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Sonntag, 18. Juli 2021

Der große McGinty


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Preston Sturges

Vom Aufstieg und Fall...

Preston Sturges große Zeit in Hollywood dauerte leider nur 4 Jahre und in diesen Jahren drehte er Klassiker wie "Palm Beach Story", "Die Falschspielerin" oder "Sullivans Reisen". Er wurde von manchem als Zyniker bezeichnet oder auch der Naivität bezichtigt. Er wurde als Rebell verehrt oder als Opportunist verdammt, galt vielfach als Moralist oder als einer der ersten Satiriker des US-Kinos. Vielfach kam auch die Einordnung als "Anti Frank Capra" ins Spiel. In allen seinen Filmen vereinte er Altes mit Neuem, Helles mit Dunklem, Schnelles mit Langsamen, er kombinierte Slapstick und Wortwitz in seinen Dramen, die dann auch den Anstrich einer Farce bekamen. Sturges war europäisch beeinflusst, da er einen Großteil seiner Kinheit in Frankreich, Deutschland und der Schweiz verlebte. Als Allrounder saß er nicht nur auf dem Regiestuhl, sondern verfasste auch die Drehbücher seiner werke selbst. Bereits sein Debüt war ein Riesenerfolg. Er verkaufte das Script zu "Der große Mr. Ginty" für 10 Dollar an die Paramount. Einzige Bedingung: Er wollte Regie führen und man war mit diesem Deal einverstanden. Der Film kostete nicht viel und wurde von der Kritik so stark gelobt, dass Sturges gleich einen Academy Award für das beste Originaldrehbuch in der Oscarnacht mit heimnehmen durfte.
Im Film selbst geht es um den amerikanischen Traum. Vom schnellen Aufstieg und vom schnellen Fall. Der Tellerwäscher, der zum Millionär wird. Dan McGinty (Brian Donlevy) ist zwar kein Tellerwäscher, aber ein Obdachloser, ein Vagabund, der durch seine Cleverness einem Parteichef (Akim Tamiroff) auffällt. Dieser gibt ihm einen Job und danach scheint der Aufstieg rasant und unaufhaltsam zu sein. Aber vorher lernen wir diesen McGinty in einer Kneipe als Barkeeper kennen. Dort will sich der junge Bankassierer Thompson (Louis Jean Heyd) das Leben nehmen, weil er seinen Arbeitgeber betrogen hat. In letzter Sekunde kann McGinty den Schuß verhindert und erzählt ihm und seiner weiblichen Begleitung die Geschichte, die ihm passiert ist. Vom Obdachlosen zum Gouverneur in 1,2,3. Einen Moment der Ehrlichkeit brachte ihn dann zum Fall und nun ist er wieder unten. Aber vor längerer Zeit konnte er bei dem Parteichef, einem mächtigen Gangster Eindruck schinden, weil er 37 Stimmen zur Wiederwahl des Bürgermeisterkandidaten Tilinghast (Arthur Hoyt) beigesteuert hatte, indem er mit dem Namen von gerade erst verstorbenen Leuten mehrmals wählen ging. Der Parteichef findet Gefallen an McGinty, der so gar keinen Respekt vor seinen Mitmenschen aufweist und auch sehr schlagkräftig und schlagfertig agiert, wenn es sein muss. Bald wird er Stadtrat. Doch für die Politik und das gute Ansehen muss eine Ehefrau her. Die findet er bei seiner Sekretärin Chaterine (Muriel Angelus), die zwei Kinder und einen drolligen Hund hat. Zuerst ist es eine reine Zweckverbindung, doch beide verlieben sich irgendwann. So wird aus dem kleinen Gangster McGinty ein anständiger und ehrenwerter Familienvater. Bald macht der Parteichef ihn zum Gouverneur. Mit dieser Macht im Rücken versucht nun McGinty sich wirklich wichtigen politischen Themen anzunehmen und Kinderarbeit und Armut will er bekämpfen. Doch er hat nicht mit der Gegenwehr seiner Parteifreunde gerechnet, die weiterhin geldgierig und korrupt agieren. Schließlich stolpert er über die Taten der Vergangenheit...


