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Samstag, 19. November 2022

As Tears goes by


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Wong Kar Wai

Hongkong Ballade...

Aufgrund der großen Ähnlichkeit mit dem Martin Scorsese Klassiker "Mean Street" wird Wong Kar-Wais Kinodebüt "As Tears goes by" von vielen als Remake angesehen.
Während des Kinostarts im Jahr 1988 spielte das Gangstermovie in Hongkong über 11 Millionen Dollar ein. Diesen kommerziellen Erfolg konnte der Filmemacher erst im Jahr 2013 mit dem oscarnominierten Filmhit "The Grandmaster" toppen. 
"As Tears goes by" zeigt den jungen Andy Lau in einer strarken Rolle als Handlanger für die Mafia. Die Geschichte spielt in den nächtlichen Straßen von Kowloon, Hongkong. Ah Wah (Andy Lau) ist ein Gangster, der für eine mafiaähnliche Organisation arbeitet. Die oberen Bosse sind meistens angesehene und harmlos wirkende Bürger, die ihre Organisation in viele kleinere Banditengruppen eingeteilt hat. Der stärkste junge Gangster wird von seinen Männer als "großer Bruder" bezeichnet und dieser gibt seinen kleinen Brüdern Aufträge. Sehr oft muss von diesen jungen Kriminellen neben der Hauptbeschäftigung des Geldeintreibens auch ein Auftragsmord getätigt werden. Ah Wah ist der große Bruder des sehr unbesonnenen Hitzkopfs Fly (Jacky Cheung), der immer wieder mit seinen Alleingängen und seinem großen Mundwerk sowohl bei den Bossen als auch bei den anderen Gruppen aneckt. Eines Tages steht Ah Wahs lungenkranke Cousine Ag Ngor (Maggie Cheung) vor der Tür. Die Tante hat ihn gebeten das Mädchen für einige Tage zu beherbergen, da sie sich im Krankenhaus behandeln lassen muss. Während dieser Zeit spitzt sich auch der Konflikt zwischen Fly und Tony (Alex Man), dem Chef der konkurrierenden Gruppe, extrem zu. Noch steht Fly unter dem Schutz des großen Bruders, doch die Oberbosse sind inzwischen auch der Meinung, dass Fly für die ganze Organisation zur Belastung wird. Nachdem Ah Wah auch noch von seiner Freundin Mabel (Ang Wong) verlassen wird, beginnt er seine Cousine etwas mehr wahrzunehmen. Die Beziehung zwischen Wah und Ngor wird intensiver...






Der Film hat begeisternde Momente und obwohl es sich um das Debüt von Wong kar Wai handelt, kann man schon seine unnachahmliche Handschrift erkennen. Dies obwohl der Film rein oberflächlich wie ein krachender John Woo Actioner rüberkommt. Aber er bietet viel mehr. Vor allem liegt eine gewisse Poesie, ja auch Melancholie in der Geschichte um Verlierer. Der stärkste Moment ist Wahs Trip auf die Insel Lantau, dort wo er am Hafen auf Ag Ngor trifft und sich eine heftige Romanze entwickelt. In diesem Augenblick - so scheint es - könnte sich das Schicksal pltözlich in eine positive Richtung für den Verlierer wenden. Doch es bleibt bei einer Momentaufnahme. "As Tears goes by" ist auch ein Film über eine tiefe Männerfreundschaft. Durch die Unterstützung für den labilen Fly übernimmt Ah Wah eine sehr wichtige Verantwortung für einen anderen Menschen - er beschützt diesen und geht mit ihm durch Dick und Dünn. Es scheint das einzig Wertvolle im Gangsterleben von Ah Wah zu sein, der seinem kleinen Bruder einmal voller Bitterkeit besteht, dass er bereits im Alter von 14 Jahren seinen ersten Auftragsmord getätigt hat. Mit "As Tears goes by" ist Wong Kar wai ein Gangsterepos gelungen, dass die Figuren in den Mittelpunkt stellt.





Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

 

Samstag, 13. Januar 2018

Fallen Angels







































Regie: Wong Kar Wei

Großstadtnächte...

