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Sonntag, 19. Mai 2024

Norma Rae



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Martin Ritt

Die couragierte Fabrikarbeiterin...

Vor ihrem Oscarsieg im Jahr 1980 für ihre Rolle in "Norma Rae" war die Schauspielerin bereits als Partnerin von Burt Reynolds in Filmen wie "Ein ausgekochtes Schitzohr" oder "Um Kopf und Kragen" bekannt. Diese Rollen waren sympathisch, aber nicht sehr schwierig und sie erhielt für "Ein ausgekochtes Schlitzohr" sogar eine Nomierung für den Golden Globe. Die Rolle, die ihr "Norma Rae" von Martin Ritt bot, war natürlich wesentlich anspruchsvoller und hier konnte die 1946 in Pasadena geborene Schauspielerin ihr ganzes Können zeigen. Als Arbeiterin Norma Rae Wilson, die in einer Baumwollspinnerei arbeitet, schaffte sie sogar eine Oscarnominierung und setzte sich gegen Jill Clayburgh "Eine entheiratete Frau", Jane Fonda "China Syndrome", Bette Midler "The Rose" sowie Marsha Mason "Das zweite Kapitel" durch. Ausserdem gewann auch der Filmsong "It goes like it goes" von Jennifer Warnes. Desweiteren gab es auch Nominierungen in den Kategorien "Bester Film" sowie "Bestes adaptiertes Drehbuch".
Norma Rae Wilson (Sally Field) ist eine Arbeiterin in einer Baumwollspinnerei, genauso wie ihre Mutter (Barbara Bexley) und ihr Vater (Pat Hingle) - die dortigen Arbeitsbedinungen sind äusserst schlecht. So schlecht, dass die Gesundheit durch den Arbeitsplatz merklich beeinträchtigt wird - doch die  Menschen sind auf diesen Arbeitsgeber angewiesen. Sie ist außerdem eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern von verschiedenen Vätern, von denen einer bereits tot und das andere abgehauen ist. Norma Rae hat häufig Affären mit anderen Männern, um ihre Einsamkeit und Langeweile zu lindern. Das Management versucht zunächst, ihre häufigen Proteste abzulenken, indem sie für etwas mehr Lohn zur "Stichkontrolleurin“ befördert wird. In dieser Funktion ist sie dafür verantwortlich, sicherzustellen, dass andere Arbeiter ihre Arbeitsquoten erfüllen. Sie nimmt den Job wegen des Geldes widerstrebend an, aber als Kollegen, darunter auch ihr eigener Vater, sie meiden, fordert sie ihre Entlassung. Aber sie wird stattdessen wieder in die alte Funktion zurückgestuft. Zwei Männer treten in ihr Leben, die ihre Perspektive verändern. Ein ehemaliger Kollege, Sonny Webster (Beau Bridges) bittet sie um ein Date, nachdem er ihr zuvor in der Fabrik Ärger bereitet hatte. Der Vater einer Tochter macht ihr nach kurzer Zeit des Werbens einen Heiratsantrag. Sie nimmt seinen Antrag an. Der zweite Mann ist der Gewerkschaftsorganisator Reuben Warshowsky (Ron Leibman) aus New York City, von dem Norma Rae immer mehr beeindruckt ist. Er sport sie an sich für die Sache der Arbeiter zu engagieren, die ganz dringend eine Gewerkschaft brauchen. Als ihr Vater während der Arbeit an einem Herzinfarkt stirbt, ist sie tatsächlich entschlossen für bessere Bedingungen zu kämpfen...






Martin Ritt drehte vor seinem Erfolg mit "Norma Rae" weitere Klassiker wie "Ein Mann besiegt die Angst", "Der Wildeste unter Tausend", "Man nannte ihn Hombre", "Der Spion, der aus der Kälte kam" und "Das Jahr ohne Vater". Für "Der Wildeste unter Tausend" erhielt er seine einzige Oscarnominierung als bester Regisseur. "Norma Rae" spielte 22 Millionen Dollar ein und er zeigt ein realistisches Bild von mangelhaften Arbeitsbedinungen im ländlichen Amerika und der langsamen Integration der Arbeiterbewegung. Sally Field zeigt eine starke Frau, die sich nicht einschüchtern lässt.






Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Sonntag, 26. Januar 2020

Der Spion, der aus der Kälte kam








































Regie: Martin Ritt

Schmutzig kalter Agentenalltag...

