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Donnerstag, 20. Februar 2020

Fellinis Roma







































Regie: Federico Fellini

Erinnerungen und Momente...

"Roma" ist eine Hommage an die ewige Stadt, die Federico Fellini im Jahr 1972 drehte. Der Film ging als italienischer Beitrag ins Rennen um den besten ausländischen Film, doch er schaffte es nicht unter die fünf erfolgreichen Nominierungen zu kommen. Am Ende gewann Luis Bunuels "Der diskrete Charme der Bourgeousie" für Frankreich den Preis. Fellinis Film ist stark autobiographisch gefärbt und hat keine durchgängige Handlung, sondern präsentiert eine Reihe lose miteinander verbundener Episoden aus Roms Vergangenheit und Gegenwart.
Eine der Episoden zeigt den jungen Fellini, der von Peter Gonzales gespielt wird. Er verlässt Rimini, um in der brodelnden Hauptstadt sein Glück zu versuchen. Er kommt am Bahnhof an und lebt in einem gemieteten Zimmer, um zu studieren. In dieser Wohnung leben viele Menschen dicht zusammen und der junge Fellini wird in die Gepflogenheiten eingewiesen. Gemeinschaft wird dort groß geschrieben, am Abend geht man in die Stadt um zu Essen, trinken und sich über die wichtigen Dinge des Lebens zu unterhalten. Es ist das Jahr 1939 und gerade hat der zweite Weltkrieg begonnen und viele Italiener sind vom Duce begeistert.
Eine schillernde Stadt braucht opulente Bilder (Giuseppe Rotunno) und einen markanten Soundtrack (Nino Rota) und wie später Paolo Sorrentino in seinem preisgekrönten "La Grande Belezza" zeigt Fellini Exzesse und eine starke Dekadenz. Dabei sind die Hauptthemen in Rom Chaos, Mode, Sex und Religion. Der italienische Meisterregisseur schafft es sogar in einer ausufernden Sequenz über eine Modenschau der Geistlichkeit alle Themen zu einer grotesken Einheit werden zu lassen. Eine von Fellinis genialen Kabinettstückchen. Fellinis spätere Filme wurden in Punkto Sets immer verschwenderischer und extravaganter, die Darstellungen der Figuren neigten hin zur Groteske und zur Verzerrung. Immer wieder verabeitete Fellini darin auch Kinheitserlebnisse, dies gibt seinen Filmen auch immer einen sehr persönlichen, unnachahmlichen Charakter. Beinahe könnte man sagen, dass Fellinis Geschichten durch die Augen eines Kindes präsentiert werden. Der alltägliche Zirkus des Lebens wird nicht negativ gesehen, sondern immer auch mit einem faszinierenden, ungläubigen Eindruck oder Aspekt.






"Roma" ist ein Bilderbogen, der Szenen aus dem faschistischen Italien zeigt, aber auch mit Szenen der Gegenwart der frühen 70er zeigt. Die Szenen sind ausufernd gestaltet - man zeigt den täglichen Straßenverkehr in Richtung Stadt, der vom Chaos geprägt ist. Danach gibt es einen langen Komplex, der sich dem italienischen "Rivista" widmet - eine Art Variete mit vulgärem und sexistischem Einschlag. In einer weiteren Szene werden bei Ausgrabungsarbeiten ein altes römisches Haus voller prachtvoller Fresken freigelegt, doch die hereinströmende Luft vernichtet in Sekundenschnelle die freigelegten Kunstwerke. Der junge Fellini lernt in seiner Studentenzeit auch die Hurenhäuser der Stadt kennen - von gehoben, bis ganz primitiv. Danach gehts mit der genialen kirchlichen Modenschau, die auch Priester auf Rollschuhen präsentiert und weitere originelle Ideen, die extrem komisch sind. Aber dennoch sehr passend zu den vorher gezeigten Szenen abends in den vielen Restaurants der Stadt. Dazu gibt es Cameoauftritte von Anna Magnani, die kurz danach starb und von Gore Vidal. Der Film endet mit einer Vielzahl von Motorradfahrern, die durchs nächtliche Rom fahren und sich die Sehenswürdigkeiten ansehen, da kommt ein Hauch von Melancholie und Vergänglichkeit auf. Es ist eine Momentaufnahme, dann verschwindet die Gruppe im Dunkel der Nacht.
Als die vielen an den Wänden hängenden Gemälde von Kirchenfürsten abgestaubt sind, führt eine Principessa einen Kardinal in den Saal, in dem sie mit ihm als Ehrengast eine Modenschau mit extravaganten Modellen für Nonnen, Messdiener, Geistliche und Päpste veranstaltet. Zwei Landpfarrer fahren mit Fahrrädern über den Laufsteg, zwei städtische Priester tun es mit Rollschuhen. Vollends in Ekstase gerät das begeisterte Publikum, als der Papst persönlich erscheint.

