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Donnerstag, 16. August 2018

Planet der Affen

Regie: Franklin J. Schaffner

Im Jahr 3978....

1968 gelang dem Regisseur Franklin J. Schaffner (Patton, Papillon, Nikolaus und Alexandra) sein vielleicht populärster Film. "Planet der Affen" basiert auf dem Roman "La Planete des singes" aus dem Jahr 1963 von Pierre Boulle über drei französische Forscher im 26. Jahrhundert, die unter Führung von Ulysse Meour ihr Raumschiff auf einem Planeten landen und dort - scheinbar in der Zukunft - auf eine Zivilistation treffen, die von klugen Affen bewohnt wird. Der stummen und dummen Menschen, die dort ebenfalls leben, werden wie Tiere von den Affen behandelt und gehalten.
Schaffners Film wurde ein riesiger Welterfolg, einer der 10 erfolgreichsten Filme des Jahres 1968 und er brachte es bis 1973 auf insgesamt vier erfolgreiche Fortsetzungen: Rückkehr zum Planet der Affen (1970, Regie: Ted Post), Flucht vom Planet der Affen (1971, Regie: Don Taylor), Eroberung vom Planet der Affen (1972, J.Lee 'Thompson) und "Die Schlacht um den Planet der Affen" (1973, Regie: J. Lee Thompson).
2001 wagte sich Tim Burton mit "Planet der Affen" an eine Neuverfilmung. In finanzieller Hinsicht wurde dieses Remake mit einem weltweiten Einspielergbnis von 362 Millionen Dollar ein riesiger Erfolg, die Kritiken fielen aber mager aus - trotz Publikumsliebling Marc Wahlberg. Besser bewertet wurde der 2011 inszenierte "Planet der Affen-Prevolution" von Rupert Wyatt und dessen Fortzsetzung "Revolution" von Matt Reeves, dem bisher finanziell erfolgreichsten Affen-Movie (710 Millionen Dollar weltweit). Auch der bald startende dritte Teil der new Generation "War of the Planet of the Apes" dürfte ein echter Blockbuster werden. Seit nunmehr fast 50 Jahren mischen diese Affen erfolgreich in der Kinogeschichte mit.
Die Filmversion von 1968 ist natürlich aufgrund ihrer Aussage die filmgeschichtlich interessanteste. Während die meisten anderen Fortsetzungen reine Genrefilme waren, bleibt der erste "Planet der Affen" ein interessantes Science Fiction Abenteuer, dass seine Wirkung bis heute beibehalten hat.
Vier Astronauten (drei Männer und eine Frau) sind im Jahr 1972 seit 6 Monaten im Weltraum unterwegs. Doch durch die Zeitdilatation bei annähernder Lichtgeschwindigkeit, mit der das Raumschiff unterwegs ist, dürfte nun auf der Erde schon das Jahr 2673 angebrochen sein. Die Crew weiß das, aber sie haben sich alle nicht besonders schmerzlich von der Erde entfernt, da die Kriege immer mehr überhand nahmen. Auf einem anderen Planeten versuchen die Vier eine neue Aufgabe zu finden. Astronaut Taylor (Charlton Heston) hat seine Begleiter Landon, Dodge und Stewart bereits in den Tiefschlaf versetzt. Er setzt sich auch die Spritze, macht seinen letzten Logbuch-Eintrag und schläft dann auch friedlich ein. Dann ein Krach und er wacht abrupt wieder auf. Das Raumschiff befindet sich auf einem fremden Planeten und ist soeben in einen See gekracht, die Astronautin Stewart ist tot. Mit knapper Not überleben die drei Anderen, sie finden aber eine öde Wüstenlandschaft vor. Erst nach vielen Tagen entdecken sie Leben...menschliches Leben...auf diesem Planeten. Doch die Menschen sind stumm und geben nur unverständliche Laute von sich. Eine hübsche Frau (Linda Harrison) fällt Taylor besonders auf. Aber Zeit zum näheren Kennenlernen gibts keine, denn plötzlich bemerken die Astronauten, dass Jagd auf diese Horde Menschen gemacht wird. Als sie die Jäger zu Gesicht bekommen, ist der Schock groß: Es sind brutale Gorillas in Unform. Einige der fliehenden Menschen werden von den Affen kaltblütig ermordet, andere gefangengenommen und mit in die Affenstadt gebracht. Dort leben die klugen Affen in einer Art Kastenwesen. Die Orang Utans sind Adlige und Politiker, der mächtigste unter ihnen ist Dr. Zaius (Maurice Evans). Die Gorillas sind Soldaten, Polizisten, Arbeiter und Jäger. Die Schimpansen sind Forscher, Wissenschaftler und verhalten sich intellektuell. Der Ärztin Dr. Zira (Kim Hunter) und ihrem Freund Cornelius (Roddy McDowall) fällt auch gleich der neue Gefangene auf, der bei der Jagd verletzt wurde und der Gesten macht, als könne er sprechen. Reichlich absurd, die Menschen sind doch dumme Primaten. Aber mit dem neuen Gefangenen ließe sich womöglich was Aufsehenerregendes beweisen: Die These, dass der Affe vom Menschen abstammt. Aber in den Augen der Gesellschaft und der Religion ist dies ein Frevel und unter keinen Umständen soll Dr. Zira beweisen können, dass hier ein kluger Mensch gefangen genommen wurde...