Einer der besten Filme des letzten Jahres war für mich der Spionagethriller "Dame, König, As, Spion" von Tomas Alfredson, der nach dem gleichnamigen Roman von John LeCarre entstand.
Erzählt wird die Geschichte über einen Maulwurf beim britischen Geheimdienst während des Kalten Krieges, Hauptfigur ist der Agent George Smiley - und dieser kommt auch in "Der Spion, der aus der Kälte kam" zum Einsatz, wenn auch nur in einer kleinen Nebenrolle.
1965 entstand unter der Regie von Martin Ritt dieser Spionagefilm, der ebenfalls auf einem Roman von LeCarre basiert und mit Richard Burton äusserst prominent besetzt wurde.
Und der 60er Jahre s/w Film muss sich überhaupt nicht vor der neuen Verfilmung verstecken, qualitativ sind beide Filme gleichwertig.
Es geht ebenfalls um einen Maulwurf, der für die Gegenseite arbeitet - aber Vorsicht vor dem doppelten Boden.
Mit kühler Präzision wird die Arbeit des Geheimdienstes geschildert, der Leiter aller britischen Geheimdienstoperationen in Berlin und der DDR heisst Alec Leamas (Richard Burton) und hat einen besonderen Haß auf Hans-Dieter Mundt (Peter van Eyck), dem Abwehrchef der Staatssicherheit der DDR. Dieser hat nämlich sämtliche Aktivitäten von Leamas Agenten zu Fall gebracht und somit das gesamte britische Agentennetzwerk zerschlagen.
Sein nächster Auftrag lautet somit diesen Mundt als britischen Spion zu brandmarken. Zu diesem Zweck wird Leamas sozialer Abstieg von langer Hand geplant und minutiös inszeniert. Er wird arbeitslos, fängt zum Saufen an und krieg eine Stelle als Bibliothekar, wo er die junge idealistische Kommunistin Nan Perry (Claire Bloom) kennenlernt und mit ihr ein Verhältnis eingeht. Nächster Schritt ist das Anwerben von Agenten des Warschauer Pakts, insgeheim soll am Ende die Kontaktaufnahme mit Fiedler (Oscar Werner), dem jüdischen Stellvertreter von Mundt, stehen und bei diesem so geschickt zu agieren, dass dieser tatsächlich Mundt als Doppelagent für möglich hält...





Im kühlen, nüchternem Stil ist der Film auch optisch gestaltet, die Location ist vornehmlich kalt und grau. Die Figuren in dem Spiel passen sich dieser feindlichen Umgebung an. Martin Ritt setzt auf eine nuancierte Erzählweise, die sich Zeit lässt die Figuren zu skizzieren. Die Schauspieler spielen ihre Rollen perfekt, nicht nur Richard Burton, der für seine Darstellung gerechterweise eine Oscarnominierung bekam. Aber auch die Widersacher van Eyck und Werner spielen hervorragend und zeigen gutes Charisma.
Der Film endet insgesamt eher bitter, der Einblick ins Agentenleben ist durchweg schmutzig und reich an Intrigen, doppelten Böden und Stolperfallen.
Einer der großen, unvergessenen Thriller der 60er Jahre.  




Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Montag, 6. Mai 2019

Man nannte ihn Hombre

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Regie: Martin Ritt

Russells Reise in die Zivilisation

1880 im Indianerreservat San Carlos, Arizona: Der weiße John Russell (Paul Newman), der von Indianern großgezogen wurde, lebt hier und jagt mit anderen Stammesmitgliedern der Apachen Pferde. Mit der Zähmung der Mustangs verdienen sie ein bisschen Geld, sie verkaufen sie an die Postkutschengesellschaften. Das Leben im Reservat ist ansonsten ärmlich. Trotzdem hat sich John Russell entschieden wieder bei den Indianern zu leben. Als Junge wurde er von den Apachen gefangengenommen, lernte ihre Lebensart und ihre Verhaltensweisen kennen und schätzen. Seit Jahren fühlt er sich als Wanderer zwischen den Kulturen.
Der Posthalter Mendez (Martin Balsam) teilt ihm bei einem Treffen mit, dass er keine Pferde von den Indianern mehr braucht. "Fortschritt" heisst die Devise, die Postkutschen müssen alle langsam weichen, weil die Eisenbahn auch in die entlegensten Gebiete vordringt.
John erbt aber ein Gasthaus des verstorbenen Vaters und damit setzt er die Wirtin dieses Hauses Jessie Bendow (Daine Cilento) vor die Tür, die gerade von ihrem Liebhaber (Cameron Mitchell) einen Laufpass bekam.
Ein "ausserreguläre" Postkutschenfahrt wird von dem vermögenden Dr. Favor (Frederic March), Indianeragent von San Carlos und seiner wesentlich jüngeren Frau (Barbara Rush) bestellt.
Jessie steigt dazu. John ebenfalls, der sich inzwischen die Haare geschnitten hat und wieder wie ein Weisser aussieht.
Dazu die Jungvermählten Billy (Peter Lazer) und Doris (Margaret Blye). Die letzte Fahrkarte erzwingt sich der dubiose wie brutale Grimes (Richard Boone), indem er einen Reisenden (Larry Ward) einschüchtert.
Dann beginnt eine Fahrt voller Hindernisse, denn die Banditen (u.a. Frank Silvera, David Canary) warten schon....







