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Sonntag, 19. Mai 2024

Die letzten beißen die Hunde


 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Regie: Michael Cimino
 
Zwei auf gleichem Weg.... 
 
"Die letzten beißen die Hunde" ist eine Malpaso Produktion aus dem Jahr 1974, in der der Produzent Clint Eastwood selbst gerne Regie geführt hätte, diesen Part allerdings dem Regieneuling Michael Cimino übertrug.
Aufgrund des großen finanziellen Erfolgs von Dennis Hoppers "Easy Rider" wartete das Kino auf Roadmovies ähnlichen Stils und bei 4 Millionen Dollar Produktionskosten sprang für den Film ein gutes Einspielergebnis von 25 Millionen Dollar heraus. Somit für Eastwood ein sehr gutes Geschäft und für Michael Cimino das Sprungbrett für die spätere Karriere mit Klassikern wie "Die durch die Hölle gehen" oder "Heavens Gate".
Sowohl Originaltitel "Thunderbold and Lightfoot" als auch der Song "Where do I go from here" (Wohin gehe ich von hier ?) passen zum Thema des Films, der zwei ziellose Männer zeigt, die sich rein zufällig kenennlernen und gemeinsam ein Stück Weg gehen.
Einer davon ist der junge Lightfoot (Jeff Bridges), der immer einen Spruch auf Lager hat und das Leben leicht nimmt. Der Herumtreiber stiehlt gleich in der Anfangsszene ein Auto und rast mit dem Diebesgut davon. Zur gleichen Zeit predigt ein Gottesmann (Clint Eastwood) in einer kleinen Kirche für seine Gemeinde. Ein Mann mit Knarre stürzt in die Kirche, eröffent das Feuer auf den Prediger und der versucht im Kornfeld zu entkommen. Zum Glück fährt der flüchtige Lightfoot gerade vorbei und retten den Prediger, indem er den Verfolger umfährt und und den Prediger mitnimmt. Da sich beide symathisch finden, bleiben sie vorerst zusammen. Vor allem Lightfoot ist an der Freundchaft mit dem älteren Typ, der sich John Doherty nennt, sehr interessiert, er besorgt dem neuen Kumpel auch ein Mädchen (June Fairchild) für eine Nacht, während er sich selbst mit Melody (Catherine Bach) vergnügt.
Tatsächlich stellt sich heraus, dass sein neuer Begleiter der berüchtigte Bankräuber Thunderbolt ist. Der hat mit einer 20-Millimeter- Kanone in einem Safe einbrechen wollen. Und verfolgt wird Thunderbolt von seinem ehemaligen Kumpanen Red Leary (George Kennedy), der mit dem eher unauffälligen und gutmütigen Eddie Goody (Geoffrey Lewis) ebenfalls einen Begleiter dabei hat. Red glaubt Thunderbolt hätte ihn damals bei einem Coup um Geld betrogen, doch tatsächlich ist das Geld noch an seinem alten Versteck in einem alten Schulhaus in Warsaw, Montana. Und tatsächlich gelingt es den beiden Verfolgern Thunderbolt und Lightfoot zu überlisten und sie gefangen zu nehmen. Doch bald entsteht der Plan als Quartett einen Coup zu landen, wenn Leary den jungen Lightfoot nicht so hassen würde...



Der Film zeigt wie im richtigen Leben das Auf und Ab. Einmal scheinen die beiden Freunde Glück zu haben, doch im nächsten Moment wandelt sich das Glück und mutiert zur riesigen Pechsträhne. Ciminos Erstling wartet mit einigen originellen Szenen auf und die beiden rastlosen Vagabunden dürfen auch einen Waschbären und viel weißen Hasen retten, indem sie einen Tierquäler unschädlich machen. Die Geschichte ist gut fotografiert von Kameramann Frank Stanley und es gibt auch eine schöne Verfolgerungsjagd mit Autos, typisch für das Kino der 70er Jahre. Ansonsten hat der heitere Stil immer wieder melodramatische Brüche und Jeff Bridges spielt den jungen Lightfoot so gut, dass er für diese Leistung seine zweite Oscarnomierung erhielt.



Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Mittwoch, 27. September 2017

Die durch die Hölle gehen







































Regie: Michael Cimino

Körperliche und seelische Verstümmelung...

Mit "Die durch die Hölle gehen" (The Deer Hunter) gelang dem Filmemacher Michael Cimino 1978 ein großer Welterfolg. Sein großes Epos über Soldaten im Vietnamkrieg und ihr beschädigtes Leben nach der Rückkehr in die Heimat wurde mit fünf Oscars ausgezeichnet, darunter als bester Film. Cimino selbst durfte sich über die Auszeichnung als bester Regisseur freuen und Newcomer Christopher Walken wurde geehrt in der Kategorie der besten Nebendarsteller. Dieser Erfolg brachte ihm für das nächste geplante Projekt "Heavens Gate" weitestehende künstlerische Freiheit. Es entstand ein weiterer großartiger Amerika-Film, der allerdings an der Kasse zurm bis dahin größten wirtschaftlichen Mißerfolg wrude. Es führte schliesslich auch dazu, dass die Transamerica Corporation das Studio United Artists an MGM verkaufen musste.  Cimino war dann sozusagen arbeitslos und als Kassengift verschrien, auch wenn ihm in den 80ern noch ein Achtungserfolg mit "Im Jahr des Drachen" gelingen sollte.
Ciminos Stärke ist eindeutig im epischen Bereich angesiedelt, also seine Geschichten sind sehr weitläufig und ausschweifend. So auch "Die durch die Hölle gehen", der sich über eine Stunde seiner Laufzeit von 182 Minuten der Vorstellung seiner Figuren widmet. Dabei dient ihm vor allem die Hochzeit des jungen Steven Pushkov (John Savage) mit Angela Ludhjiduravic (Rutanya Alda), die zwischen dem letzten Arbeitstag der Woche und dem Einrüciken nach Vietnam stattfindet.
Zu Stevens Freunden gehören auch Nick Chevotarevich (Christopher Walken), Michael Vronsky (Robert de Niro), Stanley (John Cazale), John Welsh (George Dzundza) und Axel (Chuck Aspegren). Allesamt sind sie russischstämmige Stahlarbeiter aus der Provinzstadt Clairton in Pennsylvania, vor allem aber sind sie amerikanische Patrioten, die gerne für ihr Land nach Vietnam gehen. Aber vorerst ist Hochzeit, wo Michael heimliche Blicke für Nicks Freundin Linda (Meryl Streep) hat. Es wird ausgelassen und trinkfest gefeiert, am frühen Morgen danach gehen die Freunde noch zur Rotwildjagd in die Berge. Michael erklärt seinem besten Freund Nick seine Theorie mit "nur einem Schuß, kein zweiter", so erlegt er den Hirsch. Es geht viel um Ehre, Freundschaft, Männlichkeitsrituale und über das Gesetz des Stärkeren, Cimino zeigt das Spiel von Jäger und Gejagten. Dies findet eine Fortsetzung im abrupten Szenewechsel, wo Nick, Michael und Steven in die Gefangenschaft des Vietkong geraten. Dort findet ein perfides Spiel um Geld und Leben oder Tot statt, die Gefangenen müssen sich für das Russische Roulette zur Verfügung stellen. Wer kneift wird gleich erschossen, die einzige Möglichkeit ist Spiel der Wärter mitzuspielen. Michael gelingt mit einem Trick die Flucht, doch die Wege der Freunde trennen sich. Während Michael irgendwann seine Heimat wiedersieht und noch nachdenklicher als früher ist, bleibt Nick in Saigon verschwunden...