 
"Der große McGinty" ist mit seiner Laufzeit von 80 Minuten knackig kurz, aber sehr unterhaltsam. Er bietet auch einen schonungslosen Blick in den Geist der korrupten Politik und bleibt deshalb aktuell. Der satirische Spaß ist mit guten Dialogen ausgestattet. So argumentiert McGinty bei den Geschäftsleuten, die kein Schmiergeld an den Boss zahlen wollen mit den Worten "Sie müssen jemand bezahlen, damit du vor der menschlichen Habgier anderer, die noch kommen werden, geschützt bist. In manchen Fällen hört sich das so plausibel an, dass die Menschen dann auch ihren Beitrag zahlen. Sturges bietet dem Zuschauer eine Farce an, die einen zähen und geschäftstüchtigen Penner beim Aufstieg zuzusehen. Im Grunde ein sehr ernsten, ja fast schon düsteres Thema, aus dem man gut einen Film Noir hätte machen können....Sturges hat aber diese Geschichte gegen die Erwartungen gebürstet und macht aus diesem Stoff eine vergnügliche und temporeiche Achterbahnfahrt mit allem was das Leben so zu bieten hat.

 

Bewertung: 8 von 10 Punkten.

 

Atemlos in Florida - Palm Beach Story

























 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Preston Sturges

Palm Beach Story....

"Atemlos nach Florida" von Preston Sturges heißt im Original "The Palm Beach Story" und entstand 1942, also kurz nach dem amerikanischen Eintritt in den 2. Weltkrieg. Obwohl Screwball-Comedy im klassischen Sinn, injizierte der Macher Preston Sturges in sein Arbei ein starkes Level an sozialer Kritik und politischer Satire, die ansonsten in anderen Klassikern dieses Genres kaum zu finden sind. Auch seine Frauen-Figuren sind sehr selbstbewusst, besonders sichtbar in "Die Falschspielerin" mit Barbara Stanwyk, die in ihrer weiblichen Aggressivität kaum zu stoppen ist, aber auch in "Atemlos nach Florida".  Hier spielt Claudette Colbert eine verheiratete Frau, die sich als sehr nutzlos empfindet, da sie ihrem Mann Tom (Joel McCrae)  bislang nur Pech brachte. Und nicht mal mit hausfraulichen Tugenden kann Gerry Jeffers glänzen. Sie kocht nicht gut, sie putzt nicht gerne und hat in ihrer Unterstützung versagt ihm zu Reichtum zu verhelfen. Nur in einem Punkt klappt es aber immer noch hervorragend: Sie lieben sich. Aber sie will ihm nun nicht länger im Weg stehen und hält die Scheidung für den klügsten Schritt. Auch die teure Wohnung müssen sie verlassen, da sie mit der Miete im Rückstand sind. Doch in Sturges Komödien tauchen immer mal wieder skurrile Typen auf. So bekommt Gerry von einem kauzigen Millionär, dem Wieni King (Robert Dudley), der die Wohnung als potentieller Käufer besichtigt, im Schlafzimmer das Geld für den Mietrückstand und noch ein bisschen mehr...damit kauft sie tüchtig Kleidung an, bevor ihr Mann nach Hause kommt. Der ist gleich eifersüchtig, denn er weiß, dass seine Gemahlin die Herren der Schöpfung um den Finger wickeln kann. Trotz der gegenseitigen Liebe...Gerry fasst den Entschluß nach 5 Jahren Ehe die Scheidung einzuleiten und flieht vor ihrem Tom in einer Nacht- und Nebelaktion in den Zug Richtung Florida. Dort will sie einen zweiten Eheversuch mit einem vermögenden Mann versuchen, der auch noch ihrem baldigen Ex Tom bei seiner Erfindung, die keiner will, finanziell unter die Arme greifen soll. Und schon im Abteil des Zuges trifft die entschlossene Gerry auf eine Jagdgesellschaft, die sich "The Ale and the Quail Club" - Millionäre, die mit ihren Hunden irgendwann in dieser Nacht noch im Schlafwagenabteil des Zuges auf Jagd gehen werden. Genau dort macht Gerry auch noch die Bekanntschaft mit John D. Hackensacker III (Rudy Vallee), einem der reichsten Männer Amerikas. Der fängt sofort Feuer, hat eine genauso reiche Schwester (Mary Astor), die ihre Lover ständig wechselt und derzeit mit einem Toto (Sig Arno) liiert ist. Natürlich reist Tom seiner Gerry nach und beim Wiedersehen gibt Gerry ihren Noch-Ehemann als ihren ledigen Bruder aus...