Martin Ritt (Der Strohmann, Der Spion, der aus der Kälte kam) drehte "Hombre" im Jahr 1967 und in diese Zeit fällt auch der lange Jahre anhaltende Ablösungsprozess vom klassischen Western in den reifen Spätwestern.
Der zynische Italowestern setzte Trends und so musste auch der überlebensgrosse Westernhero der US-Filme langsam einer differenzierten und vor allem ambivalenteren Hauptfigur weichen.
Man wird schnell an "Ringo" erinnert, diesen legendären Postkutschenwestern von John Ford, in dem eine Gruppe von Weissen in der Postkutsche von wilden Indianern bedrängt wird.
Im "Hombre" sitzt der Indianer zuerst in der Kutsche, wird aber von einigen rassistischen Fahrgästen rausgemobbt. Und die Übeltäter sind diesmal nicht die auflauernden Indianer, sondern eine Gruppe von Gangstern, die den Reisenden alles abverlangen.
"Hombre" zeigt auch das damalige Bemühen, endlich das Indianerbild gerechter darzustellen - wie viele andere Filme, die in dieser Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs entstanden sind.
"Hombre" heisst übersetzt Mensch oder Mann, diesen Rufnamen erhält der den anderen überlegene John Russell von diesem mexikanischen Bandit, der dem Gegner dahingehend Respekt zollt, weil er nicht mit dessen Überlegenheit gerechnet hat. Und weil er im Sterbemoment nach dessen Namen fragt.
Natürlich sind auch die Bilder von Kameramann John Wong Howe (Verfolgt, Auch Henker sterben, Hud, Tätowierte Rose) erstklassig.
Das sieht man gleich in der Anfangssequenz, als die Indianer lautlos die klugen Wildpferde einfangen wollen und hält sich bis zuletzt.
Für mich einer der besten US-Western der 60er Jahre. Leider ist er etwas in Vergessenheit geraten. Damals wurde "Hombre" mit über 12 Millionen Dollar Einspielergebnis in den USA  in guter Kassenhit.








Bewertung: 9 von 10 Punkten.
 

Sonntag, 10. September 2017

Der Wildeste unter Tausend







































Regie: Martin Ritt

Hud...

