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Sonntag, 19. Mai 2024

Das Leben des Emile Zola


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie. William Dieterle

Die Dreyfuß Affäre...

Im Jahr 2019 behandelte Roman Polanski in seinem Film "Intrige" die Dreyfuß-Affäre, einen Justizskandal der die französische Politik und Gesellschaft extrem spaltete. Der Artillerie-Hauptmann Alfred Dreyfuß wurde 1894 durch ein Kriegsgericht in Paris wegen angeblichen Landesverrats zugunsten des Deutschen Kaiserreichs verurteilt. Diese Verurteilung basierte auf rechtswidrigen Beweisen und einem mehr als zweifelhaften Handschriftengutachten. Dieser Justizirrtum weitete sich in ganz Frankreich zu einem Riesenskandal aus. Obwohl höchte Kreise im Militär bereits wussten, dass der tatsächliche Verräter Ferdinand Walsin-Esterhazy war, verhinderten sie die Rehablilitierung des Alfred Dreyfuß, der inzwischen Gefangener der berüchtigten Teufelsinsel war. Der bedeutenden Schriftsteller Emile Zola setzte sich für ihn ein und veröffentlichte den Artikel "I´accuse" (Ich klage an), in dem er die Wahrheit deklariert. Dies führte zu einer Gefängnisstrafe. Um diese zu umgehen, flüchtete er nach England. Vor allem thematisierte Polanski die damals sehr antisemitische Haltung des Militärs, denn es war kein Zufall, dass gerade der aus dem Elsass stammenden jüdische Offizier als Schuldiger herhalten sollte.
Diesen eigentlichen Grund wollten die Produzenten des 1937 entstandenen Films "Das Leben des Emile Zola" entfernen. Man wollte damals die antisemitische Ungerechtigkeit in Frankreich des späten 19. Jahrhunderts nicht zeigen. Ausserdem fanden es die Macher in Hollywood sehr brisant, denn man wollte sich ja mit dem erstarkten deutschen Reich nichts verscherzen. Die jüdische Herkunft des Offiziers wird nur einmal sichtbar durch ein Formular, dass durch die Hände seiner Verurteiler geht, dort steht bei seiner Herkunft "Jew". Dies war auch die Zeit, in der Hollywood als Reaktion auf die vermeintliche Bedrohung durch externe Zensur den Production Code einführte und somit eine interne Zensur installierte
In seinem 2013 erschienenen Buch "The Collaboration: Hollywood's Pact with Hitler“ schrieb Ben Urwand, dass Hollywood-Produzenten einen Pakt geschlossen hätten, um Adolf Hitler nicht zu verärgern, und die Nazis unterstützt hätten, indem sie Filme unterdrückt hätten, die die Brutalität der Nazis darstellten: „"Die Studios haben mehrere explizit anti-nationalsozialistische Filme abgesagt.“ Filme, die für die Produktion geplant waren, und löschte aus mehreren anderen Filmen alles, was als kritisch gegenüber den Nazis ausgelegt werden könnte, zusammen mit allem, was als positiv für die Juden angesehen werden könnte.
Leider muss man sagen. Denn "Das Leben des Emile Zola" ist ein hervorragend inszenierter Film. Der Regisseur William Dieterle drehte in den späten 30er Jahren seine besten Filme wie "Louis Pasteur" oder "Der Glöckner von Notre Dame". Wahrscheinlich ist "Das Leben des Emile Zola" aber sein Hauptwerk.