1995: Hongkong ist eine riesige Metropole, in der die Menschen wie Ameisen wirken und für Sekunden aneinander vorbeirauschen. Die Zeit scheint sich dort noch schneller zu drehen, eine Beständigkeit ist kaum machbar. Millionen von Momenten fliegen rasend schnell an den Menschen vorbei.
Hier lebt der Auftragskiller Wong Chi-Ming (Leon Lai), der sein Metier deshalb liebt, weil es ihn unabhängig bleiben lässt. Trotzdem leistet er sich so etwas wie eine Partnerin (Michelle Reis), die beiden wissen kaum voneinander und sehen sich nur selten. Aber sie sucht dennoch seine Liebe, indem sie ihm seine schmuddelige Wohnung immer mal wieder aufräumt. Sie sitzt in der Bar, dort auf dem Platz wo er immer sitzt, und träumt von einer Zukunft zu zweit - ist sich aber dennoch klar darüber, dass dies eine Illusion sein wird.
Auf beruflichem Sektor organisiert sie seine seine Termine, beseitigt seine Spuren und kundschaftet Opfer und Tatorte aus.
Der Killer, der bei flauer Auftragslage, auch mal als Geldeintreiber jobbt, denkt aber daran die Zusammenarbeit zu beenden.
Ähnlich orientierungslos ist der stumme He Zhiwu  Takeshi Kaneshiro), der immer noch nicht richtig erwachsen geworden ist und bei seinem Vater ( Man-Lei Chan) lebt. Auch er ist beruflich sein eigener Herr und wohnt im gleichen Appartment wie die Agentin. Nachts bricht er in Geschäfte ein um den Betrieb zu später Stunde weiterzuführen und somit seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Er drangt und zwängt auch harmlosen Leuten seine Dienstleistungen auf so lange auf, bis sie nachgeben und Kohle rausrücken. He Zhiwu lässt somit keine Gelgenheit aus, die Menschen dieser Stadt auf diese Weise kennenzulernen, auch wenn sie sich wiederum gar nicht für ihn interessieren.
Immer wieder begegnet ihm die unglücklich verliebte und reichlich verrückte Charlie (Charlie Yeoung), in die er sich verliebt. Sie braucht ihn erstmal als Detektiv um die Konkurrentin, die ihr den Freund ausgespannt hat, aufzuspüren.
Gemeinsam fahren sie nachts Motorrad oder gehen als Zuschauer zu Fußballspielen.
Der Killer lernt bei einer Late Night Mahlzeit eine Blondine (Karen Mok) kennen, die ihn anquatscht und ihn mit nach Hause nimmt.
Für eine Nacht ist Zweisamkeit angesagt...







Mit seinem typischen, unkonventionellen und suggestiven Erzählrhythmus schafft es der Regisseur Wong kar wei mit "Fallen Angels" - enstanden 1995 - einmal mehr die inneren Seelenzustände seiner Figuren treffend wiederzuspiegeln. In einer reizüberfluteten, anonymen Welt, wo Zeit und Raum sich jeden Moment schon beinahe auflösen, Kommunikation und menschliche Bindungen immer mehr zurückgedrängt wird, ist seine Geschichte über die einsamen Herzen und Seelen der pulsierenden Metropole angesiedelt.
Dabei umgibt die kühle ästehtische Inszenierung ihm immer wieder Gelegenheit eine großartige Poesie herauszufinden, die für kurze Momente eine zarte Melancholie über diese Menschen auszugießen scheint.
Momente wie der Tod des Vaters von He werden auch beim Zuschauer unvergessen bleiben, so wie He diese Sekunden auf eine Videokamera gebannt hat und so das Gesicht des Vaters immer wieder sehen kann.  
Das Ende geht auch mit dieser Hoffnung zu Ende. Ein Motorrad, zwei Menschen: "Der Weg ist nicht sehr lang. Ich werde bald absteigen.
Aber in diesem Moment spüre ich eine große Wärme."
Ein sehr ungewöhnlicher, aber enorm schöner und reifer Film.






Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Ashes in Time

Regie: Wong Kar-Wei

Es war einmal ein Wirtshaus in der Wüste...

