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Montag, 23. Juli 2018

Lockender Lorbeer

Regie: Lindsay Anderson

Aus dem Leben eines Rugbystars...

Der britische Regisseur Lindsay Anderson (1923 bis 1994) drehte zuerst Kurz- und Dokumentarfilme. Sein "Thursday´s Children" wurde 1954 mit einem Oscar in der Kategorie "Bester Dokumentarkurzfilm" ausgezeichnet. In den 50er Jahren feilte er gemeinsam mit Karel Reisz und Tony Richardson an der neuen Bewegung des Free Cinema.
Er hat aber nur sehr wenige Kinofilme gedreht - als Theaterregisseur hat er wesentlich mehr Stücke produziert. 1963 gab er mit der düsteren Sozialstudie "Lockender Lorbeer" (Original: This sporting life) sein Filmdebüt, die beiden Hauptdarsteller Richard Harris und Rachel Roberts wurden für ihre hervorragenden Leistungen in diesem Film mit einer Oscar-Nominierung belohnt.
"Lockender Lorbeer" wurde zum Filmklassiker und folgerichtig in die Liste der besten 100 britischen Film des BFI gewählt - er rangiert dort auf Platz 52. Sein später entstandener Internats-Film "If..." liegt mit dem 12. Platz noch etwas besser.
Die Geschichte, die Lindsay Anderson erzählt, basiert auf dem gleichnamigen Roman von David Storey aus dem Jahr 1960. Es erzählt die Geschichte des Rugby-Spielers Frank Machin (Richard Harris) aus Wakefield, einer Bergbaustadt in Yorkshire, dessen romantisches Leben viel weniger erfolgreich verläuft als seine aufstrebende Sportlerkarriere. Der Roman trägt autobiographische Züge.
Der Star des Rugby-Teams hat in der ersten Szene ein Spiel, dort wird er grob gefoult und sein Kiefer ist gebrochen. Vom Teamchef und Mäzen Gerald Weaver (Alan Badel) und seinem Teamkamerad Maurice Braithwaite (Colin Blakely) wird er zum Kieferchirurg gebracht, dort erinnert sich der Sportler an seine jüngere Vergangenheit, die eigentlich gar nicht so hoffnungslos und trist verlief, wie sie jetzt erscheint. Denn seine ebenso geschickte wie brutale Spielweise gefällt dem Publikum, den Teamchef und auch dem Vereinspräsidenten wie Charles Slomer (Arthur Lowe). So macht Frank schnell Karriere und dies überrascht auch seine verbitterten Vermieterin Mrs. Hammond (Rachel Roberts), die ihren Mann durch einen Arbeitsunfall verloren hat und immer noch um ihn trauert. Die Arbeiterwitwe hat zwei Kinder, mit denen sich Frank sehr gut versteht. Er macht auch der zugeknöpften Witwe immer wieder Avancen, doch die zeigt ihm die kalte Schulter. Sie ist teilweise sogar abweisend bis feindselig. Frank lässt aber nicht locker und irgendwann kommt es doch zum gemeinsamen Sex. Aber in ihrer Trauer ist es ihr unmöglich Zuneigung zu erwidern. Sie hält nicht mit Beleidigungen zurück - Frank selbst hat aber auch Probleme mit seinem neuen wohlhabenderen Leben. Er kann sich in guten Restaurants nicht benehmen und gibt sogar Weavers Frau Anne (Vanda Godsell) einen Korb, als die ihn zu sich nach Hause zu einem Schäferstündchen eingeladen hatte. Seinen alten Freund Dad Johnson (William Hartnell) lässt er inzwischen auch eher links liegen. Bald gibt es auch Streit mit Mrs. Hammond und Frank verlässt das Haus. Der Emporkömmling spürt vermehrt Unsicherheiten, auch auf dem Sportplatz gibts keine Befriedigungen für das labile Gemüt. Dann erfährt er, dass Mrs. Hammond wegen einer Gehirnblutung im Krankenhaus liegt...




Am Ende wird er auf dem Platz ausgepfiffen - nein, "Lockender Lorbeer" ist kein Wohlfühlfilm. Zur Zeit seiner Enstehung war dieses Liebespaar im Film weit von dem entfernt, was das konservative Mittelklasse-Kino im Allgemeinen zu bieten hatte. Die Emotionalität dieser beiden Figuren wirkt zerstörerisch und der psychologische Bereich der Protagonisten bildet den Schwerpunkt von Andersons Arbeit. Es wird schnell klar, dass der Bergarbeiter Frank seinem Milieu wahrscheinlich gar nicht enfliehen kann, so sehr er es sich auch wünschen würde. So bleiben alle Hoffnungen unerfüllt. Das private Glück bleibt ihm versagt und am Ende scheint auch sein Ruhm auf dem Platz in Gefahr zu sein. Alles wirkt etwas irritierend und sperrig. Und Franks Stern, ist im Begriff zu sinken.



Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Freitag, 27. Oktober 2017

If...







































Regie: Lindsay Anderson

Unterdrückung und Aufstand....

