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Freitag, 12. März 2021

American Beauty


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Sam Mendes

Lester Burnhams Tage sind gezählt...

Bei der Oscarverleihung im Jahr 2000 ging Sam Mendes gallige Gesellschaftsanalyse "American Beauty" als großer Sieger hervor. Der Film erhielt Preise für den besten Film, für die Regie von Sam Mendes, Hauptdarsteller Kevin Spacey, die Kameraarbeit von Conrad L. Hall und fürs beste Originaldrehbuch, geschrieben von Alan Ball. Ausserdem waren nominierut Annette Bening als beste Darstellerin sowie die beste Filmmusik und der beste Schnitt. Leider wurden die Jungdarsteller Wes Bentley, Thora Birch und Mena Suvari von der Academy nicht berücksichtigt, denn auch sie lieferten einen hervorragende Leistung ab.
Erzählt wird in dem Film, der 1999 mehr als 356 Millionen Dollar einspielte und damit auf Platz 9 der Kinojahrescharts landete, die tragische Geschichte des Lester Burnham.
Er erzählt die letzten 12 Monate seines Lebens selbst post mortem. So wird der Zuschauer auch gleich am Anfang damit konfrontiert, dass die Hauptfigur am Ende des Films sterben wird. Auch in Billy Wilders "Boulevard der Dämmerung" liegt Joe Gillis tot im Swimmingpool und erzählt in einer Rückblende als Leiche wie es dazu kam, dass er von dem einstmals großen Stummfilmstar Norma Desmond ermordet wurde.
Lester Burnham (Kevin Spacey) ist ein zutiefst frustierter Zeitschriftenmanager mittleren Alters, der seinen Job verachtet und sich ständig mit seiner Ehefrau Carolyn (Annette Bening) zofft. Carolyn ist sehr neurotisch und sehr ehrgeizig, aber der Job als Immobilienmaklerin hinterlässt natürlich auch Spuren, dieser ständige Druck verkaufen zu müssen und immer erfolgreich zu sein. Tochter Jane (Tora Birch) ist mit 16 Jahren in einem schwierigen Alter, derzeit verabscheut sie ihre Eltern. Vor allem ihren Vater hält das Mädchen für den ulitmativen Versager. Der wirkt auch nicht zufrieden und meistens frustiert. Seinen Höhepunkt des Tages erlebt er alleine unter der morgendlichen Dusche, wenn er ungestört der Selbstbefriedigung nachgehen kann, denn im Ehebett läuft schon lange nichts mehr. Höhepunkt des familiären Beisammenseins für Carolyn ist das gemeinsame Abendessen, dazu legt sie harmonische Klänge auf. Doch der Zoff mit ihrem Gegenüber passt so gar nicht in dieses heucherlisch anmutende Idyll. In der Nachbarschaft wohnt ein schwules Pärchen (Scott Bakula; Sam Roberts) und es ziehen weitere neue Nachbarn ein. Der ehemalige Colonel Frank Fitts (Chris Cooper), seine introvertierte Frau Barbara (Allison Janney) samt Sohnemann Ricky (Wes Bentley), der auch schon in der Psychiatrie war, ein Drogenproblem hat und mit seiner Kamera bald dazu übergeht seine Nachbarin Jane zu beobachten. Die ist zunächst angewidert, doch irgendwie findet sie den neuen Nachbarn auch anziehend. Ihre Freudin Angela Hayes (Mena Suvari) hält sich für das begehrenswerteste Mädchen an der Highschool und wahrscheinlich ist sie das auch. Ausserdem findet sie den Vater ihrer Freundin total sexy, was Jane natürlich abartig und pervers findet. Auch Lester hat ein Auge auf das Mädel geworfen, seit er sie bei einer Sportveranstaltung als Cheeleaderin tanzen sah...





Es passiert ne ganze Menge in diesen letzten Monaten in Lesters trübsinnigen und sinnlosen leben. Die Gattin geht irgendwann fremd mit dem Topverkäufer, gespielt von Peter Gallagher. Lester kündigt seinen Job und bekommt eine saftige Abfindung, mit der er sich sein Traumauto kauft und wieder Muskelaufbau betreibt, um der jungen Cheerleaderin zu gefallen. Am Ende fällt ein Schuß und Lesters Leben zieht noch einmal an dem Sterbenden vorbei. Sam Mendes hat einen unbequemen Film über den sogenannten American Way of Life geschaffen, er hat diese gesellschaftlichen Befindlichkeiten exakt auf den Seziertisch gelegt. "American Beauty" strotzt nur so von Zynismus und der amerikanische Traum wird als Trugbild deutlich entlarvt.





Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.

Donnerstag, 9. Juli 2020

Road to Perdition







































Regie: Sam Mendes

Mein Vater, der Gangster...

Der Engländer Sam Mendes feierte gleich mit seinem oscarpreisgekrönten Regiedebüt "American Beauty" einen Riesenerfolg und auch seine Nachfolgefilme "Zeiten des Aufruhrs", "Jarhead" oder "Skyfall" können sich sehen lassen. Mit dem 2002 inszenierten Gangsterepos "Road to Perdition" gelang ihm ebenfalls ein guter Genreklassiker des Mafiafilms. Anstatt der üblichen Italienerfamlie stellt uns Mendes aber eine irische Gangstersippe vor, die im Jahr 1931 in der Kleinstadt Rock Island ansässig ist und dort mit Mafiamethoden agiert. Kopf der Bande ist der alte John Rooney (Paul Newman), ein Machtmensch und Patriarch alter Schule, der mit seiner bürgerlichen Fassade im Umfeld sehr angesehen ist. Er hat mit Connor (Daniel Craig)  einen hitzköpfigen, missratenen Sohn und für die Drecksarbeit diverse Angestellte, die seine Forderungen gegebenenfalls mit brutaler Gewalt einfordern. Zu diesen Männern gehört der Familienvater Mike Sullivan (Tom Hanks), der früh seine Eltern verlor und sozusagen in dem alten Rooney nicht nur einen Arbeitgeber, sondern auch eine Art Vaterersatz sieht. Dementsprechend hoch ist auch die Loyalität. Seine Frau Anne (Jennifer Jason Leigh) weiß vom dreckigen Job ihres Mannes Bescheid. Die beiden kleinen Söhne Michael (Tyler Hoechlin) und Peter (Liam Aiken) rätseln aber immer mehr mit welchem Job der Vater sein Geld verdient. Sie wissen nur, dass er für Opa Rooney arbeitet und für seine Arbeit eine Pistole hat, da alles sehr gefährlich ist. Der etwas ältere Michael ist da sehr neugierig und enttäuscht, dass der Vater auf seine Fragen keine Antwort gibt. Eines Tages soll Sullivan aber auf Geheiß von Rooney Senior gemeinsam mit dem instabilen Connor den Gangsterfreund Finn McGovern (Ciaran Hinds) besuchen, um diesen wieder auf eine loyale Spur zu bringen. Finn ist wütend, weil er glaubt, dass sein Bruder von den Rooneys kalt gemacht wurde. Im Auto des Vaters hat sich Michael versteckt und fährt heimlich mit zu dieser Unterredung. Und er wird heimlich Zeuge wie Connor Finn einfach erschiesst und sein eigener Vater zwei von dessen Leuten mit der Maschinenpistole abknallen muss. Doch der Junge bleibt von den Mördern nicht unentdeckt. Da aber alles in der Familie bleibt und alle loyal sind, bekommt Michael Sullivan von Connor noch vor Ort die Gewähr, dass alles in Ordnung ist. Am anderen Tag kommt aber Rooney Senior zu Besuch und Sullivan vermutet sehr schnell, dass das sorgenfreie Gangster- und Familienleben ein Ende nimmt. Und er hat Recht. Connor erschießt am selben Tag Sullivans Frau und den kleinen Peter. Gemeinsam mit Sohn Michael muss Sullivan flüchten und schwört Rache. Doch die Karten stehen schlecht. Der einflussreiche Gangster Nitti (Stanley Tucci) als erste Anlaufadresse entpuppt sich Gegner und auch ein bezahlter Auftragskiller (Jude Law) ist dem flüchtigen Vater-Sohn Duo bereits auf den Fersen...




