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Samstag, 13. Juni 2026

Der schlimmste Mensch der Welt
























Regie: Joachim Trier

Zwischen zwei Liebhabern...

Bei den Filmfestspielen in Cannes 2021 gewann die norwegische Schauspielerin Renate Reinsve für ihre Rolle in Joachim Triers Romantikfilm "Der schlimmste Mensch der Welt" den Preis als beste Hauptdarstellerin. Es handelt sich nach den Filmen "Auf Anfang" und "Oslo, 31 August" um den dritten Teil seiner "Oslo Trilogie", ist jedoch keine direkte Fortsetzung der beiden Filme, aber alle drei sind thematisch miteinander verbunden. Trier schrieb gemeinsam mit Eskil Vogt das Drehbuch. Der Film feierte seine Premiere im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes und wurde von der Kritik hoch gelobt - sein Umsatz an den Kinokassen betrug ca. 13 Millionen Dollar. Bei der 94. Oscarverleihung wurde der Film für den besten internationalen Spielfilm und das beste Originaldrehbuch nominiert. Auch beim Europäischen Filmpreis gab es Nominierungen für die Hauptdarstellerin und für das Drehbuch. "Der schlimmste Mensch der Welt" untergräbt auf interessante Weise die abgedroschenen Klischees des Genres - ein Drama, allerdings im Stil einer romantischen Komödie. Aber mit sehr ernsten Momenten, die mit souveräner Geste in starke Gefühle und manchmal auch in einer subjektiven Fantasie verwoben sind. Julie (Renate Reinsve), Medizinstudentin in Oslo, wechselt von der Medizin zur Psychologie und schließlich zur Fotografie - sie weiß noch nicht so recht Bescheid über ihre Ziele. Mit Ende 20 beginnt sie eine Beziehung mit Aksel Willman (Anders Danielsen Lie), einem 15 Jahre älteren Comiczeichner. Da sie sich nun mit dem Schreiben beschäftigt, verbringt sie ein Wochenende mit Aksel bei seinen Eltern. Aksel schlägt vor, eine Familie zu gründen, doch Julie ist unsicher. Auf dem Heimweg von einer Veranstaltung, die Aksels Verlag veranstaltet, platzt Julie auf eine Hochzeitsfeier und lernt Eivind (Herbert Nordrum), einen Barista, kennen. Obwohl beide in einer Beziehung sind, verbringen sie den Abend miteinander, scherzen und unterhalten sich über Intimitäten, verzichten aber auf sexuelle Beziehungen. Sie wechseln nur ihre Vornamen, bevor sie sich trennen. Julie schreibt eine Kurzgeschichte über Feminismus und Oralsex und beeindruckt Aksel, der sie ermutigt, sie online zu stellen. Die Geschichte erregt Aufmerksamkeit. Ihren 30. Geburtstag feiert sie im Haus ihrer geschiedenen Mutter, doch ihr Vater erscheint nicht, da er Rückenschmerzen angibt. Tage später verrät Julies Halbschwester versehentlich, dass ihr Vater ihr an Julies Geburtstag bei einem Fußballturnier zugeschaut hat. Er erfindet Ausreden, um Aksels Einladung nach Oslo abzulehnen. Bei ihrer Arbeit in einem Buchladen begegnet Julie Eivind und seiner Freundin Sunniva, seiner derzeitigen Freundin. Beim Abendessen mit Aksels Bruder und Schwägerin beschwert sich Aksel über die beschönigte Verfilmung seiner politisch unkorrekten Comic-Reihe "Gaupe". Julie fühlt sich gelangweilt und ignoriert. Sie träumt von einem Date mit Eivind und stellt sich vor, sich zu verlieben. Am nächsten Tag beendet sie die Beziehung zu Aksel. Eivind trennt sich von der zwanghaft sozial und klimabewussten Sunniva aufgrund ihres restriktiven Lebensstils. Julie und Eivind ziehen zusammen. Auf einer kleinen Party, die Eivind veranstaltet, entdeckt einer seiner Freunde Eivinds Vorrat an psychedelischen Pilzen, die Julie konsumiert, was zu Halluzinationen führt. In der folgenden Nacht gesteht Julie Eivind, dass sie sich in seiner Gegenwart wohlfühlt. Aksels Bruder enthüllt Julie später an ihrem Arbeitsplatz, dass Aksel an unheilbarem Bauchspeicheldrüsenkrebs leidet...