Dies führt natürlich zu Missverständnissen und der Zuschauer erhält Einblicke in eine dekadente Oberschicht, die so in Geld schwimmt, das der Verstand teilweise aussetzt. Claudette Colbert ist perfekt als starke Frau, die zwar noch nicht genau weiß, was sie wirklich will - aber ihren Plan mit Eifer und Hingabe verfolgt. Die Männerfiguren sind eher schwach, was man auch in der Beziehung von Maude, Prinzessin Centimilia und Schwester des reichen hackensacker mit ihrem Toto erkennen kann. Der wird von ihr regelrecht beherrscht und hat das zu tun, was die Lady will. Im Vorspann nimmt Preston Sturges die Ehe, die für immer hält, aufs Korn und zeigt sie nach 5 Jahren schon am Ende...im Grunde wegen banalen Dingen, obwohl man sich alles schwört in guten wie in schlechten Tagen. Dieses Bild wird am Ende wieder aufgenommen und total satirisch überspitzt. Der Schlußplot von "The Palm Beach Story" ist so absurd wie genial.



Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

 

Mittwoch, 8. Mai 2019

Die Falschspielerin







































Regie: Preston Sturges

Böses Mädchen...

"Die Falschspielerin" heisst im Original "The Lady Eve". Eine englische Lady, die allerdings erst im zweiten Part des Films auftaucht. Preston Sturges Screwball-Comedy glänzt nämlich mit einer superguten Idee, einem Extrem-Cut in der Mitte des Films, wenn aus der raffinierten Trickbetrügerin Jean Harrington (Barbra Stanwyk) die alles bezaubernde, liebevolle Lady Eve aus dem Vereinigten Königreich wird und mit der Verwandlung auch die Locations wechseln. Die gute Hälfte spielte sich zurerst an Bord eines Luxusliners ab, der auf dem Weg von Südamerika nach New York ist.  Der zweite Teil spielt sich  beim illustren Empfang in einer Villa der steinreichen New Yorker Familie Pike statt. Dieser Szenenwechsel und mit die mit einhergehende Verwandlung der Frau hat natürlich Gründe und ein Ziel namens Hopsie (Henry Fonda). Hopsie ist der Sohn des Villenbesitzers, der Vater wurde durch seine Brauerei vermögend. Der Sprößling macht sich nichts aus Bier, auch nicht aus dem vielen Geld, denn der etwas naive, weltfremde und ungeschickte Millionärssohn ist mit Leidenschaft Amazonasforscher und heißt eigentlich Charles Pike. Hopsie erforschte im Urwald Schlangen und steigt zur Weiterfahrt nach Beendigung der Expedíton überraschend mit seinem Assistenten und Faktotum Muggsy (William Demarest) und seiner Schlange auf einen Luxusliner.
Hier macht er dann Begegnung mit der wirklichen Schlange...Jean Harrington. Wobei die empanzipierte Lady eigentlich Angst vor Schlangen und im Grunde ein gutes Herz hat.
Jean, ihr Vater (Charles Coburn) und ein weiterer Komplize namens Gerald (Melville Cooper) bilden ein sehr versiertes Betrügertrio, die auf diesen Überfahrten stinkreiche Passagiere beim Kartenspiel um viel Geld erleichtern. Hopsie soll das nächste Opfer werden...aber dann kommt die Liebe ins Spiel. Und ab diesem Zeitpunkt laufen die ganzen Pläne aus dem Ruder. Nicht zuletzt weil Hopsies Assistent die Wahrheit vermutet und schliesslich auch noch an Bord aufdeckt.
Hopsie gibt Jean den Laufpass, diese ist aber noch nicht "fertig" mit ihm, denn sie muss sich natürlich rächen und ausserdem braucht sie ihn "wie das Hackebeil den Truthahn"...und bis die beiden Liebenden endlich das wohlverdiente Happyend erleben dürfen, taucht eben eine Lady Eve überraschend auf einem Empfang beim Vater des zukünftigen Ehemannes auf und diese Frau sieht der Trickbetrügerin Jean sehr ähnlich...natürlich funkt es auch ein zweites Mal.




