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Freitag, 23. Juli 2021

Der letzte Wagen


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Delmer Daves

Comanche-Todd...

In den Jahren 1956 bis 1959 drehte Regisseur Delmer Daves (Die schwarze Natter, Der gebrochene Pfeil) insgesamt sechs Western: "Der Mann ohne Furcht", "Der letzte Wagen", "Cowboy", "Zähl bis drei und bete", "Geraubtes Gold" und "Der Galgenbaum". Alle sechs sind gute Beispiele für das Können des Regisseurs, mein Favorit ist wohl der 1956 gedrehte "Der letzte Wagen", der in De Luxe Color und Cinemascope gedreht wurde und optisch noch heute ein Wucht ist. Ausserdem ist die Geschichte spannend, hat Charme und präsentierte neben dem Topstar Richard Widmark eine ganze Reihe von jungen und unverbrauchten Filmgesichtern.
"Der letzte Wagen" kostete ca. 1,5 Millionen Dollar und spielte in den USA gleich viel in die Kasse. Er lief aber im Rest der Welt auch gut, was die Produzenten sicherlich sehr erfreute.
Ein Mann auf der Flucht, gejagt und gehetzt. Es ist ein gewisser Comanche Todd (Richard Widmark), der seit seinem 8. Lebensjahr bei den Komanchen lebte und nun von der Gebrüdern Harper gejagt wird. Diese Hatz geht auf Leben und Tod und zwei der Harper Brüder werden von den Verfolgten getötet. Nur einer, Sheriff Bull Harper (George Matthews) kann ihn schließlich verhaften. Der Sheriff beschuldigt Commanche Todd des Mordes an seinen Brüdern. Jäger und Gefangener schließen sich einer Karawane von Siedlern an, der von Colonel Normand (Douglas Kennedy) geführt wird. Unter den Reisenden ist auch die hübsche Jenny (Felicia Farr) mit ihrem jüngeren Bruder Billy (Tommy Rettig), Normands Töchter Jodie (Susan Kohner) und Valinda (Stephanie Griffin), der hitzköpfige Ridge (Nick Adams) und der ruhige Clint (Ray Stricklyn), der mit seiner Mutter und der kleinen Schwester reist.
Der Sheriff behandelt seinen Gefangenen sehr unmenschlich und brutal, was einigen des Trecks deutlich missfällt. Der kleine Billy freundet sich sogar mit ihm an. In der Nacht kommen die Jugendlichen auf die Idee den Treck zu verlassen, um im nahe gelegenen Fluß zu baden. Am anderen Morgen müssen sie schockiert feststellen, dass die Apachen den Treck überfallen haben. Niemand wurde verschont, alle sind tot. Nur Todd hat überlebt. Wohl oder übel müssen sie nun ihr Leben in dessen Hände geben, denn er ist der Einzige, der sie aus dem Kriegsgebiet der Apachen führen könnte....






Der Film zeigt, dass das Misstrauen der Jugendlichen langsam schwindet, weil so gar nichts von einem gemeinen Mörder in diesem Führer steckt. Im Gegenteil: Er rettet den Jugendlichen mehr als einmal das Leben. Richard Widmark überzeugt in der Rolle als tief in der Seele verletzter Trapper, der den Richter davon überzeugen kann, dass die Harpers seine Frau und seine beiden Söhne ermordet hatten. Ein klarer Justizirrtum und da ist Rache natürlich in Zeiten des Wilden Westens durchaus legitim. Der Held, der seine Familie gerecht hat, darf nun sein altes Leben hinter sich lassen und mit dem Mädel und ihrem kleineren Bruder ein neues Familienleben beginnen. All dies zeichnet beweist den Charme, die Naivität und die Schönheit dieses Westerns durchs wilde Apachenland. Kameramann war Wilfred M. Cline, ein Experte in Sachen Western (Die siebente Nacht, Zwischen zwei Feuern, Auf heißer Fährte).





Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.

 

Dienstag, 11. Juni 2019

Der gebrochene Pfeil







































Regie: Delmer Daves

Sonseeahray...