Der Film spielt Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts und schildert Émile Zolas (Paul Muni) frühe Freundschaft mit dem postimpressionistischen Maler Paul Cézanne (Vladimir Sokoloff) und seinen Aufstieg zu Ruhm durch sein produktives Schreiben. Es untersucht seine späte Beteiligung an der Dreyfus-Affäre. Im Paris des Jahres 1862 teilt sich der kämpfende Schriftsteller Zola mit Cézanne  eine kleine Pariser Mansardenwohnung. Seine Verlobte Alexandrine (Gloria Holden) verschafft ihm einen Job als Angestellter in einer Buchhandlung, doch er wird bald entlassen, nachdem er mit seinem provokanten Roman „Die Geständnisse des Claude“ den Zorn seines Arbeitgebers und eines Polizeiagenten erregt hat. Anschließend wird er Zeuge zahlreicher Ungerechtigkeiten in der französischen Gesellschaft, etwa eines überfüllten Slums direkt am Fluß, rechtswidriger Bergbaubedingungen und Korruption in Armee und Regierung. Schließlich inspiriert ihn eine zufällige Begegnung mit einer Straßenprostituierten (Erin O´Brien Moore), die sich vor einer Razzia der Polizei versteckt, zu seinem ersten Bestseller „Nana“, einem Exposé über die erotische Seite des Pariser Lebens. Trotz der Bitte des Chefzensors schreibt Zola weitere erfolgreiche Bücher wie „Der Untergang“, eine vernichtende Kritik an den Fehlern und der Uneinigkeit der französischen Kommandeure, die zu einer verheerenden Niederlage im Deutsch-Französischen Krieg von 1870 führten. Er wird reich und berühmt und heiratet Alexandrine und richtet sich in seiner Villa auf ein angenehmes Leben ein. Eines Tages besucht ihn sein alter Freund Cézanne, noch arm und unbekannt, bevor er die Stadt verlässt. Er wirft Zola vor, wegen seines Erfolgs selbstgefällig geworden zu sein und kündigt ihre Freundschaft. Ein abgefangener Brief an die deutsche Botschaft bestätigt, dass es im französischen Generalstab einen Spion gibt. Ohne lange nachzudenken kommen die Armeekommandanten zu dem Schluss, dass Hauptmann Alfred Dreyfus (Joseph Schildkraut), ein Jude, der Verräter ist. Er wird vor ein Kriegsgericht gestellt, öffentlich degradiert und auf der Teufelsinsel in Französisch-Guayana eingesperrt. Später entdeckt Oberst Picquart (Henry O´Neill), der neue Chef des Geheimdienstes, Beweise dafür, dass Major Walsin-Esterhazy (Robert Barrat), ein Infanterieoffizier ungarischer Abstammung, der eigentliche Spion ist. Picquart wird jedoch von seinen Vorgesetzten angewiesen, zu schweigen, um eine offizielle Peinlichkeit zu vermeiden, und wird schnell auf einen entlegenen Posten versetzt. Vier Jahre sind seit der Degradierung von Dreyfus vergangen. Seine treue Frau Lucie (Gale Sondergaard) fleht Zola an, sich für die Sache ihres Mannes einzusetzen. Zola möchte sein angenehmes Leben nur ungern aufgeben, doch Lucie bringt neue Beweise vor, um seine Neugier zu wecken. Er veröffentlicht in der Zeitung L'Aurore einen offenen Brief namens „J'accuse“, in dem er dem Oberkommando vorwirft, die ungeheuerliche Ungerechtigkeit zu vertuschen, was in ganz Paris einen Feuersturm auslöst. Zola entkommt nur knapp einem wütenden Mob, der von Provokateuren des Militärs angestachelt wird, als es auf den Straßen der Stadt zu Unruhen kommt. Natürlich folgt auch seine Anklage...