Quelle: https://www.dieterwunderlich.de/Fellini_roma.htm#cont (c) Dieter Wunderlich






Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

8 1/2







































Regie: Federico Fellini

Wie aus einer Blockade Kunst wird...

"8 1/2" (Otto et Mezzo) gilt heute als einer der größten Filme aller Zeiten. Dabei visualisiert der Film eigentlich die Befindlichkeiten seines Regisseurs Federico Fellini, der in den frühen 60er Jahren eine Schaffenskrise hatte und seine Zweifel alle in diesem Film zeigte. Das Resultat ist ein sehr kompromissloser, einzigartiger Film von höchster Subjektivität. Der Titel bezieht sich dabei auf die Zahl der von Fellini bis dato gedrehten Filme. Es scheint so als habe Fellini die bisherigen Stationen seiner Arbeit, seines Lebens und seiner Zweifel gespiegelt. Der Film pfeift auf eine Handlung, sondern hat lediglich ein Gerüst, an dem sich einzelne Episoden aufhängen. Am Ende wird durch die Harmonie dieser Mosaiksteine ein berührendes Portrait des Künstlers. Ein Regisseur, der eine gewisse Angst hat einen neuen Film zu drehen. Dabei wird er mit seinen inneren Gefühlen und Gedanken konfrontiert und hält eine Balance ein zwischen dieser Angst und dem Humor, der auch nicht fehlen darf. Auch eine Balance zwischen Realität und Traum ist gegeben, manchmal sind diese beiden gar nicht mehr voneinander zu trennen. Ein Mann und seine Beziehung zur Welt, zu den Menschen seiner Umgebung - zu den Frauen, die er liebt. Oder auch von der Angst alt zu werden, was den Regisseur Guido Anselmi, gespielt von Marcello Mastroianni, sogar auch zu seinen Kindheitserinnerungen und -ängsten zurückkehren lässt.
Fellini schuf mit diesem Film, der den Oscar als bester fremdsprachiger Film gewann, einen Wendepunkt in seinem Schaffen. Somit hat diese Schaffenskrise innovative Kräfte freigesetzt, die dann den Weg bahnten für Fellinis nachfolgende Klassiker wie "Satyricon", "Amarcord", "Roma" oder "Casanova".
Der berühmte italienische Filmregisseur Guido Anselmi leidet unter "Regieblockade" - er will einen Science Fiction Film drehen und als Hauptdarstellerin scheint er die weltberühmte Claudia (Claudia Cardinale) gewonnen zu haben. Nun ist er gesundheitlich angeschlagen und hält sich zur Erholung in einem Sanatorium auf, da er den Menschen seiner Umgebung für eine gewisse Zeit entkommen will. Es gibt dort Schlammbäder und Ruhe ist angesagt. Doch plötzlich füllt sich dieser Kurort mit vielen Gästen. Und es sind nicht die Patienten, sondern es sind alles Menschen, die im Leben des Regisseurs eine Rolle spielen. Er hat auch seine Geliebte Carla (Sandra Milo) eingeladen. Die lässt er aber in einem Hotel ausserhalb übernachten, er fürchtet den Skandal und den Ärger mit seiner Frau (Anouk Aimee), die ihn mit ihrer besten Freundin Rosella (Rosella Falk) auch besuchen wird. Sein Produzent (Guido Alberti) taucht auf, ebenso sein bester Freund Mario (Mario Piso) mit egozentrischem Anhang (Barbara Steele). Dazu tauchen auch Guidos verstorbene Eltern (Giuditta Rissone/Annibale Nichi), eine Prostituierte (Eddra Gale) aus seinen Kindheitserinnerungen und sogar der heilige Vater während einer Dampfbadbehandlung auf. Guido stellt ihm Fragen, bekommt aber nie die Antworten, die er gerne hätte. Am Ende gibts die Pressekonferenz unter freiem Himmel. Dann tauchen Zirkusmusikanten auf, die Teilnehmer der Veranstaltung formieren sich zu einem Reien. Guido kann seine Regieanweisungen geben und tanzt dann selbst mit beim Tanz des Lebens...