Es gibt zwar einige kleinere Logikfehler in dem nostalgischen Gangsterepos, aber trotzdem begeistert der toll fotografierte (Conrad L. Hall) und das prima ausgestattete Szenenbild (Dennis Gassner und Nancy Haigh) - für die Kameraarbeit erhielt Hall dann auch posthum den begehrten Oscar. Ebenso nominiert waren Paul Newman, der Ton, der Tonschnitt, die Filmmusik sowie das bereits erwähnte Szenenbild. Sehr bemerkenswert ist neben der immer sehr guten Leistung von Tom Hanks der kleine Tyler Hoechlin, der als Protagonist Michael Jr. die Geschichte seiner Fliucht mit dem Vater erzählt. Jude Law macht mir zwar ein bisschen zuviel Overacting, aber man kann nicht bestreiten, dass seine morbide Rolle als mordender und fotografierender Psychopath nicht effektiv wäre. Auch Paul Newman wirkt als Gangster-Tycoon sehr gut - hier kommt sehr gut die Ambivalenz seiner Gefühle zur Geltung. Einerseits verzweifelt der Gangster an seinem labilen wie gefährlichen Sohn, andererseits ist die Liebe des Vaters unerschütterlich. Für mich ist "Road to Perdition" auch inzwischen ein Klassiker seiner Gattung.




Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Freitag, 5. Juni 2020

1917







































Regie: Sam Mendes

Durch die feindlichen Linien...

Insgesamt 10 Oscarnomierungen gab es bei der Verleihung 2020 (bester Film, beste Regie, bestes Drehbuch, beste Kamera, bester Ton, bester Tonschnitt, bestes Szenenbild, bestes Makeup, beste Filmmusik und beste visuelle Effekte). Davon konnte drei in Siege umgewandelt werden. Wenig überraschend war der Sieg von Roger Deakins als bester Kameramann, obwohl in dieser Kategorie die Konkurrenten Robert Richardson, Jarin Blaschke, Lawrence Sher und Rodrigo Prieto auch hervorragende Leistungen bewiesen. Aber Deakins Kamerafahrten durch die Schützengräben Frankreichs war einfach umwerfend und nicht zu schlagen. Es ist nach "Blade Runner 2049" der zweite Oscar für den Briten, der zu den Kameramännern mit den bislang meisten Nominierungen gehört. Ein weiterer Oscar ging an die besten visuellen Effekte und für den besten Ton.
Für Regisseur Sam Mendes ist "1917", die Geschichte zweier Soldaten der Britischen Armee, die 1917 als Meldegänger an der Westfront einen dringenden Befehl in die vorderste Linie bringen sollen, ein großer Erfolg geworden. Der Antikriegsfilm spielte insgesamt 369 Millionen Dollar ein und ist nicht der erste Film über ein Kriegsereignis des Regisseurs. Bereits 2005 drehte er mit "Jarhead" ebenfalls einen Klassiker des Genres. Einen Oscar bekam Mendes im Jahr 2000 für "American Beauty" und die zwei letzten Bondfilme "Skyfall" und "Spectre" gehen auch auf das Konto des 1965 in England geborenen Filmemacher. Mit Kameramann Deakins und Regisseur Mendes lässt sich der europäische Einschlag des britsch-amerikanischen Coproduktion nicht verleugnen.
Die Macher setzten bewusst auf eine One-Cut-Optik, also ähnlich wie Hitchcocks "Cocktail für eine Leiche" - der Zuschauer hat das Gefühl, dass sich die Handlung wie in Echtzeit abspielt, auch wenn dies ein Trugschluß ist. Möglich macht dies ein effektiver Schnitt.
Die Geschichte geht teilweise auf einen Bericht von Mendes Großvater väterlicherseits zurück, die er seiner Familie erzählte.
Es ist der 6. April 1917 - die Luftaufklärung hat herausgefunden, dass der Rückzug der Deutschen nur vorgetäuscht wurde. In Wirklichkeit haben sie sich aus diesem Gebiet an der Westfront nur deshalb zurückgezogen, weil sie ihre ganze Präsenz auf die neue Hindenburg Linie verlagert haben. Bereit die britischen Verbände in eine katastrophale Falle zu locken. In den britischen Schützengräben werden zwei junge Soldaten ausgewählt eine Nachricht an Oberst MacKenzie (Benedict Cumberbatch) vom zweiten Bataillon der Devonshire persönlich zu übermitteln. Er soll gewarnt werden vor dem Hinterhalt und seinen geplanten Auftritt abbrechen, die das Leben seiner 1.600 Männer gefährden würde. Lance Corporal Tom Blake (Dean-Charles Chapman) wird aus zwei Gründen mit diesem Himmelfahrtskommando betraut: 1. Er kann gut Karten lesen und 2. Sein älterer Bruder (Richard Madden) gehört zu zweiten Bataillon. Blake wählt Lance Corporal William Schofield (George MacKay) als Begleiter aus....





