegt als einziger Film, der viel später entstand, auf Rang 4, dicht gefolgt von Kurt Hoffmanns "Das Wirtshaus im Spessart". Damals kosteten die Kinokarten zwischen 1 Mark (auf dem billigsten Platz) und 2,70 Mark (auf dem besten Rang für einen Film mit deutlicher Überlänge wie etwa "Die Brücke am Kwai"). Im Erfolgsfilm "Das Wirtshaus im Spessart" konnte Publikumsliebling Liselotte Pulver ihr komödiantisches Talent unter Beweis stellen. Sie wurde für die Rolle der Comtesse Franziska im Jahr 1958 mit dem Filmband in Silber als beste Schauspielerin ausgezeichnet.  Franziska von und zu Sandau ist mit ihrem ungeliebten Verlobten Baron Sperling (Günther Lüders), ihrer Zofe Barbara (Ina Peters) und dem Herrn Pfarrer (Otto Storr) mit der Kutsche auf dem Weg nach Würzburg. Die Fahrt führt durch den Spessart und dort im Wald gibt es eine Vielzahl von Räubern und ganzen Räuberbanden. Auch die beiden Handwerksburschen Felix (Helmuth Lohner) und Peter (Hans Clarin) sind zu Fuß im Wald unterwegs - immerhin gibts im dichten Wald ein Wirtshaus, in dem man essen und schlafen kann. Was die beiden nicht wissen: Die Wirtsleute machen gemeinsame Sache mit der Bande des Räuberhauptmanns (Carlos Thompson). Doch die Banditen haben es nicht unbedingt auf die beiden Handwerker abgesehen, sie wollen lukrative Beute machen. Und diese Beute ist die Comtesse, die als Geisel genommen werden soll - ihr Vater soll ein Lösegeld von 20.000 Gulden herausrücken, dann würden die Räüber die junge Adlige wieder frei lassen. Zum Zwecke der Geiselnahme präparieren die Räuber Knoll (Wolfgang Neuss) und Funzel (Wolfgang Müller) eine Kuhle in den geplanten Fahrweg der Kutsche. Tatsächlich bricht dabei ein Rad und so sind die Reisenden gezwungen die Fahrt zu unterbrechen, um in diesem Wirtshaus zu nächtigen...





Kurt Hoffmanns Film wirkt natürlich aus heutiger Sicht sehr nostalgisch, aber er hat starke Qualitäten und ist originell. Bereits der Anfang mit der Vorstellung eines fahrenden Bänkelsängers, der von Rudolf Vogel gespielt wird, macht durch dessen erzählte Moritaten gute und ein bisschen gruslige Laune. Kameramann Richard Angst, der 1971 einen Bundesfilmpreis für seine gesamten Leistungen in diesem Bereich erhielt, lieferte wunderschöne Bilder zu dieser märchenhaften Geschichte. Gewürzt wird der Film mit einigen Musikstücken und am Ende darf man sich natürlich - wie im Märchen üblich - auf das ersehnte Happyend freuen.






Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Kurt Hoffmann

Aus dem Leben eines Schwindlers...