Der Film steckt voller großartigen Episoden. Gelcih am Anfang präsentiert Fellini eine Metapher für seine Situation. In einem Tunnel stauen sich die Autos. Einer der Autofahrer ist Guido, die anderen Verkehrsteilnehmer schauen ihn durch die Fensterscheiben an. Dies führt dazu, dass Guido keine Luft mehr bekommt und vergeblich versucht Tür oder Fenster zu öffen. Diese Stress-Situation führt dazu, dass der Regisseur die Kur antritt. Filmkenner werden sich dabei erinnern, dass Fellini Fan Paolo Sorrenti in seinem "Ewige Jugend" diesen Kurort wieder reanimiert hat.





Freitag, 15. Juni 2018

Fellinis Casanova







































Regie: Federico Fellini

Der große Liebhaber von Venedig....

"Fellinis Casanova" entstand im Jahr 1976 und wird nicht zu den stärksten Filmen des Regisseurs gezählt, obwohl beim näheren Hinsehen doch ein weiteres opulentes Meisterwerk erkennbar wird. "Casanova" gliedert sich in eine Reihe von Episoden, die auf einer freien Gestaltung von Begegnungen und Ereignissen aus der Autobiographie von Casanova basieren.
Dabei hat seine Odyssee durch Europa auch gewisse Ähnlichkeiten mit Stanley Kubricks Historienfilm "Barry Lyndon", der einige Monate vorher in die Kinos kam. Auch dort werden die Abenteuer, Aufstieg und Fall eines Mannes beschrieben, der quer durch Europa reist und versucht seinen Platz in adligen Kreisen zu sichern. Kubricks Film spielt ebenfalls Mitte des 18. Jahrhundert, zur Zeit des Spätbarock - Fellinis Casanova ist so etwas wie sein grotesker Verwandter. Interessanterweise hat sich Fellini entschieden die Titelrolle an Donald Sutherland zu vergeben, weil dieser sehr wenig dem Bild von Casanova entsprach. Das Wagnis ist aber total geglückt, auch weil Kameramann Giuseppe Rotunna es so vorzüglich verstand dessen Profil so effektiv abzulichten. Diese Bilder bleiben hängen und lassen auch gleich den Gedanken vergessen wie wohl Marcello Mastroianni diese Rolle gestaltet hätte. Der wäre als Fellinis Lieblingsdarsteller naheliegend gewesen und der bekam aber tatsächlich 1982 in Ettore Scolas "Flucht nach Varennes" die Möglichkeit seinen Casanova zu präsentieren. Als Chevalier de Seingald reist er in einer Kutsche zur Zeit der französischen Revolution und setzt auch auf eine groteske Komponente in der Darstellung. So setzte er dort fort, was auch Fellini in seinem Biopic hervorstreichen wollte: Ein würdevoller Mann, dem man die Last seines Rufes anmerkt und der dadurch auch etwas lächerlich wirkt, aber dennoch Tiefe erblicken lässt.
Der Film beginnt mit dem Karneval in Venedig und in einer prunkvollen Zeremonie in Anwesenheit des Dogen soll der riesige Kopf der Göttin Luna aus der Tiefe des Canal Grande auftauchen. Da dies nicht gelingt, weil eines der Seile reßt, versinkt die gigantische Büste wieder ind der Tiefe. Die Menschen denken sofort an ein böses Omen. Unter den Zuschauern ist auch Casanova (Donald Sutherland), der bereits seinen Ruf als bester und ausdauerndster Liebhaber gefestigt hat. Er bekommt die Einladung zu einem erotischen Abenteuer mit einer Nonne (Margareth Clementi), das von einem unbekannten Voyeur beobachtet wird. Danach wird er aber in Venedig festgenommen und wegen "Schmähungen gegen die heilige Religion" und in den Bleikammern inhaftiert. Dort gelingt ihm nach 15 Monaten die Flucht und es beginnt seine Reise aus Zwang quer durch Europa, denn er liebte seine Heimatstadt Venedig.
Er wird Gast am Pariser Hof der bereits betagten Madame D´Urfe (Cicely Browne), sie interessiert sich nicht nur für Casanovas großes Wissen über Alchemie. Am Hof des buckligen Adligen Du Bois (Daniel Emifork) lernt er die große Liebe seines Lebens kennen. Doch Henriette (Tina Aumont) verschwindet und lässt ihn alleine zurück, weil wohl ein hoher europäischer Adliger Besitzansprüche erhebt.
In London wird Casanova von Mutter und Tochter ausgeraubt, will sich in der Themse ertränken - doch beim Anblick  einer Riesin (Sandra Elaine Allen) und zwei Zwergen am Ufer sieht er ein Zeichen am Leben zu bleiben. Doch diese drei Personen sind real und nach einem kurzen Intermezzo ist er Gast bei einer ausschweifenden, wüsten Party von Lord Talou in Rom, dort misst er sich in der sexuellen Ausdauer mit einem einfachen Postkutschenfahrer. Er reist nach Bern - verliebt sich dort Isabelle (Olimpia Carlisi) , Tochter des Alchimisten Dr. Möbius (Mario Cencelli). Die will er in Dresden wiedersehen, doch stattdessen gehts weiter mit Orgien und im Alter findet der Frauenliebhaber eine Anstellung als Bibliothekar von Graf Waldstein auf dessen Schluß in Dux. Vorbei sind die Zeiten, in denen die Adelskreise ihn wohlwollend bei seich aufnahm. Nun ist er dazu gezwungen mit anderen Bediensteten zu essen und wird von einem Diener und dessen Liebhaber gemobbt...