Eine Frau zwischen zwei Männern und zu beiden fühlt sie sich hingezogen. Die beste Szene in diesem sehr geglückten Film ist die Fantasieszene. Dort rennt Julie durch die Straßen von Oslo - die Zeit bleibt stehen, denn nur sie bewegt sich, alle anderen Menschen nicht. Ihr Weg führt zu der Espresso Bar, in der Einvind arbeitet, dann küssen sie sich. 








Bewertung: 8 von 10 Punkten.  

Donnerstag, 29. Mai 2025

Coda


Regie: Sian Heder

Ruby und ihre Familie...

Bei der Oscarverleihung am 27. März 2022 erhielt der Science Fiction Blockbuster "Dune" insgesamt 6 Trophäen und war somit der meistdekorierte Film dieses Abends.  Den Hauptpreis "Bester Film" wurde jedoch dem Coming of Age Film "Coda" zugesprochen, der seine insgesamt drei Nominierungen in Siege verwandelte. Neben dem Sieg als "Bester Film" wurde die Regisseurin Sian Heder, die nicht in der Regiekategorie nominiert wurde, immerhin mit dem Sieg in der Kategorie "Bestes Drehbuch" belohnt. Der gehörlose Schauspieler Troy Kotsur errang den Sieg als bester Nebendarsteller. Leider wurden Marlee Matlin (Nebenrolle)  und Emilia Jones (Hauptdarstellerin) nicht berücksichtigt. "Coda" hat ein ernstes Thema, ist jedoch ein Wohlfühlfilm durch und durch.  Es handelt sich um eine englischsprachige Neuverfilmung des französisch-belgischen Films" La Famille Bélier" aus dem Jahr 2014. Emilia Jones spielt Ruby Rossi, das Kind gehörloser Erwachsener (CODA) und einziges hörendes Mitglied ihrer Familie. Sie versucht, dem angeschlagenen Fischereibetrieb ihrer Familie zu helfen und verfolgt gleichzeitig ihren eigenen großen Traum, Sängerin zu werden. Gehörlose Schauspieler spielen die gehörlosen Charaktere, die zusammen mit Jones in der amerikanischen Gebärdensprache kommunizieren.  In Gloucester, Massachusetts, ist die 17-jährige Ruby Rossi (Emilia Jones) die einzige Hörende in ihrer Familie; ihre Eltern Frank  (Troy Kotsur) und Jackie (Marlee Matlin, die bereits 1987 in "Gottes vergessene Kinder" eine Gehörlose spielte und dafür einen Oscar gewann) sowie ihr älterer Bruder Leo (Daniel Durant) sind alle gehörlos. Ruby hilft im Fischereibetrieb der Familie mit und plant, nach der High School Vollzeit einzusteigen. Eines Tages sieht Ruby in der Schule, wie sich ihr Schwarm Miles Patterson (Ferdia Walsh Peelo) als Wahlfach für den Chor anmeldet, also meldet sie sich ebenfalls an. Der Musiklehrer, Mr. Bernardo „Mr. V“ Villalobos (Eugenio Derbez), ermutigt Ruby, mehr zu singen, und beauftragt sie mit einem Duett mit Miles. Unterdessen kämpfen Frank und Leo mit dem Fischereibetrieb, da der örtliche Vorstand neue Gebühren und Sanktionen verhängt. Bei einer Vorstandssitzung sind alle verärgert darüber, dass immer mehr Boote aus dem Hafen verschwinden. Während des Geschrei verkündet Frank, dass er seine eigene Firma gründen wird, um die neuen Beschränkungen zu umgehen. Er beabsichtigt, seinen Fisch selbst zu verkaufen und lädt andere Fischer