Der Schelmenroman "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" wurde bisher dreimal erfolgreich verfilmt. 1958 schlüpfte der junge Horst Buchholz in die Rolle und Kurt Hoffmann führte Regie. Mit beinahe 6 Millionen Zuschauern lag der Film in den Top20 des Kinojahresrankings von 1957. Auch die TV-Verfilmung von Bernhard Sinkel mit John Moulder Brown war ein guter Erfolg. Detlev Buck realisierte im Jahr 2021 eine Neuverfilmung mit Yannis Niewöhner. Kurt Hoffmanns Film wurde seinerzeit mit dem Filmband in Gold ausgezeichnet und erhielt sogar den Golden Globe als bester Auslandsfilm. Damit führte er die deutsche Golden Globe Erfolgsstorie der späten 50er Jahre fort, denn auch "Weg ohne Umkehr", "Kinder, Mütter und ein General", "Vor Sonnenuntergang", "Das Mädchen Rosemarie" und "Wir Wunderkinder" wurden mit diesem begehrten US-Filmpreis ausgezeichnet.
Kurt Hoffmanns Film hat allerdings ein vom Buch abweichendes Ende. Aus dem Off erzählt Felix Krull (Horst Buchholz) seine Geschichte von der Kindheit an. Schon als kleiner Junge wollte er hoch hinaus - kein Wunder, denn auch die Eltern sahen in ihm ein echtes Sonntagskind. Leider rief das Militär, doch Felix hat sich für die Musterung gut vorbereitet, denn er will partout kein Soldat sein, sondern in Paris sein Glück versuchen. Mit riesigem schauspielerischen Talent überzeugt er den Stabsarzt davon, dass er ein Epileptiker ist. Die Strategie funktioniert - Felix wird ausgemustert und tritt eine Stelle in einem Hotel in Paris an. Bei der Zollkontrolle bestiehlt er eine Reisende, die neben ihm an der Abfertigung steht. In diesem Etui befindet sich Schmuck, dass er verhökern. Doch die Frau (Susi Nicoletti) checkt in dem Hotel ein, in dem Felix inzwischen als Liftboy eingesetzt wird. Seine Attraktivität hilft ihm und diese Frau Houpfle ist bald ganz vernarrt in den smarten Jungen - er wird ihr jugendlicher Liebhaber. Auch Zaza (Liselotte Pulver), die Geliebte des Marquis de Venosta (Peer Schmidt) zählt zu den Eroberungen von Felix, der tagsüber Keller im Hotel, abends als Lebemann in den feinen Pariser Nachtclubs auftaucht. Als de Venostas Eltern mit der Enterbung wegen der Liason mit Zaza drohen und den Marquis auf eine Weltreise schicken wollen, schlägt Felix Stunde. Er kann es so drehen, dass Felix anstelle vom Marquis diese Weltreise antritt, denn der kann sich nicht mehr von seiner Geliebten trennen - so wird aus Felix schließlich Marquis de Venosta. Das Abenteuer "Weltreise" unter falscher Identität beginnt mit einer Zugfahrt nach Lissabon. Im Speisewagen lernt er den Museumsdirektor Professor Kuckuck (Paul Dahlke) kennen, der ihn einlädt, ihn in Lissabon zu besuchen. Bei diesem Besuch gewinnt er nicht nur die Zuneigung des Professors, sondern auch die seiner Frau (Ilse Steppat) und der Tochter (Ingrid Andree) ...




Natürlich fliegt der Schwindel irgendwann auf - aber keine Angst. Am Ende setzt Felix seine Weltreise fort und dies tut er nicht alleine. "Felix Krull" wurde zu einer Paraderolle von Horst Buchholz, der in dieser Zeit einer der gefragtesten Filmstars Deutschland war. Bereits 1956 wurde ihm für seine Rolle in "Himmel ohne Sterne" das Filmband in Silber als bester Nachwuchsdarsteller verliehen und Deutschlands Jugend und die Bravoleser verhalfen ihm zu einem goldenen Otto und zu zwei silbernen Ottos. Auch ein Bambi wurde ihm in dieser Zeit verleihen. Der Film ist sehr vergnüglich und beweist das große Können von Kurt Hoffmann, der auf Komödie spezialisiert war.
 





Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Samstag, 7. September 2019

Wir Wunderkinder







































Regie: Kurt Hoffmann

Zwei deutsche Lebensläufe....