Wong Kar-Wai dreht seine Filme gerne mit einer etwas verwirrenden Struktur, sein 1994 entstandener und einziger Ausflug ins Martial Art Genre heisst "Ashes in Time". Erst nachdem der Filmemacher mit Werken wie "Chungking Express" oder "Fallen Angels" einem internationalen Publikum bekannt wurde, bestand Interesse daran sein früheres bei der Kritik und Publikum eher verhalten aufgenommenes Werk noch einmal einem größeren Kreis zugänglich zu machen: 2008 wurde die Redux Version des Films auf den Markt gebracht.
Dabei gelang dem exzentrischen Director ein magischer, berauschender Film trotz seinem Bemühen die Geschichte, die er erzählt, so verschwommen und irrational wie möglich erscheinen zu lassen.
Großes Thema des Films ist der Mensch, so klein, in Zeit und Raum. Die Bilder von Christopher Doyle sind Weltklasse und unterstreichen die Poesie und Melancholie des opulenten Werkes:
Es spielt in der Wüste, dort hat sich ein geheimnisvoller Mann namens Ou-yang Feng (Leslie Cheung) niedergelassen, er betreibt dort in der Einöde nahe der mongolsichen Grenze ein Wirtshaus. Das Lokal fungiert als Vermittlungsstelle für Schwertkämpfer und Personen, die Auftragsmörder suchen. Und so schlecht läuft das Geschäft nicht. Immer wieder verschlägt es die sonderbarsten Charaktere ins Wirtshaus. Einmal wird er von einem Schwertkämpfer namens  Huang Yao-Shi (Tony Leung Ka Fai) aufgesucht, der einen magischen Wein mit dem Wirt ausprobieren will. Dieser Tropfen soll die Vergangenheit vergessen lassen. Dieser Huang verspricht Mu-Rong Yin (Brigitte Lin) deren Schwester Mu-Rong Yang (ebenfalls Brigitte Lin) zu heiraten. Bald ist er an diesem Versprechen nicht mehr interessiert, daher heuert Mu-Rong Yin den Wirt Ou-yang an, um Huang zu töten. Ihre Schwester Mu-Rong Yang allerdings beauftragt Ou-yang, um Huang zu beschützen. Sehr bald taucht eine Pferdediebebande auf, diese gilt es zu eliminieren. Er verbündet sich mit einem weiteren Schwertkämpfer (Tony Leung Chiu Wai), der langsam erblindet und wegen Bitte eines Mädchens (Charlie Yeoung) heroisch in den Kampf zieht und nach Hause möchte. Weiterhin taucht ein Schwertkämpfer (Jackie Cheung), der selten Schuhe trägt...





Hier entstand ein großes Fest für die Sinne, in archaischer Manier zelebriert sich das Treiben im Rachenetz.
Dieser Makler des Todes ist ein trauriger Mann, oft steht er einsam auf den Hügeln und Felsnadeln der Umgebung und schaut über das gelbe Sandmeer, wartend auf arme Schwertkämpfer oder aber auch auf ganze Reiterheere. Über allem steht die Zeit, die nie still steht und Vergangenheiten offenlegt.
Die zerhackt immer mehr offengelegte Geschichte ist der Schmerz der Liebe und Verlust, aber auch Einsamkeit und Erinnerung sind im Geschehen mit verwebt. Manchen Zuschauer wird vielleicht anfänglich die segmentierte, überlappende Erzählung zuerst frustrieren, allerdings verblasst dieser Eindruck sehr schnell unter der großartigen Schönheit der Bilder. Irgendwie wie Leone in der chinesischen Wüste.







Bewertung: 10 von 10 Punkten.