Durch die hervorragende Machart des Films erweist sich "1917" sofort als Meisterwerk seiner Filmgattung und der Zuschauer fiebert von Anfang an mit den beiden Soldaten mit. Mendes hat eine kluge Entscheidung getroffen die beiden Hauptrollen mit zwei unverbrauchten Darstellern zu besetzen, die ihre Sache sehr gut machen. George MacKay und Dean-Charles Chapman sind Namen, die man sich merken wird. In kleineren Rollen sind auch Colin Firth und Mark Strong zu sehen.







 Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Sonntag, 8. Oktober 2017

Jarhead - Willkommen im Dreck







































Regie: Sam Mendes

Wüstenschild und Wüstensturm...

"Jarhead" von Sam Mendes erzählt eine Soldatengeschichte, die um 1990, in der Zeit des zweiten Golfkriegs, spielt.  Private Anthony Swofford (Jake Gyllenhaal) hat seinen Thrill-Instruktor Fitch (Scott McDonald) überstande und befindet sich in einem Bootcamp des United States Marine Coprs unter der Leitung von Staff Sergeant Sykes (Jamie Foxx mit einer klasse Darstellerleistung). Dort wird "Swoff", so nennen ihn seine Freunde zum Kundschafter-Scharfschützen ausgebildet. Bevor die Jungs in den Krieg ziehen, ereignet sich bereits während der Ausbildung einer dieser tödlichen Unfälle, weil einer der Rekruten aus Versehen in ein Maschinengewehrfeuer läuft.
Dann gehts auch ab nach Saudi-Arabien, Swoffs Gepäck ein 50 Kg schwerer Rucksack sowie sein M40-Gewehr. Die Einheit haust in einem Camp in der Wüste, es herrscht eine beinahe unerträgliche Hitze, dazu reichlich Wüstensand und immer rechnet man mit den irakischen Truppen. Doch statt Kampfhandlung gibt es lange Wartezeiten, die wie geschaffen sind, dass die Soldaten den Leerlauf mit schwarzem Humor und viel Unsinn kompensieren. Es gibt immer mal wieder Streit, entmutigt werden die Soldaten von den Briefen ihrer Frauen und Freundinnen, die sich aufgrund der langen Trennung bereits anderweitig nach Ersatz im Bett umgeschaut haben.  Als dann der Desert Storm Bodenkrieg dennoch beginnt, wird das meiste an Angriff von den Lufteinsätzen gemeistert. Ein Krieg im klassischen Sinne gibt es nicht. Den Gegner, den sie bekämpfen sollen, gibt es so gut wie nie zu sehen...






Grauenhafteste szene des Films ist der Highway of Death, eine von ausgebombten Autowracks und verkohlten Leichen übersäte Landschaft. Ebenso beeindruckend eine fast schon apocalyptisch wirkende Gegend, wo die Ölquellen brennen und ein Pferd dort umherirrt.
Sam Mendes (Road to Perdition, American Beauty) hat einen sehr eigenartigen Kriegsfilm geschaffen, der eine suggestive Kraft vorweisen kann, der man sich kaum entziehen kann. 
"Jarhead" ist ein üblicher Begriff, den die Marines für sich selbst verwenden.  Das ist eine bildliche Umschreibung ihrer oftmals an den Seiten kahlrasierten Köpfe, die an Schraubgläser erinnern, oft wird dieser Name auch darauf zurückgeführt, dass ihre Köpfe "hohl gemacht" wurden und dann mit jedem beliebigen Inhalt gefüllt werden können wie Einmachgläser.
Dickes Lob auch an Hauptdarsteller Jake Gyllenhaal. 





Bewertung: 9 von 10 Punkten.