Regie: Eric Rohmer
Detektive am Nachmittag...Die besten Filme aller Zeiten
Sonntag, 27. September 2026
Die Frau des Fliegers
Unter Piratenflagge
Regie: Michael Curtiz
Arzt, Sklave und Pirat...
Für Action sorgen die Schlachten zwischen dem Piratenschiff und angreifenden Franzosen sowie Peter Bloods Konkurrenkampf mit dem Franzosen Levasseur, gespielt von Basil Rathbone, dessen Höhepunkt sich in einem Fechtduell gipfelt. Kameratechnisch wurde "Unter Piratenflagge" von dem Duo Ernest Haller und Hal Mohr unterstützt, die vor allem in den Sequenzen in England düstere Bilder wählen. Ein schöner wie nostalgischer Abenteuerfilm.
Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.
Die Verachtung
Regie: Jean Luc Godard
Eine Ehe zerbricht...
Jean Luc Godards Cinemascopefilm "Die Verachtung" ist ein Film, der auch nach seinem tragischen Ende noch nachhallt. Erzählt wird eine Geschichte von Kunst und Kommerz, Mythos und Realität, Leben und Tod. Das äußere Geschehen wird kontrapunktiert durch Reflexionen während der Verfilmung von Homers Odyssee durch die Regielegende Fritz Lang, derr sich selbst spielt. Ein intellektuell sehr anspruchsvolles Werk, dessen kühle Schönheit nicht jeden ansprechen wird. Es ist aber auch eine Geschichte über eine Liebe, die durch einen offen gelegten Charakterzug jäh endet. Die Filmmusik von Georges Delerue ist phasenweise wirkt nur hypnotisch, sie unterstreicht auch die Traurigkeit dieser überraschenden Ereignisse. Im Kontrast dazu hat Kameramann Raoul Coutard (Außer Atem, Schießen sie auf den Pianisten, Die süße Haut, Lola, das Mädchen vom Hafen, Jules und Jim, Die Braut trug schwarz, Z, Duell ohne Gnade) betörend schöne Kinobilder dazu entworfen. Der Titel des Films bezieht sich auf die weibliche Hauptfigur, die von Brigitte Bardot sehr sensibel gespielt wird. Durch eine einzige Situation verändert sich ihre Liebe zu ihrem Mann, einem Drehbuchschreiber. Im Film selbst kommt aber ebenso Godards Verachtung für die Entwicklung der Filmindustrie Hollywoods zum Ausdruck, wie sie personifiziert wird von der unangenehmen Figur des Produzenten Jeremy Prokosch. Denn Godard lag mehrfach im Clinch mit seinem Produzenten Joseph E. Levine, der sich Sorgen um die Einspielergebnisse machte. Daher mussten mehr Nacktaufnahmen von Brigitte Bardot nachgedreht werden. Der französische Schriftsteller Paul Javal (Michel Piccoli) befindet sich mit seiner jungen und attraktiven Frau Camille (Brigitte Bardot) in Rom. Er wurde dorthin eingeladen auf Wunsch des US-Filmproduzenten Jerry Prokosch (Jack Palance), damit er das Drehbuch eines Films über die Odyssee umschreibt. Fritz Lang wurde verpflichtet, den Film zu inszenieren. In einer ansonsten ereignislosen Szene kommt es zu einem Missverständnis : Camille, die glaubt, Paul wolle sie ermutigen, steigt in Prokoschs Auto, das zunächst langsam losfährt, dann aber plötzlich mit hoher Geschwindigkeit davonrast. Die junge Frau wollte gar nicht erst in den Wagen steigen und lieber mit ihrem Mann ein Taxi zu Prokoschs Villa nehmen, doch Paul hat sogar darauf bestanden, dass Camille alleine in den Wagen steigt. Der Film erkundet, was sich in diesem Bruchteil einer Sekunde zwischen dem Paar abspielt. Irgendwie kommt in Camille der Gedanke auf, dass ihr Mann sie nicht vor der Zudringlichkeit des aggressiven Produzenten schützen will, sondern im Gegenteil noch dazu bereit ist sie für diesen hoch dotierten Drehbuchauftrag zu "verkaufen".Zwischen zwei Einstellungen ist Camilles Missverständnis in Verachtung für ihren Mann umgeschlagen. Sein verspätetes Eintreffen bei dem Haus des Produzenten treibt die Spannung zwischen dem Paar weiter voran. Zudem flirtet Paul in Gegenwart Camilles auch noch mit der Assistentin Francesca (Giorgia Moll). Das Treffen endet mit einer Einladung der beiden nach Capri, wo sie Zeugen der Dreharbeiten zu der Odysseus-Verfilmung sein sollen. Paul versucht dort, Lang für sich zu gewinnen, indem er ihm seine Absicht erklärte, die Geschichte von Odysseus und Penelope aus psychologischer Sicht neu zu erzählen und dabei seine Erfahrungen mit einer schwierigen Ehe einfließen zu lassen. Lang erwiderte offen, dass er an einem modernen, psychoanalytischen Ansatz nicht interessiert sei. Er tendiere eher zum klassischen Kino und interessiere sich für das Verhältnis zwischen Mensch und Natur in der mediterranen Landschaft. Camille erliegt Prokoschs Annäherungsversuchen, fest entschlossen, ihren Mann zu verlassen. Paul, der sie nicht verlieren will, erklärt ihr, er sei bereit, seinen Job aufzugeben, um sie an seiner Seite zu halten. Nun versteht er, warum Camille ihm gegenüber Groll hegt, und versucht, ihr das Gegenteil zu beweisen ; seine Bemühungen, die Ehe zu retten, scheitern jedoch. Camille beendet die Beziehung zu Paul endgültig und geht mit Prokosch. Auf der gemeinsamen Autofahrt nach Rom kommen Camille und Prokosch ums Leben....