Es ist also die Umkehr der Rollen von Mensch und Tier, dass den Film so extrem interessant macht. Da lässt sich auch viel Brisanz im Verhalten vom Mensch zum Tier (z.B. Tierversuche) ableiten und der Mensch bekommt einen Spiegel vorgehalten. Die Masken sind klasse gemacht und ich kann mich noch daran erinnern, wie mich das Aussehen dieser Affen als Kind fasziniert hat. Dafür wurde Maskenbildner John Chambers mit einem Ehrenoscar im Jahr 1969 bedacht. Auch die Musik von Jerry Goldsmith, die einfallsreichen und auffälligen Kostüme sowie die vorzügliche Kameraarbeit von Leon Shamroy sind hervorragend.
Beste Szene des großartigen Klassikers gibts dann am Ende, als Charlton Heston gemeinsam mit Linda Harrison mit dem Pferd die Region der Affen verlässt und den Strand entlang reitet. Was er dabei entdeckt, hat Filmgeschichte geschrieben. Und auch die Dialoge sind unvergessen. Charlton Hestons Spruch "Take your stinking paws off me, you damn dirty ape" wurde in die AFI Liste der 100 besten Filmzitate auf Platz 66 gewählt.





Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Nikolaus und Alexandra

Regie: Franklin J. Schaffner

Das Schicksal der Familie Romanow...

