Regie: Sydney Pollack
Tanzen bis zum Umfallen...
Dance Marathon Contests, auch "Walkathons" genannt, waren in den 20er
und 30er Jahren im Amerika ein extrem beliebtes, populäres zeitgeistiges
Phänomen. Die konkurrierenden Paare tanzten für Hunderte von Stunden
fast non-stop und die menschliche Belastbarkeit wurde sowohl psychisch
als auch physisch massiv auf den Prüfstand gestellt.
Verlockend war das hohe Preisgeld und vor allem in den Jahren der
Wirtschaftskrise die kostenlose Verpflegung während des Contests.
Das über Tage und Wochen dauernde Szenario spiegelte in dieser Zeit
vielleicht sogar die Verzweiflung wider, die viele Amerikaner während
dieser Depression erlitten.
Der Eintrittspreis von 25 Cent zahlten viele gerne, denn man konnte sehr schnell mit den Paaren mitfiebern.
Robert Syverton (Michael Sarrazin) erinnert sich vor dem riesigen
Festzelt des bald beginnenden Tanzmarathons an ein Erlebnis aus seiner
Kindheit. Sein geliebtes Pferd brach sich ein Bein, der Großvater
erschoß dann vor den Augen des Kindes, das leidende Tier.
Nun beobachtet der junge Mann, der von einer Karriere als Filmregisseur
träumt, die Schönheit des Pazifischen Ozeans auf dem Santa Monica Pier,
dort in der Nähe von Los Angeles gehts im schäbigen La Monica Ballroom
bald rund.
Rocky (Gig Young) ist eine Art Zeremonienmeister, Conferencier und Boss
des Unternehmens. Er begutachtet mit seinen Kollegen Turkey (Al Lewis)
und Rollo (Michael Conrad) die vielen gestrandeten Existenzen, die sich
zum Marathon angemeldet haben.
Gloria (Jane Fonda) hat Pech, den ihr Partner wird aufgrund eines
sonderbaren, ominösen Hustens bereits disqualifiziert. Was liegt näher
als der jungen Frau einen neuen Partner zu liefern ? Rocky sieht den
gaffenden Robert und schon ist der im Wettbewerb dabei.
Es geht um einen Geldpreis von 1.500 Dollar, auch ein Seemann mittleren
Alters (Red Buttons) mit Partnerin ist dabei. Auch Alice (Susannah
York), eine Möchtegern Jean Harlow mit ihrem Lover Joel (Robert Fields)
könnten das Geld gut brauchen und manchmal sitzt im Publikum ein
wichtiger Mann aus Hollywood. Beispielsweise Mervyn LeRoy, der mit
"Little Caesar" gerade einen Welterfolg drehte.
Der verarmte Landarbeiter James (Bruce Dern) ist sogar mit seiner schwangeren Frau Ruby (Bonnie Bedelia) angereist.
Bald werden die ersten, schwächeren Paare ausgesiebt. Rocky versteht es
gut, einige der Paare beim Publikum als "Lieblinge" zu verkaufen.
Doch mit dem Tanzen Non Stop werden sehr bald die Nerven aller
Beteiligten strapaziert. Highlight fürs Publikum und gleichzeitig für
die Teilnehmer der derbste Horror sind die immer wieder stattfindenden
Derbys, in denen alle Teilnehmer, gekleidet in gesponsterten
Trainingsanzügen, um die Tanzfläche herumrennen müssen, am Ende werden
bei solch einem Derby jeweils drei der Paare eleminiert. Also rennen die
Beteiligten förmlich um ihr Leben..
"Nur Pferden gibt man den Gnadenschuß" (im Original: They Shoot Horses,
Don't They?) ist ein extrem düsteres und verstörendes amerikanisches
Filmdrama von Sydney Pollack aus dem Jahr 1969. Die Handlung beruht auf
dem gleichnamigen Roman von Horace McCoy aus dem Jahr 1935 - es ist
gleichzeitig auch neben dem Spätwestern "Jeremiah Johnson" Pollacks
bestes Werk.
Thematisch verwandt ist der Film aus der Zeit der Wirtschaftskrise mit
dem Schlesinger Meisterwerk "Tag der Heuschrecke", beide Filme zeichnen
das gleiche pessistimische Bild über die Qualen der menschlichen
Existenz und beide Filme stellen der Realität eine Traumwelt gegenüber.
Gig Young gewann bei der Oscarverleihung 1970 in der Kategorie Bester
Nebendarsteller. Die acht anderen Nominierungen waren: Jane Fonda,
Susannah York, Sydney Pollack für die Beste Regie, die Drehbuchautoren
James Poe und Robert E. Thompson für das Beste adaptierte Drehbuch sowie
Beste Filmmusik, Bester Schnitt, Bestes Kostümdesign und Bestes
Szenenbild.
Allerdings darf man alles andere als einen Wohlfühlfilm erwarten,
Pollacks Werk ist durch und durch pessimistisch und niederschmetternd.
Für mich aber einer der besten Filme des ausgehenden 60er Jahre Kinos.
Bewertung: 10 von 10 Punkten.