Sonntag, 27. September 2026

Die Frau des Fliegers
























Regie: Eric Rohmer

Detektive am Nachmittag...

Die Filme von Eric Rohmer tragen alle eine sehr persönliche Handschrift. Der französische Regisseur hat eine große Anzahl seiner Filme in Zyklen aufgeteilt. So werden die Filme "Die Bäckerin von Monceau", "Die Karriere von Suzane", "Die Sammlerin", "Meine Nacht mit Maude", "Claries Knie" und "Die Liebe am Nachmittag" als "Moralische Geschichten" bezeichnet. Es folgten ab 1981 "Komödien und Sprichwörter" - zu diesem Zyklus werden die Filme "Die Frau des Fliegers", "Die schöne Hochzeit", "Pauline am Strand", "Vollmondnächte", "Das grüne Leuchten" und "Der Freund meiner Freundin" gezählt. Mit dem Beginn der 90er Jahre fing er mit dem "Jahreszeiten" Zyklus an, die Filme heißen "Frühlingserzählung", "Sommer", "Herbstgeschichte" und "Wintermärchen".
Die Veröffentlichung von "Die Frau des Fliegers" freut mich natürlich besonders, denn ich halte diesen Film für einen der stärksten im Schaffen von Rohmer. Der Film musste leider mit sehr niedrigem Budget von 125.000 Euro auskommen, weil der Vorgängerfilm an der Kasse ein Flop war. "Die Frau des Fliegers" wurde im 16 mm Format gedreht und zeigt eine typische Rohmer Geschichte...wie immer aus dem Alltag und stark geprägt von dem großen Thema der Jugend: Liebe.
Schauplatz der Geschichte ist natürlich Paris, die Stadt der Liebe.
Alles in diesem kleinen und sehr bezaubernden Film dreht sich darum. So ist auch Francois (Philippe Marlaud), ein 20jähriger Student total verliebt. Seine Freundin heißt Anne (Marie Riviere) und ist fünf Jahre älter als er und damit auch etwas erfahrener in Beziehungen. Anne hängt immer noch an ihrem vorherigen Lover Christian (Matthieu Carriere), ein attraktiver Pilot, der aber bereits verheiratet ist. Da Christian sich einige Monate nicht blicken ließ, fing Anne mit dem noch unerfahrenen Francois etwas an. Doch inzwischen fühlt sich sich von der Eifersucht arg eingeengt und Francois klammert auch, er würde gerne viel mehr Zeit mit Anne verbringen. Doch die pocht auf ihre Unabhängigkeit und Freiheit. Sie ist auch genervt von der Anhänglichkeit ihres jugendlichen Lovers. Francois tut aber alles für seine Anne und so hat er bei seinem Nebenjob in der Post (er sortiert nachts Briefe, um das Studium zu finanzieren) einen Kollegen (Philippe Caroit) gefragt, ob der in Annes Wohnung etwas reparieren kann. Als er nach der Arbeit - morgens um 7 Uhr - bei Anne vorbeischaut und klingelt, macht ihm die Herzensdame aber nicht auf. Wenig später sieht er Anne, wie sie mit dem Ex das Haus verlässt. Anne hatte ihm doch gesagt, dass Schluß ist. Der Zuschauer weiß zu diesem Zeitpunkt, dass die Beziehung zu dem Flieger tatsächlich beendet ist, denn dessen Frau ist schwanger und er hat sich entschieden bei seiner Frau zu bleiben. Francois missversteht das Treffen allerdings, weil Anne ihm an diesem Tag total die kalte Schulter zeigt. Daher heftet er sich an Christians Fersen, der sich in der Stadt mit einer blonden Frau (Haydee Caillot) trifft. Ist das etwa die Frau des Fliegers ? Jedenfalls gewinnt er bei seiner Detektivarbeit zufällig eine Komplizin, die sich sehr für Francois Beschattung interessiert. Die 15jährige Lucie (Anne Maure Meury) spricht ihn im Park des Buttes Chaumont darauf an. Die beiden verbringen - genau wie das Paar, dass von ihnen beobachtet wird - den Nachmittag gemeinsam...