Lindsay Andersons wegweisender Kinobeitrag der 68er Bewegung heißt "If..." und spielt in einem privaten Eliteinternat in England. Der Film ist in 8 Kapitel eingeteilt:
1. College House - Die Rückkehr
2. College - Erneut versammelt
3. Das Schuljahr
4. Rituale und Romanzen
5. Disziplin
6. Widerstand
7. Auf in den Krieg
8. Kreuzritter.
Anderson war der Sohn eines Offiziers und besuchte selbst das Cheltenham College und später auch die Universität Oxford, möglicherweise findet sich in seinem bekanntesten Film auch eine autobiographische Färbung. Für seinen ersten Dokumentarkurzfilm "Thursday´s Children" erhielt der britische Regisseur sogar den Oscar. Später beteiligte sich Anderson an der Bewegung des "Free Cinema", sein "Lockender Lorbeer" aus dem Jahr 1963 gehört zu den wegweisenden Beiträgen dieser Bewegung. "If..." war so erfolgreich, dass Anderson seiner Filmfigur Mick Travis noch zwei weitere Filmen "O Lucky Man" und "Britannia Hospital" widmete.
In seiner Zeit wirkte der Film extrem provokativ, denn er greift die bürgerlichen Werte, das Establishment hart an und ist auf der Seite der unangepassten Aussenseiter.  Irgendwann im Laufe der Handlung wird die Handlung dann tatsächlich zu diesem "was wäre wenn" und die Aktionen werden zunehmend surrealer - einiges erinnert an Luis Bunuel.
In einem rennomierten Internat der späten 60er Jahre läuft immer noch alles nach dem alten System. Der Zuschauer folgt dem kleinen Jute (Sean Bury) - es ist sein erster Schultag und er wirkt verloren. Auf seine Fragen bekommt er nur die Antwort, dass ein Frischling bloß keine älteren Schüler ansprechen soll. Diese Junioren sind ganz unten in der Hirarchie der Schule. Zuerst kommen der Stab und die Senioren - besehend aus dem Direktor, einigen Lehrern, einem Geistlichen und einem General. Dann folgen Schüler mit Privilegien, die Senioren - darunter die vier "Whips" Rontree (Robert Swan), Denson (Hugh Thomas), Fortinbras (Michael Cadman) und Barnes (Peter Sproule) mit den meisten Sonderrechten und Vergünstigen. Sie sidn Präfekten für die unteren Jahrgänge und dürfen diese nicht nur befehligen, sondern jeder Nichtgehorsam wird bestraft - oft mit der Peitsche. Denn es sollen die alten Werte, die alten Traditionen aufrechterhalten bleiben und daher ist Disziplin das höchste Gebot. So lassen es sich die Whips gut gehen und jeder von Ihnen hat das Vorrecht auf einen der Junioren, der ihnen Tee servieren muss, rasieren muss und oft auch etwas mehr. So spielt die unterdrückte Sexualität, auch die Homosexualität hier im Internat auch eine große Rolle. Der kleine Bobby Philipps (Rupert Webster) ist derzeit der Favorit der Whips. Einige würden den "Scum" - so verächtlicht nennen sie die Junioren - als privaten Sklaven auswählen.
Es gibt aber im Internat auch einige aufsässige Jugendliche in der vorletzten Klasse. Vor allem Mick Travis (Malcolm McDowell), Wallace (Richard Warwick) und Johnny (David Wood) wollen sich nicht immer unterordnen und anpassen. Mr. Kemp (Arthur Lowe), der Herbergsvater wird von den "Whips" oft manipuliert, er lässt es aber geschehen, da sie für Ordnung sorgen. Der Direktor (Peter Jeffrey) möchte empathisch sein, bleibt aber in seinen Aussagen nur theoretisch. Immer wieder entflieht Mick der Unterdrückung, er stiehlt ein Motorrad in der Stadt und lernt in einem Cafe ein Mädchen (Christine Noonan) kennen. Da der Lehrplan des Internats auch eine militärische Grundausbildung vorsieht, wird auch oft Krieg gespielt. Durch mehrere Strafen und einer starken Unterdrückung kommt es bei der Jubiläumsfeier des Internats zu einem Blutbad...




Mit Waffen hocken fünf Jugendliche auf dem Dach und schießen auf die Mitschüler, Lehrer und auf die Repräsentanten des Establishments. Zweifelsohne eine brutale Szene, aber auch eine Traumsequenz - sie symbolisiert eine neue Zeit, neue Werte und das Niedermetzeln der Unterdrücker. Lindsay Andersons Kameramann Miroslav Ondricek wechselt immer wieder von Farbe in schwarz-Weiß Sequenzen. Dies bedeutet aber keineswegs, dass die Traum- oder Phantasieszenen so von der Realität abgegrenzt sind. "If" fängt den revolutionäres Geist der 68er Jahre hervorragend ein - und Malcolm McDowell spielte den Mick so gut und authentisch, dass er sich mit dieser grandiosen Leistung die Hauptrolle in Stanley Kubricks "Clockwork Orange" erspielte. Er gibt dem revolutionären Geist ein glaubwürdiges Gesicht und meutert gegen die gesellschaftlichen Zwänge. Sehr schön sind auch die beiden Szenen in dem Kapitel "Rituale und Romanzen" bebildert. Einmal ein sehnsuchtsvoller Blick des jungen Bobby, der einen Mitschüler am Reck beobachtet und noch offensichtlicher der Flirt zwischen Mick und dem Mädchen, die in ein Raufen übergeht und dann in eine leidenschaftliche Sexszene.





Bewertung: 9 von 10 Punkten.