Regie: Pedro Almodovar
Zwei Frauen im Koma...
Für
viele Filmkritiker ist das im Jahr 2002 entstandene Melodram "Sprich
mit ihr" einer der besten Werke des spanischen Regisseurs Pedro
Almodovar. Ein Film über die Suche nach Liebe und Geborgenheit, kühn
verbunden aber auch mit der Einsamkeit und den Obsessionen der Seele. Es
entstand eine doppelte Liebesgeschichte, die aber beide sehr
ungewöhnlich sind - zwischen Leben und tod, Anziehung und Abstoßung,
Noramlität und Tabu. Nach
dem Erfolg von "Alles über meine Mutter“ legte Almodóvar eine Pause vom
Filmemachen ein, um sich auf seine Produktionsfirma El Deseo zu
konzentrieren. Während dieser Pause hatte Almodóvar die Idee zu "Sprich
mit ihr“, einem Film über zwei Männer, gespielt von Javier Cámara und
Darío Grandinetti, die sich anfreunden, während sie sich um die komatöse
Frau kümmern, die sie lieben, gespielt von Leonor Watling und Rosario
Flores. Almodóvar verbindet Elemente des
modernen Tanzes und des Stummfilms mit einer Erzählung, die Zufall und
Schicksal umfasst. Im Film plant Almodóvar die Leben seiner Figuren, die
durch unvorstellbares Pech zusammengeführt werden, hin zu einem
unerwarteten Ende. "Sprich mit ihr“ kam im April 2002 in Spanien in die Kinos, War mit ca. 65 Millionen Dollar ein guter Kassenerfolg und wurde von Kritikern gefeiert, ebenso vom Arthouse-Publikum, insbesondere in Amerika. Das
einhellige Lob für "Sprich mit ihr“ brachte Almodóvar einen Oscar ein,
diesmal für das beste Originaldrehbuch, und er wurde auch in der
Kategorie "Beste Regie“ nominiert. Der Film gewann außerdem den César, den Golden Globe Er gilt
allgemein als einer der besten Filme des 21. Jahrhunderts und noch vor
"Alles über meine Mutter" als Almodóvars Meisterwerk. Die Geschichte entfaltet sich in Rückblenden und erzählt Details zweier Beziehungen, die sich verflechten.
Bei einer Aufführung von "Café Müller“, einem Tanztheaterstück von Pina
Bausch, sitzen Benigno Martín (Javier Camara) und Marco Zuluaga (DArio
Grandinetti) nebeneinander. Benigno bemerkt Tränen in Marcos Gesicht.
Marco ist Journalist und Reiseschriftsteller und sieht ein
Fernsehinterview mit Lydia González (Rosario Flores), einer berühmten
Matadorin. Er findet einen Artikel über sie interessant und kontaktiert sie. Die
Nachricht, dass sie sich von ihrem Freund "el Niño de Valencia“ (Adolfo
Fernandez), einem anderen Matador, getrennt hat, war in allen
Boulevardzeitungen zu finden. Als Marco
gesteht, dass er Journalist ist und keine Ahnung vom Stierkampf hat,
wird sie wütend und steigt abrupt vor ihrem Haus aus seinem Auto. Er fährt los, hält aber an, als er einen Schrei aus ihrem Haus hört. Lydia eilt hinaus: Marco geht hinein, um eine Schlange zu töten. Sie werden Freunde und später ein Liebespaar. Eines
Tages sagt Lydia, sie habe nach dem Stierkampf am Nachmittag, bei dem
sie aufgespießt wird und ins Koma fällt, etwas Wichtiges zu sagen. Marco bleibt im Krankenhaus an ihrer Seite und freundet sich mit Benigno an, der ihn aus dem Theater wiedererkennt. Ein Arzt sagt Marco, es gebe keinen Grund, Lydia weiterhin Hoffnung zu machen.