Am Ende der Geschichte klärt sich auch auf, wer die blonde Frau tatsächlich ist. Da Francois Lucie versprochen hat ihr die Aufklärung seiner Recherchen schriftlich mitzuteilen, wirft er bei ihr noch einen Brief ein. Er entdeckt sie zufällig, wie sie einen Jungen küsst. Als dieser sich ihm nähert, erkennt er, dass es sein Arbeitskollege bei der Post ist. So erweist sich die Metropole Paris fast schon wieder als kleiner kosmos, bei dem man sich immer wieder begegnet. Die letzten Bilder vollenden aber auch die Melancholie, die über der Geschichte liegt. Die Stadt ist riesengroß und die Nöte des Einzelnen spielen für die Dynamik in der Stadt keine große Rolle. Rohmer gibt aber diesen jungen Menschen mit ihren Sehnsüchten eine Stimme - diese jungen Pariser leben ihr Leben und sind lebendig. Sie suchen Beziehungen und Rohmer lässt den Zuschauer wie gewohnt an ihrer Gefühlswelt teilhaben. Durch das alltägliche und beinahe schon schlichte und banale Treiben erreicht der Filmemacher natürlich eine sehr hohe Authentizität. "Die Frau des Fliegers" endet natürlich offen, denn das Treiben in der Großstadt ist fließend. Wer wen liebt, nicht mehr liebt, noch nicht liebt, ist am Ende nicht klar, weil alles in der Zukunft liegt. Die jungen Helden, denen Rohmer in seinem Film eine Stimme gab, haben Geheimnisse, die im Film natürlich nicht erwähnt, sondern nur vermutet wurden




Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Unter Piratenflagge
























Regie: Michael Curtiz

Arzt, Sklave und Pirat...

Regisseur Michael Curtiz und der Filmstar Errol Flynn waren in den 30er und 40er Jahren ein überaus erfolgreiches Gespann. Angefangen hatte alles mit dem 1935 gedrehten Piratenfilm "Unter Piratenflagge", für dessen Hauptrolle zuerst der Brite Robert Donat vorgesehen war. Er spielte in den USA ca. 1,3 Millionen Dollar ein und weltweit sogar mehr als 3 Millionen Dollar und wurde einer der kassenträchtigsten Filme des Kinojahres 1936.
Es folgten "Der Verrat des Surat Khan", "Robin Hood", die Western "Herr des wilden Westens", "Goldschmuggel in Virginia" und "Land der Gottlosen" sowie das Seefahrtsabenteuer "Herr der sieben Meere". Erst danach verbrach diese erfolgreiche Fusion an den Streitigkeiten zwischen dem eher undisziplinierten Flynn und dem autoritär auftretenden Regisseur.
"Unter Piratenflagge" erhielt zwar nur 2 offizielle Oscarnominierungen (als bester Film des Jahres und für den besten Tontechniker Nathan Levinson), doch inzwischen werden 3 weitere nicht offizielle Nominierungen (für das Drebhuch, für die Musik und für den Regisseur) dazu gezählt, denn damals gabs viele Wähler, die auf ihren Wahlzettel auch Namen schrieben, die gar nicht offiziell berücksichtigt wurden. Das bekannteste Beispiel für diese Praxis war ein Jahr zuvor die nicht nominierte Bette Davis für "Of human bondage"- dies löste breite Proteste aus und viele Wähler gaben ihr aus Protest eine sogenannte "write in" Stimme.
Insider wissen, dass Michael Curtiz die zweitmeisten Stimmen für den Regiepreis bekam - fast hätte er den offiziellen Sieger John Ford für "Der Verräter" noch überflügelt.
Mit "Captain Blood" (so der US-Originaltitel" etablierte sich auch das Film-Traumpaar Errol Flynn und die damals gerade erst 20jährige Olivia de Havilland. Auch für dieses Duo war es der Auftakt von weiteren Filmen - insgesamt spielten die beiden acht Mal miteinander.
Die Geschichte erzählt davon wie aus einem Arzt ein Pirat wurde und beginnt im Jahr 1685 in England. Es regiert der despotische König James II. (Vernon Steele), der beim Volk nicht beliebt ist. Die Menschen rebellieren und für diese Aufwiegler macht man kurzen Prozess. Der dem König hörige Richter Jeffreys (Leonard Mudie) verurteilt diese Angeklagten wegen Hochverrat zum Tod an dem Galgen. Eines Nachts wird der irische Arzt Peter Blood (Errol Flynn) von seinem Freund Jeremy Pitt (Ross Alexander) zu dem verwundeten Lord Gildoy gerufen. Dessen Verwundung stammt von dem Kampf mit der Armee des Königs. Da Peter Blood dem Verwundeten geholfen hat, wird er verhaftet und trotz seiner Verteidigung aufgrund des hippokratischen Eids für schuldig befunden und zur Sklaverei nach Westindien verurteilt. In Port Royal wird er von der schönen Arabella Bishop (Olivia de Havilland) ersteigert, der Nichte eines brutalen Plantagenbesitzers (Lionel Atwill). Durch seine medizinischen Fähigkeiten kann er aber dem gichtgeplagten Gouverneurs (George Hassell) helfen und später gelingt ihm sogar mit anderen Sklaven die Flucht. Ab diesem Zeitpunkt wird er Anführer der Piraten...