Vom erfolgreichen FilmProduzenten Sam Spiegel stammt folgendes Zitat"Ich behaupte seit Jahren, dass das Niveau des Publikums viel höher ist, als die Filmproduzenten und Filmregisseure und Filmchefs der Welt vermuten. Und ich behaupte immer, dass man zum Niveau des Publikums hinaufschreiben muss und nicht patronisierend herunterschreibt" - und für seine anspruchsvollen Produktionen erhielt er dreimal den Oscar für den besten Film des Jahres. 1955 für "Die Faust im Nacken" und für die David Lean Filme "Die Brücke am Kwai" und "Lawrence von Arabien". 1968 kaufte Spiegel die Leinwandrechte zu Robert K. Massies Buch "Nicholas and Alexandra", das sich 1967 über vier Monate lange in den amerikanischen Bestsellerlisten hielt. Der Bühnenautor James Goldman (Der Löwe im Winter) hatte die Aufgabe das Buch für die Leinwand zu adaptieren - die Regie übernahm Franklin J. Schaffner, der für sein Kriegsepos "Patton" einige Monate vorher den Oscar als bester Regisseur gewonnen hatte.Auf die Geschichte der Familie Romanow stieß der Buchautor Robert K. Messie im Rahmen seiner Suche nach Informationen über die Bluterkrankheit, unter der sein Sohn litt. Bei seinen Bemühungen herauszufinden, wie andere Familien mit dieser Krankheit umgingen, beschäftigte sich der Autor mit dem Leben und der Ära des letzten russischen Zaren Nikolaus II, dessen einziger Sohn, der Zarewitsch Alexis, ebenfalls Bluter war.
"Nikolaus und Alexandra" wurde in den Sevilla Studios in Madrid realisiert - zu den für den Film sorgfältig recherchierten Kulissen gehören die Korridore, Hallen, Treppenhäuser, Büros un der Empfangssalon des Zarenpalastes bei St. Petersburg. Aber auch das Jadgschloss in Spala, sowie der Speisesaal und Ballsaal des Großherzogs Nikolaus. Bei den Kritikern wurde der Film sehr positiv aufgenommen. Die Academy entschied auf 6 Nominierungen für den Oscar. Als bester Film, beste Musik, beste Kamera Freddie Young, Beste Ausstattung, beste Kostüme und die Britin Janet Suzman als beste Darstellerin für ihre Rolle als unbeliebte Zarengattin Alexandra.
Zwei dieser Nominierungen (Kostüme und Ausstattung) wurden auch in Siege umgewandelt. Somit ein guter Erfolg für diesen klassischen Monumentalfilm. Er hatte aber an der Kinokasse beträchtliche Probleme und konnte in den USA lediglich 7 Millionen Dollar einspielen. Bei einem Budget von 9 Millionen kein gutes Ergebnis. Dabei wurde ja schon drastisch gespart, weil bereits David Lean ein Jahr zuvor mit seinem opulenten Irland-Drama "Ryans Tochter" unter den Erwartungen lag. Möglicherweise war die Zeit dieser ausufernden Leinwandspektakel vorbei. Man wollte für die Hauptrollen Peter O´Toole und Vanessa Redgrave, doch das hätte den Rahmen des Budget völlig gesprengt - so erhielt Michael Jayston von der Royal Shakespeare Company und die britische Theaterdarstellerin Janet Suzman den Zuschlag für die Hauptrollen. Interessanterweise tauchen aber auch in "Nikolaus und Alexandra" ganz große Namen in ganz kleinen Rollen auf: Laurence Olivier, harry Andrews, Jack Hawkins, Michael Redgrave, Ian Holm und Curd Jürgens sind zu sehen.
Das Herzstück des Films ist tatsächlich der Zar und seine Frau, die bemerkenswerteste Nebenrolle ist der Sohn des Jahres, der vom britischen Kinderstar Roderic Noble gespielt wurde. Er hat einige der besten und nachhaltigsten Szenen des ganzen Films und scheint als Einziger am Ende "das Ende" seiner Familie kommen sehen. Darüberhinaus zeigt "Nikolaus und Alexandra" auf eindrückliche Weise wie ein Mensch Opfer seiner Rolle ist bzw. ganz automatisch in eine bestimmte Rolle hineinwächst - hier als Zar - und erst zu spät erkennt, dass durch sein Einwirken und seinem Festhalten an diesem Status - Millionen von Menschen sterben müssen. Somit sind hier sicherlich Parallelen zum franzöischen Königshof vor der Revolution zu entdecken - aber auch zum Leben und Wirken von Pu Ji , dem letzten Kaiser von China, dessen Schicksal in einem viel bekannteren Film von Bertolucci verfilmt wurde.







Natürlich bekommt auch die russische Revolution einen großen Platz in dieser Geschichte. Für diese Umwälzungen im Land sind Leute wie Lenin (Michael Bryant), Trotzki (Brian Cox) oder Stalin (James Hazledine) verantwortlich. Eine Schlüsselrolle fällt dem selbsternannten Heiler Rasputin, gespielt von Tom Baker, zu. Der wird zum Ratgeber der Zarin und zieht sich alleine schon damit den Zorn des Volkes zu. Er wird von dem schwulen Adligen Prinz Felix Jussupow (Martin Potter) in eine tödliche Falle gelockt. Schaffners Film wirkt auf den ersten Blick etwas spröde, doch er steigert sich von Minute zu Minute. Nach der Intermission wirds sogar hochspannend. Leider ist "Nikolaus und Alexandra" inzwischen sehr stark in Vergessenheit geraten. Schade, denn für mich ist der Film äusserst gut gelungen - ein glänzendes Epos alter Schule, etwas dunkler und viel düsterer als viele seiner filmischen Verwandten. Der Zar war ein Schlächter und das wird ihm erst dann klar als man ihn mit seinen Verbrechen konfrontiert. Vorher war er Zar und über jeden Zweifel erhaben. Ein nicht ganz einfaches, eher unbequemes Epos, dass für mich Geschichte lebendig werden lässt durch seine Deutlichkeit und seine immense Detailtreue.







Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.

Samstag, 28. Juli 2018

Patton







































Regie: Franklin J. Schaffner

Scotts Glanzleistung...

"Das Beste was in meinem Leben passierte, war die Ehre und das Privileg die 3. Armee befehligen zu dürfen. Leben sie wohl und Gott beschütze Sie" - am Ende von "Patton" wird dem populären wie umstrittenen US-General die 3. Armee entzogen, da er nach dem Sieg über Nazideutschland zu laut gegen die Russen gewettert hatte. Warum nicht gemeinsam mit den Deutschen "die Roten" wieder angreifen und verjagen ? Solche Aussagen waren nach dem 2. Weltkrieg populär und George Pattons Freund Omar Bradley erkennt, dass es in den neuen Zeiten, die kommen, nicht mehr reichen wird ein guter Soldat zu sein, man muss auch gleichzeitig Diplomat und Verwaltungsbeamter sein. Einen Moment später wird Patton beinahe von einem Ochsenkarren überfahren. Erschrocken und überrascht gibt er zu, dass er nur eine Art des Sterbens akzeptabel findet: Durch die letzte Kugel, in der letzten Schlacht, im letzten Krieg.
Patton, der sich stark für die Feldherren der Vergangenheit interessierte, sah sich auch wie ein Eroberer der Antike - wie ein siegreicher Pharao oder ein römischer Feldherr, die vor mehr als 1000 Jahren von einer Schlacht zurückkehrten und empfangen wurden mit einer triumphalen Parade. Bei diesem überwältigenden Umzug zogen Trompeter, Musiker und seltene Tiere aus den eroberten Gebieten zusammen mit Wagen, alle beladen mit Schätzen oder erbeuteten Rüstungen. Der Eroberer selbst saß auf dem Triumphwagen - die Gefangenen liefen in Ketten vorweg. Manchmal begleiteten seine Kinder den Eroberer. In weiß gekleidet, ritten sie oft die Zugpferde. Ein Sklave stand hinter dem Feldherrn, er hielt eine goldene Krone über sein Haupt und flüsterte ihm eine Warnung ins Ohr "Aller Ruhm ist vergänglich" - mit dieser Erkenntnis endet auch Franklin J. Schaffers Heldenepos über diesen widersprüchlichen General, der gelegentlich auch zu wahnsinnigen Verhaltensweisen neigte. Im Jahr seiner Entstehung war "Patton" alles andere als unumstritten. Der Film entstand auf dem Höhepunkt der Proteste gegen den Vietnamkrieg. Antikriegsfilme wie "M.A.S.H" oder "Catch 22" wurden kultig verehrt und die Kritiker warfen dem Film vor, dass er sich nicht entschieden gegen Krieg aussprach. Was aber irgendwie absurd erscheint, wenn man ein Biopic über einen General macht, dessen Credo "Immer angreifen und nie zurückgreifen" war - in der ersten Szene des Film steht der General vor der amerikanischen Flagge und spricht zu einer unsichtbaren Zuhörerschaft. Es hört sich an, als würde er zu Soldaten sprechen, um deren Moral zu erhöhen. Er spricht von der amerikanischen Nation, die eine Siegernation ist und er spricht über die US-Soldaten, die die Siegergene im Blut haben. Im Tunesienfeldzug liebt es Patton gegen einen gleichwertigen Gegner wie Feldmarschall Rommel (Karl Michael Vogler) zu kämpfen.  Bei der Schlacht von El Guettar ist er erfolgreich, verliert aber seinen Adjudanten Jenson (Morgan Pauli), was ihn sehr belastet. Für die Invasion der Allierten in Sizilien gibts dann konkurrierende Pläne. Die Idee des britischen Heerführers Bernard Montgomery (Michael Bates) bekommt den Vorzug. Doch als Montgomery festsitzt, verweigert Patton Befehle und rückt nordwestlich nach Palermo vor. Damit erreicht Patton den Hafen von Messina als Erster, wird dafür auch gefeiert.  Doch er wird von seinem untergebenen General Bradley (Karl Malden) dafür sehr kritisiert, weil er den Ruhm vor das Wohl seiner Soldaten stellte. Während eines Besuchs in einem Feldlazarett kommt es zu einer folgenschweren Handlung. Ein Soldat, der mit den Nerven am Ende ist, weint vor Patton. Der bezeichnet den Soldaten als Feigling, ohrfeigt ihn vor der ganzen Ärzteschaft und befiehlt, dass der "Drückeberger" sofort wieder an die Front muss. Dies dringt bis zu Eisenhower vor, er muss sich für diese Entleisung entschuldigen und wird als Folge davon von den D-Day Landungen 1944 ausgegrenzt. Der deutsche General Alfred Jodl (Richard Münch) ist aber fest davon überzeugt, dass Patton die Invasion Europas anführen wird. Was aber eine Fehleinschätzung ist. Pattons früherer Umgebener Bradley wird oberster Befehlshaber. Der ist es auch, der Patton wieder ins Spiel bringt. Er bekommt die 3. Armee und brilliert mit schnellen Vorstößen durch Frankreich....