aus der Umgebung ein, sich ihm anzuschließen. Die Familie kämpft darum, das neue Geschäft auf die Beine zu stellen, und verlässt sich darauf, dass Ruby die Bekanntheit steigert. Mr. V. ermutigt Ruby, am Berklee College of Music vorzuspielen, und bietet ihr zur Vorbereitung Privatunterricht an. Ruby willigt ein, doch ihre zunehmenden Verpflichtungen im Familienbetrieb (ihre Eltern sind auf sie als Dolmetscherin angewiesen) führen dazu, dass sie mehrmals zu spät zum Unterricht kommt. Mr. V. ärgert sich über Rubys ständiges Zuspätkommen und wirft ihr vor, seine Zeit zu verschwenden und sich nicht genug für Musik zu interessieren. Eines Tages, als Ruby mit Miles schwimmen ist, segeln Frank und Leo mit einem Fischereibeobachter an Bord, der nicht weiß, dass sie taub sind. Das Boot wird von der Küstenwache abgefangen, weil es nicht auf Schiffshörner und Funkrufe reagiert. Frank und Leo werden mit einer Geldstrafe belegt und ihre Angellizenzen werden wegen Fahrlässigkeit eingezogen. Als sie Ruby erklären, dass sie eigentlich mit ihnen auf dem Boot hätte sein sollen, erklärt Ruby, dass sie nicht immer für sie dolmetschen könne und keine Schuld trage. Frank und Leo legen Berufung ein und erhalten ihre Lizenz zurück, unter der Bedingung, dass sie ständig einen Hörgeschädigten an Bord haben. Ruby verkündet der Familie, dass sie auf das Studium verzichtet und Vollzeit ins Geschäft einsteigen wird. Frank und Jackie unterstützen sie, doch Leo reagiert wütend und beharrt darauf, dass sie auch ohne Ruby zurechtkommen, da sie wirklich Talent hat. Später geraten er und Ruby in einen Streit, in dem er ihr sagt, dass sie es ewig bereuen wird, nicht aufs Studium gegangen zu sein. Rubys Familie besucht ihr Chorkonzert und bemerkt den positiven Empfang des Publikums. Am Abend bittet Frank Ruby, für ihn zu singen, während er ihre Stimmbänder betastet und dabei emotional wird. Anschließend fährt die Familie mit Ruby nach Boston zu ihrem Vorsingen in Berklee. Vor ihrem Vorsingen trifft sie Miles, der ihr erzählt, dass er beim Vorsingen durchgefallen ist und ihr viel Glück wünscht. Rubys Familie schleicht sich auf den Balkon, während Mr. V kommt, um sie am Klavier zu begleiten. Ruby ist zunächst nervös und unvorbereitet, doch nachdem Mr. V absichtlich einen Fehler in seiner Begleitung macht, darf sie wieder anfangen und gewinnt an Selbstvertrauen, als sie ihre Familie sieht. Ruby singt "Both Sides, Now“ von Joni Mitchell mit Gebärdensprache, damit sie verstehen, was sie singt. Ruby wird in Berklee angenommen und lädt Miles ein, sie in Boston zu besuchen. Inzwischen haben die hörenden Arbeiter im Fischereibetrieb der Familie Gebärdensprache gelernt, um mit der Familie zu kommunizieren und für sie zu dolmetschen. Rubys Freundin Gertie (Amy Forsyth) fährt sie zum College nach Boston, während ihre Familie sie verabschiedet; Ruby signalisiert ihnen beim Wegfahren "Ich liebe dich so sehr“...