Für Action sorgen die Schlachten zwischen dem Piratenschiff und angreifenden Franzosen sowie Peter Bloods Konkurrenkampf mit dem Franzosen Levasseur, gespielt von Basil Rathbone, dessen Höhepunkt sich in einem Fechtduell gipfelt. Kameratechnisch wurde "Unter Piratenflagge" von dem Duo Ernest Haller und Hal Mohr unterstützt, die vor allem in den Sequenzen in England düstere Bilder wählen. Ein schöner wie nostalgischer Abenteuerfilm.




Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 
 
 
 

Die Verachtung























Regie: Jean Luc Godard

Eine Ehe zerbricht...

Jean Luc Godards Cinemascopefilm "Die Verachtung" ist ein Film, der auch nach seinem tragischen Ende noch nachhallt. Erzählt wird eine Geschichte von Kunst und Kommerz, Mythos und Realität, Leben und Tod. Das äußere Geschehen wird kontrapunktiert durch Reflexionen während der Verfilmung von Homers Odyssee durch die Regielegende Fritz Lang, derr sich selbst spielt. Ein intellektuell sehr anspruchsvolles Werk, dessen kühle Schönheit nicht jeden ansprechen wird. Es ist aber auch eine Geschichte über eine Liebe, die durch einen offen gelegten Charakterzug jäh endet. Die Filmmusik von Georges Delerue ist phasenweise wirkt nur hypnotisch, sie unterstreicht auch die Traurigkeit dieser überraschenden Ereignisse. Im Kontrast dazu hat Kameramann Raoul Coutard (Außer Atem, Schießen sie auf den Pianisten, Die süße Haut, Lola, das Mädchen vom Hafen, Jules und Jim, Die Braut trug schwarz, Z, Duell ohne Gnade) betörend schöne Kinobilder dazu entworfen. Der Titel des Films bezieht sich auf die weibliche Hauptfigur, die von Brigitte Bardot sehr sensibel gespielt wird. Durch eine einzige Situation verändert sich ihre Liebe zu ihrem Mann, einem Drehbuchschreiber. Im Film selbst kommt aber ebenso Godards Verachtung für die Entwicklung der Filmindustrie Hollywoods zum Ausdruck, wie sie personifiziert wird von der unangenehmen Figur des Produzenten Jeremy Prokosch. Denn Godard lag mehrfach im Clinch mit seinem Produzenten Joseph E. Levine, der sich Sorgen um die Einspielergebnisse machte. Daher mussten mehr Nacktaufnahmen von Brigitte Bardot nachgedreht werden. Der französische Schriftsteller Paul Javal (Michel Piccoli) befindet sich mit seiner jungen und attraktiven Frau Camille (Brigitte Bardot) in Rom. Er wurde dorthin eingeladen auf Wunsch des US-Filmproduzenten Jerry Prokosch (Jack Palance), damit er das Drehbuch eines Films über die Odyssee umschreibt. Fritz Lang wurde verpflichtet, den Film zu inszenieren. In einer ansonsten ereignislosen Szene kommt es zu einem Missverständnis  : Camille, die glaubt, Paul wolle sie ermutigen, steigt in Prokoschs Auto, das zunächst langsam losfährt, dann aber plötzlich mit hoher Geschwindigkeit davonrast. Die junge Frau wollte gar nicht erst in den Wagen steigen und lieber mit ihrem Mann ein Taxi zu Prokoschs Villa nehmen, doch Paul hat sogar darauf bestanden, dass Camille alleine in den Wagen steigt. Der Film erkundet, was sich in diesem Bruchteil einer Sekunde zwischen dem Paar abspielt. Irgendwie kommt in Camille der Gedanke auf, dass ihr Mann sie nicht vor der Zudringlichkeit des aggressiven Produzenten schützen will, sondern im Gegenteil noch dazu bereit ist sie für diesen hoch dotierten Drehbuchauftrag zu "verkaufen".Zwischen zwei Einstellungen ist Camilles Missverständnis in Verachtung für ihren Mann umgeschlagen. Sein verspätetes Eintreffen bei dem Haus des Produzenten treibt die Spannung zwischen dem Paar weiter voran. Zudem flirtet Paul in Gegenwart Camilles auch noch mit der Assistentin Francesca (Giorgia Moll). Das Treffen endet mit einer Einladung der beiden nach Capri, wo sie Zeugen der Dreharbeiten zu der Odysseus-Verfilmung sein sollen. Paul versucht dort, Lang für sich zu gewinnen, indem er ihm seine Absicht erklärte, die Geschichte von Odysseus und Penelope aus psychologischer Sicht neu zu erzählen und dabei seine Erfahrungen mit einer schwierigen Ehe einfließen zu lassen. Lang erwiderte offen, dass er an einem modernen, psychoanalytischen Ansatz nicht interessiert sei. Er tendiere eher zum klassischen Kino und interessiere sich für das Verhältnis zwischen Mensch und Natur in der mediterranen Landschaft. Camille erliegt Prokoschs Annäherungsversuchen, fest entschlossen, ihren Mann zu verlassen. Paul, der sie nicht verlieren will, erklärt ihr, er sei bereit, seinen Job aufzugeben, um sie an seiner Seite zu halten. Nun versteht er, warum Camille ihm gegenüber Groll hegt, und versucht, ihr das Gegenteil zu beweisen  ; seine Bemühungen, die Ehe zu retten, scheitern jedoch. Camille beendet die Beziehung zu Paul endgültig und geht mit Prokosch. Auf der gemeinsamen Autofahrt nach Rom kommen Camille und Prokosch ums Leben....