Es ist ein sehr bitterer Film, der drei Phasen seiner Figuren schildert. Die erste ist die scheinbar intakte Welt, die allerdings auch schon so seine Schattenseiten offenbart und wenig wahre Emotion zulässt. Man hat das Gefühl die Menschen wären in ihrer Wertevorstellung gefangen und könnten nicht ausbrechen - es sei denn zur Jagd, wo sinnlos auf Tiere geschossen wird. Hier zeigt sich auch die Charaktereigenschaft jedes einzelnen Jägers. Michael offenbart hier seine Verbundenheit mit einer Natur, die dem Stärkeren gehört, der aber auch gewisse Regeln einhalten muss. Die zweite Phase zeigt diese Menschen in einer Extremsituation, die sie vorher anders eingeschätzt haben. Der Krieg ist weit weg von seiner vorausgegangenen Glorifizierung. Als dritte Phase werden diese Menschen danach gezeigt, ihre Gebrochenheit und ihr Wille einen neuen Anfang zu finden. Natürlich sind die Szenen im Krieg sehr gewaltig und brutal, vor allem das russische Roulette bleibt unvergessen im Gedächtnis. 






Bewertung: 10 von 10 Punkten. 

Freitag, 8. September 2017

Heavens Gate







































Regie: Michael Cimino

Monströser Flop...

tja, dieses Etikett wird der Film nie abstreifen können. Und dieses Etikett macht es ja auch schwer, den Film total unvoreingenommen zu sehen.
Die United Artists wollten damals Aussergewöhnliches wagen, deshalb liess man Cimino, vor allem nach seinem Megaerfolg "Deer Hunter" freie Hand.
Aber die Produktionskosten stiegen ums 5fache höher als geplant auf 40 Mio. Dollar an und dann wurde der Film durch die vernichtende und böswillige Reaktion der US-Kritik zum absoluten Kassendebakel.
"Heavens Gate" besiegelte das Ende des Western, das Ende der United Artists und vor allem das Ende des amerikanischen Autorenfilms.
Erst Jahre später konnte der Film vor allem in Europa eine Fangemeinde gewinnen und man erkannte auch viele Vorzüge dieses sicherlich monströsen und maßlosen Werkes.
Vilmos Zsigmond setzt diese Ereignisse um den Johson County War kameratechnisch wunderbar in Szene








Ein unrühmliches Bild aus der US-Geschichte. Diese Emmigranten, die Rinder schlachten, weil sie Hunger haben, aber vom Großkapital und der Staatsgewalt den Pferdedieben gleichgestellt werden und so zum Abschuss freigegeben werden. Ein ganz legale Todesliste ist im Umlauf und die bezahlten Killer erledigen gesetzestreu ihre Arbeit.
Die Hauptfiguren in diesem Szenario sind Sheriff James Averil (Kris Kristofferson), der Killer Nathan D. Champion (Christopher Walken), der irgendwann wegen Ella Watson (Isabelle Huppert), die auch auf der Todesliste landet, die Seiten wechselt. Beide Männer haben eine Beziehung mit der Prostituierten Ella.
Ein bisschen fehlt den Dialogen vielleicht die Tiefe und vielleicht auch eine Balance der Emotionalität. So wechseln sich in der authentisch wirkenden Kulisse, die bis ins kleinste Detail sehr gut eingefangen wird, total brilliante Szenen (beispielsweise die Sequenz im Festzelt, die mit dem zum Tanz aufspielenden Rollschuhfahrer beginnt und mit dem gemeinsamen Walzer von Averill und Ella endet) mit einigen weniger gut gelungenen und eher uninteressanten Szenen.
Alles in allem ist es aber ein sehr gelungener und hochinteressanter Film über ein weniger bekanntes Ereignis der US-Geschichte, was allerdings auch kein Wunder ist, dass solche Ereignisse in den Geschichtsbüchern nicht auftauchen.Erst mehr als 20 Jahre später konnte Scorsese mit "Gangs of New York" einen filmischen Verwandten von "Heavens Gate" realisieren, der im Grund die gleiche Botschaft über das Werden einer Nation weit ab vom akzeptierten Konsens vermittelt "Amerika wurde in den Strassen geboren".
Scorsese hatte es aber 20 Jahre später dann auch viel leichter seine Message durchzubringen






Bewertung: 10 von 10 Punkten.