Donnerstag, 22. Oktober 2026

Der Schrecken der Medusa
























Regie: Jack Gold

Telekinese...

Auf den alleinstehenden Buchautor John Morlar (Richard Burton) wurde ein grausamer Mordanschlag verübt, der unbekannte Täter schlug ihm mit einer Figur den Kopf ein. Dem französischen Austauschpolizist Kommissar Brunel (Lino Ventura) wird gemeinsam mit Sergeant Duff (Michael Byrne) dieser Kriminalfall zugeteilt, sie treffen am Tatort ein, wo der leblose Mann nach Stunden wieder zu atmen beginnt. Auf der Intensivstation des Krankenhauses wird Morlar künstlich am Leben gehalten, doch aufgrund der schwersten Kopfverletzungen kann es keine lebensfähige Zukunft für das Opfer geben.
Bei seinen Recherchen findet der Franzose handschriftliche Aufzeichnungen von Morlar, die keinen richtigen Sinn ergeben "Telekinese", "Westfassade", kein Zeichen von L" usw. - ausserdem findet er einen Ordner, gef+llt mit ausgeschnitten Zeitungsartikeln von Katastrophen und Unfällen.
Morlar war auch Patient der Psychiaterin Dr. Zonfeld (Lee Remick), die erzählt dem verblüfften Kommissar, dass Morlar glaubte scho als kleiner Junge geheime Kräfte zu haben. Durch seine Gedanken seien sein Kindermädchen, seine Eltern sowie auch ein verhasster Lehrer zu Tode gekommen.
Diese Fähigkeiten steigerten sich als Erwachsener zunehmend, so war Morlar felstenfest davon überzeugt, dass er auch durch Gedankenkraft und seinen Willen große Katastrophen auslösen könnte.
Der Police Commissioner (Harry Andrews) gibt Brunel in diesem Fall alle Freiheiten, denn einflussreichen Leuten ist die Aufklärung des versuchten Mordes sehr wichtig...





In Morlas Appartment in London hängt das Bild der Medusa von Carravaggio, gleichzeitig zeigt sie auch den Leitfaden des Films über einen Menschen mit übersinnlichen Fähigkeiten an. Einer dessen Kräfte aber ausschliesslich destruktiv wirken und auf Tod und Zerstörung angelegt ist. Jack Gold drehte seinen Mystery-Thriller von 1978 mit ruhiger Hand und mit einem wie immer sehr gut spielenden Richard Burton als innerlich zerrissener Mensch mit dem Hang zum Untergang.
Auch Lino Ventura und Lee Remick spielen ihre Rolle sehr glaubwürdig und gut.










Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Samstag, 3. Oktober 2026

Biester
























Regie: Claude Chabrol

Bösartige Freundinnen...

"An den ehrbaren Menschen stoßen mich viele Dinge ab. Und gewiss ist es nicht das Böse, das in ihnen ist"...Die stille Sophie (Sandrine Bonnaire) bewirbt sich als Hausmädchen bei der schwerreichen Catherine Lelievre (Jaqueline Bisset). Catherine stellt Sophie ein. Die Familie lebt auf einem stattlichen Anwesen ausserhalb eines kleines Dorfes in der Bretagne. Catherines Mann George (Jean-Pierre Cassel) verdient sein Geld als Fabrikant, Catherine selbst engagiert sich in einer Galerie und soll laut Gerüchten dort auch heimlich Liebhaber empfangen.
Tochter Melinda (Virginie Ledoyen), die aus Catherine erster Ehe stammt, studiert und kommt nur am Wochenende nach Hause.
Der gemeinsame verwöhnte Sohn Gilles (Valentin Merlet) ist vierzehn Jahre alt.
Die Familie liebt klassische Musik, vor allem Mozart.
Sophie ist fleissig und eine richtige Perle, hält aber ihre Dyslexie geheim, was einerseits Missverständnisse mit sich bringt: Die Lelievres drängen auf eine Brille, weil eine Sehschwäche vermutet wird und geben sich grosszügig. Brille und auch Führerschein zu Catherines Entlastung sollen bezahlt werden.
Sophie versucht sich in Geheimhaltung, das Offenbaren als Analphabetin wäre die reinste Kränkung.
Während die Familie für eine Woche Urlaub nach Korsika fliegt, befreundet sich Sophie mit der respektlosen Postangestellten Jeanne (Isabelle Huppert), die eine grosse Neugier für die reiche Familie an den Tag legt. George vermutet gar, dass Jeanne die Post der Familie heimlich öffnet...