In den ersten Wochen nach Kinostart verzeichnete "Le Mepris" - so der Originaltitel - insgesamt 235.000 Zuschauer in den fünd exklusiv ausgewählten Pariser Kinos und belegte am Ende des Jahres sogar Platz 7 der französischen Kinocharts. Für einen Godard Film extrem erfolgreich, aber dennoch ein kommerzieller Misserfolg fürt einen Film mit dem Sexsymbol Brigitte Bardot. Die berühmteste Szene des Films wurde tatsächlich die Nacktszene am Anfang, in der Camille ihrem Mann einige Körperteile aufzählt und ihn fragt wie diese ihm denn gefallen.  Diese Serie von Fragen, die nach und nach fast alle Teile ihres Körpers streift, scheint sich nicht nur an den Ehemann, sondern ebenso an die Filmproduzenten zu richten, die die Nacktheit des weiblichen Körpers für ihre Zwecke ausbeuten. Während der Dreharbeiten verhielten sich die echten Produzenten immer mehr wie die Figur, die Jack Palance im Film verkörpert – ihr Hauptinteresse galt schließlich den Nacktszenen. Durch seine Einzigartigkeit ist "Die Verachtung" vielleicht sogar Godards bester Film. 











Bewertung: 9,5 von 10 Punkten. 

Die Sammlerin























Regie: Eric Rohmer 

Sommerflirts...