Delmer Daves Indianerwestern "Der gebrochene Pfeil" entstand 1950 und markiert gemeinsam mit Anthony Manns "Fluch des Blutes" einen bedeutenden Wendepunkt in der Geschichte seines Genres. Man kann "Broken Arrow" (so der Originaltitel) als eine Art "Der mit dem Wolf tanzt" der frühen 50s ansehen. Es war einer der ersten Western überhaupt, die die Indianer nicht als die blutrünstigen Bösen darstellte.
Die Handlung ist dem Costner Film nicht unähnlich, natürlich nicht so ausufernd episch, dafür aber aufs Wesentliche konzentriert. Neben seinen gemeinsamen Western mit Anthony Mann gehört dieser Film zu James Stewart besten Western. Die Ereignisse beruhen auf Tatsachen, sie wurden aber für den Film aus dramaturgischen Gründen etwas verändert. Stewart spielt den Scout Tom Jeffords, der es durch seine Bemühungen zustande brachte, ein Friedensabkommen zwischen Rot und Weiß zu realisieren.
Der Abenteurer Tom Jeffords (James Stewart) reitet durch das gefährliche Indianergebiet - er ist auf dem Weg zum Fort, denn er arbeitet gelegentlich für die Armee. Als er Geier in der Luft kreisen sieht, denkt er zuerst an ein verletztes oder totes Tier, dass in der Nähe liegen muss. Doch es ist ein verletzter Indianerjunge (Robert Foster Dover). Obwohl die Apachen als blutrünstige Bestien verschrien sind, behandelt Jeffords die Verletzungen des jungen Indianers und es gelingt ihm ihn gesund zu pflegen. Dies ist auch seine Rettung, denn er stößt bald auf weitere Indianer, die sein Leben verschonen, weil der Junge ihn als seinen Retter vorstellt. Jeffords muss aber mitansehen, wie einige Siedler kurz darauf von den selben Indianern überfallen werden und einige davon ums Leben kommen. In der Stadt angekommen, versucht Jeffords seine Beweggründe zu erklären, warum er dem Jungen half. Doch seine Argumentation stößt auf großes Unverständnis. Man sieht sofort in ihm einen "Indianerfreund". Doch Jeffords lässt sich nicht unterkriegen und hat entschieden zwischen den Weißen und dem Stamm der Chiricaua-Apachen zu vermitteln. Er nimmt dabei in Kauf am Marterpfahl der Indianer zu sterben, denn es herrscht ja erbitterter Krieg. Doch man sagt vom Stammeshäuptling Cochise (Jeff Chandler), dass er ein sehr kluger und besonnener Führer sei. Tatsächlich gelangt er ins Lager der Indianer und kann mit Cochise ein erstes Abkommen in Richtung Frieden schließen. Bei diesem ersten Treffen lernt er auch die junge Indianerin Sonseeahray (Debra Paget) kennen, in die er sich verliebt. Er möchte die Frau sehr bald wiedersehen. Von Cochise hat er die Zusage, dass man die Postreiter, die normale Post mit dem Pferd befördern, nicht mehr angegriffen werden. Tatsächlich halten sich die Indianer an diese Abmachung. Der Krieg geht dennoch weiter und eine Einheit von Soldaten, die durchs Indianergebiet reiten, wird konsequent angegriffen. General Howard (Basil Ruysdael) erkennt aber die Möglichkeit von weiteren Schritten in Richtung Frieden. Gemeinsam mit Jefford will er Cochise besuchen. Dies gibt Jefford die Gelegenheit seine große Liebe wieder zu sehen...





Der Film schildert eindrücklich, dass diese gut gemeinten Friedensbemühungen auf beiden Seiten immer auch Gegner hervorrufen. Cochise macht sich damit seinen Stammesbruder Geronimo (Jay Silverheels) zum Feind. Bei den Weißen sind es am Ende die Rachegedanken des Farmers Ben Slade (Will Geer) und dessen Sohn (Mickey Kuhn), die Cochise in einen Hinterhalt locken. Der Film endet traurig, dennoch wird gleichzeitig am Schluß erwähnt, dass man durch persönliche Opfer ein stück weit mehr Frieden erlangen konnte. Natürlich wirkt "Broken Arrow" heute etwas naiv, aber an der Aussage selbst ist nichts falsch geworden. Denn Daves Film wirbt für ein besseres Verständnis für das fremde Gegenüber und zeigt sowohl die Bemühungen als auch die Stolperfallen in diesem Prozess. So gesehen ist der Film zeitlos und gerade heute wieder aktuell. Jeff Chandler gibt dabei eine besonders imponierende Darstellung des Indianerhäuptling, die gar mit einer Oscarnominierung belohnt wurde. Ebenso oscarnominiert wurde das Drehbuch von Albert Maltz und die Kameraarbeit von Ernest Palmer.






Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Samstag, 11. November 2017

Das unbekannte Gesicht

Regie: Delmer Daves

Das unbekannte Gesicht...

Vincent Parry (Humphrey Bogart) konnte aus dem Gefängnis St. Quentin ausbrechen und ist auf der Flucht, versteckt in einer Tonne auf einem kleinen LKW. Als die Polizeisirenen immer lauter werden, stösst er diese Tonne vom Wagen und kugelt darin eine Böschung hinunter.
Dort entledigt er sich dem auffälligen Sträflingshemd und flieht mit dem Unterhemd als Anhalter weiter.
Er wird auch gleich von einem jungen Autofahrer namens Baker (Clifton Young) mitgenommen, der aber sofort Verdacht schöpft und als im Radio auch noch die Durchsage der Polizei wegen der Flucht eines gefährlichen Mörders läuft, muss Parry den Fahrer unschädlich machen.
Wie aus dem Nichts taucht dann ein zweites Auto auf, dass am Straßenrand hält. Eine gewisse Irene Jansen (Laureen Bacall) entpuppt sich als extrem willige Helferin Parry vor der Polizei in Sicherheit zu bringen.
Sie nimmt ihn mit in ihre Wohnung, dort stellt sich heraus, dass Irene damals bei Parrys Prozess ständig zugegeben war und Briefe an die Presse schrieb mit dem Inhalt, dass der Angeklagte medienwirksam schon verurteilt war, bevor der Richterspruch gefallen ist.
Dieser fiel auch sehr hart aus. Er wurde für schuldig befunden seine Frau ermordet zu haben und wurde zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt.
Maßgebend war dabei die Aussage der Kronzeugin Madge Rapf (Agnes Moorehead).
Insgesamt wird Parry sich zweimal wieder von Irene verabschieden, um jedes Mal wieder zu ihr zurückkehren zu müssen, denn die Flucht hat so ihre gemeinen Tücken.
Es gibt da hilfreiche Menschen wie der Taxifahrer Sam (Tom De Andrea), der ihn an den Gesichtschirurgen Coley (Houseley Stevenson) vermittelt.
Dieser verpasst ihm ein neues Gesicht, bei dem unser Held endlich aussieht wie Humphrey Bogart und dann auch die Liebesgeschichte mit Laureen bestens funktioniert






Vorher zeichnete den Film Noir von Delmer Daves das besondere und innovative Merkmal aus, dass der Zuschauer in den ersten 45 Minuten kein einziges Mal Bogarts Gesicht zu sehen bekommt - Bogart ist entweder nur von hinten zu sehen oder der Zuschauer sieht die Szenerie überhaupt mit den Augen des Flüchtigen. Die subjektive Kamera prägt den Film von 1947 stilbildend. Erst danach gibts Bogart mit Verband, da sieht er aus wie "Der Unsichtbare" und nach einer Stunde legt ihm Irene sanft den Gesichtsverband ab.
"Die scharze Natter" ist in Deutschland besser bekannt als "Das unbekannte Gesicht", aber auch der Titel "Ums eigene Leben" wurde eingesetzt.
Im Original heisst der Film "Dark Passage" und entstand nach den beiden weltberühmten Bogart/Bacall Doppel "Haben und Nichthaben" und "Tote schlafen fest".
Dabei erhielt der Film damals eher verhaltene Kritiken und man warf dem Film vor, dass er den beiden Vorbildern in keiner Weise das Wasser reichen könne.
Da tut man dem sehr gelungenen, atmosphärisch dichten Noir-Thriller aber sehr unrecht, denn er funtkioniert in zweierlei Hinsicht sehr gut: Einmal ist Delmer Daves ein spannender und sehr unterhaltsamer Genrebeitrag gelungen und andererseits ist der Film mit viel Kinomagie der großen alten Zeit behaftet. Trotz immer auswegsloserer Lage ist ein Paar wie Bogart und Bacall am Ende in der Lage aufgrund ihrer Liebe und ihres Zusammenhalts ein Plätzchen, ähnlich Rick Cafes, zu finden, wo es keine Rolle spielt, ob die schwarze Natter nun gefasst wurde oder nicht. Unter diesem Aspekt sind die manchmal unglaubwürdigen Handlungsstränge sogar sehr gelungen amüsant und für mich war "Die schwarze Natter" schon immer ein unwiderstehlicher Klassiker.







Bewertung: 10 von 10 Punkten.