Die beiden Frauen werden Freundinnen, denn beide verbindet auch ein ähnlich gelagertes böses Geheimnis in der Vergangenheit....
1995 realisierte Claude Chabrol "Biester", ein sehr typischer Chabrol Film, der sehr tief hinter die äußere Fassade der Menschen blickt, menschliche Abgründe seziert, ohne dabei zu urteilen oder zu moralisieren.
Das Drehbuch entstand nach einer Romanvorlage von Ruth Rendells Roman "A Judgment in Stone".
Chabrol inszeniert den schwelenden Klassen-Konflikt zwischen der Familie Lelievre einerseits und Jeanne und Sophie andererseits durch verschiedene Ereignisse, die schließlich am Ende zur grössten Katastrophe führen. Sophie und Jeanne sind zwei Aussenseiterinnen. Die Familie, die sich in ihrem Überfluss langweilt und den diskreten Charme der Bourgeoisie
ebenfalls durch Lügen und Geheimnisse, durch Arroganz und Grossherzigkeit aufrecht erhält, ruft Neid hervor.
Im Jahr 1996 gewann Isabell Huppert den César als Beste Schauspielerin für ihre Rolle der Jeanne. Nominiert war der Film in den Kategorien Bester Film, Beste Regie, Beste Schauspielerin für Sandrine Bonnaire, Beste Nebenrollen Jean Pierre Cassel und Jacqueline Bisset und Beste Drehbuch-Adaption.
Somit einer der erfolgreichsten Filme von Chabrol sowohl bei der Kritik als auch beim Publikum.
Der Film ist fesselnd und tief, ein absolutes Meisterwerk - für mich einer der allerbesten Filme des französischen Meisterregisseurs. Er funktioniert auf mehreren Ebenen gleichermassen gut: Treffende intensive Charakterstudie, respektloser Klassenkampf mit sozialem Sprengstoff, Krimi, Thriller...am Ende sogar als ultimativer Horror und der Schlussplot befördert den Film noch in die obere Liga des Psychothriller-Genres mit ungeahntem Ende.







Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.

Das grüne Zimmer
























Regie: Francois Truffaut

Ein Altar für die Toten...

In "La Chambre verte" hat Regisseur Francois Truffaut auch die Hauptrolle übernommen. Damit ist die Annahme sicherlich nicht falsch, dass dieser 1978 entstandene Film ein sehr persönliches Werk ist. Vielleicht kann man sogar von einer persönlichen Bilanz sprechen, denn der Regisseur drehte nach "Das grüne Zimmer" nur noch vier Filme. Im September 1983 wurde bei Truffaut ein Gehirntumor diagnostiziert und am 21. Oktober des folgenden Jahres stirbt der Kinopoet in Neuilly-sur-Seine.
Der Film - einer der besucherschwächsten Werke von Truffaut - basiert auf der Kurzgeschichte "Der Altar der Toten"  von Henry James. Es ist die Geschichte eines Mannes, der von den Toten in seinem Leben besessen ist und somit gar nicht unbeschwert leben kann. Dieser Mann wählt diesen Weg aber freiwillig. Ein Film, der vom Betrachter eine hohe Aufmerksamkeit verlangt, denn die 94 Minuten gleichen manchmal fast einer Andacht. Truffauts Protagonist heißt Julien Davenne und durch den 1. Weltkrieg viele Freunde verloren hat. Dann starb auch noch seine geliebte Frau Julie. Der Journalist arbeitet bei einer Zeitschrift names "Globe" in der Provinz und er wird zwar von seinem Chef Bernard Humbert (Jean Daste) zwar geschätzt. Aber der findet ihn auch reichlich seltsam. Davenne ist aber ein brillanter Schreiber für Nachrufe. Für seine Frau hat er in seinem Haus ein Zimmer eingerichtet. Dort in diesem grünen Raum zelebriert er seinen paradoxen Totenkult mit vielen Kerzen und Bildern. Im Haus lebt auch seine Haushälterin Madame Ramboud (Jane Lobre) und das stumme Pflegekind Georges (Patrick Maleon). Mit der jungen Cecilia Mandel (Nathalie Baye) lernt er eine Art Seelenverwandte kennen. Auch für Cecilia ist es wichtig den Toten ein langes Andenken zu bewahren. Im Gegensatz zu Julien ist sie aber fest davon überzeugt, dass man auch die Pflicht hat weiterhin mit den Lebenden ein erfülltes Leben zu erreichen. Als das Zimmer durch einen Brand zerstört wird, kauft Julien von der Kirche eine Kapelle und überwirft sich für eine gewisse Zeit mit seiner platonischen Freundin....



Am Ende des morbiden wie poetischen Films steht tatsächlich der Tod und auch eine Nachfolge für das Lebenswerk des todessehnsüchtigen Mannes. Ein Film über die subtile Besessenheit eines Menschen, der den endgültigen Abschied von einem lebenden Wesen nicht ertragen kann. Er versucht das Unwiederbringbare zu bewahren, die Vergangenheit so sehr in der Gegenwart zu leben. So verfällt er im Laufe dieser Zeit immer mehr dem Tod. Interessante Gedanken vermittelt "Das grüne Zimmer" natürlich in sehr starker Weise. Soll man die Toten in seinem Leben irgendwann vergessen ? Hat man auch das Recht nach solchen Schicksalsschlägen das Leben dennoch neu zu ordnen, sich neu orientieren ? Wie oft bei Truffaut ist auch Julien ein Leidender an seinen fatalen Obessession. Mit der jungen Nathalie Baye arbeite Truffaut schon in "Die amerikanische Nacht" und "Der Mann, der die Frauen liebte" zusammen. "La chambre verte" ist neben "Die Rückkehr des Martin Guerre" und "Eine fatale Entscheidung" eine ihre besten Darstellungen überhaupt.





Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Diebe der Nacht
























Regie: Andre Techine

Aus verschiedenen Perspektiven...

Beim französischen Filmregisseur lässt sich auch ein gewisser Themenschwerpunkt herauslesen: Die Jugend. 1995 erhielt er als bester Regisseur den Cesar, sein melancholisches Coming of Age Movie "Wilde Herzen" gewann auch den Preis als bester Film des Jahres 1995 - trotz großer Konkurrenz wie "Die Barholomäusnacht", "Drei Farben Rot" oder "Leon der Profi".
Weniger bekannt, aber genauso sehenswert ist sein 1991 entstandener "Ich küsse nicht". Auch 2007 entstandener Beitrag zum HIV-Thema "Wir waren Zeuge" schilderte die Krankheit aus der Sicht des jungen Manu, gespielt von Nachwuchsstar Johan Libereau. Wieder wurde der Film für den Cesar nominiert. Und auch wenn in seinem 1996 entstandenen "Diebe der Nacht" lange Zeit nicht klar wird, wessen Geschichte der Film rückt am Ende doch wieder der Teenager Justin, gespielt von Julien Riviere, in den Mittelpunkt.
Von diesem Jungen wird auch die Geschichte im Off zuerst erzählt.
Dieser Junge wird mitten in der Nacht durch die Schreie seiner Mutter (Fabienne Babe) wach - sein Vater Ivan (Didier Bezace) ist tot. Und dessen Leichnam wurde an der Tür der Ville in den Rhone-Alpes abgegeben und liegt nun im heimischen Wohnzimmer. Der Junge ahnt, dass seine Familie ihm etwas verschweigt. Warum ist sein Großvater (Ivan Desny) so wütend auf seinen Onkel Alex (Daniel Auteuil), der bei den Bullen arbeitet. Bald weiß auch der Zuschauer mehr: Alex ist das schwarze Schaf der Familie, denn alle anderen sind Gangster - aber wie Geschäftsleute angesehen und organisiert. Von der Familie wird Alex deshalb wie ein Aussätziger behandelt. Der Film erzählt die Geschichte eines Überfalls und seine tödlichen Folgen (Ivan) in sieben Kapiteln und vier verschiedenen Perspektiven.
Nach dem Jungen Justin präsentiert Techine Rückblenden aus der Sicht von Alex. Danach wird Alex Geliebte Juliette Fontana (Laurence Cote) eingeführt, die der Bulle, der in Lyon arbeitet, durch eine Verhaftung im Milieu kennenlernt, sie als Polizeispitzel anheuern will, aber stattdessen mit der jungen Frau eine sexuelle Beziehung beginnt. Dabei kennt er auch deren kriminellen Bruder Jimmy (Benoit Magimel), der mit Ivan Geschäfte macht. Juliette hat ausserdem eine Beziehung zu der Philosophieprofessorin Marie Leblanc (Catherine Denueve).
Dies macht die Sache natürlich komplizierter und obwohl Alex den Coolen spielt, der nur am Sex interessiert ist, agiert er zunehmend eifersüchtig. Zusätzlich ist zu erkennen, dass Alex durch seine kriminelle Familie hin- und hergerissen wird. Er weiß, dass sein Bruder nicht nur einen gut gehenden Travestieclub unterhält, sondern auch ein Netzwerk von Autohändlern betreibt, die teure Autos stehlen und sie ins Ausland verkaufen. Am Ende steht der Abschied, aber auch der Neuanfang..








Für wen ist allerdings eine Überraschung. "Diebe der Nacht" erweist sich als gut gelungene Genremixtur. Ein wenig Polizeithriller, etwas mehr Gangsterfilm, bei dem die Amour fou auch nicht zu kurz kommt. Durch die originelle Erzählweise ist der Film etwas verschachtelt, was einen zusätzlichen Reiz beim Sehen hat. Darüberhinaus ist er klasse gespielt. Catherine Denueve überrascht mit der sehr ungewöhnlichen Rolle als sensible Lesbierin. Ein bisschen Femme Fatale ist aber in der Rolle der jungen Juliette angelegt - Laurence Cote spielt die Figur perfekt. Für Techine sind die Menschen wichtiger als die Action. Auf einfühlsame Weise bringt er die Figuren dem Publikum sehr nahe. Sehr geglückt auch die verschiedenen Perspektiven, die Techine gewählt hat. Sie führen dazu, dass man die Motive der Figuren verstehen kann und gelegentlich kommen auch Film Noir Elemente zum Tragen.
Wie bereits "Wilde Herzen" war "Diebe der Nacht" ein Thema für die Cesar-Verleihung. In insgesamt fünf Kategorien gabs Nomierungen: Bester Film, beste Regie, Beste Darstellerin Catherine Denueve, beste Nachwuchsdarsteller Benoit Magimel und Laurence Cote - die gewann auch den Preis.






Bewertung: 8 von 10 Punkten.