Kurt Hoffmann war mit Sicherheit einer der erfolgreichsten deutschen Filmregisseure. Bereits während der NS-Zeit drehte er Kassenschlager wie "Quax, der Bruchpilot" oder "Ich vertraue dir meine Frau an". In den 50er Jahren gelangen ihm eine Riesenerfolge wie "Hokuspokus", "Das fliegende Klassenzimmer", "Drei Männer im Schnee", "Ich denke oft an Piroschka", "Das Wirtshaus im Spessart", "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" oder "Das Spukschloß im Spessart".
Sein vielleicht kritischster Film ist aber "Wir Wunderkinder" aus dem Jahr 1959, der zwar von dem Regisseur gewohnt schwungvoll und unterhaltsam inszeniert wurde, aber mit seiner kabarettistischen Form die Lebensgeschichte zwier typischer Deutscher erzählt und somit auch einen weitestgehend gelungenen Kommentar zur Vergangenheitsbewältigung beinhaltet. Vor allem durch die Mitwirkung der beiden Kabarettisten Wolfgang Neuss und Wolfgang Müller, die bereits im "Wirtshaus im Spessart" mit Hoffmann zusammengearbeitet hatten, kommt der Gewinner des Golden Globe Awards als bester fremdsprachiger Film des Jahres 1960 als "Film im Film" daher. Die beiden Akteure begleiten das Geschehen von 1913 bis 1957 von einer Bühne aus, wo sie die Handlung mit sehr bissigen Kommentaren und Klaviermusik begleiten. Dabei gelingt es Ihnen eindrücklich sich von Konzessionen, zu denen man damals sicherlich noch genötigt war, zu lösen und diese sogar in perfekter Form zu unterlaufen. Wenn eine der Hauptfiguren - dieser Bruno Tiches - am Ende des Films in einen Fahrstuhlschacht fällt und stirkbt, dann führt der Filmemacher das HappyEnd ad absurdum, in dem er gleich die Bilder der Beerdigung zeigt, zu der alle einflüssreichen Persönlichkeiten aufmarschiert sind und dem "verdienten Deutschen" das letzte Geleit zu erweisen. Müller erwähnt dann noch, dass es so viele kaputte Fahrstühle leider nicht gibt um diesen Opportunisten, der immer die Gesinnung folgt, die gerade "in" ist.
Man kann vielleicht kritisieren, dass es in Sachen Vergangenheitsbewältigung dem "Mitläufer" relativ leicht gemacht wird, sich in diesem filmischen Spiegelbild nicht zu erkennen. Dennoch zähle ich diesen Nachkriegsfilm über die gewisse Machtlosigkeit der Anständigen, die dem Aufstieg der unmoralischen und dummen Nazis leider nichts entgegensetzen können, zu den besten deutschen Filmen der 50er Jahre. Auch wenn die Resignation gegenüber dieser starken Opportunisten schon ein bissel traurig macht.
Der Film beginnt im Jahr 1913 - in Neustadt, einem kleinen Ort in der Provinz steht ein großes Ereignis bevor. Ein Ballonfahrer soll anlässlich der Einweihung des Völkerschlachtdenkmals den Flug nach Leipzig wagen, um dem geliebten Kaiser Wilhelm I die Ehre zu erweisen. Dort sind auch die beiden Jungen Hans Boeckler und Bruno Tiches zugegen, die beide Lausbubenstreiche im Kopf haben. Doch Hans wird erwischt und bestraft, seinem Klassenkameraden Bruno gelingt es aber ungesehen in den Korb des Ballons zu klettern. Als der Ballon nur wenige Meter entfernt notlanden muss, wird Bruno zum Helden seiner Mitschüler und seiner Lehrer.
Die Lebenswege der beiden kreuzen sich immer wieder. Hans Boeckler (Hansjörg Felmy) studiert in den 20er Jahren unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen Philosophie in München. Bruno Tiches (Robert Graf) schließt sich der NSDAP an und macht im Laufe der Jahre dort eine rasante Karriere. Hans bleibt sich in dieser Zeit selber treu, verliert zwar seine erste Freundin Vera von Lieven (Wera Frydtberg), die mit ihrem Vater emigriert, lernt aber die hübsche Dänin Kirsten (Johanna von Kosczian) kennen und heiratet sie in Dänemark. Als der Krieg ausbricht, muss er zurück ins Reich. Nach dem Krieg versucht Hans mühsam einen neuen Anfang zu machen. Dieser Neubeginn fällt Bruno Tiches umso leichter. Mit seinem Schwarzmarkgeschäft hat er sich schon wieder bestens angepasst...


 Schon die erste Szene ist symptomatisch für die zukünftige Entwicklung der beiden unterschiedlichen Protagonisten. Während Hans Boecker bestraft wird, wird Bruno gefeiert und belohnt.
Im Wirtschaftswunderland steht am Ende dann der erfolgreiche Geschäftsmann Tichel unter geändertem Namen, der mit seinem Geld wieder die Macht hat und Hans Boeckel als Journalist, der die Taten der Vergangenheit in seiner Zeitung aufdecken will, schon wieder am kürzeren Hebel sitzt. Kann sich sein Chef die ehrliche und freie Meinungsäusserung erlauben, wenn der Mann mit Geld und Einfluß die Macht hat den Schreiber und seine Zeitung vernichtend zu schlagen ?
"Wir Wunderkinder" lebt von den beiden guten Hauptdarstellern Robert Graf und Hansjörg Felmy. Vor allem Graf hat seine Rolle so angelegt, dass nie der Fanatiker sichtbar wird, aber sehr schnell erkennbar sein Gespür sichtbar wird für den eigenen Vorteil. Sein Charakter strotzt vor Anpassungsfähigkeit und positiver Selbstdarstellung. Er sieht sich sogar als einer der den Karren für Deutschland "aus dem Dreck zieht" und Boeckels damalige Ablehnung der Nationalsozialissten deutet er als dessen Unfähigkeit sich klar zu positionieren. Somit doch eine nicht zu unterschätzende kritische Aussage über den Mitläufer und seine Struktur.


Bewertung: 9 von 10 Punkten.