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Montag, 1. Juni 2026

Hamnet























Regie: Chloe Zhao

Shakespeares Familie...

Insgesamt kam der Historienfilm "Hamnet" von Chloe Zhao (The Rider, Nomadland) auf 8 Oscarnominierungen (Bester Film, beste Regie, bestes adaptiertes Drehbuch, beste Kamera Lukasz Zal, beste Musik Max Richter, beste Kostüme, bestes Casting, bestes Szenenbild, beste Hauptdarstellerin), von denen Jessie Buckley in der Rolle der Agnes Shakespeare am Ende auch den Sieg davontrug. Die Schauspielerin gewann ebenso den Golden Globe für diese Rolle.Eine brutale Schönheit umgibt diesen Film, einige Szenen sind so drastisch und emotional in ihrer Trauer, dass sich dies auf den Zuschauer überträgt. Der Film basiert auf der Romanvorlage von Maggie O´Farrell, die auch das Drehbuch mit der Regisseurin verfasste. Dabei hat die Autorin der realen Lebensgeschichte des englischen Dramatikers und seiner Familie auch ein paar erfundene Ereignisse beigemischt, wobei sie nicht so abwegig erscheinen - sie könnten sich vielleicht so zugetragen haben. Hauptteil des Films ist die Geschichte von William Shakespeare und seiner Frau Agnes Hathaway, die den Tod ihres elfjährigen Sohnes Hamnet verarbeiten müssen. Die Kritiken fielen positiv aus, insbesondere Buckleys schauspielerische Leistung wurde gelobt. Ein schriftlicher Prolog besagt, dass in Stratford, England, „Hamnet“ und „Hamlet“ als ein und derselbe Name galten.Agnes (Jessie Buckley) befindet sich in einem Wald nahe einer geheimnisvollen Höhle, wo sie mit ihrem Falknerhandschuh einen Falken herbeiruft und Kräuter sammelt. William Shakespeare (Paul Mescal) arbeitet als Hauslehrer, um Familienschulden zu begleichen. Nachdem er Agnes gesehen hat, verlässt er seine Schüler, und die beiden verbringen einen Moment miteinander. Williams Mutter Mary (Emily Watson) erzählt ihm von Gerüchten, Agnes sei die Tochter einer Waldhexe, die ihr Kräuterkunde beigebracht habe. Später wendet Agnes dieses Wissen an, um eine Schnittwunde an Williams Stirn zu behandeln.William besucht Agnes im Wald. Sie bittet ihn um eine Geschichte, und er erzählt ihr die Legende von Orpheus und Eurydike, was sie sehr erfreut. Agnes liest Williams Hand und prophezeit ihm auf dem Sterbebett eine erfolgreiche Zukunft und zwei Kinder. Die beiden vollziehen ihre Beziehung, Agnes wird schwanger, woraufhin ihre Familie sie verstößt und sie gezwungen ist, bei den Shakespeares einzuziehen. 1582 heiraten die beiden, und Agnes bringt Susanna (Bodhi Rae Breathnach) im Wald zur Welt.William rächt sich, als sein Vater John (David Wilmot)ihn schlägt, weil er sich weigert, Handarbeit zu leisten. Da Agnes Williams Frustration mit dem Schreiben bemerkt, schlägt sie ihrem Bruder Bartholomew (Joe Alwyn) vor, ihn für eine Theaterkarriere nach London zu schicken und sie und Susanna in Stratford zurückzulassen. Einige Zeit später versucht die schwangere Agnes, im Freien zu gebären, doch Williams Familie behauptet, der Fluss sei über die Ufer getreten, und hält sie im Haus fest. Dort bringt sie die Zwillinge Hamnet (Jacobi Jupe) und Judith (Olivia Lynes) zur Welt, wobei