Die letzte Szene zeigt einen erschöpften alten Mann mit blutunterlaufenen Augen, der in einem Sessel sitzt und sich langsam mit dem Tod auseinandersetzt. Er träumt von seiner Heimat Venedig und im Traum sieht er die riesige Büste, die zu Beginn des Films zu sehen war und unter dicken Eisschichten in der Lagune vergraben ist. Er sieht seine vergangenen Liebhaberinnen, eine reich verzierte Postkutsche winkt ihm zu, er solle sich seinen Passagieren anschließen. Dann trifft er zum zweiten Mal die mechanische Puppe Rosalba, die von Leda Lojodice, und sie tanzen leise miteinander. Diese Szenen mit der Puppe, der Automatenfrau, sind wohl die faszinierendsten Sequenzen in diesem prall gefüllten Bilderbogen, den Fellini dem Zuschauer präsentiert.
Dabei unterstreicht der Meisterregisseur einmal mehr die Künstlichkeit seines Protagonisten. Als dramturgisches Mittel diese Künstlichkeit zu verstärken werden auch die Szenen im Meer im Studio gedreht - mit hilfe von schwarzen Plastikfolien. Stilmittel, die nur Fellini so genial beherrscht, dass sie nicht kitschig wirken. Für Kameramann Rotunno ist "Casanova" stets der Lieblingsfilm geblieben. Beide Künstler ergänzten sich immer optimal und interessanterweise kann man "Casanova" auch als einen Film über das Altern bzw. über des Menschen Zeit sehen. Der Mensch lebt, der Mensch stirbt und in der Verzweiflung durch den Verlust der Jugend, versucht man noch einmal etwas an Schönheit zu gewinnen.
Danilo Donati bekam für sein Kostümdesign den wohlverdienten Oscar und in der Kategorie "Bestes adaptiertes Drehbuch" wurde Federico Fellini und Mitschreiber Bernardino Zapponi im Jahr 1977 ebenfalls nominiert.
Sutherlands Darstellung ist ebenfalls erstklassig - kühl bis eiskalt wandert er mit seinem leeren und dennoch vielsagenden Gesicht durch die Mumien, Halbtoten oder Gespenster seiner Zeit.






Bewertung: 10 von 10 Punkten. 

Montag, 25. Dezember 2017

Amarcord

Regie: Federico Fellini

Ich erinnere mich....