Martin Ritt war einer der Künstler, die in den frühen 50er Jahren auf diese unsägliche schwarze Liste des Komitees für unamerikanische Aktivitäten kam - dies bedeutete das berufliche Aus. So konnte er erst wieder 1956 am Broadway weitermachen und 1957 seinen ersten Film als Regisseur realisieren. Das Debüt "Ein Mann besiegt die Angst" war äusserst bemerkenswert und es folgten "Der lange heiße Sommer" oder "Die schwarze Orchidee". Seine aktive Zeit endete Anfang der 90er Jahre - zahlreiche Klassiker sind enstanden: "Norma Rae" (1979), Nuts (1987), "Der Spion, der aus der Kälte kam" (1965) oder "Der Strohmann" (1976), einem autobiographisch gefärbten Werk mit Woody Allen. Sehr oft drehte er mit Paul Newman zusammen. So auch in den Western "Hombre" und "Carasco, der Schänder" und auch sein bester Film überhaupt: "Der Wildeste unter Tausend", der im Original "Hud" heißt und sich auf die Hauptfigur der Geschichte bezieht. "Der Wildeste unter Tausend" ist ein moderner Western, der in der Gegenwart (also zur Entstehungszeit des Films in den 60ern) spielt und angesiedelt ist in der unendlichen Weite der west-texanischen Landschaft. Ein großartiger Film, den man in einem Atemzug mit zwei anderen sehr hervorragenden US- Filmen über Menschen auf dem Land im Süden der Staaten nennen kann. Zwar spielt "Wer die Nachtigall stört" von Robert Mulligan nicht in Texas, sondern in Alabama der frühen 30er Jahre, aber durch die intensiven Bilder und dem starken Focus auf einfache echte Menschen rückt auch er in die Nähe von Peter Bogdanovichs "Die letzte Vorstellung" und eben Martin Ritts "Hud". Alle drei Filme erhielten für ihre melancholischen schwarz-weiß Bilder eine Oscar-Nominierung für die beste Kameraarbeit. Für "Hud" gabs noch weitere Nominierungen, von denen am Ende sogar drei in Siege umgewandelt wurden. Patricia Neal als beste Schauspielerin, Melvyn Douglas als bester Nebendarsteller und James wong Howe für die beste kamera durften triumphieren - aber Hauptdarsteller Paul Newman, Regisseur Martin Ritt, die Drehbuchautoren gingen leer aus - ebenso unterlag der Film in der Hauptkategorie "Bester Film des Jahres" dem Kostümfilm "Tom Jones - Zwischen Bett und Galgen" von Tony Richardson.
 Schade auch, dass der viel zu früh verstorbene Brandon de Wilde als Lonnie nicht bei den Nominees berücksichtigt wurden - denn "Hud" funktioniert neben der intensiven Bildgestaltung vor allem durch die großartigen Leistungen dieses glaubwürdigen Schauspieler-Quartetts. Homer Bannon (Melvyn Douglas) ist der inzwischen alt gewordenen Patriarch und Rancher. Mit seinem Sohn Hud (Paul Newman) trägt er seit langer Zeit einen chronischen Konflikt aus. Hud glaubt, dass es immer noch mit dem frühen Tod seines Bruders zusammenhängt. Dieser starb bei einem Autounfall, bei dem Hud den Wagen fuhr und wo beide zuviel getrunken hatte. Hud ist ein attraktiver Mann, der einen Schlag bei den Frauen hat und der für seine zahlreichen Affären - vor allem mit verheirateten Frauen aus der Stadt - bekannt ist. Ausser den Frauengeschichten und dem Alkohol interessiert ihn recht wenig - er ist egoistisch, agiert verantwortungslos und empfindet für seine Mitmenschen wenig Empathie. Ein Mann, der neuen Generation - rücksichtslos und nur auf den eigenen Vorteil und auf Geld versessen. Darüberhinaus hat er aber auch ein sympathische Ecke, so wird er von dem siebzehnjährigen Sohn seines toten Bruders, Lonnie (Brandon de Wilde) bewundert - er ist vom lässigen Charme des Onkels immer wieder fasziniert. Die Seele des Familienlebens repräsentiert die Haushälterin Alma (Patricia Neal), die geschieden und auch nicht mehr ganz jung ist. Trotzdem macht Hud der sehr eigenständigen Frau deutliche Avancen und auch Lonnie hat gewisse schwärmerische Phantasien. Als ein junges Rind verendet, geht der Tierarzt von einem gravierenden Verdacht aus. Die ganze Herde könnte von der Maul- und Klauenseuche befallen sein. Was eine Katastrophe wäre, denn dann müssten alle Tiere getötet werden. Auch die beiden seltenen Langhornrinder, die Homer an die gute alte zeit des Westens erinnern. Hud schlägt vor, die Tiere vor der feststehenden Diagnose zu verkaufen - auf diesen rücksichtslosen Plan geht sein aufrechter und ehrlicher Vater natürlich nicht ein. Auch die Möglichkeit auf dem Land nach Öl zu bohren und damit ein lukrativeres Geschäft zu beginnen, lehnt Homer - sehr zum Leidwesen von Hud - ab. Hud will für den Alten eine Betreuung erwirken. Dies alles wirkt sich auch auf Homers angeschlagene Gesundheit aus...




Im Grunde erzählt "Hud" ein Familiendrama. Und die Geschichte eines Egoisten, der am Ende die Menschen, denen er etwas bedeutete, alle verliert. Hud wäre natürlich nicht Hud, wenn er diese Einsamkeit nicht wegstecken könnte. Denn es stellt sich heraus, dass er schon immer ein Einsamer war - ohne Fähigkeiten Beziehungen mit Menschen einzugehen. Dies alles präsentiert Martin Ritt mit viel Wehmut und Tragik - dennoch ist der Film poetisch gefärbt. Alle Figuren sind klasse gezeichnet und individuell. Es sind echte Typen. Auch Paul Newman bietet einen Glanzpunkt in seiner großen Filmkarriere als charmanter Manipulierer. Dabei ist er auch dieser Typus, der das neue Amerika vertritt - er ist sich immer selbst der Nächste, so gesehen auch ein Prototyp unserer heutigen Zeit. Business über alles. Der Rest ist egal. "Hud" ist auch heute noch aktuell wie nie, da er alte Werte auf neue Normen prallen lässt.




Bewertung: 10 von 10 Punkten.