Mit viel witzigen Slapstickeinlagen, eleganter Spielfreude, ein bisschen Lubitsch-Touch und heiterem Geschlechterkrieg ist dieser 40er Jahre Hit von Preston Sturges inszeniert. Barbara Stanwyk und Henry Fonda glänzen in ihren Rollen, auch die Nebenrollen sind bestens besetzt...vor allem Charles Coburn als durchtriebener Vater der angehenden Braut begeistert auf ganzer Linie
Barbara Stanwyk spielt genial ihre Rolle mit emanzipatorischen Fähigkeiten, lange bevor die Emanzipation zum grossen Thema wurde.
Bei der Oscarverleihung 1942 wurde die grandiose Vorstellung von Barbara Stanwyk leider total übergangen. Man zog ihre Darstellung in der Howard Hawks Komödie "Die merkwürdige Zähmung der Gansterbraut Sugarpuss" vor, was m.E. eine krasse Fehlentscheidung war. Mit diesem Film reichte es dann nicht zum Sieg, den schnappte ihr Joan Fontaine für "Verdacht" weg. Wer weiß, vielleicht hätte es mit der Rolle der Lady Eve/Jean Harrington eher geklappt. Immerhin erhielt "Die Falschspielerin" eine Nominierung in der Kategorie "Beste Originalstory", die von Monckton Hoffe stammte. Für mich ist dieser Preston Sturges Klassiker wahrscheinlich sogar die beste Screwballcomedy überhaupt. Nicht nur dass die Chemie zwischen Stanwyk und Fonda stimmt. Ab dem Zeitpunkt als Jean dem reichen Millionärssohn ein Bein stellt, beginnt das herrliche Dialogfeuer.




Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Samstag, 6. Januar 2018

Sullivans Reisen







































Regie: Preston Sturges

Spassmacher, Clowns, Komiker und Hollywood Wahnsinn...


Preston Sturges "Sullivans Reisen" ist sein populärster, aber auch sein sonderbarster Film. Der Regisseur widmete seinen Film allen Witzbolden, Clowns und Possenreißer, die es zu allen Zeiten und in allen Nationen gab und die Menschen zum Lachen brachten. Ein Werk mit wunderbaren subversiven Ansätzen, die man am Ende vielleicht so interpretieren könnte, dass Sturges die Verhältnisse, die er anprangert, akzeptiert.
Aber der Schluß lässt auch eine andere Bedeutung zu, denn man könnte auch den Künstler und Regisseur Sullivan als Popanz oder Wichtigtuer gescheitert sehen, da seine unterhaltsamen und witzigen Filme überhaupt nichts bewirken - nicht einmal ein paar schöne Stunden für die Zuschauer, denen der Filmschaffende angeblich helfen will. Andererseits wissen wir aber auch, dass im 2. Weltkrieg und in der schwierigen Nachkriegszeit die Menschen gerne die Realität vergessen wollten und gerade deswegen das Kino besuchten um in eine bessere, lustigere Welt einzutauchen.
Zumindest in der ersten Hälfte des Films ist die bissige Satire eindeutig klar gestaltet: Der erfolgreiche Hollywood Regisseur Sullivan (Joel McCrae) hat genug von seinen erfolgreichen Unterhaltungsfilmen. Er will den engagierten, sozialkritischen Film schaffen. Arbeitstitel "O Brother, Where Art Thou?" - ein Drama über die schweren Zeiten der damaligen Wirtschaftskrise. Die beiden Studio Bosse Lebrand (Robert Warwick) und Hadrian (Porter Hall) sind gar nicht begeistert von solchen risikoreichen Ambitionen. Sie haben kein Interesse daran, dass das Zugpferd das Genre wechselt. Trotzdem lässt sich der naive Sullivan von seinem Plan nicht abbringen. Da die Bosse ihm vorwerfen, dass er als reicher Mann gar keine Ahnung von Armut haben kann, fasst der Filmemacher den Entschluß sich als Landstreicher zu verkleiden und durchs Land zu reisen. Er will das "echte Leben" studieren. Im reichhaltigen Kostümfundus des Studios sucht er sich ein schäbiges Landstreicher-Outfit aus und zieht in seiner ersten Reise mit 10 Cent in den Taschen los. Verfolgt von der PR-Abteilung des Studios, die in einem luxuriös ausgestatteten Wohnmobil auf seinen Fersen bleiben. Seine betriebene Milieustudie droht zu kippen, auch wenn Sullivan Mitfahrer eines fahrbegeisterten Jungen wird, der das Gefolge erfolgreich abschüttelt kann. So endet die erste Reise mit Slapstick und anschließendem Autostop, der ihn in seine Heimat Hollywood bringt. Er wagt einen nächsten Anlauf, nachdem er in einem Imbissvon einer blonden Schönheit (Veronica Lake) zu einem Frühstück eingeladen wird. Dieser Traumfrau kann er zuerst noch vormachen, dass er ein armer Landstreicher ist - aber er hält seine Armut nicht lange aufrecht, weil er der Schönen, die von einer Hollywood Karriere träumt, ein bisschen Schützenhilfe leisten will. Und das kann er nur als einflussreicher Mann. Er entwendet sein eigenes Auto und wird von der Polizei gestellt und wieder endet dieser Versuch, die Armut gemeinsam mit der Frau zu erkunden, mit der Endstation Hollywood. Der dritten Reise ist etwas mehr Glück beschieden...immerhin können sich Sullivan und sein Mädchen als Hobos durchschlagen. Hier wird "Sullivans Reise" zur Hommage an Charlie Chaplin. Nun hat er genug vom Experiment und während er - motiviert durch die Capra Filme - den Bedürftigen der Stadt ein paar Geldscheine einstecken will, beginnt die letzte und unfreiwillige Reise. Denn er wird zusammengeschlagen und findet sich in einem Güterzug wieder. Der Dieb, der ihm die Schuhe geklaut hat, wird von einem Zug tödlich erfasst und da der Tote für Sullivan gehalten wird, ist er nun wirklich vom Schicksal zu einem Landstreicher geworden. Als ein Bahnarbeiter ihn aggressiv angeht, wehrt er sich und wird zu 6 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Dort im Knast bringt ihm die Vorführung eines Disney Zeichentrickfilms das Lachen zurück und er hat einen effektiven Einfall, der ihn wieder nach Hollywood bringt. Natürlich kriegt er sein Mädchen und er beschließt Regisseur Sullivan zu bleiben, der diese netten und unterhaltsamen Komödien dreht...