In den ersten Wochen nach Kinostart verzeichnete "Le Mepris" - so der Originaltitel - insgesamt 235.000 Zuschauer in den fünd exklusiv ausgewählten Pariser Kinos und belegte am Ende des Jahres sogar Platz 7 der französischen Kinocharts. Für einen Godard Film extrem erfolgreich, aber dennoch ein kommerzieller Misserfolg fürt einen Film mit dem Sexsymbol Brigitte Bardot. Die berühmteste Szene des Films wurde tatsächlich die Nacktszene am Anfang, in der Camille ihrem Mann einige Körperteile aufzählt und ihn fragt wie diese ihm denn gefallen. Diese Serie von Fragen, die nach und nach fast alle Teile ihres Körpers streift, scheint sich nicht nur an den Ehemann, sondern ebenso an die Filmproduzenten zu richten, die die Nacktheit des weiblichen Körpers für ihre Zwecke ausbeuten. Während der Dreharbeiten verhielten sich die echten Produzenten immer mehr wie die Figur, die Jack Palance im Film verkörpert – ihr Hauptinteresse galt schließlich den Nacktszenen. Durch seine Einzigartigkeit ist "Die Verachtung" vielleicht sogar Godards bester Film.
Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.
Die Sammlerin
Regie: Eric Rohmer
Sommerflirts...
"La Collectionneuse" (deutsch: Die Sammlerin) ist der vierte von insgesamt sechs moralischen Geschichten, die Rohmer gefilmt hat. Sie alle sollen moralische Aspekte in der Beziehung von Menschen untersuchen. Diese sechs Filme entstanden alle in der Zeit zwischen 1962 bis 1972. Angefangen mit dem 22minütigen Kurzfilm "Die Bäckerin von Monceau", dem "Die Karriere von Suzanne" folgte, der bereits mehr als Doppelte der Laufzeit hatte. Obwohl mit "Meine Nacht mit Maud" zwei Jahre später als "Die Sammlerin" entstand, war er nach Rohmers Zählung der dritte Film der Erzählung. Danach inszenierte er die beiden letzten der moralischen Geschichten: "Claires Knie" und "Liebe am Nachmittag". Der 1967 entstandene "Die Sammlerin" gehört zweifelsohne zu Rohmers schönsten Filmen. Man erlebt hier, wie die Prinzipien, mit denen sich die Figur des Adrien an seinen Urlaub herangegangen ist, allein durch die Anwesenheit eines langbeinigen Mädchens zerbröcheln. Und man schmunzelt ein bisschen, wie dieser Mann die Prinzipien in einem anspruchsvollen Kommentar zu verteidigen sucht. All dies geschieht im Sommer an der Cote d´Azur bei wunderbarem Wetter. Doch die lockere Sommergeschichte läuft mit einem seltsamen Kontrast ab, der dem Film eine bis zum Schluß eigentümliche Stimmung verleiht. Einmal leistete der Kameramann Nestor Almendros eine hervorragende Leistung - und dies obwohl wenig Geld vorhanden war und diese sehr begrenzten Mittel einer klaren und schmucklosen Darstellung im klassischen Rohmer-Stil dienten, der stets dem Dialog (hier in Zusammenarbeit mit den drei Protagonisten selbst verfasst) und der Gestaltung sentimentaler Situationen Vorrang einräumte. Adrien (Patrick Bauchau), ein Antiquitätenhändler, der Arbeit und Liebe überdrüssig ist und seine Verlobte (Mijanou Bardot) vernachlässigt, die allein nach London reiste, um dort zu arbeiten, beschließt, den Sommer 1967 in einer Villa in der Nähe von Saint Tropez zu verbringen , die ihm sein reicher Freund Rodolphe zur Verfügung gestellt hat ; er wird von Daniel (Daniel Pommereule), einem gemeinsamen Freund, begleitet. Dort angekommen, warnt Daniel ihn, dass es