Judith scheinbar tot geboren wird. Agnes erinnert sich daran, wie sie vom Sterbebett ihrer Mutter ferngehalten wurde, und verlangt trotz ihres Aberglaubens, das Baby halten zu dürfen. Judith erwacht.Elf Jahre später kehrt der inzwischen erfolgreiche William immer wieder zurück, während die Kinder eng verbunden aufwachsen. Die Zwillinge glauben, sich ähnlich zu sehen, und versuchen häufig, die Familienmitglieder zu täuschen, indem sie die Kleidung des jeweils anderen tragen. Agnes' Falke stirbt und wird begraben. Sie fordert die Kinder auf, dem Falkengeist einen Wunsch zu äußern, der sie, wie sie sagt, in seinem Herzen tragen wird. Agnes prophezeit Hamnet, der der Theatergruppe seines Vaters beitreten möchte, Erfolg.Zurück in London irrt William während eines Ausbruchs der Beulenpest durch die Straßen und sieht sich ein Puppentheater an, das die Pest und ihren Tod darstellt. In Stratford erkrankt Judith an der Pest. Hamnet erzählt ihr die Geschichte vom Falken, um sie zu ermutigen, und legt sich neben sie. Er verkündet, er wolle ihren Platz einnehmen, um den Tod zu überlisten. Judiths Zustand verbessert sich wie durch Geisterhand, doch Hamnet erkrankt schwer und stirbt 1596. Auf dem Sterbebett sieht er sich auf einer Bühne, ruft nach seiner Mutter, und Agnes’ Falke erscheint.William eilt nach Hause und ist verzweifelt, Hamnet dort ruhen zu sehen. Seine Abwesenheit belastet seine Ehe mit Agnes, während sie den Tod Hamnets verarbeiten. William kauft das größte Haus in Stratford und reist erneut nach London. Agnes hält seine Hand und sagt, sie sehe nun nichts mehr. William probt Hamlet in London, ist aber frustriert über die ausdruckslose Darbietung seiner Schauspieler. Verzweifelt beugt er sich über die Kante eines Stegs an der Themse und rezitiert seinen Monolog "Sein oder Nichtsein“ aus dem Stück.Agnes’ Stiefmutter Joan (Justine Mitchell) zeigt ihr ein Programmheft für eine Hamlet-Aufführung in London und tadelt sie für die Heirat mit William, doch Agnes weist sie zurecht. Agnes und Bartholomew reisen nach London, um William zu besuchen. Da sie ihn nicht zu Hause antreffen, beschließen sie, die Premiere von Hamlet im Globe Theatre zu besuchen. Zunächst ist sie empört, da sie glaubt, der Name ihres Sohnes werde entweiht. Als sie jedoch William als Geist von Hamlets Vater sieht, erkennt sie, dass das Stück eine Hommage an Hamlet ist, und ist von der Szene zwischen Hamlet und seinem Vater zu Tränen gerührt.Hinter der Bühne bemerkt William Agnes, bricht beim Zuhören in Tränen aus und kehrt von der Seite zurück, um sie zu sehen. Das Stück schreitet voran mit Szenen des Schwertkampfes und erfüllt Hamnets Traum von einer solchen Rolle. Während Hamlets Todesszene greift Agnes nach der Hand des Schauspielers (Noah Jupe), so wie sie Williams Hand bei ihrer ersten Begegnung gehalten hatte, und auch die anderen Zuschauer greifen nach ihm. Sie sieht Hamnet auf der Bühne, wie zuvor in seiner Sterbevision. Seine Trauer wandelt sich zu einem Lächeln, bevor er hinter der Bühne durch ein Loch verschwindet, das an eine Waldhöhle erinnert. Zum ersten Mal seit Hamnets Tod lacht und lächelt Agnes....