Klingt alles ein bisschen diffus, aber der Film strahlt einen unglaublichen Charme aus. Während die ersten drei Reisen dafür stehen, dass man seinem Umfeld nie entkommen kann, scheint es, dass er mit der letzten Reise endlich Erkenntnisse gewinnen kann. So als würde man etwas lernen, wenn man eben nicht danach sucht, sondern wenn das Schicksal zuschlägt.
Extrem gelungen ist die dritte Reise, dort wirken Joel McCrae und die als Junge zurechtgemachte Veronica Lake tatsächlich wie Chaplin, der Tramp und sein Begleiter "The Kid". Überhaupt erweist sich "Sullivans Reise" auch als Hommage auf das ganz alte Hollywood - auf den Stummfilm und auf die Zeit, als der Film noch neu war und man kann nur vermuten was für eine Faszination der Film und das Kino in den Kindertagen hatte.
Die Traumfabrik fungiert hier tatsächlich als diese Realitätsflucht und Sullivan wird immer wieder am Ende seiner Reise in Hollywood sein. Möglich, dass der Film etwas uneinheitlich erscheint, aber ich finde Preston Sturges hält die Balance zwischen Drama und Kömödie perfekt. Auch die gewisse Künstlichkeit der Szenerie passt perfekt zu der Message, dass im Glanz von Hollywood ein pessimistisches Weltbild verdrängt wird - man ist ja der Held, wenn man es als Regisseur schafft, dass die Leute für 1 oder 2 Stunden ihr Leid vergessen. Er als Regisseur schafft für diese Armen damit was ganz Wertvolles. Ist Preston Sturges hier tatsächlich die bissigste aller Hollywood-Satiren gelungen oder hat er sich selbst und seine Zunft auf einen überhöhten Sockel gestellt ? Ich tendiere zu Ersterem. Und federleicht wie selten wirkt der Inszenierungsstil von Sturges.




Bewertung: 9 von 10 Punkten.