"La Collectionneuse" (deutsch: Die Sammlerin) ist der vierte von insgesamt sechs moralischen Geschichten, die Rohmer gefilmt hat. Sie alle sollen moralische Aspekte in der Beziehung von Menschen untersuchen. Diese sechs Filme entstanden alle in der Zeit zwischen 1962 bis 1972. Angefangen mit dem 22minütigen Kurzfilm "Die Bäckerin von Monceau", dem "Die Karriere von Suzanne" folgte, der bereits mehr als Doppelte der Laufzeit hatte. Obwohl mit "Meine Nacht mit Maud" zwei Jahre später als "Die Sammlerin" entstand, war er nach Rohmers Zählung der dritte Film der Erzählung. Danach inszenierte er die beiden letzten der moralischen Geschichten: "Claires Knie" und "Liebe am Nachmittag". Der 1967 entstandene "Die Sammlerin" gehört zweifelsohne zu Rohmers schönsten Filmen. Man erlebt hier, wie die Prinzipien, mit denen sich die Figur des Adrien an seinen Urlaub herangegangen ist, allein durch die Anwesenheit eines langbeinigen Mädchens zerbröcheln. Und man schmunzelt ein bisschen, wie dieser Mann die Prinzipien in einem anspruchsvollen Kommentar zu verteidigen sucht. All dies geschieht im Sommer an der Cote d´Azur bei wunderbarem Wetter. Doch die lockere Sommergeschichte läuft mit einem seltsamen Kontrast ab, der dem Film eine bis zum Schluß eigentümliche Stimmung verleiht. Einmal leistete der Kameramann Nestor Almendros eine hervorragende Leistung - und dies obwohl wenig Geld vorhanden war und diese sehr begrenzten Mittel einer klaren und schmucklosen Darstellung im klassischen Rohmer-Stil dienten, der stets dem Dialog (hier in Zusammenarbeit mit den drei Protagonisten selbst verfasst) und der Gestaltung sentimentaler Situationen Vorrang einräumte. Adrien (Patrick Bauchau), ein Antiquitätenhändler, der Arbeit und Liebe überdrüssig ist und seine Verlobte (Mijanou Bardot) vernachlässigt, die allein nach London reiste, um dort zu arbeiten, beschließt, den Sommer 1967 in einer Villa in der Nähe von Saint Tropez zu verbringen , die ihm sein reicher Freund Rodolphe zur Verfügung gestellt hat  ; er wird von Daniel (Daniel Pommereule), einem gemeinsamen Freund, begleitet. Dort angekommen, warnt Daniel ihn, dass es noch eine dritte Bewohnerin geben würde. Genauer gesagt, eine dritte weibliche Bewohnerin  : Sie heißt Haydée (Haydee Politoff), mit der Rodolphe zuvor eine Affäre gehabt hatte und die er spontan zu sich eingeladen hatte. Adrien steht im Morgengrauen auf, schwimmt im Meer, liest im Schatten eines Baumes und geht auch früh zu Bett. Alles angenehme und für ihn ungewöhnliche Aktivitäten. Haydée hingegen meidet er so gut es geht, da sie jede Nacht mit einem anderen Jungen verbrachte. Verärgert tun sich Adrien und Daniel zusammen, um Haydée, die etwa zehn Jahre jünger ist als sie, einzuschüchtern. Sie beschimpfen sie als kleine Sammlerin und verbieten ihr, weitere One Night Stands mit nach Hause zu bringen. Nachdem Adrien eine Weile geschmollt hat, beginnt er, Haydée den Hof zu machen. Er gesteht ihr seine Gefühle, sagt ihr aber, dass sein Moralkodex es ihm verbietet, mit ihr zu schlafen. Deshalb bittet er sie, ein leichteres Ziel zu verführen, nämlich Daniel. Daniel und Haydée schlafen eine Zeit lang miteinander, doch nach einiger Zeit wird Daniel ihr gegenüber launisch und verlässt sie, nachdem er sie beleidigt hat.   Adrien tröstet die verletzte junge Frau und schmiedet einen neuen Plan, um ihr Interesse zu wecken. Er hat eine seltene chinesische Vase mitgebracht, die er dem wohlhabenden, aber unhöflichen amerikanischen Sammler Sam (Seymour Herzberg) überbringen soll, der an Haydée interessiert ist. Sam lädt sie zum Abendessen und zur Übernachtung in seine Villa ein. Adrien vereinbart mit Haydée, dass er am nächsten Morgen vorgeben wird, geschäftlich unterwegs zu sein, und sie dort zurücklässt, damit sie Sam verführen kann. Doch als er am Abend zurückkehrt, um sie abzuholen, wendet sich Sam gegen Adrien und beleidigt ihn, während er mit Haydée flirtet, die daraufhin seine kostbare neue Vase umstößt. Adrien und Haydée verlassen den Amerikaner und fahren gemeinsam zurück. Unterwegs denkt Adrien, dass Haydée eigentlich ein gutes Herz hat und dass er, jetzt wo Daniel weg ist, seine letzte Urlaubswoche mit ihr genießen kann. Zwei Männer in einem italienischen Sportwagen erkennen Haydée, die aussteigt, um mit ihnen zu sprechen. Als sie Haydée einladen, mit ihnen nach Italien zu kommen , holt sie ihre Reisetasche aus Adriens Auto. Nach kurzem Warten lässt er sie bei den Männern und kehrt allein zur leeren Villa zurück. Nun kann er seinem Ziel, in Ruhe zu lesen und zu schwimmen, nachgehen, merkt aber, dass ihm diese Aktivitäten allein keinen Spaß mehr machen. Daraufhin greift er zum Telefon, um einen Platz im nächsten Flug nach London zu buchen...











Rohmer greift in seinem Film wiederkehrende Themen wie Begierde, Treue und Freundschaft zwischen den Geschlechtern auf. Auch der häufige Einsatz des Off-Kommentars ist eines von Rohmers Stilmitteln. Rohmers entomologischer Blick zeichnet – mit klarer Natürlichkeit und Einfachheit – das Alltagsleben seiner Figuren auf  : Die Schauplätze sind der Gegenwart entlehnt (er ist heute noch so modern wie vor 50 Jahren9 aber die raffinierte Philosophie und der Ton der Erzählung erinnern auch an die Literatur des 19. Jahrhunderts. Der interessante Film wurde mit dem Silbernen Bären von Berlin geehrt. 











Bewertung: 9 von 10 Punkten.