Franklin J. Schaffner hatte den Ruf eines guten Handwerkers und auch Patton wird dieser Sichtweise mehr als gerecht - die Kamera arbeitet grandios in Augenhöhe. Die Sequenzen auf den Schlachtfeldern des 2. Weltkriegs sind auch spannend und dynamisch gut gelungen.
Wenn man Schaffners Arbeiten in dem Zeitraum vom Ende der 60s bis Anfang 70s anschaut, dann entdeckt man neben "Patton" noch weitere Werke, die in dieser Dekade Filmgeschichte geschrieben haben: Planet der Affen, Papillon oder Nikolaus und Alexandra, was angesichts dieser Werkschau bedeutet, dass Schaffner docht auch prägend für diese Epoche war und ich wage mal zu bezweifeln, dass dies einem "nur" souverän agierenden Handwerker kaum gelingen hätte können.
"Patton" lebt vom grossartigen Schauspiel des George C.Scott, der die Vorstellung seines Lebens gibt. Scott liefert eine so derart vielschichtige und brilliante Charakterzeichnung ab, dass einem stellenweise der Atem stockt. Wenn jemals ein Schauspieler für eine biographische Rolle einen Oscar verdient hat (und solche Rollen wurden ja für meine Begriffe schon zu oft honoriert), dann war es Scott in dieser wuchtigen, zwiespältigen und am Ende gebrochenen Performance. In 7 Oscar-Kategorien war Schaffners Epos erfolgreich: Bester Film, bester Darsteller, bestes Drehbuch, beste Regie, bester Schnitt, bester Ton und bestes Szenenbild. In den Kategorien beste Kamera Fred J. Koenekamp, beste visuelle Effekte und beste Musik Jerry Goldsmith gabs leide keinen Sieg. Was besonders in der Kategorie der besten Filmmusik schade ist. Der Score von Goldsmith war auf jeden Fall sehr preiswürdig. Er verlor gegen die romantischen und wehmütigen Klänge der "Love Story", komponiert von Francis Lai.







Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Freitag, 26. Januar 2018

Papillon







































Regie: Franklin J. Schaffner

Gefangen auf der Teufelsinsel...