The Grandmaster







































Regie: Wong Kar Wei

Eine Geschichte von Kampf und Ehre

Wenn Wong Kar Wei einen Kung Fu Film dreht, dann darf man sich sicher sein, dass ein besonderer Film dabei raus kommt. "The Grandmaster" ist nach "Ashes in Time" auch bereits sein zweiter Martial Arts Film und basiert auf der Lebensgeschichte des Wing Chun Großmeister Ip Man und geht als Honkongs Beitrag für den besten fremdsprachigen Film bei den 86. Academy Awards ins Rennen, die im März 2014 verliehen werden. Er zeichnet den Lebensweg des Großmeisters in den 30er Jahren in Foshan bis zu seinem Tod. Ein Glück, dass Wong Kar Wei kein typisches Biopic iinzeniert, sondern in magischen bis hynotischen Sequenzen ein Leben, dass dem Kampf und der Tradition gewidmet war Reuve passieren lässt. Wenn gegen Ende das Thema der Vergänglichkeit zu offensichtlich in Sergio Leone Manier zelebriert wird, dann ist dies die einzige Schwäche eines ansonsten großartigen Meisterwerks seines Genres und das hat er vor allem seiner hervorragenden Choreographie zu verdanken, die synchron zum Drehbuch konzipiert wurde und wegen seiner beiden charismatischen Hauptdarsteller Tony Leoung als IP Man und vor allem Zhang Ziyi als Gong Er, die eine oscarreife Darbietung bietet.
Der Anfang ist geprägt von einem friedlichen Leben, das IP Man (Tony Leoung) mit seienr Frau Cheung Wing (Song Hye-kyo) führt. Durch die Ankunft des Kampfkunstmeisters Gong Yutian  (Wang Qingxiang), der noch nie besiegt wurde und seinen Ruhestand verkündet, kommen große Veränderungen auf die traditionellen Werte zu. Dieser stellt den brutalen und unberechenbaren Ma San  (Zhang Jin) als seinen Nachfolger vor, räumt aber ein das der Süden ebenfalls eigene Erben der großen Kampfkünste haben müsste. Ein letzer Kampf soll stattfinden: Ein Mann vom Süden soll gegen den großen Gong Yutian kämpfen. IP Man wird gebeten dessen Gegner zu sein. Der "Kampf" wird eher zu einem Austausch philosophischer Ideen, am Ende wird IP Man von Gong Yutian als Sieger erklärt. Dessen Tochter Gong Er (Zhang Ziyi) will aber einen richtigen Kampf und einen richtigen Sieg für ihre Familie.
Auch dieser Kampf wird stattfinden und steht unter dem Motto der Präzision. Wer als erster im Kampf ein Möbelstück im Haus zerbricht, der ist Verlierer. Am Ende gewinnt zwar die geheimnisvolle Gong Er und IP Man sagt, dass er irgendwann eine Revanche möchte. Eine respektvolle Freundschaft beginnt aber dadurch und die Lebenswege der beiden kreuzen sich immer mal wieder....





Wong Kar Wei hat ein betörend schönes Epos mit großartigen Bildern geschaffen, der Film erinnert an Sergio Leone (irgendwann am Schluß hört man sogar Ennio Morricones Filmmusik aus "Es war einmal in Amerika" und ist in weiten Strecken von großen meditativer Kraft. Die Themen sind "Rache" und der Übergang von Tradition ins Moderne. Dabei sind die Protagonisten in großem Maße der Vergangenheit verpflichtet, auch wenn die Lehrsätze, die propagiert werden, anders aussehen. Der Weg in die Zukunft ist schmerzhaft, genauso das Verharren in der Tradition - manchmal sogar zerstörerisch. In der besten Szene des Films wird klar, dass Sieg und Niederlage ganz dicht beieinander stehen. Die Gewinnerin des Kampfes Gong Er spuckt Blut, als der Verlierer schon lange den Platz verlassen hat, der Sieg hatte einen großen Preis.
Die Musik von Shigeru Umebayashi, Nathaniel Mechaly und des Italieners Stefano Lentini passt hervorragend dazu. Dem Filmemacher gelingt wieder eine gelungene Symbiose zwischen Philosophie und Körperlichkeit, man kann auch Kung Fu goes Arthaus dazu sagen. Bei den 50. Golden Horse Awards siegte Zhang Ziyi als beste Darstellerin, auch die Preise für beste Kamera (Philippe le Sourd), Visuelle Effekte (Pierre Buffin), Bestes Make up und Kostüme (William Chang), sowie beste Art Direction (William Chang) wurden ausgezeichnet.
Ein aufregender und eindrucksvoller Genrefilm, der zu den besten Filmen des Jahres gehört.





Bewertung: 9 von 10 Punkten.