noch eine dritte Bewohnerin geben würde. Genauer gesagt, eine dritte weibliche Bewohnerin : Sie heißt Haydée (Haydee Politoff), mit der Rodolphe zuvor eine Affäre gehabt hatte und die er spontan zu sich eingeladen hatte. Adrien steht im Morgengrauen auf, schwimmt im Meer, liest im Schatten eines Baumes und geht auch früh zu Bett. Alles angenehme und für ihn ungewöhnliche Aktivitäten. Haydée hingegen meidet er so gut es geht, da sie jede Nacht mit einem anderen Jungen verbrachte. Verärgert tun sich Adrien und Daniel zusammen, um Haydée, die etwa zehn Jahre jünger ist als sie, einzuschüchtern. Sie beschimpfen sie als kleine Sammlerin und verbieten ihr, weitere One Night Stands mit nach Hause zu bringen. Nachdem Adrien eine Weile geschmollt hat, beginnt er, Haydée den Hof zu machen. Er gesteht ihr seine Gefühle, sagt ihr aber, dass sein Moralkodex es ihm verbietet, mit ihr zu schlafen. Deshalb bittet er sie, ein leichteres Ziel zu verführen, nämlich Daniel. Daniel und Haydée schlafen eine Zeit lang miteinander, doch nach einiger Zeit wird Daniel ihr gegenüber launisch und verlässt sie, nachdem er sie beleidigt hat. Adrien tröstet die verletzte junge Frau und schmiedet einen neuen Plan, um ihr Interesse zu wecken. Er hat eine seltene chinesische Vase mitgebracht, die er dem wohlhabenden, aber unhöflichen amerikanischen Sammler Sam (Seymour Herzberg) überbringen soll, der an Haydée interessiert ist. Sam lädt sie zum Abendessen und zur Übernachtung in seine Villa ein. Adrien vereinbart mit Haydée, dass er am nächsten Morgen vorgeben wird, geschäftlich unterwegs zu sein, und sie dort zurücklässt, damit sie Sam verführen kann. Doch als er am Abend zurückkehrt, um sie abzuholen, wendet sich Sam gegen Adrien und beleidigt ihn, während er mit Haydée flirtet, die daraufhin seine kostbare neue Vase umstößt. Adrien und Haydée verlassen den Amerikaner und fahren gemeinsam zurück. Unterwegs denkt Adrien, dass Haydée eigentlich ein gutes Herz hat und dass er, jetzt wo Daniel weg ist, seine letzte Urlaubswoche mit ihr genießen kann. Zwei Männer in einem italienischen Sportwagen erkennen Haydée, die aussteigt, um mit ihnen zu sprechen. Als sie Haydée einladen, mit ihnen nach Italien zu kommen , holt sie ihre Reisetasche aus Adriens Auto. Nach kurzem Warten lässt er sie bei den Männern und kehrt allein zur leeren Villa zurück. Nun kann er seinem Ziel, in Ruhe zu lesen und zu schwimmen, nachgehen, merkt aber, dass ihm diese Aktivitäten allein keinen Spaß mehr machen. Daraufhin greift er zum Telefon, um einen Platz im nächsten Flug nach London zu buchen...
Rohmer greift in seinem Film wiederkehrende Themen wie Begierde, Treue und Freundschaft zwischen den Geschlechtern auf. Auch der häufige Einsatz des Off-Kommentars ist eines von Rohmers Stilmitteln. Rohmers entomologischer Blick zeichnet – mit klarer Natürlichkeit und Einfachheit – das Alltagsleben seiner Figuren auf : Die Schauplätze sind der Gegenwart entlehnt (er ist heute noch so modern wie vor 50 Jahren9 aber die raffinierte Philosophie und der Ton der Erzählung erinnern auch an die Literatur des 19. Jahrhunderts. Der interessante Film wurde mit dem Silbernen Bären von Berlin geehrt.
Bewertung: 9 von 10 Punkten.






























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