1973 war der Abenteuerfilm "Papillon" mit 53 Millionen Dollar Einspielergebnis der vierterfolgreichste Film in den USA, in Deutschland liefs noch besser. Mit 8,5 Millionen Besucher stellte der Film die meisten Zuschauer. "Papillon" wurde einer der erfolgreichsten Filme des damaligen Kassenmagneten Steve McQueen und basiert auf dem gleichnamigen autobiographischen Roman-Welterfolg von Henri Charriere aus dem Jahr 1970. Charriere wurde 1906 in dem Provinzdorf St. Etienne de Lugdares im Departement Ardeche geboren. In Paris wurde der Sohn eines rechtschaffenen Lehrerehepaars kriminell, betätigte sich dort als Tresorknacker und wurde schliesslich in einem Mord im Zuhältermilieu verwickelt. Bald war er der Hauptverdächtigte des Staatsanwalts und wurde schliesslich 1932 in einem Indizien-Prozess zu lebenslänglicher Verbannung in Französisch-Guayana verurteilt. Ab Herbst 1933 war er dort in der Strafkolonie. Gleich zu Beginn macht die Gefängnsileitung durch eine öffentliche Hinrichtung eines Mithäftlings durch die Guillotine klar, dass das Leben der aus Frankreich verbannten Männer hier im Lager nichts wert ist. Was zählt ist die Arbeitskraft.   Sein Name "Papillon" erhält Charriere, der von Steve mcQueen gespielt wird, durch die auffällige Schmetterlingstätöwierung auf der Brust. Er freundet sich mit dem Meisterfälscher Louis Dega (Dustin Hoffman) an, der von seinen Mithäftlingen wegen seiner Fähigkeiten sehr geschätzt wird. Dega hat aber auch Feinde - viele Menschen wurden durch seine gefälschten Kriegsanleihen arm und haben noch eine Rechnung mit dem Fälscher offen. Papillon freundet sich mit Dega an und wird eine Art Leibwächter. Im Gegenzug finanziert Dega jede Flucht, die von Papillon organisiert wird. Dega selbst sieht in der Flucht keine Chance, er setzt alles auf ein Wiederaufnahmeverfahren, dass seine Frau in Frankreich für ihn betreibt. Die erste Flucht aus dem Lager bringt dem hartnäckigen Charriere zwei Jahre Einzelhaft ein. Ein menschenverachtende Tortur, die meistens mit dem Tod des Bestraften endet. Doch er hält durch und überlebt. Und bald denkt er über eine erneute Fluchtmöglichkeit nach. Diesmal will er nicht alleine fliehen. Die Gefangenen Cluisot (Woodrow Parfey) und Maturette (Robert Deman) sind Partner des waghalsigen Plans, dass Papillon sogar 5 Jahre Einzelkerker einbringen würde, falls es misslingt. Immerhin gelangen die Flüchtigen durch die Hilfe von Leprakranken bis nach Honduras, dort werden sie von Soldaten und einheimischen Fährtensucher gejagt. Eine 7 monatige Pause in einem Indiodorf wird ihm vom Häuptling (Victor Jory) gewährt. Mit der jungen Zoraima (Radna Assan) verlebt er schöne Stunden in einer friedlichen Idylle, die von einem auf den anderen Tag durch das Verschwinden der Indianer beendet wird. Er schafft es bis nach Kolumbien, wird aber von einer Nonne verraten. Nach 5 Jahren Strafe ist Papillon nun ein anderer. Er ist auch alt geworden. Aber immer noch denkt er an Flucht, selbst auf der Teufelsinsel, wo die Männer sogar ein kleines Häuschen bewohnen können, Schweine halten und Gemüse anbauen können. Und dort trifft er auf den alten Freund Dega wieder...




Franklin J. Schaffner drehte Filme wie "Planet der Affen", "Patton" und "Nikolaus und Alexandra". "Papillon" war sein letzter großer Erfolg. Für "Patton" erhielt er 1970 sogar den Regie-Oscar. "Papillon" wurde von der Academy ignoriert, lediglich die Musik von Jerry Goldsmith wurde nominiert. Bei den Golden Globes liefs etwas besser...zumindest für Steve McQueen, der als Hauptdarsteller vorgeschlagen wurde. Der Film ist längst zum Klassiker seines Genres aufgestiegen. Er ist zwar etwas zu konventionell erzählt, aber er punktet vor allem durch seine stimmungsvollen Bilder einer Hölle im Paradies. Dieser Kontrast zwischen dem jämmerlichen Leben im Lager und der wunderbaren Natur, die das Lager umgibt, wurde von Schaffner und seinem Kameramann Fred J. Koenekamp herrlich eingefangen. Darüberhinaus bleiben die Szenen von Papillons zweiter Flucht im Dschungel von Honduras unvergessen...diese Sequenzen kommen ohne Dialog aus und münden dann in die Szenen aus dem Indiodorf ein, in der auch nicht gesprochen wird. Dies erzeugt eine gewisse Magie und ist für mich das Herzstück des Films, der 144 Minuten Spannung und Drama bietet.





Bewertung: 9 von 10 Punkten.