Benigno ist besessen von Alicia Roncero (Leonor Watling), einer
wunderschönen Tänzerin, die er beim Üben im Studio beobachtet, das er
von der Wohnung aus einsehen kann, in der er mit seiner kranken Mutter
lebt. Um sie zu pflegen, wurde er Krankenpfleger und Kosmetiker. Nach dem Tod seiner Mutter findet er den Mut, mit Alicia zu sprechen. Als
sie ihr Gebäude betritt, bemerkt Benigno, dass sich dort auch die
Praxis von Dr. Roncero (Roberto Alvarez), einem Psychiater, befindet. Um
sich Zutritt zu Alicias Wohnung zu verschaffen, vereinbart Benigno
einen Termin beim Arzt. Dort erzählt er von den Jahren, in denen er
seine Mutter gepflegt hat, und sagt, er sei einsam und noch Jungfrau. In dieser Nacht wird Alicia von einem Auto angefahren und fällt ins Koma. Im Krankenhaus, wo Benigno sie pflegen soll, spricht er mit ihr, als wäre sie wach. Er sagt Marco, er solle mit Lydia sprechen, denn selbst im Koma würden Frauen die Probleme von Männern verstehen. Auf
Dr. Ronceros Fragen antwortet Benigno, er sei schwul, vermutlich, um
den Arzt an seiner intimen Betreuung von Alicia zu hindern.
"El Niño de Valencia“, den Marco eines Tages in Lydias Zimmer trifft,
erzählt Marco, dass er und Lydia sich versöhnt hätten, was sie Marco
schon vor dem Vorfall erzählen wollte. Er sagt auch, er müsse sich jetzt um sie kümmern. Marco geht in Alicias Zimmer und öffnet ihr sein Herz. Als Benigno erscheint, erzählt er Marco, er habe immer gedacht, Marco und Lydia würden sich trennen. Eine Krankenschwester äußert sich besorgt darüber, dass Alicia seit zwei Monaten keine Periode mehr hatte und aufgedunsen wirkt. Auf dem Krankenhausparkplatz erzählt Benigno Marco von seinem Wunsch, Alicia zu heiraten. Das Krankenhauspersonal stellt fest, dass Alicia aufgrund einer Vergewaltigung schwanger ist. Weitere Untersuchungen ergeben, dass ihre ausbleibende Periode in ihrer Krankenakte nicht aufgeführt ist. Benigno gibt zu, die Krankenakte gefälscht zu haben. Ein anderer Pfleger berichtet, Benignos Gespräch mit Marco über seinen Heiratswunsch mit Alicia mitgehört zu haben. Ohne von Alicias Schwangerschaft zu wissen, reist Marco nach Jordanien, um ein Reisebuch zu schreiben. Monate später liest er in einer Zeitung, dass Lydia gestorben ist, ohne aus dem Koma zu erwachen. Als
er im Krankenhaus anruft, um mit Benigno zu sprechen, teilt ihm eine
Krankenschwester mit, dass er wegen Alicias Vergewaltigung im Gefängnis
sitzt. Benigno bittet Marco, herauszufinden, was mit ihr passiert ist. Marco
bleibt in Benignos Wohnung und sieht Alicia im Tanzstudio bei
Reha-Übungen mit ihrer Lehrerin Katrina (Geraldine Chaplin). Er erfährt,
dass Alicia eine Totgeburt hatte. Marco erhält eine Voicemail von Benigno, in der er sagt, er könne ohne Alicia nicht leben. Marco
eilt zum Gefängnis, wo Benigno ihm einen Abschiedsbrief hinterlassen
hat, er flüchtete aus der Situation, indem er eine Überdosis Tabletten
nahm: Marco besucht sein Grab und erzählt ihm von der Totgeburt und
Alicias Genesung. Der Film endet im
Kinosaal, in dem er begonnen hat. Alicia und Katrina sitzen ein paar
Reihen hinter Marco bei der Tanzvorführung. Marco
dreht sich um und sieht eine lächelnde Alicia an. Der Film endet mit
damit, dass ein Kennenlernen zwischen Marco und Alicia sehr
wahrscheinlich ist....









Der
Film über eine Männerfreundschaft und zwei Frauen im Koma ist subtil,
selbst der sexuelle Missbrauch wird nicht spekulativ ausgeschlachtet-
Almodovar ist eher an einer Porjektion auf das Unerreichbare
interessiert. Es ist ein komplexer Film mit verschmelzenden Identitäten.
Die gewagteste Szene ist eine surreale Stummfilmszene des fiktiven
Films "Der schrumpfende Liebhaber", den Benigno sich ansah und der die
Vergewaltigung durch eine geschickte Parodie aufzeigt.
Bei
der Verleihung des Europäischen Filmpreises erhielt "Sprich mit ihr" in
den Schlüsselkategorien Bester Film, Beste Regie und Bestes Drehbuch
eine Auszeichnung. Ausserdem gab es zwei Publikumspreise.
Bewertung: 10 von 10 Punkten.