Sicherlich ein Meisterwerk seines Genres durch die emotionale Wucht und die aussergewöhnlichen Darstellerleistungen. Es ist ein grandioser Herzensbrecher - er erzählt eindrücklich wie Kunst vom Leben beeinflusst wird. In der Rolle der kleinen Agnes ist Faith Delaney zu sehen. Auch im Kino war "Hamnet" sehr erfolgreich - er spielte weltweit 108 Millionen Dollar ein. 










Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Mittwoch, 27. Oktober 2021

Nomadland


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Chloe Zhao

Die Reise...

Chloe Zhao ist die Regisseurin des ungewöhnlichen Roadmovies "Nomadland", der bei der Oscarverleihung 2021 als bester Film ausgezeichnet wurde. Die gebürtige Chinesin konnte sich auch in der Kategorie "Bester Film" durchsetzen und ist damit die 2. Frau nach Kathryn Bigelow für "Hurt Locker", die einen Sieg davontrug. Für die Hauptdarstellerin Frances McDormand wurde es ebenfalls ein riesiger Triumph, denn sie wurde zum dritten Mal (nach "Fargo" und "Three Billboards outside Ebbing, Missouri") als beste Schauspielerin mit einem Academy Award geehrt. Damit gehört sie zum erlauchten Kreis der weniger Schauspieler, die bereits mehr als zweimal diese begehrte Trophäe gewinnen konnte. Katherine Hepburn ist nach wie vor die am meisten dekorierte in den "Schauspielkategorien", sie gewann insgesamt vier Mal. Auf drei Siege kommen nur noch Walter Brennan, Jack Nicholson, Daniel Day Lewis und nun auch Frances McDormand.
Chloe Zhao ist eine Art Multitalent, denn sie hat diesen "Bilderfilm" geschrieben, mitproduziert und auch selbst geschnitten. Basierend auf dem Sachbuch "Nomadland: Surviving America in Twenty-First Century" von Jessica Bruder aus dem Jahr 2017 spielt McDormand eine im Lieferwagen lebende, arbeitende Nomadin, die ihr Zuhause verlassen hat, nachdem ihr Ehemann gestorben ist und nun auch noch die einzige Industrie in ihrer Heimatstadt "Empire" geschlossen hat. In dieser Geisterstadt, die nun auch keine eigene Postleitzahl mehr hat, hat das Leben aufgehört. "Nomadland" ist alles andere als ein Kommerzfilm, der Film strahlt von Anfang an eine besondere Atmosphäre aus, er wirkt meditativ und elegisch auf den Zuschauer. Freunde, die auf Handlung und Dramatik stehen, könnten vielleicht Mühe mit diesem ruhigen Film haben, denn er plätschert dahin wie ein ganz ruhiger Fluß. Für mich ein beeindruckendes Werk, in der die beiden Stimmungen "Verlust/Niedergang" und" Freude am Leben, Hoffnung"  nebeneinander bestehen und so die Geschichte schweben lässt.
Eine Reihe von echten Nomaden wurden für die Nebenrollen besetzt.
Fern hat die Sechzig inzwischen überschritten und den Job im Gipswerk verloren, denn es hat für immer geschlossen. Ihr Mann ist schon vor einiger Zeit verstorben. Die Frau verkauft ihr Hab und Gut und kauft sich von diesem Geld einen Van, um darin zu leben und das Land zu bereisen, immer auf der Suche nach Jobs. Im Winter nimmt sie einen Saisonjob in einem Amazon-fulfillment-Center an. Auch ihre Freundin Linda (Linda May) arbeitet dort. Linda macht Fern auf den Nomaden Bob Wells (Bob Wells) aufmerksam, der ein Treffen für Nomaden in Arizona organisiert hat. Wells leitet ein Unterstützungssystem für andere Nomaden und hilft Anderen, wo er kann. Fern scheint auch ganz zufrieden mit ihrem neuen Leben zu sein - einer Freundin, die es schlimm fand, dass sie nun obdachlos sei, entgegnete sie "das bin ich nicht, ich bin nur wohnungslos, das ist was anderes". Als moderne Nomadin führt sie jedoch ein Leben ausserhalb der gängigen Konventionen. Einer der anderen Nomaden ist David (David Strathairn), der sich für Fern interessiert...





Auf dieser Reise (der Weg ist das Ziel) lernt die Frau andere entwurzelte Menschen kennen, die ebenfalls keine Heimat mehr haben. Die kranke Swankie beispielweise, die nur noch wenige Monate zu leben hat oder den noch sehr jungen Derek, der mit dem Rucksack unterwegs ist. Kameramann Joshua James Richards fängt extrem gute Bilder von der Natur und der Landschaft ein, denn sie ist eng mit der Identität dieser Menschen verbunden, durch die Natur besteht die Möglichkeit einen neuen Platz im Leben zu finden. Es ist ein Zugang, den der moderne Mensch in all der Hektik und dem Stress sowie der immer weiter fortschreitenden Technisierung - vor allem in den Städten - verloren hat. Daher ist der Film nie destruktiv, er zeigt trotz des Verlustes der Heimat neue Felder der Hoffnung.
Der talentierten Filmemacherin ist ein tief-menschliches, authentisches Abbild einer Subgesellschaft gelungen, die plötzlich vor dem Ruin standen und für die im System kein Platz mehr bereitgestellt wurde.





Bewertung: 9 von 10 Punkten.