Eine aufrichtige Hinwendung zur Gehörlosenkultur hebt diese ansonsten konventionelle Geschichte eines talentierten Teenagers, der zwischen Ehrgeiz und Loyalität gefangen ist, auf ein höheres Niveau. Die Darsteller spielen phantastisch und mit einer solchen Aufrichtigkeit, dass ihre Figuren richtig zu leben erwachen. Ein Mainstream-Drama zwar, aber so authentisch und echt, dass man ihn lieben muss. Nachdem man so viele Geschichten gesehen haben, in denen Menschen mit Behinderungen als hilflose, verlassene Seelen dargestellt werden, die gerettet werden müssen, ist es umso erfrischender, diese Menschen zufrieden und glücklich zu sehen, die sogar Kleinunternehmer und Führungspersönlichkeiten in ihrer Fischergemeinde sind.












Bewertung: 8 von 10 Punkte

Samstag, 31. Dezember 2022

West Side Story (2021)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Steven Spielberg

Die Geschichte von den Jets und den Sharks...

1961 war das romantische Muscialdrama "West Side Story" der erfolgreichste film des Jahres. Er spielte ca. 45 Millionen Dollar ein und bekam 10 Oscars zugesprochen. Heute gehört der Film von Robert Wise und Jerome Robbins zu den unsterblichen Klassikern des US-Kinos und hat einen festen Stammplatz in der All Time Liste des American Film Institutes. Der Film ist perfekt inszeniert und daher fragte man sich warum nach 50 Jahren ein Remake dieses Klassikers gedreht wird. Steven Spielberg hat dieses Risiko einer Neuverfilmung gewagt, obwohl er wusste, dass er die Qualiät des Originals nie toppen kann. Aber ich denke sein Ziel war es mit der neuen Verfilmung eine interessante weitere Variante zu schaffen, die neben dem Original bestehen kann und vielleicht durch die neuen Aspekte auch bei den Skeptikern dieses Reboots auch ein bisschen Begeisterung auslösen zu können. Und ja...dies ist Spielberg durchaus gelungen. Der neue Film wurde von Tony Kushner geschrieben und Spielberg wollte den Stoff für das heutige Publikum etwas modernisieren. Die Geschichte selbst - eine Romeo und Julia Romanze, die im New York der 50er Jahre spielt - wurde nicht verändert. Es wurden lediglich Veränderungen in den Nebenschauplätzen vorgenommen. So hat Spielberg für Rita Moreno, die im Originalfilm die Bernardos Freundin Anita spielte und dafür den Oscar bekam, eigens eine Nebenrolle geschaffen: Sie spielt die alte Valentina, die irgendwie Bindeglied zwischen den verfeindeten Jets (gebürtige Amerikaner aus dem Viertel) und Sharks (Einwanderer aus Puerto Rico) ist. Denn Valentina stammt aus Puerto Rico, hat einen Amerikaner geheiratet und kennt alle Jungs, die sich nun als verfeindete Banden gegenüber stehen, von klein auf. Sie ist es auch, die Anton (Ansel Elgort), den alle Tony nennen und der bis vor kurzem, gemeinsam mit seinem besten Freund Riff (Mike Faist) Anführer der Jets war, Arbeit in ihrem Laden gegeben hat. Doch bei einem Gewaltakt hat er einen der Sharks krankenhausreif geschlagen und musste daher für einige Zeit ins Gefängnis. Nun ist er auf Bewährung frei und tatsächlich hat der Knastaufenthalt den Jungen irgendwie zum Umdenken gebracht. Er distanziert sich von seiner Bande, was Riff sehr enttäuscht. Denn der will unbedingt den ultimativen Entscheidungskampf mit den Sharks, bei denen Bernardo (David Alvarez) das Sagen hat. Immer wieder kommt es zu Straßenkämpfen um die Kontrolle des San Juan Hill in der Upper West Side von Manhattan. Maria (Rachel Zegler), die Schwester von Shark-Anführer Bernardo, ist mit seinem Freund Chino (Josh Andres Rivera) verlobt, sehnt sich aber nach Unabhängigkeit und eigenen Entscheidungen. Bei einem Tanzabend lernen sich Tony und Maria kennen und verlieben sich ineinander. Das verärgert Bernardo, der Riffs Bedingungen für eine Schlägerei zustimmt, wenn Tony daran teilnimmt. Tony bekundet seine Liebe zu Maria, und das Paar trifft sich auf Marias Feuerleiter und verspricht, sich am nächsten Tag wiederzusehen....










Die Songs sind genauso gut wie im Original, da waren Könner am Werk. Auch die Choreographie ist Weltklasse und die Rolle der Anita wird von der großartigen Ariana de Bose gespielt, die es ihrer Vorgängerin Rita Moreno nachmachte und ebenfalls den Oscar sowie den Golden Globe gewinnen konnte. Auch wenn ich Richard Beymer damals gar nicht schlecht fand, begeistert mich Ansel Elgort in der Rolle als Tony viel mehr. Rachel Zegler und Mike Faist sind neue Gesichter im Kino, die überzeugen konnten. Spielbergs Neufassung wurde für 7 Oscars nominiert, darunter auch für den besten Film. Leider floppte das Musical mit einem Einspielergbnis von 75 Millionen Dollar. Dieser Umsatz konnte die hohen Produktionskosten nicht decken.










Bewertung: 9 von 10 Punkten