Federico Fellini gewann 1975 den Oscar für seinen Episodenfilm "Amarcord" - es war nach "La Strada", "Die Nächte der Cabiria" und "8 1/2" sein 4. Sieg in der Kategorie des besten Auslandsfilms.
Insgesamt strahlt der Film eine große Lebensfreude aus und die Erzählstruktur besteht aus Anekdoten, Erlebnissen, Erfahrungen und auch Träumen. Der Titel "Amarcord" bedeutet "Ich erinnere mich" im Dialekt von Rimin, der Küstenstadt in der Fellini im Jahr 1920 geboren wurde. Hier sammelte der Regisseur Legenden seiner Jugend und stattet diese Erinnerungen auch mit einer Fantasie und mit Verklärung aus. "Amarcord" ist auch ein Bilderfilm, die von Kameramann Giuseppe Rotunno (Das letzte Ufer, Der Leopard, Satyricon, Die Bibel, All that Jazz) gemacht wurden und der damit eine seiner stärksten Leistungen überhaupt abliefert.
Aus einer tumultartigen Szene im Schnee entsteht beispielsweise ein Bild von vollkommener Schönheit, wenn der Pfau eines Grafen entkommt, in die Lüfte steigt und sich dann seine blendenden Schwanzfedern an einem Brunnen ausbreitet - und genau in diesem Moment schneit es auch in der ansonsten sonnigen Stadt.
Es sind die Erlebnisse des jungen Titta Biondi (Bruno Zanin), mit denen der Zuschauer ins Reich der Nostalgie und der Freude abtaucht. Gemäß der Erkenntniss, dass wir das lieben und begehren, was wir sehen, schwärmt er für die begehrenswerteste Frau der Stadt. Es ist die Friseuse Gradisca (Magali Noel) für die alle Männer und auch die ganz jungen Männer des Ortes schwärmen. Sicherlich hat sich Giuseppe Tornatore in seinem "Der Zauber von Malena" von diesem großen Fellini Klassiker inspireren lassen.
Natürlich findet er den Busen der drallen Tabakverkäuferin (Maria Antonietta Beluzzi) einfach geil und er hat auch schon näheren Kontakt zu der nymphomen wie verrückten Prostituierten Volpina (Josiane Tanzilli). Diese Zeit zwischen dem Frühjahr 1933 und dem Frühjahr 1934 steht für die sexuelle Neugier von Titta, der davon träumt mit der städtischen Schönheit zu schlafen.
In der ersten Szene wird der Winter durch ein Brauchtumsfest vertrieben, dort auf der lebnhaften Piazza werden die Figuren der Geschichte eingeführt.
Fellini inszenierte originell, so ist zum Beispiel eine ganze Galerie karikaturistischer und überzeichneter Lehrer zu sehen, die die Schüler unterrichten. In der Familie Biondi geht es meistens lautstark zu. Der Vater Aurelio (Armando Brancia) ist ein Gegner der immer stärker werdenden Faschisten, was ihm bei einem Fest der Partei mächtigen Ärger einbringt. Er wird verdächtigt die Veranstaltung sabotiert zu haben und bekommt nach dem Verhör eine Portion Rizinusöl eingeflößt. Die Mutter Miranda (Pupella Maggio) ist besonders temperamentvoll und streitet sich sehr oft mit dem Vater. Die Wortgefechte finden meistens beim gemiensamen Essen statt. Mirandas Bruder Lallo (Nando Orfei), der Großvater (Giuseppe Ianigro) und Tittas kleinerer Bruder (Stefano Proietti) lassen sich allerdings durch die heftigen Wortgefechte nicht stören.  Der geistig behinderte Onkel Teo (Ciccio Ingrassioa), der in der Irrenanstalt lebt, wird wie jeden Sommer von der Familie zu einem Ausflug nach Hause geholt. Doch diesmal läuft das Familientreffen nicht reibungslos ab. Der Onkel klettert auf einen Baum, schreit über 5 Stunden lang von dort "Ich will eine Frau" herunter, bis eine kleinwüchsige Nonne es schafft ihn wieder auf den Boden der Realität zu bringen..









Fellini zeichnet dieses eine Jahr mit sehr viel Melancholie und die Rituale dieses Dorfjahres sind unterlegt mit der grandiosen Filmmusik von Nino Rota. Eine strengere Struktur hat Fellini dabei vermieden, aber sein Kaleidoskop lebt hervorragend von meisterhafen und effektvollen Bildern. Dabei lotet der Regisseur auch die Geschmacksnerven seines Publikums aus, denn in "Amarcord" wird uriniert, masturbiert und heftig an einem Busen gesaugt. Dieser letzte kommerziell richtig erfolgreiche Film des Italieners kanalisiert durch die Verstärker wie Ausstattung, Farbgestaltung, Kostüme und Szenenbildern den perfekten Anteil an reiner Poesie zum Zuschauer.
Ein Advokat (Luigi Rossi) fungiert als Erzähler. Neben der unvergesslichen Pfauenszene bietet der Film noch weitere gleichwertige Highlights, wenn Titta im Schnee seiner Angebeteten auflauert, sie verfolgt und versucht ihr rein zufällig zu begegnen - er findet sie aber nicht mehr. In einer Totalen wird nur dem Zuschauer gezeigt, dass sich die beiden begegnet wären, aber er lief etwas zu schnell, sie zu langsam. Eine traurige Szene bietet das Ende - Gradisca heiratet einen Offizier der Carabinieri am Strand. Nach und nach verlassen die Hochzeitsgäste den Strand, auch Gradisca verlässt mit ihrem Gatten die Stadt. Der Strand leert sich nach und nach, bis er menschenleer ist. Ein wehmütiger Ausklang und das Ende einer Epoche.







Bewertung: 10 von 10 Punkten.