Die Kritiken waren euphorisch und daher ist es nicht verwunderlich, dass Dieterles Film 10 Oscarnominierungen (Bester Film, Nebendarsteller Joseph Schildkraut, Originaldrehbuch, Hauptdarsteller Paul Muni, Musik Max Steiner, Szenenbild, Regieassistenz, bester Ton, beste Originalgeschichte und natürlich William Dieterle selbst in der Regie-Kategorie). Von diesen Nominerungen konnte drei in Siege verwandelt werden. Joseph Schildkraut gewann die Trophäe und auch die Drehbuchautoren Heinz Herald, Géza Herczeg und Norman Reilly Raine durften sich freuen. Der Hauptpreis "bester Film" komplettiert das Siegertrio.





Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Freitag, 6. September 2019

Jenny - Rendezvous mit einer Toten







































Regie: William Dieterle

Begegnung mit einer Toten...

Der deutsche Regisseur William Dieterle hatte ab den 30er Jahren riesigen Erfolg in Hollywood. Er drehte Filme wie "Louis Pasteur" oder "Das Leben des Emile Zola" für den er auch als bester Regisseur des Jahres 1938 nominiert wurde. Insgesamt wurde das Biopic in 9 Kategorien nominiert, es gab immerhin zwei Siege: Als bester Film des Jahres und für den Nebendarsteller Joseph Schildkraut. Sein vielleicht berühmtester Film ist "Der Glöckner von Notre Dame", der bis heute als beste Verfilmung des Historienromans von Victor Hugo gilt. In "Liebesbriefe" präsentierte er Joseph Cotten und Jennifer Jones als Liebespaar. Jennifer Jones bekam dafür eine Oscarnominierung und da die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellerin stimmte, verpflichtete man beide Schauspieler für einen weiteren Film. "Jenny" entstand 1948 und heißt im Original "Portrait of Jenny".
"Jenny" basiert auf dem Roman von Robert Nathan, wurde aber lange nicht so positiv vom Publikum aufgenommen wie der Vorgänger. Erst viele Jahre später erhielt Dieterles romantische Geistergeschichte eine gewisse Rehabilitation. Seine Optik wurde aber schon bei seinem Erscheinen sehr gelobt - er erhielt 1949 den Oscar für die besten visuellen Effekte und die Kameraarbeit von Joseph H. August und Lee Garmes kann man nur als sehr erlesen und exquisit bezeichnen.
Vielleicht ist die Story auf den ersten Blick zu wenig spektakulär, denn das Geisterhafte schwingt lediglich sehr subtil mit. Aber immerhin gabs von dem großen Luis Bunuel den Ritterschlag, denn er meinte "der Film hat mir ein großes Fenster geöffnet".
Im Jahr 1934 lernt der verarmte Maler Eben Adams (Joseph Cotten) einen hübschen Teenager namens Jennie Appleton (Jennifer Jones) im Central Park kennen. Das Mädchen trägt dabei etwas altbackene Kleidung, die schon Jahre aus der Mode ist. Er spricht mit ihr und so schnell wie sie auftauchte, verschwindet sie auch wieder. Gegen Essen und Bezahlung malt er für die irische Bar von Mr. Moore (Albert Sharpe) ein patriotisches Bild und weitere Bilder versucht er bei den Kunsthändlern Miss Spinney (Ethel Barrymore) und Mr. Matthews (Cecil Kallaway) zu verkaufen. Doch erst die Begegnung mit dem jungen Mädchen setzt ihn ihm große Inspiration frei. Er malt eine Skizze von ihr aus dem Gedächtnis, hier sieht Miss Spinney großes Potential. Eben trifft in der Folgezeit in regelmässigen Abständen auf die junge Jennie, die sich jedes Mal verändert - sie wird viel schneller erwachsen als es möglich ist. Bald verliebt er sich in die Frau, die immer wieder bei ihm erscheint. Zuletzt erfährt der Maler durch die Ordensschwester Maria (Lilian Gish), dass seine Geliebte vor vielen Jahren in einem fürchterlichen Sturm bei Graves Light mit ihrem Boot gekentert ist. Er hat also regelmässig Besuch von einer Toten..




Es sind die kleinen Dinge, die dem Film eine aussergewöhnliche Aura verleihen. So fürchtet sich Jenny, die sich von Eben portraitieren lässt, vor dessen früheren Bildern. Vor allem das eine Bild, dass einen Sturm bei Graves Light zeigt. Unsichtbare Bande sind da am Werk, die den Maler und sein Bild da zusammenhalten. Denn das Bild wird lebendig und Dieterle zeigt in seinem ungewöhnlichen Fantasy Film wie stark die künstlerische Inspiration ist und wie sehr Hier und Jetzt mit dem Jenseits verwoben ist. All dies geschieht eher beiläufig, weil es in das stärkste Gefühl eingebettet ist - der Liebe - und die überdeckt den gesamten Vernuftsbereich. Damals kostete der Film 4 Millionen Dollar, der Macher und Produzent David O. Selznick scheute keine Kosten seine zukünftige Frau Jennifer Jones in ein besonders attraktives Licht zu setzen.




Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Mittwoch, 8. Mai 2019

Der Glöckner von Notre Dame







































Regie: William Dieterle

Paris im 15. Jahrhundert...

Willlam Dieterle drehte bereits in der Weimarer Republik sehr erfolgreiche Filme. Dies brachte ihm 1930 einen Vertrag bei Warner Brothers, er verließ daraufhin Deutschland und versuchte in Hollywood sein Glück. Gemeinsam mit Max Reinhard adaptierte Deiterle 1935 die ambitionierte Verfilmung von Shakespeares "Ein Sommernachtstraum". Danach spezialisierte er sich vornehmlich auf Biopics, es entstanden Filme wie "Louis Pasteur", "Das Leben des Emile Zola" oder "Juarez". Für "Das Leben des Emile Zola" bekam er sogar eine Oscarnominierung als bester Regisseur. Allerdings unterlag er Leo McCarey, der für "Die schreckliche Wahrheit" den Preis gewann. Aber seine Zola Biografie wurde immerhin als bester Film des Jahres ausgezeichnet. Sein 1939 entstandener "Der Glöckner von Notre Dame" nach dem berühmten Roman von Victor Hugo war ein weiterer Riesenerfolg. Der Film spielte in den USA mehr als 3 Millionen Dollar ein und war damit der 8erfolgreichste Film des Jahres 1939. Viele Kritiker sehen Dieterles Film auch heute noch als die beste Verfilmung des Romans - trotz der sehr erfolgreichen Versionen von 1923 mit Lon Chaney und 1956 mit Anthony Quinn und Gina Lollobrigida.
Von allen Hollywood Filmen, die Dieterle im Laufe seiner langjährigen Karriere gemacht hat, zeigt "Der Glöckner von Notre Dame" am stärksten die Einflüsse des deutschen Stummfilms der Weimarer Ära. Dieterle bevorzugte hier düstere Bilder mit expressiven Lichteffekten. Auch die Massenszenen sind bombastisch in Szene gesetzt und als Glöckner überzeugt der große Charakterdarsteller Charles Laughton, dem der Zuschauer es zu verdanken hat, dass die rothaarige Maureen O´Hara ihre große Chance bekam - die junge Irin hatte damals durch Hitchcocks letzten englischen Film "Riff Piraten" zwar schon eine gewisse Bekanntheit, doch als Esmeralda feierte sie ein glanzvolles Hollywood Debüt und wurde zu einer berühmten Leinwanddiva der 40er Jahre.
Mit dem Ende des 15. Jahrhundert ging das Mittelalter zu Ende. Europa hatte Veränderungen erlebt. Frankreich, das von einem hundertjährigen Krieg verwüstet wurde, fand nun endlich Frieden. Die Leute unter der Herrschaft des milden Königs Louis XI (Harry Davenport) fühlten sich endlich wieder etwas freier und sie träumten vom Fortschritt. Der Buchdruck ist in aller Munde und der König ist dem neuen Medium sehr aufgeschlossen. Ein Buch kann nur in wenigen Wochen gedruckt werden - selbst die heilige Schrift. In der Vergangenheit brauchten die Mönche viele Jahre dazu um ein einziges Exemplar zu schaffen. Doch in dieser Zeit herrschen immer noch Aberglaube und Vorurteile - auch des Königs Oberrichter Jean Frollo (Sir Cedric Hardwicke) gehört zu den Menschen, denen die neu aufkeimende Lebensfreude suspekt ist. Er würde Bücher am liebsten sofort verbieten lassen. Was wäre, wenn sich der einfache Mensch bilden würde und eine eigene Meinung entwickeln könnte ? Kaum vorstellbar für die Herrschenden. In Paris ist das Volk aber völlig aus dem Häuschen, denn die Menschen feiern das Fest der Narren. Doch den Zigeunern wird der Eintritt in die Stadt verwehrt. Die junge Esmeralda schafft es aber sich unter das Volk zu mischen. Sie tanzt vor dem Publikum und die Männer sind von ihrer Schönheit hingerissen. Der junge Dichter Pierre Gringoire (Edmund O´Brien) genauso wie Quasimodo (Charles Laughton), der hässliche Glöckner von Notre Dame, der sie aus einem Versteck aus anhimmelt. Doch er wird entdeckt und später aufgrund des hässlichsten Gesichts zum König der Narren gekrönt. Frollo, sein Ziehvater bringt ihn später wieder in die oberen Räume von Notre Dame, wo er die Glocken läutet. Durch diese Glockenklänge in nächster Nähe ist der bucklige Mann taub geworden. Er ist Frollo treu ergeben. Dieser ist heimlich ebenfalls an der schönen Frau interessiert - doch er betrachtet sein Verlangen als Werk des Teufels. Und nur der Tod Esmeraldas kann ihn von dieser Besessenheit befreien. Aus Eifersucht tötet er heimlich Hauptmann  Phöbus (Alan Marshall) als der in der Nacht ein Schäferstündchen mit Esmeralda hat. Mit dem Messer in der Hand wird Esmeralda als Mörderin abgeführt. In einer Gerichtsverhandlung wird sie zum Tode verurteilt. Doch das Urteil kann nicht vollstreckt werden, da Quasimodo die Frau rettet und sie in die Kirche bringt. Damit ist sie durch das Asylrecht geschützt...




Insgesamt weicht Dieterles Verfilmung vom Roman natürlich etwas ab. Aber er begeistert auch heute noch wegen seiner brillianten Kameraführung (Jospeh H. August), imposanten Massenszenen und einem detailreichen Zeitkolorit. Charles Laughton verleiht seiner Figur eine anrührende Faszination. Maureen O´Hara fasziniert durch ihre Schönheit und Lebensfreude, die sie ausstrahlt. Als Gegenpol überzeugt Cedric Hardwicke als innerlich zerissener Schurke, der an seiner eigenen Selbstzerstörung am Ende auch zugrunde geht.




Bewertung: 9,5 von Punkten.